Warum sollte man heute in der Schule noch Latein oder Alt-Griechisch lernen?

17 Antworten

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Zu meiner Zeit am Gymnasium musste man in der 5. Klasse die erste Fremdsprache, in der 7. Klasse die zweite Fremdsprache in Angriff nehmen. Mittlerweile folgt die zweite Fremdsprache allerdings schon in der 6. Klasse, das hat man vor wenigen Jahren geändert (zumindest hier in Bayern). Ich habe übrigens mit Latein angefangen, Englisch folgte als zweite Fremdsprache ab der 7. Klasse.

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Diese Vorgehensweise würde ich jedem raten, weil Latein die perfekte Basis für alle weiteren Sprachen ist. Ich meine das nicht nur in Bezug auf Fremdwörter oder Grammatik (wo der Nutzen auch schon groß ist), sondern vor allem in Bezug auf die Struktur einer Sprache.

Kaum eine Sprache ist dermaßen logisch aufgebaut wie Latein. Hat man die nötigen Deklinationen und Konjugationen verinnerlicht, wird man jede weitere Sprache sehr viel einfacher lernen können. Präpositionen, Adverbien, Verbalsubstantive, Partizipen, indirekte Fragen, komplexe Satzkonstruktionen - all das übt und lernt man in Latein und all das ist für jede Sprache anwendbar. Wer kein Latein hatte, wird sich selbst in seiner Muttersprache schwer tun, die grammatikalischen Erscheinungen bestimmen geschweige denn anwenden zu können. Ein Dozent von mir betont: "Jede gute Lateinstunde ist auch eine gute Deutschstunde." Recht hat er!

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Beim Erlernen von romanischen Sprachen hilft Latein natürlich nicht nur aufgrund der logischen Sprachstruktur, sondern auch aufgrund vieler Fremdwörter. Wer weiß schon, dass z.B. Dom, Straße, Konkurrenz, Präsenz, Konstitution, Instrument, Dokument und viele weitere deutsche Wörter lateinischen Ursprungs sind? Aber auch library, conquest, fertile, imitate, imagination und viele weitere englische Wörter lateinischen Ursprungs sind? Wörter lernen ist so einfach, wenn man ihren in dem Fall lateinischen Ursprung kennt. Einmal gesehen - für immer gespeichert!

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Wofür benötigt man Latein? Nicht für Jura, nicht für Medizin - aber für das Studium der Theologie, für das Studium einiger Sprachwissenschaften, für das Studium der Geschichtswissenschaften oder der Archäologie. Wer denkt schon daran, dass fast alle Quellen bis in das späte Mittelalter lateinisch geschrieben stehen? Wer gut Latein kann, hat da große Vorteile und muss sich nicht mit Übersetzungen herumschlagen.

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Altgriechisch ist ähnlich wie Latein einzustufen, nur dass der Nutzen geringer ausfällt. Auch hier gibt es viele Fremdwörter, viele Übereinstimmungen in der Grammatik, besonders zu Latein. Aber ich denke, Latein genügt in der Regel als antike Sprache für das Gymnasium, denn viele Schüler wird es eher in wirtschaftliche Berufe ziehen, so dass moderne Fremdsprachenkenntnisse nicht zu vernachlässigen sind. Ich muss Altgriechisch derzeit an der Uni nachholen, weil ich es in der Schule nicht belegen konnte, aber für mein Lateinstudium benötige.

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Fazit: Latein hat eine absolute Berechtigung an einem Gymnasium, eher sollte man Altgriechisch außen vor lassen und gegebenenfalls später bei eigenem Interesse oder Pflicht nachlernen. Ich bin wie gesagt sogar der Meinung, dass es vorteilhaft ist, wenn man Latein als erste Fremdsprache erlernt, und ein oder zwei Jahre später dann Englisch. Danach kann kommen, was möge: Spanisch, Französisch, Altgriechisch - alles dürfte gut machbar sein bei guten Vorkenntnissen in Latein und auch Englisch.

Das perfekte Plädoyer für Latein! DH!

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Also ich finde, dass vor allem Latein seine Berechtigung hat, weil es hilft andere Sprachen leichter zu lernen. Die Kombination 5te Latein 7te Klasse Englisch fände ich gut, aber Alt-Griechisch, wenn überhaupt, dann erst ab der 9ten.

Wenn man aber nicht vor hat, mehr als eine romanische Sprache zu lernen, ist der Vorteil von Latein m.M.n. ziemlich begrenzt. Beim Lernen von Englisch hilft es nicht sehr weit, für Russisch oder Chinesisch ist es auch nicht so wirklich wichtig....

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@beamer05

Auch wenn man nicht vor hat eine weitere romanische Sprache zu lernen, so eröffnet Latein einem doch einen leichteren Zugang zu vielen Fremdwörtern, da man sich ihre Bedeutung herleiten kann und wenn man weiß, warum ein Fremdwort so und so lautet, dann kann man es sich auch besser merken.

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Englisch ab der 9. Klasse ist definitiv zu spät - wie soll man sich da bis zum Abitur noch ausreichend Kenntnisse aneignen? Das könnte später in Studium und Beruf zu einem Wettbewerbsnachteil werden.

Latein und Griechisch haben aber durchaus ihre Berechtigung - viele Fremdwörter haben darin ihren Ursprung und für einen Akademiker gehören solche Kenntnisse zum "guten Ton".

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