Warum sind viele Psychologen und Ärzte heutzutage so großzügig mit Psychopharmaka?

...komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Den Dialog verstehe ich so überhaupt nicht. Halbwegs Sinn ergäbe er für mich nur mit vertauschten Rollen. Aber zur Hauptfrage:

Psychologen können nicht "grosszügig" mit Ritalin sein, da grosszügig bedeutet: es ausgeben. Und Psychologen haben keine Berechtigung, Rezepte auszustellen. Das dürfen nur Ärzte. Psychologen können Dir allenfalls empfehlen/raten, zu einem Arzt zu gehen und um Ritalin zu fragen.

Ärzte wiederum sind von Natur aus grosszügig mit Medikamenten. Denn es ist ihr Beruf. ihre Hauptfähigkeit und ihr grosses Privileg, das ihre Identität ausmacht und auch ihr Selbstwertgefühl erhöht.

Psychiater, also die Ärzte für die Seele, wären nahezu überflüssig, wenn sie keine Medikamente ausgeben dürften. Den anderen grossen Teil des Handelns in der Psychiatrie - das Reden, genannt Psychotherapie - lernen nämlich psychologische Psychotherapeuten um ein Vielfaches intensiver, sie nur in einer Art "Crashkurs".

Sie müssen quasi schon deswegen Medikamente ausgeben, um von Bedeutung in der Psychiatrie zu sein und erst recht, um zu rechtfertigen, dass sie die Chefs sind (Krankenhäuser werden immer von Ärzten geleitet, niemals von Psychologen oder anderen Berufen).

Ausserdem gehört es dazu, um in der Ärzteschaft auch als Arzt anerkannt zu sein. Psychiater wurden lange Zeit von richtigen Ärzten belächelt und nicht für voll genommen. Um ein richtiger Arzt zu sein, muss man vor allem Medikamente einsetzen.

NetzBeratung 02.07.2017, 18:43

PS: das Wort "Droge" ist in der medizinischen Fachsprache eigentlich wertungsfrei. Es ist das Fremdwort für das deutsche Wort "Wirkstoff". Einen Wirkstoff enthält auch jedes Medikament, und daher kann man auch ein Medikament Droge nennen.

Mir fällt übrigens auf Anhieb auch keine heutige gängige Droge (im umgangssprachlichen abwertenden Sinne) ein, die nicht irgendwann mal ein zugelassenes Medikament war. Das als gefährlichste Droge geltende Heroin wurde auch als solches erfunden. Dasselbe gilt für Ecstasy.

In der Zeit nach der Erfindung wurden diese Medikamente auch von Ärzten grosszügig verschrieben und die Patienten beruhigt, dass sie sich gar keine Sorgen machen müssten, da es sich nur um harmlose und gut bewährte Medikamente handele.

Heute sind sie verboten und Handel, Besitz und Benutzung illegal.

Wer kann die Zukunft prophezeien und behaupten, Ritalin würde niemals verboten und zur Droge erklärt?

Angesichts dieser gemeinsamen Geschichte von bösen "Drogen" und guten Medikamenten ist Deine Skepsis gegenüber beidem aus der Faktenlage heraus sehr, sehr berechtigt.

0

Weil sie Lakaien der Pharmaindustrie sind. Punkt.

Es gibt zum Glück noch kompetente Ärzte die von abhängigmachenden Medikamenten wie Ritalin, Antidepressiva und co. Abstand nehmen. An deiner Stelle würd ich den Arzt wechseln, bis du einen erwischst, der mit Herz und Geduld bei der Sache ist.

JuxSinnlos 03.07.2017, 11:19

Ne klar, sollen die Leute doch mit ihren Problemen selbst fertig werden, Psychopharmaka sind ja Teufelszeug.

Die Zeit, in der man in der Psychiatrie keine wirksamen Medikamenten zur Verfügung hatte (und das ist noch nicht allzu lange her), war für psychisch Kranke eine sehr dunkle Zeit:

Sie wurden in Einrichtungen "gesteckt", in denen sie vor sich hin vegetiert sind, Behandlungsansätze gab es kaum. Wenn doch, waren sie häufig mit grausamen und unwirksamen Prozeduren verbunden. Meist bedeutete eine (schwere) psychische Erkrankung, dass man diese sein Leben lang nicht mehr los wurde.

Durch Psychopharmaka ist es erst möglich, die Krankheit (z.B. Depression, Schitzophrnie, bipolare Störung) soweit einzudämmen, dass eine weitere Therapie möglich ist. Häufig sind sie auf lange Sicht heilbar oder zumindest so kontrollierbar, dass ein normales Leben möglich ist.

Auch der beste Therapeut mit "Herz und Geduld" hat keine Chance, wenn der Patient tief in seiner Krankheit feststeckt. ADHS ist sicher weniger "dramatisch" als o.g. Beispiele, aber sehr einschränkend und belastend für die Betroffenen. Warum sollte man da auf eine Behandlung, deren Nutzen erwiesen ist, verzichten?

0
BrainsRevenge 03.07.2017, 17:08

Das ist zu einfach gedacht und Antidepressiva machen nicht abhängig! Was nicht heißt, dass sie und andere Psychopharmaka nicht selten unnötig verschrieben werden, weil es eben einfacher und durchaus auch profitabel ist.

0

Man sollte erst dann nein sagen wenn man es ausprobiert hat. Ich habe einige Jahre gerade in dem Bereich gearbeitet mit etlichen ADS Patienten. Für viele war Ritalin der Weg ins normale Leben zurück.

Das dumme Gespräch spiegelt genau das wieder was du machst. Du bist der der keine Brille (Ritalin) will.

Ritalin ist eine Droge. Die typischen Eigenschaften der Droge treten aber nur bei Nicht-ADSlern auf. Nicht-ADSler werden total aufgedreht und chaotisch. ADSler kommen mit Ritalin zur Ruhe und können sich wieder gut konzentrieren.

Mit einfachen Worten gesagt wirkt Ritalin beim ADSler genau anders herum als beim Gesunden und den Effekt macht man sich zu nutzen.

Also nicht einfach ablehnen sondern ausprobieren. Nein sagen kannst du dann immer noch.

MCuser9230 02.07.2017, 18:51

ja geil und dann kommt er ohne Ritalin auch wieder nicht zu recht, aber die Schäden die es anrichtet bleiben trotzdem gleich ob mit ads oder ohne ads. 

1
maja0403 02.07.2017, 18:57
@MCuser9230

Ritalin richtet keine Schäden an wenn man sich an die Anweisungen hält. Das Problem ist, das sich viele eben nicht an die Anweisungen halten.

0
nopoo4ever 02.07.2017, 19:00
@MCuser9230

Eben. Das Schaden-/Nutzenverhältnis ist bei Ritalin absolut nicht zu rechtfertigen. Ich kenne keinen einzigen ADS'ler, der nach längerer Einnahme keine Probleme bekommen hat. Ein Großteil ist so abhängig davon, dass sie durchs Craving eigenständig die Dosis erhöhen. Ritalin so zu verharmlosen geht gar nicht.

0
nopoo4ever 02.07.2017, 19:00
@maja0403

Weils übel abhängig macht und Craving verursacht...

Nebenbei ist Ritalin eine erfundene Krankheit der Neuzeit mit der man eine Menge Kohle verdienen kann.

0
maja0403 02.07.2017, 19:05
@nopoo4ever

Du hast keine Ahnung. Jemand der aus medizinischen Gründen Opiate nimmt wird nicht abhängig. Bzw. muß man die Abhängigkeit in 2 Parts teilen, die körperliche, die man einfach in Griff bekommt, wenn man ein Medikament langsam absetzt. Der andere Part wäre die psychische und hier haben wir dann das Suchtproblem.

Abgesehen davon gehts nur ums Ausprobieren.

Du hast offenichtlich auch noch nicht erlebt, wie gut Ritalin ADSlern tun kann. Endlich mal wieder normal leben. Aber jeder muß selbst wissen was er macht.

2
nopoo4ever 02.07.2017, 19:08
@maja0403

Klar tuts gut, am Anfang bevor die Nebenwirkungen das Leben zur Hölle machen. Hier werden bewusst Symptome "bekämpft" um neue Beschwerden zu verursachen. Dabei werden die Ursachen für das ADS nichtmal ansatzweise angegangen.

"Jemand der aus medizinischen Gründen Opiate nimmt wird nicht abhängig."

Das kann nicht dein Ernst sein. So einen Blödsinn krakelen und mir unterstellen ich hätte keine Ahnung. Schönen Tag noch.

1
nopoo4ever 02.07.2017, 19:10
@maja0403

Genug :) Ich habe beruflich unter anderem mit "ADS" Patienten zu tun. Mir brauchst du nichts erzählen.

0
MCuser9230 02.07.2017, 22:26
@maja0403

Ritalin wenn man es richtig benutzt macht keine Schäden? Nicht böse nehmen aber bist du behindert? "Hier gehts nur ums ausprobieren" Was bringt ihn das, dann findet er es gut und es ist nicht mehr ausprobieren. Wie soll man es falsch benutzen? Statt es zu schlucken, "ausversehen" sniffen? Dann fangen die Schäden nach einiger Zeit an. Tue nopoo4ever und mir ein Gefallen und informier dich.

1
maja0403 03.07.2017, 08:45
@MCuser9230

Wie ich schon mehrfach schrieb, habe ich sehr viel Erfahrung mit Ritalin Patienten. Und ich habe was gegen Menschen die einfach alles kaputt reden wollen anstatt es auszuprobieren. Kein Mensch wird durch moderates Ausprobieren abhängig oder bekommt starke Nebenwirkungen.
Das passiert bei denjenigen, die meinen, sich nicht an die ärztlichen Vorschriften zu halten oder schon vorher abhängig waren von anderen Substanzen die sie zur Kompensation ihrer Probleme genommen haben. Und natürlich auch nicht dem Arzt gegenüber erwähnt haben.

0

Du tust das Richtige. Bleib standhaft und lass dir auf keinen Fall Ritalin einreden. Das kann enorme Schäden auf deine Psyche ausüben und ist niemals zu empfehlen. Die Psychologen bekommen Geld von den Pharamunternehmen und verschreiben deswegen soviel Zeug. ADS ist nichts schlimmes. Man ist zwar nicht so fokussiert auf die Dinge die einen langweilen und ist auch so sehr leicht ablenkbar. Allerdings fördert es vernetztes Denken und kreative Tätigkeiten.

Anti-Depressiva sind auch nicht die Lösung für deine beschriebenen Probleme. Ich bin zwar kein Arzt, aber ich aus meinem Wissen heraus, führt es auf längere Dauer dazu, bestimmte Emotionen nicht mehr fühlen zu können. Viele Amokläufe geschahen auch, wegen langem Konsum von Anti-Depressiva

JuxSinnlos 03.07.2017, 11:04

Ist ja schön, dass du so eine klare Meinung zu Ritalin hast. Dann sollten die Betroffenen doch ab jetzt zu dir kommen, Kinder- und Jungendpsychiater sind dann wohl überflüssig.

Für Ritalin und andere Medikamente dieser Gruppe gibt es eine sehr klare Studienlage, dass diese bei AD(H)S gut wirksam sind. Genauso sind aber auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Psychotherapie wirksam, weshalb Medikamente niemals allein eingesetzt werden sollten.

"ADS ist nichts schlimmes" - Meinst du, dass ein Großteil der Betroffenen das genauso sieht? Das ist mit ganz erheblichen Einschränkungen der Konzentrationsfähigkeit, des schulischen/ beruflichen Erfolgs und sozialen Problemen verbunden. Für viele sind die Medikamente deshalb ein Segen.

Sie sind allerdings auch häufig mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden, bei manchen Patienten überwiegen diese den Nutzen. Es ist dann die Aufgabe des Psychiaters, das zu erkennen und die Medikamente umzustellen/ wieder abzusetzen.

Und warum sollte der Fragesteller Antidepressiva bekommen? Thema verfehlt.

0

weil sie dafür einen haufen geld kassieren

Barbdoc 02.07.2017, 18:08

Ein Psychologe darf nicht mal ein Rezept ausstellen, wie soll er da an einem Psychopharmakon verdienen?

0
maja0403 02.07.2017, 18:58

Das ist absoluter Blödsinn. An einem Kassenrezept verdient ein Arzt nichts und ein Psychologe, der kein Mediziner ist, darf überhaupt kein rezept ausstellen.

Im Gegenteil, jeder Arzt hat ein bestimmtes Budget für Medikamente. Überschreitet er das, kann das sehr teuer für ihn werden.

2

Was möchtest Du wissen?