Warum stimmt die UNO nicht ab ob der Völkermord an den Armeniern einer war?

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5 Antworten

Eine solche "Abstimmung" macht keinen Sinn! Die Tatsache des Genzids an sich lässt sich nicht politisch festlegen, sondern nur historisch ermitteln, und die Historiker haben das getan.

Internationale Organisationen und viele Staaten, u. a. auch jüngst der deutsche Bundestag, haben entsprechend regiert und die historischen Erkenntnisse in ihre politischen Entscheidungen aufgenommen. Hier eine Übersicht:

Bewertung durch internationale Institutionen und Organisationen

UN-Menschenrechtskommission

Der 'Unterausschuss für die Verhütung von Diskriminierung und den Schutz von Minderheiten' der UN-Menschenrechtskommission
benannte die Ereignisse in einem am 29. August 1985 veröffentlichten
Bericht über Völkermordverbrechen als Genozid. In einem Zusatz wurde
notiert, dass einige Mitglieder des Unterausschusses Einwände dagegen
hatten, weil sie die Massaker an den Armeniern als nicht ausreichend
dokumentiert ansahen und bestimmte Beweismittel für gefälscht hielten.[197] Durch die Annahme des Berichtes durch diesen Unterausschuss der UNO gilt der Völkermord an den Armeniern gleichwohl als von der UNO anerkannt.[198][199][200]


Europäisches Parlament

Das Europäische Parlament (EP) hat mit den Beschlüssen vom 18. Juni 1987 und 15. November 2001 die Anerkennung des Völkermordes durch den heutigen türkischen Staat zu einer Voraussetzung des EU-Beitritts der Türkei erklärt und am 28. Februar 2002 in einem weiteren Beschluss die Türkei zur Einhaltung dieser Vorgabe gemahnt.[201]

Das EP war 1987 laut eigenen Angaben die erste größere internationale Organisation, die die Ereignisse im Jahr 1915 als Völkermord bezeichnet hat.[202]


Das EP hat am 15. April 2015, anlässlich des 100. Jahrestags des Völkermords an den Armeniern, eine Entschließung verabschiedet und die Türkei aufgefordert, den Völkermord als solchen anzuerkennen sowie ihre Bemühungen, einschließlich der Gewährung des Zugangs zu den Archiven, fortzusetzen. [203][...]

Permanentes Völkertribunal

Das Permanente Völkertribunal untersuchte im Jahre 1984 die Massaker an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs und urteilte, dass die Vernichtung der armenischen Bevölkerung durch Deportation und Massaker einen Genozid darstellt, und forderte die Vereinten Nationen sowie alle Mitgliedsstaaten dazu auf, den Völkermord an den Armeniern anzuerkennen. Das Urteil wurde von 13 Vertretern des Tribunals ausgesprochen, die sich Berichte verschiedener Rechtsexperten, aber auch Berichte von Historikern und Überlebenden des Genozids anhörten. Die Vertreter, bestehend aus Nobelpreisträgern und angesehenen internationalen Wissenschaftlern, untersuchten des Weiteren Archivmaterial.[206] Der unabhängige Prüfungsausschuss des Tribunals bezeichnete den Völkermord an den Armeniern als ein „internationales Verbrechen“ und urteilte, dass die jungtürkische Regierung die Schuld an diesem Völkermord trägt und der türkische Staat die Verantwortung dafür übernehmen und die Realität des Völkermords und die daraus resultierenden Schäden, welche das armenische Volk erlitten hat, offiziell anerkennen muss. Die Erklärung der im Oktober 1923 ausgerufenen Republik Türkei, sie sei zu der Zeit des Völkermords noch nicht existent gewesen, hält das Tribunal für nichtig.[207][208][209]

International Association of Genocide Scholars

Im Jahre 1997 hat die Internationale Vereinigung von Völkermordforschern einstimmig eine Resolution verabschiedet und die Massaker an über einer Million Armeniern 1915 im Osmanischen Reich als Genozid klassifiziert sowie die Leugnung seitens der türkischen Republik verurteilt. Im Jahre 2005 verfasste die Organisation einen Offenen Brief an den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und bekräftigte erneut, dass der Völkermord an den Armeniern von hunderten unabhängigen Völkermordforschern anerkannt wurde. Dort findet sich ein Hinweis auf die fehlende Unparteilichkeit von Forschern, die die türkische Regierung und das türkische Parlament beraten haben.[210] Im Jahre 2006 schrieb die Organisation einen weiteren Offenen Brief an jene Historiker, die der türkischen Position der Leugnung des Völkermords folgen, und bezeichnete diese Haltung als ein unverfrorenes Ignorieren überwältigenden historischen und wissenschaftlichen Beweismaterials und forderte ein Jahr später den US-Kongress dazu auf, den Völkermord offiziell anzuerkennen. Insgesamt veröffentlichte die Internationale Vereinigung von Völkermordforschern in den Jahren 1997 bis 2007 vier Resolutionen und Erklärungen, in denen der Völkermord an den Armeniern anerkannt wurde.[211][212][213]


Türkisch-Armenische Versöhnungskommission


Im Jahre 2001 wurde eine Türkisch-Armenische Versöhnungskommission
gegründet, die eine Förderung des Dialogs und der Verständigung
zwischen Armenien und der Türkei zum Ziel hatte. Die Kommission
beauftragte das International Center for Transitional Justice
(ICTJ) die Ereignisse von 1915 zu untersuchen. 2003 kam das ICTJ zu dem Ergebnis, dass die Ereignisse von 1915 alle Straftatbestände der UN-Genozidkonvention erfüllen.

Bewertungen außerhalb Armeniens und der Türkei


Seit 1965 haben etliche Staaten die durch den osmanischen Staat begangenen Deportationen und Massaker der Jahre 1915 bis 1917 offiziell als Genozid entsprechend der UN-Völkermordkonvention von 1948 anerkannt (u. a. Argentinien, Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Kanada, Libanon, Luxemburg, [216] die Niederlande, Österreich, [217] Russland, Schweden, [218] die Schweiz, die Slowakei, Uruguay und Zypern). [219] [220] [221]

[...]

Quelle:  https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord_an_den_Armeniern

MfG

Arnold

Weil das etwas ist, worüber entweder Historiker oder Gerichte zu entscheidne haben, nicht politische Gremien. Ein Völkermord ist ein Völkermord, weil er ein Völkermord ist. Es wird nicht durch eine Abstimmung dazu.

Darüber zu entscheiden ist so, als würde es eine Abstimmung darüber egeben, wann der Vesuv ausgebrochen ist.

Über Tatsachen kann man nicht abstimmen. 

latricolore 08.07.2017, 14:30

Easy as that. DH!

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voayager 08.07.2017, 14:57

eigentlich nicht, es sei denn etliche Staaten würden im Völkermord an den Armeniern keinen solchen sehen - wollen

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Weil die Uno andere, moderne Probleme hat.

Außerdem ist das Sache eines jeden Staates und nicht der Uno.

MMh, das wäre z.T. recht heikel, sämtliche NATO-Staaten würden ihr Veto einlegen, um nur ja nicht die Türkei zu verprellen.

ichmachsnurohne 08.07.2017, 14:18

Unsinn, du kennst dich überaupt nicht aus:) Frankreich als Veto-Staat hat das doch schon per Parlamentswahl festgelegt.

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Bitterkraut 08.07.2017, 14:26

als ob sämtliche Nato-Staaten Veto-Recht hätten. Du kennst dich wirklich nicht aus. 

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Bitterkraut 08.07.2017, 14:30
@Bitterkraut

Außerdem haben einige Nato-Staaten den Genozid bereits anerkannt, darunter Frankreich, Deutschland, Belgien, und einige andere.

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voayager 08.07.2017, 14:33
@Bitterkraut

nee umgekehrt, sonst wüßtest du, dass in der UNO bei Resolutionen die USA, oftmals auch Israel, ihr Veto dagegen einlegen. Was sagste nun?!

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Bitterkraut 08.07.2017, 14:51
@voayager

Du schreibst "sämtliche Natostaaten" von denen haben aber die wenigsten ein Vetorecht. Genau genommen nur die USA, das UK und Frankreich. Und Frankreich hat den Genozid anerkannt. 

Dass Israel ein Vetorecht hätte, ist mir neu.

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Bodesurry 08.07.2017, 14:51
@voayager

Oder Russland oder China. 

Israel als Nichtsicherheitsratsmitglied hat kein Vetorecht. 

Russland würde einer Armenien-Resolution fast mit Sicherheit nicht zustimmen. Dazu sind Putin und Erdogan im Moment zu gute Freunde. 

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voayager 08.07.2017, 14:53
@Bitterkraut

Ok, kein Veto, hast recht, aber ein Nein, das Recht hat jeder Staat, ich muß mich korrigieren. Letzeres war gemeint. Das Veto selbst würden die USA in einem solchen Fall einlagen, wenn die gesamte Völkergemeinschaft über Armenien in Sachen Genozid abstimmt.

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