Warum steht in Wien eine Schiller- und eine Göthestatue?

9 Antworten

Ich würde das entspannt sehen. Wir (und da fasse ich mal Deutsche/Schweizer/Österreicher zusammen) gehören ja alle zum deutschsprachigen Kulturraum. Dass wir nun mal verschiedene Regierungen haben, sollte uns ja nicht trennen (auf der persönlichen Ebene).

Für mich gehören auch Leute wie Mozart (geboren in Salzburg) und Bruckner (geboren in Ansfelden/Oberösterreich) zu "meinem" Kulturraum (auch wenn es sich heute natürlich um ein anderes politisches Gebilde handelt als Deutschland). Ich wohne in Süddeutschland.

Und dass (in der anderen Richtung) Wiener auch Schiller und Goethe zu ihrem Kulturraum hinzu rechnen, ist meiner Ansicht nach auch völlig in Ordnung.

Zudem waren früher die politischen Verhältnisse auch anders als heute. Mozart war ursprünglich Salzburger, und sein Landesherr war der Fürstbischof von Salzburg. Er siedelte nach Wien um, und damit verließ er sein "Heimatland", in Wien waren die Habsburger maßgeblich. Ein geeintes Österreich im heutigen Sinne entstand erst später.

Und auch in Deutschland gab es viele kleinere Gebiete, die erst spät zu einem gemeinsamen Deutschland geeint wurden. Und (wenn man es mal rein dialektal betrachtet): die Schwaben haben in dieser Betrachtungsweise mehr mit den deutschsprachigen Schweizern zu tun als mit Norddeutschen; und die Bayern mehr mit den Österreichern als mit Norddeutschen. Womit keine Wertung verbunden sein sollte. 

Die Wiener sind Österreicher. Aber sowohl Schiller wie auch Goethe sind nun mal große Dichter der deutschen  Sprache und auch die Österreicher sprechen Deutsch.

Und zu Zeiten Mozarts gab es die Nationalstaaten Deutschland und Österreich noch nicht. Deutschland und Österreich waren relativ lose im Römischen Kaiserreich dt. Nation vereint. Also konnte sich Mozart als Deutscher fühlen. Ich nehme an, dass sich nicht mal Kaiser Franzl als Österreicher gefühlt hatte. Er wäre wohl entrüstet gewesen und hätte gesagt: "Und was ist mit Ungarn, Kroatien, Böhmen, Norditalien. Unerhört."

Und wenn dein Vater meint, dass die Österreicher Deutsche sind, dann ist er 1938 stehen geblieben. Sie sind natürlich keine Deutsche. Sogar Adolf musste die dt. Staatsbürgerschaft annehmen.

Ungeachtet der Frage, ob Österreicher heute noch Deutsche sind oder nicht bzw. ggf. seit wann nicht mehr, gehörte Wien zu Lebzeiten Goethes und Schillers zu Deutschland (noch genauer gesagt: zum deutschen Reichsteil des SRI bzw. zum Deutschen Bund, dessen Präsidium es führte).

Und maßgeblich für Fragen wie die von Ihnen gestellte sind ja nicht die heutigen territorialen Verhältnisse, sondern die zu Lebzeiten der in Rede stehenden Personen. So gilt z.B. I. Kant auch heute noch als Deutscher und nicht als Russe.

Und so ist es verständlich, daß in Wien zumindest bis 1866 bzw. 1945 Statuen von Persönlichkeiten aus dem gesamten damaligen Deutschland errichtet wurden.

Darüber hinaus kann man natürlich auch Persönlichkeiten anderer Nationalität durch Denkmäler ehren, wenn sie sich besondere Verdienste (künstlerisch, naturwissenschaftlich oder politisch etc.) erworben haben; so werden z.B. Ch. de Gaulle oder R. Schuman (nicht: Schumann) länderübergreifend geehrt.

Kleine Korrektur: Natürlich führte nicht Wien den Bundesvorsitz, sondern Österreich.

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