warum sterben menschen an stromschlägen durch die normale 230V steckdosen?

14 Antworten

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Bei einem Stromunfall wird im Grunde ein Stromkreis vom Umspannwerk über den Außenleiter, den Körper des Verunfallten und schließlich über die Erde wieder zurück zum Umspannwerk geschlossen. Es gibt unzählige Faktoren, von denen abhängt, ob ein Stromunfall tödlich ausgeht oder nicht. Hier mal eine (äußerst) unvollständige Auflistung:

  • Hautwiderstand: Haut trocken/feucht, ...
  • Mehrere Übergangswiderstände:
    • Vom Leiter auf den Körper des Verunfallten, beeinflusst durch Größe der Fläche des Kontakts zwischen dem metallischen Leiter und der Haut des Verunfallten.
    • Vom Körper auf die Erde, beeinflusst durch das gesamte Material, das sich zwischen dem Körper des Verunfallten und der Erde befindet, also Schuhe, Bodenbelag, Betondecken, Erdreich, ...
    • Diverse Kapazitive und induktive "Blindwiderstände". Zwischen zwei Leitern besteht immer Kapazität, Dein Körper hat beispielsweise "Kapazität zum Erdreich" und jeder Leiter verfügt auch über eine Induktivität, dadurch bekommt der Widerstand eine komplexwertige Komponente, einen "Imaginärteil". Siehe "komplexe Zahlen" in der Mathematik.
  • Einwirkdauer: Je länger der Körper des Verunfallten vom Strom durchflossen wird, umso wahrscheinlicher ist ein tödlicher Ausgang, man kann Verkrampfen und "am Strom hängen bleiben" oder den Leiter nur kurz "touchieren", ein RCD/FI kann auslösen und den Außenleiter binnen Millisekunden spannungsfrei schalten, ...
  • Genaues "Timing": Wenn die Netzspannung ihren Scheitelpunkt erreicht, während sich Dein Sinusknoten (Nervengeflecht in Deinem Körper, das den Herzschlag steuert) gerade die aufsteigende T-Welle erzeugt, ist es viel wahrscheinlicher, dass Kammerflimmern (eine lebensgefährliche Herzrhythmusstörung) ausgelöst wird, als wenn die Netzspannung zu dem Zeitpunkt gerade ihren Nulldurchgang hat (sog. "R-auf-T-Phänomen").

Viele dieser Faktoren können Dir nicht bekannt sein, drum ist es sinnvoll, davon auszugehen, dass eine Berührung eines Außenleiters (ugspr. "Phase" genannt) tödlich sein wird, auch wenn das meist nicht der Fall sein wird. Das Risiko eines Stromunfalls ist vollkommen unkalkulierbar, deshalb ist es unbedingt zu vermeiden.

Ich hoffe das hat geholfen.

Schön aufgeführt. Nur das "Timing" könnte durch den Hinweis ergänzt werden, daß (abhängig von der Kontaktdauer) eine hohe Frequenz wie die der Netzspannung wenn auch evtl. nicht bei der ersten Schwingung, aber doch sehr schnell, diesen Punkt treffen könnte.

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@FredQ

Ja genau, das stimmt natürlich.

Wobei interessanterweise elektrische Spannung eher ungefährlicher wird, je höher die Frequenz ist. Der elektrische Strom nimmt ja Einfluss auf das Nervensystem und Neuronen "feuern" (geben ein Aktionspotential ab), wenn eine gewisse Anzahl an Ionen ihre Zellmembran durchquert haben. Je niedriger die Frequenz ist, desto länger werden die Ionen "in eine Richtung" bewegt und die Zelle "geladen", bevor die negative Halbwelle kommt und alles wieder ausgleicht. Außerdem treten bei Wechselstrom auch noch Wirbelstromeffekte auf, die dafür sorgen, dass bei steigender Frequenz immer mehr Energie in oberflächennahen Bereichen (also über die Haut) übertragen wird und immer weniger im Körperinneren. Und der Strom im Körperinneren ist ja gefährlich. An der Haut kann ja abgesehen von thermischen Schäden kaum etwas kaputt gehen.

Die "Boardspannung" in Flugzeugen hat eine Frequenz von 400 Hz, was unter anderem eben bewirken soll, dass es während des Fluges nicht zu gefährlichen Stromunfällen kommt. Ich persönlich hab mal eine Wechselspannung von 700 V eff. (also mehr als das Dreifache der europäischen Netzspannung) bei einer Frequenz von 112 kHz (also 2.240-fache Netzfrequenz) berührt und zwar "volle Kanne", sprich direkt beide Adern (Spannungsquelle war galvanisch getrennt, daher Erdschluss unmöglich). Solltest Du schnell loslassen, weil es sonst zu thermischen Schäden kommt, aber das interessante war, dass trotz der enormen Spannung quasi überhaupt keine Muskelreaktion entsteht. Ist trotzdem etwas unangenehm und ich würde es auch nicht unbedingt wiederholen wollen, man muss es ja schließlich nicht herausfordern. ;-)

Bei Frequenzen im MHz-Bereich kann man den menschlichen Körper in Reihe zu einer Leuchtstoffröhre schalten (bei Reihenschaltung ist der Strom durch alle "Verbraucher" gleich) ohne dass etwas passiert.

Zudem ist Gleichstrom (als Extremfall "Frequenz gleich Null") im Allgemeinen ja äußerst fatal. Ich habe mal gehört, man könnte sterben, wenn man stundenlang (!!) bei einer 9 V Batterie jeweils eine Batterieklemme mit der linken und eine Batterieklemme mit der rechten Hand berührt. Das klingt natürlich irgendwie ziemlich nach "Urban-Legend", aber wer weiß. Vielleicht löst sich ja tatsächlich alle paar Minuten (?!) mal ein Aktionspotential und über die lange Zeitspanne trifft es dann irgendwann mal die T-Welle. Ich will's lieber nicht ausprobieren. ;-)

Bei einer Wechselspannung der gleichen Größenordnung hingegen wäre ich mir ziemlich sicher, dass die auch über lange Zeiträume nicht gefährlich ist.

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Entscheidend sind u.a. die Dauer des Stromschlages (Anzahl der Nulldurchgänge), der Strom in Abhängigkeit vom Körperwiderstand wie auch der Weg des Stromes durch den Körper (rechte Hand: "günstig"; linke Hand: Gefahr von Herzstillstand). Dazu kommt die eigene körperliche Verfassung.

Jetzt habe ich mich allerdings gefragt: Hast Du Kontakte berührt, die mit dem Stromnetz verbunden waren oder die Kontakte eines losen Steckers? Bei letzterem wäre die Ursache ein geladener Netzkondensator im Gerät, der lediglich seine Ladung als Gleichspannung von 0-230V- über Deine Hand zwischen den Steckerkontakten entladen hat.

ist eindeutig nur von der dauer und von der strommenge die den körper durchströmt abhängig.ab 15mA durchströmung überschreitest die loslassgrenze,bedeutet du kannst mit eigenem willen nicht mehr weg und dann kommt die dauer der einwirkzeit dazu

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