Warum sollten Kinder nicht religiös erzogen werden?

18 Antworten

Warum sollten Kinder nicht religiös erzogen werden ?

Ich bin froh, dass meine Eltern mich nicht religiös erzogen hatten, sondern die freie Wahl ließen, ob ich mich einer Religion anschließen möchte, oder nicht. Ich wurde zwar evangelisch getauft, aber damit hatte es sich auch. Später, als ich mich selbst entscheiden konnte (nicht erst als ich 14 Jahre alt und damit religionsmündig war, sondern ich glaube, ich ging irgendwann im Alter von 10 bis 12 Jahren aus eigener Entscheidung zur örtlichen evangelischen Gemeinde). Mein persönlicher Glaube wurde dabei nur insofern beeinflusst, dass ich diesen besser zu verstehen lernte, aber in der „jungen Gemeinde“, als wir vermehrt in der Bibel lasen, erkannte ich, dass mein persönlicher Glaube mehr den Verheißungen der Bibel entsprach, als dem, was Lehre entsprechend der evangelischen Kirche durch Interpretationen der eigenen Bibelübersetzung daraus gemacht wurde.

Nach meinem Verständnis prägt man Kindern durch eine religiöse Erziehung eine entsprechende Gesinnung auf, oder versucht es zumindest. Entweder es gelingt, und man drängt den Kindern ein Glaubenskonstrukt auf, was ihren eigenen ganz persönlichen Glauben verdrängen soll, oder diese Erziehung führt zu einem Gegenteil, dass das betreffende Kind im schlimmsten Fall in seinem ganzen Leben nie wieder etwas mit irgend einer Religion zu tun haben will.

Wie auch immer: Ich halte eine religiöse Erziehung oder überhaupt die Einmischung der Eltern in den persönlichen Glauben ihres/r Kindes/r für unethisch, ja sogar verwerflich. Die Eltern sollten die Entscheidungsfreiheit auch bei ihren Kindern zu schätzen wissen und ihnen diese Wahl einräumen.

Was ich bei meinen Eltern hoch einschätze ist, dass sie nicht nur die freie Wahl gelassen haben, ob und welcher Religion ich mich anschließen möchte, sondern auch dass sie mich dahingehend nie beeinflusst haben - weder für noch gegen Religion. Einzig der Besuch in der Kirche am Heiligabend war eine Tradition in unserer Familie, soweit ich mich entsinnen kann. Damals allerdings bei den Großeltern meiner Mutter.

Ich weiß, dass ich, sollte ich selbst einmal Kinder haben, dies ebenso handhaben werde. Ich werde auch, sollten diese meine Kinder an eine Schule kommen, in welcher Religion gelehrt wird, die Entscheidung meiner Kinder als maßgeblich unterstützen, ob sie sich für Religion oder Ethik mehr interessieren, auch wenn sie sich irgendwann anders entscheiden. Ich glaube auch, dass es keine Erbsünde gibt und darüber hinaus, dass jeder Mensch allein für seine eigenen Fehler verantwortlich ist, sofern er das notwendige Verständnis von Recht und Unrecht erlangt hat. Sofern dieses Verständnis noch nicht erlangt wurde, sei es aus Altersgründen oder aufgrund einer geistigen Einschränkung, ist ein entsprechender Mensch unschuldig und hat die Verheißung auf das ewige Leben, ohne das das Sühnopfer Christi eine erlösende Wirkung zu haben braucht, denn wie Christus der Bibel nach lehrte,sind Kinder im Himmelreich die Größten.

Ich halte eine religiöse Erziehung oder überhaupt die Einmischung der Eltern in den persönlichen Glauben ihres/r Kindes/r für unethisch, ja sogar verwerflich. Die Eltern sollten die Entscheidungsfreiheit auch bei ihren Kindern zu schätzen wissen und ihnen diese Wahl einräumen.

Ein klares "Ja" zur Entscheidungsfreiheit! Religion darf niemals Zwang sein, auch nicht Zuhause. Dennoch halte ich eine religiöse Erziehung keineswegs für verwerflich, solange sie nicht zu viel Druck oder gar Zwang ausübt. Die Kinder können sich nicht für etwas entscheiden, über das sie gar nichts wissen, eine wirkliche Wahl haben sie also gar nicht, wenn sie nicht religiös erzogen werden.

Es ist auch eher eine neumodische Erscheinung, dass Religion als ein Tabu-Thema bzw. als ein so persönliches Thema gesehen wird, dass darüber kaum gesprochen wird. Ein gläubiger Christ hat meiner Meinung nach sogar die Verpflichtung, seinen Glauben Zuhause zu leben und auch mitzuteilen - natürlich wie immer ohne Zwang und mit allem Respekt für die Entscheidungsfreiheit.

In der Bibel gibt es zudem einige Schriftstellen, die Eltern den Auftrag geben, ihre Kinder in der Religion zu unterweisen, ein paar Beispiele: 5. Mose 4:9-10; 6:6-7; 31:12-13; 32:46-47; Epheser 6:4; Sprichwörter 22:6, ...

5. Mose 6:6-7: "Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen. Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst."

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@Quietsche

Die Kinder können sich nicht für etwas entscheiden, über das sie gar nichts wissen, eine wirkliche Wahl haben sie also gar nicht, wenn sie nicht religiös erzogen werden.

Das sehe ich anders. Ich habe mich als Kind aus eigenem Glauben heraus entschieden, daran zu glauben, dass es mehr gibt, als allein an Offensichtlichem in der Welt erkennbar ist. Darüber hinaus war es für mich interessant, dass es Familientradition ist, immer an Weihnachten in die evangelische Kirche zu gehen. Dadurch war diese meine erste Anlaufstelle. Später erkannte ich, dass die Bibel mehr meinem persönlichen Glauben entspricht, als die evangelische Kirche von dem Evangelium ihrer eigenen Bibel vertritt.

Im Gegensatz zu den Möglichkeiten in meiner Kindheit, kann man sich heute über nahezu jede Religion im Internet informieren, sowohl in Bezug auf die Argumente für eine jeweilige Religion, als auch gegen dieselbe.

Wenn man das notwendige Wissen hat, wie man mit den gegebenen Möglichkeiten nutzen kann, kann man auch ohne religiöse Erziehung durchaus zum Glauben finden - und das zu einem, der dem eigenen Glauben wirklich möglichst nahe kommt, anstatt dass dieser persönliche Glaube durch Indoktrination geprägt wird.

Ich weiß, dass ich, auch wenn ich irgendwann Vater bin, so oft wie möglich in die Kirche gehe, aber auch meinen Kindern immer ein liebevolles Zuhause bieten will. Wenn sich aber die Kinder nicht für Religion oder auch für eine andere Religion interessieren, dann werde ich dies ebenso respektieren und akzeptieren, wie wenn sie sich eines Tages anders entscheiden. Ein liebevolles Zuhause ist auch ohne Religion möglich, egal um welche es sich handelt.

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@JTKirk2000

Die weihnachtliche Familientradition war dann ja auch schon gewissermaßen eine religiöse Erziehung. Diese fand zwar nur einmal im Jahr statt, aber sie hat dich dann ja schon beeinflusst. Wärt ihr einmal im Jahr in eine andere Kirche gegangen oder in eine Moschee oder Synagoge oder hättet ihr euch von jeder Religion komplett distanziert, dann hättest du keine oder eine andere erste Anlaufstelle gehabt und wärst vielleicht (!) heute woanders gelandet.

Ich finde es bemerkenswert, dass bei dir das Interesse aus dir selber kam und du die Bibel gelesen hast. So sollte es sein, der Glaube ist sowieso etwas persönliches, was einem niemand anders geben oder aufzwingen kann, sondern jeder für sich selbst entdecken und entwickeln muss. Und ich stimme dir natürlich zu, dass auch ein liebevolles Zuhause ohne Religion möglich ist! Genauso wie leider auch ein religiöses Zuhause ohne Liebe möglich ist ...

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@Quietsche

Die weihnachtliche Familientradition war dann ja auch schon gewissermaßen eine religiöse Erziehung. 

Aber auch wirklich nur gewissermaßen.

Diese fand zwar nur einmal im Jahr statt, aber sie hat dich dann ja schon beeinflusst. Wärt ihr einmal im Jahr in eine andere Kirche gegangen oder in eine Moschee oder Synagoge oder hättet ihr euch von jeder Religion komplett distanziert, dann hättest du keine oder eine andere erste Anlaufstelle gehabt und wärst vielleicht (!) heute woanders gelandet.

Vielleicht. Interessant daran ist aber auch, dass ich zwar die ersten Jahre zur evangelischen Kirche gegangen bin - auch noch 1 oder 2 Jahre nach der Konfirmation, aber dann erkannte, dass die Bibel meinem persönlichen Glauben wesentlich eher entspricht, als die Lehre der evangelischen Kirche. Daher wurde ich in dieser Kirche inaktiv. Schließlich fand ich zu einer anderen Kirche, die meinem persönlichen Glauben wesentlich besser entspricht. Dieser bin ich dann auch beigetreten.

Ich finde es bemerkenswert, dass bei dir das Interesse aus dir selber kam und du die Bibel gelesen hast.

Nun ja, einen Unterschied habe ich gegenüber meinen Eltern: Ich habe eine Bibel zuhause. Sollte ich irgendwann Kinder haben, brauchen sie nicht erst einer Kirche beitreten oder sich für eine solche entscheiden, um die Gelegenheit zu haben, in der Bibel zu lesen, sofern sie es wollen. Diese Möglichkeit hatte ich in meiner Kindheit unabhängig vom Besuch einer Kirche nicht.

Und ich stimme dir natürlich zu, dass auch ein liebevolles Zuhause ohne Religion möglich ist! Genauso wie leider auch ein religiöses Zuhause ohne Liebe möglich ist ...

In der Tat.

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Ich finde religiöse Erziehung nicht mal als Misshandlung, sondern eher als unnötig. Was soll sie bringen?

Ich kann meine Kinder auch ohne religion oder gott, Toleranz, Werte, und Verstand beibringen, wozu muss ich sie dann noch geistig einschränken. Außerdem möchte ich ja auch nicht das sie denken, das da oben jemand sitzt und immer guckt, das ist glaube ich nicht unbedingt fördernd. Und wenn ich sie religös erziehen würde, müsste ich ja auch sagen das viel Sünde ist, wie Harry Potter lesen, sich selbst befriedigen oder homosexuell werden, und das ist mit meinem Weltbild nun wirklich nicht vereinbar. Ich will ja keine fundamentalisten und geistig schwache Kinder groß ziehen.  

Wenn Sie alt genug sind können sie  ja ihrem Weg gehen, würde mich dann. Ziemlich egal sein, ist ja Ihr Leben. Aber es wäre schon schön, wenn sie ihren von der Aufklärung bekommenen Verstand einserzten würden. 

Meiner persönlichen Meinung nach sind die verschiedenen Religionen schlichtweg zu intolerant. Ich mlchte nicht, dass mein Kind irgendwann Homosexuelle, Frauen oder "andersartige" Lebensformen verachtet. Wenn es eine Religion für sich "entdeckt", werde ich ihr nicht im Weg stehen, sobdern mich gemeinsam mit ihr mit den Inhalten beschäftigen, aber bis es soweit ist, werde ich alles dafür tun, dass sie ein toleranter, einfühlsamer und gutherziger Mensch wird, der aber auch kritisch hinterfragt.

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