Warum soll man sich outen?

8 Antworten

Es geht dabei nicht nur um Sex. Es geht dabei auch um Liebesbeziehungen. Und, wenn jemand sich nicht outet, wird man andauernd mit dem Irrglauben konfrontiert, man sei hetero. ZB, jemand fragt eine Frau, ob sie einen Freund hat. Was sie in Männern sucht. Ein Junge wird von seinen Kumpels gefragt, ob er den Hintern oder die Brust von Frauen schöner findet. Usw. Das nennt man auch Heteronormativität: Das Leute grundsätzlich annehmen, alle Menschen seien Hetero. Und das ist bei manchen einfach falsch. Und fühlt sich dann auch sehr komisch an mitunter, wenn Leute einen mit der eigenen, nicht vorhandenen Heterosexualität konfrontieren.

Außerdem reicht eben nicht immer aus, seinen Partner des eigenen Geschlechts vorzustellen. Manchmal ist man sich zu unsicher, wie zb die Eltern auf das eigene Outing reagieren, und man möchte den Partner da raus halten. Deshalb outet man sich lieber vorher, um dann einzuschätzen, ob man auch den Partner vorstellen soll. Und wenn ja, wann.

Sollen oder Müssen gibt es dabei aber nicht. Viele entscheiden sich freiwillig dafür, sich nicht zu outen. Viele wollen es gar nicht, oder machen das lieber auf eine lustige, kreative Art und Weise, als eine formelle Rede das man sich nicht mehr verstecken will.

Und, nein, beim Outing geht es nicht darum, das man will, das andere einen auf die Sexualität reduzieren. Es ist mehr eine Korrektur einer falschen Annahme, die andere über einen hatten. Es ist nur eine Eigenschaft an sich, die andere aber eben nicht so leicht rausfinden. Und eigentlich ist jede Art von Rausfinden als Outing klassifiziert. Egal, ob man eine tragische Rede hält, ob man einen Kuchen backt oder ob man Hand in Hand mit einer Person des selben Geschlechts durch die Stadt läuft. Sich nicht zu outen, bei niemandem, würde heißen, niemals Kontakt mit dem eigenen Geschlecht zu haben, nie darüber zu reden, diesen Teil komplett zu verheimlichen. Was weh tut. Und ein häufiger Grund dafür ist, das Leute depressiv werden, die auf ihr eigenes Geschlecht stehen. Wenn man das Gefühl hat, nicht über seine Interessen reden zu dürfen...

Toller Kommentar. Bester hätte man es nicht beschreiben können.

Outing ist eben ein lebenslanger immer wiederkehrender Prozess, weil die meisten davon ausgehen, dass man hetero ist.

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Es gibt nur einen Grund sich zu outen, der wäre wenn man es leid ist ständig etwas vorspielen zu müssen. Gerade bei engen Freunden oder den Eltern. Das geht vielleicht irgendwann auf die Phsyche und für die engen Menschen um einem herum ist es auch ein Vertrauensbeweis. Natürlich muss man damit rechnen, dass man manchen erschreckt, aber dazu gezwungen werden sich zu outen ist auch keine Lösung.

Das sollte aus Überzeugung von einem selbst kommen. Ich jedenfalls interessiere mich für den Menschen und habe keine Probleme damit. Hierzulande und heutzutage kann man relativ frei leben, doch noch vor einigen Generationen war das Thema ein Tabu, aber das weisst du natürlich. Bleib stark und lass dich nicht runterziehen.

Ich sehe keinen Grund, warum man das öffentlich tun sollte, allerdings auch keinen Grund der dagegen sprechen würde (zumindest bei meinem aktuellen Arbeitgeber).

Bin selbst bspw. seit knapp 2 Jahren in einer neuen Abteilung und habe schon die unterschiedlichsten "Verdächtigungen" meine Person betreffend mitbekommen. Eine Kollegin ist bspw. fest davon ausgegangen, dass ich nur deswegen in Teilzeit (30 statt 38 Stunden) arbeite, weil ich Nachwuchs betreuen müsste.

Letzten Endes ist es aber deine Sache, insb. im beruflichen Umfeld. Ich hab (obwohl "normaler" Hetero) die Erfahrung gemacht, dass es die Kollegen zwar privat interessiert, aber habe noch nie berufliche (negative oder positive) Auswirkungen erlebt. Es ist schlicht egal - und genau das sollte es imho auch sein!

Nun, prinzipiell sehe ich es ähnlich, wie du. Sexualität oder Vorlieben sind Privatsache.

ABER...auch heute noch drohen mancherorts Sanktionen, wenn herauskommt, dass eine Person schwul ist (bei lesbischen Frauen ist es weniger das Problem), bisexuell, asexuell etc.
Zudem sieht man manchen es auch schlicht an und sie werde nur aufgrund dessen Opfer.
Daher MUSS heute noch für eine Gleichberechtigung eingestanden werden, auch für Toleranz.

Ich bin nicht nur einmal verprügelt und verletzt worden, weil ich mit einer Frau lebte...und ich finde, so lange es noch nicht als selbstverständlich gilt, homo-, bi-, asexuell zu sein, transgender zu sein etc., da MUSS etwas getan werden. Und das lässt sich eben nur damit erreichen, in dem man sich irgendwann outet.

Zudem klärt es eben innerfamiliär bspw. auch die Fronten und derjenige weiß, woran er ist. Ich trage heute noch die Narben, die mein Vater mir nach meinem Outing verpasst hat. Aber ich wusste danach: Nie wieder Kontakt zu diesem Abschaum.

In meiner Firma (~7000 interne Mitarbeiter, insgesamt ~16000) habe ich noch nie erlebt, dass lesbische, schwule oder transsexuelle Angestellte in irgendeiner Weise diskriminiert worden wären. Das wirft die Frage auf, wie dieses "mancherorts" definiert ist und/oder ob es dazu bestätigte Studien gibt.

Dennoch gibt es bei uns mehrere Arbeitsgruppen, die sich intern mit Diversity / Gendersprech usw. beschäftigen. Ich verstehe aber mittlerweile nichtmehr, warum das (bei uns) überhaupt ein Thema ist. Es ist zum Aushängeschild verkommen "wir als Konzern XY unterstützen Diversity". Aber was soll denn das noch heißen, außer absoluter Gleichberechtigung? Der erste Gedanke geht in Richtung "Frauenquote in Führungspositionen". Das wäre bei mir bspw. nicht weiter umsetzbar, weil alle Führungsebenen über mir (außer Vorstand) durch Frauen besetzt sind.

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Damit die anderen einen richtig einordnen können. Man geht ja erstmal davon aus, dass jemand heterosexuell ist, und das spielt in den Vorstellungen von der Person und in den Gespräch mit ihr durchaus eine Rolle - wenn man z.B. über die Zukunft redet, was man sich da vorstellt.

Da ergibt es durchaus Sinn, dass man, wenn man auf Männer steht, nicht immer wieder etwas von der zukünftigen Freundin/Frau hören möchte oder keine Lust hat, mit Freunden über Frauen zu reden und dabei so zu tun, als stünde man auch auf sie.

Und letztlich sind andere auf die Weise darauf vorbereitet, wenn man irgendwann den ersten Freund oder die erste Freundin mit nachhause bringt.

Klar, Sexualität ist nicht das wichtigste. Und jemanden zum Outing zu zwingen ist nicht okay; das sollte von selbst kommen. Aber ich kann durchaus verstehen, warum man möchte, dass Familie und Freunde die eigene Sexualität kennen bzw. warum es einen beim Gegenüber interessieren könnte.

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