Warum spricht sich der Utilitarismus für die Präimplantationsdiagnostik aus?

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1 Antwort

Um es nochmal zu unterstreichen: Peter Singer ist nicht DER UTILITARISMUS! Philosophen, die man in die Schublade Utilitarismus steckt, gibt es seit gut 250 Jahren! Was z.B. Jeremy Bentham über die PID gedacht hat, wissen wir nicht, weil es das zu seiner Zeit noch nicht gab. Der Utilitarismus ist keine Schablone! Das Gemeinsame aller, die zum Utilitarismus gezählt werden, ist ihre Überzeugung, dass die Menschen als freie Bürger für sich und die Regelungen ihres gemeinschaftlichen Miteinanders selbst verantwortlich sind, das selbst demokratisch regeln müssen und kein Gott oder eine abstrakte Vernunft Vorgaben gemacht hat, die auserwählte Herrschaften willkürlich interpretieren. Ansonsten muss jeder unter der Prämisse selbst nachdenken, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt zwischen den Rechten des Individuums und den Rechten der Gemeinschaft. Anders als hin und wieder dargestellt sind Utilitaristen keine Egoisten.

Singer ist Australier und lehnt es ab, die deutschen, historisch durch Missbrauch im 3. Reich bedingten Ängste zu akzeptieren. Die PID ist teil des Verfahrens, kinderlosen Paaren ein eigenes Kind zu ermöglichen. Da es mit der PID möglich ist, nicht lebensfähige Vereinigungen erst gar nicht in die Gebährmutter einzupflanzen, ist es vernünftig die Auswahl zu treffen. Das Problem ist die Definition, ab wann wir von einem Menschen mit Menschenrechten sprechen. Alle Länder um uns, die die PID erlauben, sind der Meinung, dass das in diesem frühen Stadium nicht möglich sei.

Die Gründe, warum Behinderte diskriminiert werden, sind vielfältiger Natur. Die extrem selten angewandte PID betrifft nur die Eltern, die aus medizinischen Gründen selbst keine Kinder bekommen können und ihren Kinderwunsch unbedingt realisieren wollen. Das berührt das öffentliche Bewusstsein kaum anders als z.B. die Werbung, die uns ständig perfekte und schöne Menschen in einer heilen Welt vorgaukelt. Die PID hat nichts mit Menschenzucht zu tun! Die ist meines Wissens nirgendwo zugelassen und meines Wissens auch nicht möglich. Aber ich will nicht abstreiten, dass es in ferner Zukunft Intelligenztests für männliche Spermien gibt, denn ein intelligenter Spender ist keine Gewähr für intelligente Spermien.

Hallo, Lottilein1998, was Du gerade tust, ist utilitaristisch. Du stützt Deine Argumente auf keine religiösen oder ideologischen Vorgaben, sondern Du willst die Vor- und Nachteile ausdiskutieren, den besten Weg finden. Wie es aussieht, sind Dir auch Gemeinschaftswerte wichtig, nicht nur die individuellen Vorteile. Alles das entspricht den Grundintensionen der Utilitaristen. Dabei kann durchaus offen sein, zu welchem Ergebnis man nach ausführlicher Diskussion kommt.

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Kommentar von Lottilein1998
07.01.2016, 20:36

Vielen Dank! Ich bin auch der Meinung, dass Menschenzucht nicht wirklich relevant ist für das Thema, da es nur eine Vermutung ist und die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt für mich relative gering ist. Ich finde das problem am Utilitarismus ist, dass immer gesagt wird, welche Folge die Entscheidung für alle beteiligten bringt. In diesem Fall werde ich mich auf die Familie beschränken, also das unmittelbare Umfeld. Nun muss ich das ganze Thema auch noch auf die deontologische Ethik beziehen nach Kant. Was würden Sie dazu sagen? auch hier ist ja wieder die Frage ab wann der Embryo eine Personein Mensch ist. wie genau kann man darauf die Maxime anwenden? es wäre sehr nett wenn sie mir hier auch noch weiterhelfen könnten.

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