Warum sind Türken so empfindlich was Erdogan betrifft und warum fühlen sie sich direkt angegriffen wenn es um ihn geht?

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16 Antworten

Zunächst einmal das Grundsätzliche anhand eines Zitats aus diesem Strang:

Ich bin selbst Türke und mag erdogan nicht, aber ich hasse es wenn andere Leute nur mit den meistens einseitigen medienwissen zu mir kommenund sagen dass er ein Diktator ist und dass sie ihn deshalb hassen.


Sehr viele Türken lesen nur die türkischen, vom Staat gesteuerten Medien. Sie ignorieren völlig die Tatsache, dass mittlerweile alle regimekritischen Medien in der Türkei beseitigt sind. Sie folgen auch den Predigten der vom türkischen Staat gelenkten Geistlichen in den Moscheegemeinden. Daher ist ihr "Wissen" über das, was in der Türkei geschieht, sehr einseitig und regimefreundlich. Kurz: sehr vielen Türken fehlt offenbar jegliche Medienkompetenz!

Der Grund: obwohl ich ihn nicht mag hat er in den letzten 14 Jahren mehr getan als die meisten Politiker zuvor und die Leute in der Türkei wollen lieber ihre Familien halbwegs durchbringen und in wohlstand leben statt sich um ihre Freiheit zu sorgen so wie sie es mir sagen, weil es sehr viel armut in der Türkei gibt.


Das ist das Kernproblem der türkischen Volksmentalität: sehr viele Türken begreifen immer noch nicht nicht, dass Freiheit und Wohlstand, so wie in Europa, keine Gegensätze sein müssen. Die türkische Mentalität, die ich als eine Untertanenmentalität bezeichnen möchte, begnügt sich vornehmlich mit persönlichem Wohlstand und ist bereit, dafür auf Freiheiten zu verzichten. Diese Einstellung erklärt sich aus der historischen und kulturell-religiösen Vergangenheit der Türkei, die, nicht zuletzt was die Religion angeht, bis heute den Standpunkt des gehorsamen Unterordnens als Selbstverständlichkeit anpreist. Kritisches Hinterfragen des Sinnes politscher oder religiöser Anordnungen und Vorschriften verbieten das politische Regime ebenso wie die Religion, und alle Verstöße dagegen werden als Staatsverbrechen oder als Sünde mit weltlichen oder religiösen Strafen geahndet.

Insofern ist für eine Mehrheit der Türken das, was Erdogan treibt, nichts Besonderes: der Autokrator befiehlt, der türkische Untertan gehorcht brav und "gottergeben". Und dieser bedingungslose politische und religiöse Gehorsam wird auch gegen alle Kritiker vehement verteidigt, weil sich die Türken davon materielle Vorteile auf Erden versprechen - und später einen Platz im Paradies.

MfG

Arnold


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Ich erlebe Türken grundsätzlich recht dünnhäutig, also schnell beleidigt. Kritik ist nur bei den wenigsten erlaubt, geschweige denn erwünscht. Und sofort heisst es, man sei Islamhasser oder durch die Lügenpresse falsch informiert. Dabei ist mein Eindruck - und ich darf dazu etwas meinen, weil ich selbst Muslim bin, viel in islamischen Ländern verkehre und auch in der Türkei selbst viele Freunde habe - dass die Deutsche Presse eher noch gemäßigt berichterstattet, um die Fremdenfeindlichkeit nicht zu schüren.

Viele verwechseln da irgendetwas grundsätzlich; wenn ich etwas Kritisches ässere, heisst es sofort "Gibst Du misch Respekt, Alda!". Völlig sinnfrei - als wäre Kritik respektlos. Alternativ auch gerne mal "Du bist kein Muslim!" wenn ich Erdogan kritisiere. Dieser Umgang mit Kritik führt nicht gerade dazu, dass man diese Leute intellektuell ernst nehmen kann. Allen voran Meister Erdogan höchstpersönlich, der alles und jeden wegen Beleidigung verklagt und  offensichtlich nicht merkt, wie er sich damit im Ansehen demontiert.

"Ich kann den Mann nicht mehr ernst nehmen." bleibt mir nur deshalb im Halse stecken, weil er zuviel Macht hat und noch viel Unheil über die Welt bringen wird. So als Reinkarnation von Herrn H.

Und wenn man sich jetzt mal anschaut, wieviele zigtausende Gegner Erdogan ausgedeutet hat, muss man sich direkt wundern, warum nur eine Handvoll direkt in den Putsch involviert war und dieser so kläglich gescheitert ist. Sorry, da kann etwas nicht stimmen - also ganz abgesehen davon, dass die Listen unmittelbar nach dem Putsch aus der Schublade gezogen wurden.

Eine mögliche Erklärung für die Empfindlichkeit hinsichtlich Erdogan könnte sein, dass man keine Argumente hat. Ausser "Erdogan hat die Türkei nach vorne gebracht, indem er für wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt hat." habe ich noch kein Argument gehört. Ansonsten hat er die Türkei ganz schön nach hinten gebracht. Und wirtschaftlich wird sich das Blatt auch wieder wenden, da bin ich mir sicher. Oder hat die Türkei größere Ölvorkommen, die ihr den Ar**h retten könnten? Wer will denn jetzt noch mit der Türkei?

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Kommentar von DottorePsycho
30.07.2016, 11:57

Solange Erdogan und Konsorten dort an der Macht sind, reise ich nicht mehr offiziell in die Türkei ein - allenfalls noch über die grüne oder blaue Grenze - vielleicht als Fluchthelfer für Richter, Staatsanwälte, Journalisten etc.

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Leider sind so ziemlich ale islamischen Staaten patriarchalisch, eine Aufklärung wier in Europa gab es nicht, also herrschen oftmals Verhältnisse wie wir sie auch einst in Europa hatten.

Wenn man bedenkt, dass viele türkische Kinder, zumindest die Jungs ihren Vätern die Hand küssen, das wird einfach erwartet, dann isses klar, dass Erdogan als eine Art 2. Vaterfigur fungiert.

Solche patriarchalsischen Jungens und Männer sind recht dünnhäutig, da pflichte DottorePsycho vollkommen bei. Und es ist auch zutreffend, dass jegliche Kritik an der Türkei von vielen Türken als ein persönlciher angriff gewertet wird. Diese egozentrische Art, findet man übrigwens auch gehäuft bei unserer Unterschicht, also bildungsfernen Leuten. Solche einfach strukturierten Menschen haben es nicht gelernt, eine gewisse Abstraktionsebene, von sich wegführend, zu verinnerlichen. So wird denn alles auf sich selbst bezogen, was eine Diskussion mit einem gewissen Niveau unmöglich macht.

Ich habe das so einige Male erlebt und mich dann jedes Mal auf dem Absatz rumgedreht, weil ansonsten völlig sinnlose Streitereien rauskommen.

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Die Anhänger Erdogans sind mit ihren Vorstellungen noch im 19. Jhrd. behaftet. Vergleichbar mit Teilen der CSU und der AfD.

Die Ehre der Nation steht für sie über der eigenen Verantwortung. Weil sie, nicht in individualistischen Kategorien denken.

Die Türkei war als Osmanisches Reich eine Großmacht. Der von den besetzten Ländern erzwungene Schrumpfungsprozess ist für viele Türken heute noch eine offene Wunde.

Ähnlich wie Putin spielt Erdogan deshalb genau diese nationalistische Karte und schafft die Demokratie im westlichen Sinne ab.

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Kommentar von BTyker99
30.07.2016, 10:27

Selten so einen Unsinn gelesen...

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Kommentar von DottorePsycho
30.07.2016, 14:23

Bitte beleidige meinen Lieblings-Despoten Putin nicht! :-)

Das einzige, was die beiden verbindet, ist die Homophobie.

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Ja die verehren den sehr!Ist sowas wie ein Heiligtum ein Wort falsch und dan...!Reagieren sehr empindlich darauf,leben hier und nennen die Türkei ihre Heimat!Wie passt das?Haben mehr Ehrerbitung vor dem als vor unserer Regierung oder?Oder kommt einen das nur so vor???

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Weil er als Staatsoberhaupt auch stellvertretend für das Land ist. Und ob es den immer ach so tollen Westmenschen passt oder nicht sie oft von Oben herab mit erhobenem Zeigefinger mit rügender Miene Möchtegernweltlehrer spielen wollen. Das kommt einfach nie gut an. Sogar unabhängig davon ob Erdogan gut oder schlecht ist. Der Westen nimmt sich heraus andere belehren zu dürfen und nach Belieben Staatschefs anderer Länder durch den Kakao zu ziehen wenn ihnen irgendwas nicht passt. Das ist ugehobelt und arrogant.

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Kommentar von earnest
31.07.2016, 08:38

Du drückst dich an einer Antwort auf die Frage vorbei - um mal wieder das von dir Übliche abzulassen: Kritik am böhhhsen "Westen".

Charakeristisch wieder einmal deine Häme: die "ach so tollen Westmenschen".

Da ich sehr gute Erinnerungen mit der Türkei verknüpfe, tut es mir fast körperlich weh, wenn jemand Herrn Erdogan ohne Wenn und Aber als "stellvertretend für das Land" bezeichnet.

DAS hat die Türkei, das haben die Menschen in der Türkei meiner Meinung nach nicht verdient.

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Falscher Nationalstolz gepaart mit einem mangelhaften Demokratiebewußtsein.
Die Türken fühlen sich in Folge des Ersten Welkrieges von der Geschichte benachteiligt.
Nun wollen sie wieder Weltpolitik spielen, eine Revision der Geschichte erlangen.

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Weil sie inzwischen selbst zu tiefst enttäuscht von dessen Handlungsweise sind , und es nicht wahrhaben wollen !

Sie trauen sich ja selbst hier in ihrer selbstgewählten neuen Heimat nicht , Kritik zu üben .

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das ist  ihre mentalität die ihm in blut steckt.kritik können sie absolut nicht ab.wehe man ist nicht ihrer meinung dann wird so getan als ob man die familie beleidigt hätte.oft wird man falsch verstanden,redet völlig aneinander vorbei.mir kommt es manchmal so vor als ob wir auf 2 planeten wohnen.

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ich glaube die fühlen sich angeriffen weil erdogan eigt nivht immer so war damals hat er viel gutes getan...
Aber nicht jeder fühlt sich angeriffen zb machen Meine kollegen und ich uns lustig über ihn und lachen uns auch kaputt wenn zB einer was beleidigendes zu erdogan was zugleich lustig ist sagt aber nicht "türke" ist,lachen wir uns trotzdem kaputt

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Ich bin selbst Türke und mag erdogan nicht, aber ich hasse es wenn andere Leute nur mit den meistens einseitigen medienwissen zu mir kommen und sagen dass er ein Diktator ist und dass sie ihn deshalb hassen.
Der Grund: obwohl ich ihn nicht mag hat er in den letzten 14 Jahren mehr getan als die meisten Politiker zuvor und die Leute in der Türkei wollen lieber ihre Familien halbwegs durchbringen und in wohlstand leben statt sich um ihre Freiheit zu sorgen so wie sie es mir sagen, weil es sehr viel armut in der Türkei gibt.

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Kommentar von sherazade1
30.07.2016, 05:02

vielen Dank für deine Antwort, ist schön und hilfreich das auch mal von einer anderen Sichtweise zu hören:)

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Kommentar von phalangit
30.07.2016, 05:03

Bitte sehr freut mich wenn ich helfen konnte

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Kommentar von earnest
30.07.2016, 08:11

Klar doch, alles eine Erfindung der Lügenpresse.

Auch, dass der Sultan vom Bosporus gerade die Hitlersche Machterweiterung 1:1 abkupfert. Siehe Ermächtigungsgesetz vom März 1933 und die Folgen ...

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Kommentar von Jessy74
30.07.2016, 09:20

Hallo Phalangit, 

es stimmt das Erdogan viel für sein Volk tat aber das schließt nicht aus was die Presse berichtet, wo genau siehst Du jetzt einen Zusammenhang?

Er hat gerade 2000 Richter in Gefängnisse gesteckt und beschlagnahmt ihr Vermögen, nebenbei redet er über die Todesstrafe um die auch alle schön loszuwerden - hebt das Gute dann das kranke Verhalten auf?

Ach ja nur zur Info, bin keine Bildleserin, Islamhasserin oder noch irgendwie ungebildet - bevor wieder derartige " Kommentare " losgehen - habe viele Verwandte in der Türkei. 

Die Lage dort unten mit der Hitlerzeit verglichen - jeder der für ihn ist wird gut behandelt und die anderer Meinung sind werden verfolgt - aber die Strassen sehen jetzt gut aus, da hast Du vollkommen recht!

LG

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Nur diejengien Türken, die politisch dem Diktator nahe stehen, also Türken, die rechtsextreme politische Einstellung haben, stehen zu Erdogan. Türken mit demokratischer Gesinnung distanzieren sich von diesem größenwahnsinnigen Diktator, der den türkischen Staat ins Unglück steuert.

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Kommentar von DottorePsycho
30.07.2016, 11:50

Mittlerweile kann schon das Distanzieren lebensgefährlich sein - zumindest in der Türkei. Aber auch hier in Deutschland gibt es ja schon Drohungen gegen Erdogan-Gegner.

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Der Sultan vom Bosporus verkörpert Fundamentalismus, übersteigerten Nationalismus, ein schlichtes Weltbild und Macho-Gehabe in seiner Person.

Viele türkische Männer dürften ähnlich gestrickt sein.

In der Türkei wandern gerade Männer in den Knast, die anders gestrickt sind.

Gruß, earnest


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Kommentar von voayager
30.07.2016, 15:00

recht oft werden sie im Knast dann zwangsgehockelt

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Das mit der "Empfindlichkeit" ist leider eine Krankheit von uns Türken, wir sind schnell bei solchen Sachen beleidigt und eingeschnappt und zum Thema Erdogan: Man erwartet viel von ihm, deswegen möchte man ihn nicht kritisieren bzw. kritisiert haben.

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Weil sie nicht viel in der Birne haben, warum sonst?

Ich rege mich seit Tagen darüber auf, dass Türken am Wochenende für Erdogan demonstrieren wollen. Die haben sie doch nicht mehr alle, wie können denn Türken, die in Deutschland leben, Erdogans Diktatur gut heißen?!

Wenn die für ihren tollen Präsidenten demonstrieren wollen, sollen sie das in der Türkei tun! Wie können die erwarten, dass deren Innenpolitik (mit) in Köln ausgetragen wird?! Es wir wirklich immer irrer, das Ganze.

Den ganzen Türken, die Erdogans Politik gutheißen, steht es frei wieder in die Türkei zu ziehen.

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Kommentar von luvU2
30.07.2016, 03:05

Ohhhh da ist wieder jemand traurig

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Kommentar von Annrobot97
30.07.2016, 03:48

vanilla hat da aber definitiv recht. Mit traurig hat das rein garnichts zu tun.

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Kommentar von wfwbinder
30.07.2016, 08:05

 , wie können denn Türken, die in Deutschland leben, Erdogans Diktatur gut heißen?!

Weil sie hier leben und nicht betroffen sind.

Man hat es von Deutschland aus doch auch leicht Putin, oder Kim Jong Un gut zu finden.

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Türken sind generell bei jedem kleinen mist "beleidigt"

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