Warum stellen sich so viele Philosophen gegen den Mainstream?

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Philosophieren bedeutet, über die Lebensverhältnisse und Lebensverhalten nachzudenken. Sich einen eigenen Standpunkt zu "erarbeiten". Das führt zu Einstellungen, die nicht unbedingt mit jeder Mode wechseln. Teils findet man bei Künstlern und philosophisch Angehauchten auch einen Tick des "Dagegenseins" als eine Art Selbstbestätigung in einer Sonderstellung. Akademische Philosophen, die in Unis an Projekten arbeiten, sind da mit wissenschaftlicher Forschungsarbeit meist längerfristig eingebunden und haben für solches Gehabe keine Zeit.

Im Moment besteht eher das Problem, den Mainstream zu definieren. "In" und "Out" wechseln so schnell, splitten sich in unterschiedliche Livestyles auf, dass sogenannte Trendscouts ihre liebe Mühe haben, hinterher zu kommen. Das ist inzwischen ein hochbezahlter Beruf. Man muss schon grobe Raster anlegen, um überhaupt noch einen Mainstream zu definieren. Wenn das dann darin mündet, dass die dem Mainstream folgenden alle erfolgreich sein wollen, auf Wohlstandssymbole Wert legen und überall zeigen wollen, wie wichtig sie sind: Mein Gott, dann war Cäsar Mainstream und Seneca auch. Gerade bei Seneca, dem großen Stoiker und Erzieher/Berater Neros kann man sensibel werden dafür, dass sein hohes Reden und sein Handeln nicht unbedingt deckungsgleich waren.

Wie immer treffend, kurz und informativ.

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"Akademische Philosophen" - das ist doch wohl schon ein Widerspruch in sich selbst. Zu denen hat Schopenhauer schon alles gesagt. Ich empfehle dazu auch das Buch 'Der Niedergang der Vernunft' von Joachim Jung, das sich mit dem üblichen Karrierismus an den Universitäten befaßt, den jeder, der einmal studiert hat, ja auch selbst erfahren hat. Wie soll da ernsthaftes Selberdenken möglich sein? Da wird Philosophiegeschichte gelehrt, nichts anderes.

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@helisua66

Aber die Geschichte der Philosophie stellt eine enorme Bereicherung dar. Nicht nur, dass man durch frühere Gedanken zum Denken angereizt wird, sondern auch, dass man sich mit bestimmten Richtungen oder Gleichgesinnten orientieren kann - und das ist ein wahnsinnig belebendes Gefühl. Natürlich kann es dabei aber den Wert des Selbstdenkens nicht erreichen.

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@helisua66

@helisua66 Gut erkannt.

Wer Seneca als Philosophen betrachtet, hat von einem Philosophen ein falsches Bild.

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" Wenn das dann darin mündet, dass die dem Mainstream folgenden alle erfolgreich sein wollen, auf Wohlstandssymbole Wert legen und überall zeigen wollen, wie wichtig sie sind ... "

Ich denke, dass diese Attribute wahrhaftig dem Mainstream angehören. Eigentlich denke ich sogar, dass fast ein jeder sie als Ziel hat. Nur versteht ebenso ein jeder ihre Inhalte für sich anders. Was heißt Erfolg? Ein Ghettokind wird es wohl als Erfolg ansehen, später mal nen eigenen Laden zu führen. Der Kapitalist sieht in möglichst hohen Positionen Erfolg und der Philosoph möglicherweise darin, die Welt möglichst gut verstehen zu können.

Wohlstandsymbol des Ghettokinds: ein möglichst dickes Auto und ein iPhone. Des Kapitalisten das Geld an sich möglichst im Überfluss zu besitzen. Des Philosophen eine große Sammlung an Weltliteratur.

Das Gefühl, wichtig zu sein, hat das Ghettokind wohl wenn es in Familie und Freundschaftskreisen das Sagen hat oder besonders beliebt ist. Der Kapitalist erhält es erst durch seine Position und seine Zur-Schau-Stellung des Kapitals in überteuerten Objekten aller Art. Und der Philosoph... ich denke mal viele wünschen sich, dass ihre Texte gelesen werden, aber oft legen sie auf Popularität eher wniger Wert; wohl auch deshalb weil die Aussichten darauf meist gering sind.

Was ich sagen will ist nur, dass die Menschen in vielen Dingen ein gleiches Strebensverhalten besitzen. Nur nach was sie genau streben liegt in ihrem Stereotyp.

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@MaNic22

Der "Mainstream" ist die Richtung, wohin die Herde blökt, weil ein Leithammel dahin rennt. Das muss aber nicht der Klügste sein.

Philosophen denken über Sinn und Zweck der 'Wege' nach und korrigieren die Dummheit der Leithammel. Solange die Welt also nicht ideal ist, muss es Denker geben, welche die Massenbewegung der Lemminge aufzuhalten versuchen...

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Weil sie nicht wie der Name schon sagt, der Masse folgen und selbstdenkend handeln. Künstler und Philosophen haben da was gemeinsam. Viele, mit eigener Meinung und neuen Ideen, Kreativität und Inspirationen werden oft skeptisch beäugt. Aber auch so mancher Künstler hat eine Welle oder einen Trend über die Menschheit gebracht.... Also Texte von Philosophen erst mal lesen bevor man Vorurteile hat. Nicht immer ist das was die Masse mag gut, schön oder sinnvoll.

Künstler und Philosophen sind von ihrer Tätigkeit und ihrer Persönlichkeitsstruktur ziemlich gegensätzlich. Philosophen sind wie Wissenschafter nüchtern und der Erforschung und Analyse zugewandt. Kannst einen Philosophen vorstellen, der tanzt, Farben schmiert, mit der Hand arbeitet? Künstler tendieren psychologisch zu Instabilität und Neurose, das ist experimentell nachgewiesen. Deshalb ihre gesellschaftskritische Haltung.

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@Tigrillo

Guter Kommentar, zweiterem kann ich nicht ganz zustimmen.

Philosophen (Sokrates, Laotze) liebten es, mit den Händen (Handwerklich) zu arbeiten, hilft es uns doch vom oft zerstörerischen "nur" denken (Analysieren), Abstand zu bekommen. Was du wahrscheinlich meinst sind Philosophierende (Seneca, Einstein). Künstler dagegen verstehen sich und ihre Lebensweise und die daraus resultierende Handlung als Gesellschaftkritsche Philosophie, Da sie irgend wann selber merken das sie keine wirklichen Philosophen sind, entwickeln viele eine Instabilität und Neurosen.

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Weil sich Bücher ohne Originalität nicht verkaufen lassen.

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