Warum spricht er nicht mit mir über seine Trauer?

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4 Antworten

Hallo Kittylein,

deine Geschichte erinnert mich in groben Zügen an meine Geschichte. Ist nur leicht anders. Ein ehemaliger Kollege, er ist Witwer. Auch dessen Kinder leben in einer anderen Stadt, er telefoniert mit ihnen, besucht sie. Ich habe seit etwa 6 Wochen etwas besseren Kontakt zu ihm, kannte seine Frau nur flüchtig. (Nicht, dass es sich um den gleichen Mann handelt?) Sie waren 36 Jahre verheiratet, Frau starb innerhalb von gut 2 Monaten an Krebs.

Dein Freund wird in seinem Tempo die Vergangenheit verarbeiten. Sie wird immer häppchenweise ans Tageslicht kommen. Das ist bei W auch der Fall. Ich bin ihm eine gute Zuhörerin. Dass sich was bei ihn verändert hat, sehe ich. Dass schon alles gut ist, bezweifle  ich, denn sein Haus (spitzenmäßig ordentlich, allerdings seelenlos) und der Garten (Wildwuchs und unaufgeräumt) sprechen eine deutliche Sprache. Das Haus = sein Selbst, ist aufgeräumt aber seelenlos/ nichts mit schmückendem Beiwerk. Der Garten = sein Leben.

Er ist jetzt mit dem Garten angefangen.

Wenn du Tipps brauchst: bin dir gerne behilflich. LG 

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Kommentar von Kittylein16
19.07.2016, 07:46

Ja Tipps erwünscht. Ich schicke eine FA. Wir brauchen noch Zeit. Er ist es nicht. Sein Haus ist ein Chaos. So sieht wohl auch seine Seele aus, dachte ich als ich es sah. Wie bei Junggesellen. Schrecklich nüchtern. Ich erobere ihn und ziehe dann mit viel Blumen ein. Und ganz viel Deko und Kerzen. Ihr seid weiter. Ich kannte sie nicht.

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Mit Trauer geht jeder anders um. Und gerade Männer versuchen häufig, so etwas mit sich selbst auszumachen und fressen es in sich hinein. Gefühle, Trauer zu zeigen gilt oft als Schwäche und "Mann" will ja stark sein.

Versuche ihn jedenfalls nicht zu drängen, aber lasse ihn - beiläufig - wissen, dass du für ihn da bist und er reden kann, wenn er dazu bereit ist.

Ich denke auch, dass er größere Gefühle für dich hat, als er vor sich selbst zugeben will. Wahrscheinlich denkt er, dass er seine Frau damit verraten würde. Das braucht Zeit. Viel Zeit. Vielleicht zu viel Zeit - für dich.

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Kommentar von Kittylein16
19.07.2016, 15:46

Nein, nicht zu viel Zeit. Wir sind beide christlich und ich denke, Gott will, daß wir es schaffen. Er behandelt mich sehr gut. Ist für mich da, wenn ich ihn brauche. Wenn ich traurig bin fange ich an zu beten um zur Ruhe zu kommen. Ich mache grad eine schwere Zeit durch und er hat sofort gesagt er geht mit mir den Weg. (Hat jetzt nichts mit ihm zu tun). Es ist anders mit ihm als vorher mit anderen Männern. Tiefer, besser, lustiger. Bin froh über die ganzen Antworten hier. Ich kann nämlich sonst nicht drüber sprechen, weil sie sonst reden. Sie denken er ist geschieden. Haben sie erfunden, weil er nicht redet. Menschen sind bescheuert. Es gibt sogar Geschichten über das schlechte Verhältnisse zu seiner angeblichen Ex. 

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Trauer ist eine der intensivsten und schmerzhaftesten gefühlsmässigen Belastungen und der Trauerprozess sehr individuell
(einige bleiben in der gewohnten Umgebung/Haus/Wohnung, andere ziehen um/weg, die einen reden sehr offen darüber, andere verarbeiten es eher schweigend resp. sprechen nur mit denjenigen, die die verstorbene Person auch kannten, schreiben/komponieren (was er ja tat) ...).
Hier gibt es kein allgemeingültiges Verhalten und man soll nie mit eigenen Massstäben messen.

Da seine Kinder in anderen Städten leben nehme ich an, dass sie schon erwachsen sind, die Ehe dauerte also entsprechend lange... und Du bist ja nicht die einzige, mit der er nicht darüber spricht.
Unabhängig ob Freundschaft oder (beginnender) Partnerschaft - respektiere seine Art mit seiner Trauer umzugehen - wenn, dann wird er von sich aus darüber sprechen.

Allenfalls könntest Du ihm konkret sagen, wenn Dich etwas an seinem Verhalten sehr irritiert / stört oder auch freut (sofern Du dies nicht eh schon tatest) - vielleicht erzählt er dann ein bisschen (oder eben auch nicht).
Ich weiss er ist abgedroschen, aber - Zeit heilt alle Wunden (egal wie lange es dauert).

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Es ist bestimmt unerträglich für dich, deinen Freund so sehen zu müssen. Ich weiß nicht ob du dich je getraut hast, bei einem Gespräch anzudeuten und zu versuchen ein wenig mehr über seine Depression zu erfahren. Es ist sehr schwierig bei Menschen, die sich der Trauer nicht hingeben und alles in sich hineinfressen eine Besserung hervorzurufen. Eigentlich wäre das beste für ihn eine psychiatrische Behandlung in der er über seine Probleme redet und ihm auch gezielt geholfen werden kann. Das wäre aber wahrscheinlich das letzte was er machen wollte und das letzte was du ihm vorschlagen möchtest. Ich würde versuchen, ihn zu motivieren mit ihm über Probleme zu sprechen. Biete ihm das immer wieder an, auch wenn er immer wieder verneint und blockt. So weiß er wenigstens unterbewusst, dass er im Notfall nicht alleine ist und wenn nichts mehr bei ihm geht er einen Zufluchtsort bei dir findet. So etwas kann Menschen ungemein helfen, ist aber für dich natürlich sehr kräftezehrend. Leider bringt enormer Druck gar nichts, da er sich höchstwahrscheinlich von dir abwenden würde. Gib ihm die Zeit und die Liebe und er wird hoffentlich irgendwann mal seine Gefühle zulassen können. Viel Glück.

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Kommentar von Kittylein16
19.07.2016, 06:14

Ich habe ihn einmal drauf angesprochen und er blockte total ab. Danach nie wieder. Ich lasse ihm die Zeit, die er braucht.

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