Warum stoppt Hitler alle antikapitalistischen Bestrebungen innerhalb der eigenen Partei nach 1933?

9 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Martin Bormann, damals Stabsleiter von Rudolf Heß und Verwalter des persönlichen Vermögens von Hitler, erfand und organisierte die "Adolf-Hitler-Spende der Deutschen Wirtschaft", wodurch Millionenbeträge flossen, über die Hitler persönlich und nach eigenem Gutdünken verfügen konnte. Hitler setzte diese Millionenbeträge gezielt dazu ein, seine persönliche Macht in und über den Parteiapparat zu festigen, vor allem über persönliche finanzielle Abhängigkeiten und großzügige Zuwendungen an seine nachgeordnete Führungsebene.

Damit waren natürlich ideologische und programmatische Positionen gegen den privaten Kapitalismus nicht mehr zeitgemäß. Antikapitalistisch und links war zb Goebbels in seinen Reden nur noch dann, wenn er gegen die britischen Plutokraten oder die jüdische Hochfinanz an der Wallstreet wetterte.

hi @nigragrollina   danke sehr für die Auszeichnung  :)

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Diese Bestrebungen wurden nicht erst nach 1933 gestoppt.

Schon 1928 gab es entsprechende Erläuterungen zum Parteiprogramm der NSDAP, die allen antikapitalistischen Missverständnissen vorbeugen sollten.
Es kam deshalb auch schon vor 1933 zu "sozialistischen" Abspaltungen
(z. B. Strasser-Flügel).

Lies auch mal die Rede Hitlers vor dem Industrieklub zu Düsseldorf aus dem Januar 1932.

Weil er 1933/34 die Unterstützung der bürgerlich-kapitalistischen Kräfte brauchte. Hitler stützte sich auf sie und die Reichswehr, als er die SA unter Röhm entmachtete. Die SA wollte mehr Revolution, Kampf gegen die alten Eliten und eine neue Wehrmacht aus den Reihen der SA. Hitler wusste, dass er die Kapitalkreise und die alte Reichswehr brauchte, um seinen Weltkrieg zu führen. 
Dass Hitler alle antikapitalistischen Aktionen stoppte, kann man nicht sagen. Die Vierjahrespläne schaute er bei Stalin ab und die Gängelung der Wirtschaft nahm immer mehr zu. 

Was die Entmachtung der SA betrifft, gibt es auch die Auffassung, daß hier der Kampf zweier miteinander konkurrierenden Gruppen von Banken und Industriekonzernen ausgetragen wurde.

http://kurt-gossweiler.de/?p=856

Buchtitel hierzu: Der Putsch, der keiner war von Kurt Gossweiler, PapyRossa-Verlag 2009. Der Verfasser starb 99-jährig im vergangenen Frühjahr.

http://d-nb.info/994328397

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