Warum sind so viele Leute so verklemmt-konservativ und meckern ständig über die Lebensweisen derer, die es nicht sind?

28 Antworten

Die Gesellschaft ist auch im 21. Jahrhundert ganz weit von der Lockerheit und der Toleranz entfernt von der sie so gern predigt ------> und das "Normendenken" nahm seit der Jahrtausendwende tlw. absurde Züge an: Es gibt immer weniger Freiraum für eigene Wege und wer sie geht, gilt nicht selten entweder als Sonderling, als komisch oder gar als psychisch krank/geistesgestört.

Das betrifft längst nicht nur sexuell konnotierte Dinge sondern auch so banale Dinge wie ein individueller Kleidungsstil oder bestimmte "schrullige" Hobbys, die als uncool oder altmodisch gelten bzw. nicht der unausgesprochenen Norm entsprechen.

Bei den Deutschen kommt außerdem ihr Naturell erschwerend hinzu -----> sie sind von ihrer Mentalität her sehr prüde und im Grunde (sorry!) meist ziemlich klemmimäßige Duckmäuser, die nirgendwo auffallen wollen und deswegen sogar bereit sind ihre Träume aufzugeben, nur damit die Nachbarn nichts zum schimpfen haben :/

Meine Beobachtung ist -----> wer immerzu auf andere und deren Lifestyle schimpft hat in der Regel ein Problem und würde gern selbst aus der Reihe tanzen bzw. bewundert diejenigen die es tun, traut sich aber nicht aus Angst vor der Reaktion der Gesellschaft..

Was ist denn das Wohl der Gesamtheit? Bestimmst das du?

Es kommt immer darauf an wie und vor allem warum kritisiert. Pornos stehen nicht unbedingt in der Kreide. Das dort vermittelte Frauenbild ist mehr als fragwürdig und zudem lehren Pornos Frauen falsche Dinge:

http://www.focus.de/kultur/videos/entertainment-fuenf-beweise-dass-pornos-frauen-voellig-falsche-vorstellungen-von-sex-vermitteln_id_4939232.html

Es ist davon auszugehen, dass dieses falsche Bild auch teilweise Männer haben.

Natürlich gibt es Menschen, die damit unterschiedlich umgehen. Die einen wollen die Filme generell verbieten, die anderen wollen die Pornobranche realistischer gestalten.

Wenn ich merke, dass ich davon betroffen bin, lege ich auch mal gerne den Finger in die Wunde.

Natürlich gibt es jedoch Sachen, die tangieren mich überhaupt nicht. Ob nun zwei Männer und zwei Frauen kratzt doch nicht einmal an meinem Recht selber jemanden des anderen Geschlechts heiraten zu dürfen, zum Beispiel.

Andere Sachen tangieren mich jedoch. Es hilft mir beispielsweise nicht viel, wenn man frei nach dem Motto leben und leben lassen einen Alkoholiker ans Steuer lässt und der dann mir oder eine mir nahe stehende Person ins Auto fährt.

Da sollte durchaus unterschieden werden.

Manchmal wird der Deckmantel prüde nur darüber geworfen, damit man sich mit dem Inhalt der Kritik nicht auseinander setzen muss. Ein User hat mal eine Frau, die sich gegen sexuelle Belästigung (mit Anfassen) wehrt als prüde Henne bezeichnet. Weitere ERklärungen sind hier, denke ich, nicht mehr vonnöten.

Das immer der erste Punkt, der zum klären ist. Handelt es sich um berechtigte Kritik oder ist es wirklich nur Intoleranz?

Dann gehe ich weiter zu der intoleranten Gruppe.

Da habe ich das Gefühl, dass eine alternative Lebensweise als Bedrohung wahr genommen wird. Vor allem hier, wo ich wohne, herrscht ein starker gesellschaftlicher Zwang zum heiraten, Kinder kriegen, Haus bauen und die Frau bleibt zu Hause beim Kind.

Da wird teilweise heftig gegen Frauen gehetzt, die eben nicht zu Hause bleiben, gegen die, die sich generell für ein anderes Leben entscheiden.

Teilweise habe ich das Gefühl, dass diese Menschen Angst haben ihre Entscheidung zu bereuen, wenn sie merken, dass die Alternativen auch gut klappen. Es zwingt sie ihre eigene Lebensweise in Frage zu stellen, wenn man merkt, dass es auch anders geht.

Ich bin auch überzeugt davon, dass Menschen, die mit der traditionellen Lebensweise wirklich glücklich sind sich nicht von anderen Lebensstilen bedroht fühlen.

Es wurde auch festgestellt, dass viele homophobe Menschen selbst eine homosexuelle Ader haben, um mal ein Beispiel zu nennen.

Vermutlich ist das Problem jedoch viel vielschichter, als ich das hier dargestellt habe.

Konservative Menschen neigen zu Angst und Unsicherheit.

Genau deswegen sind sie ja konservativ, weil Konservativismus, wie der Name ja sagt, das bereits Bekannte bewahren will. Ganz egal, ob das Neue faktisch sinnvoller ist oder nicht, oder einfach nur anders.

Das speist sich nicht nur aus einer konservativen Erziehung, die man schon als Kind ggf. verinnerlicht und dann beibehält ("Der gesunde Menschenverstand ist nicht mehr als eine Anhäufung von Vorurteilen, die man bis zum 18. Lebensjahr erworben hat.", Albert Einstein), was man evolutionsneurologisch erklären kann.

Wie wir "ticken", ist im Kern bereits biologisch angelegt Es gibt eben Menschen, die sind angeboren "ängstlicher" und welche, die sind angeboren "furchtloser".

Was jetzt das "Meckern" angeht:

  • Das findest Du, in gewisser Weise, auf beiden Seiten. Nur dass Progressive eher argumentieren, dass anders besser sei, weil es dafür nachvollziehbare Gründe gäbe (oder zumindest keine nachvollziehbaren Gründe dagegen - z.B. persönliche Freiheit ist ja per se ein nachvollziehbarer Grund), während Konservative halt eher ein Problem mit Änderung an sich haben - ganz egal ob es nachvollziehbare Gründe gibt oder nicht (deswegen gilt Angela Merkel auch nicht als "echte" Konservative, die mit ihrer pragmatischen Art die CDU tief gespalten hat). Berechtigte Argumentation gilt zwar nicht als "Meckern", ein Konservativer sieht das aber ggf. durchaus anders. ^^
  • Meckern ist gemeinschaftsbildend! "Wir" sind eine Gemeinschaft, "die" gehören nicht dazu. Ausgrenzung stärkt die eigene Gemeinschaft - leider auf Kosten des Gemeinwohls Aller. Das findet man von CDU/CSU ("unsere Gesellschaft", die oft nur die Gesellschaft meint, die sie gerne hätten: einer vermeintlichen , nein, ihrer tatsächlichen "Leitkultur" folgend wie "Alkoholkonsum ist eine gute Tradition /  Kiffen ist Teufelszeug" oder "Schläge haben früher Kindern auch nicht geschadet / Killerspiele machen Kinder zu Massenmördern") bis hin zur AfD/Pegidioten und darüber hinaus ("Wir sind das Volk!" - nö, sie sind nur eine laut pöbelnde Minderheit).
  • Insbesondere bei Sexualität kommt noch hinzu, dass man mit der lautstarken Ablehnung bestimmter Formen von Sexualität den anderen Mitgliedern der Gemeinschaft wie auch sich selbst versichert, für diese abgelehnten Formen wirklich und ganz, ganz, gaaanz bestimmt nicht empfänglich zu sein. Ein Klassiker der Psychologie, mit der bewusst wie unbewusst gespürte Tendenzen verdrängt werden sollen. Natürlich haben auch Konservative ein Interesse an Sex, bzw. einen Sexualtrieb. Natürlich gibt es unter ihnen Homo- erst Recht aber Bisexuelle. Natürlich empfinden sie auch sexuelle Lust beim Anblick eines nackten Körpers oder sexueller Handlungen - ggf. auch homosexueller Handlungen, usw. Für Progressive wie Liberale kein Problem. Für einen Konservativen ggf. hingegen ein massives Problem, dem er eben damit begegnen kann, indem man sich und andere lautstark belügt. Oder ...
  • indem man ein Verbot fordert. Denn wenn es verboten ist, dann ist man auch selbst stärker davor gefeit, auf "dumme Gedanken" zu kommen (schon weil man nicht bestraft werden will). Und ...
  • wo sachliche Argumente fehlen, muss es, s.o., halt die Lautstärke wettmachen.
21

Aber einige Schläge würden der heutigen Jugend nicht schaden. Das ist mein voller ernst die Kinder ab dem Jahr 2000 sind respektlos ... weiter schreib ich mal lieber nicht . Die guten alten Zeiten :)

0
57
@Senbu

Manche Jugendliche sind respektlos, weil sie genau so von bestimmten Erwachsenen behandelt werden.

Dein Ruf nach Schlägen haut in diese respektlose Kerbe wie mit der Axt ins Holz rein.

2
33
@Senbu

Kinder ab dem Jahr 2000 sind respektlos

Waren sie schon immer, bzw. es gab immer "Schlauberger", die das so wie Du gesehen haben: http://www.bildungswissenschaftler.de/5000-jahre-kritik-an-jugendlichen-eine-sichere-konstante-in-der-gesellschaft-und-arbeitswelt/

Was aber das 4. Gebot bzw. die Eltern angeht, so hat der unvergleichliche George Carlin bereits alles gesagt:

"HONOR THY FATHER AND MOTHER

Obedience, respect for authority. Just another name for controlling people. The truth is that obedience and respect shouldn’t be automatic. They should be earned and based on the parent’s performance. Some parents deserve respect, but most of them don’t, period."

(Quelle https://philosopherpoet.wordpress.com/2009/12/04/george-carlin-and-the-10-commandments/ , basierend auf George Carlins legendärem Liveauftritt, wie man ihn u.a. hier bewundern kann: https://www.youtube.com/watch?v=CE8ooMBIyC8 - unnachahmlich, wie er die 10 Gebote auseinandernimmt ...)

PS: Vor DIR hätte bzw. habe ich auch keinen Respekt. Den Grundrespekt, dem man jeden Menschen entgegenbringen sollte, hast Du mit deinem Kommentar verspielt.

2
26

Nur weil sie ab 2000 geboren wurden, heißt es nicht, dass sie nicht geschlagen werden. Was bei jemanden zuhaus passiert, weißt du nicht. Aber, sorry, verschlägt oder schreit hat keine Ahnung und keine Argumente mehr

3
33
@Unhappything

Was bei jemanden zuhaus passiert, weißt du nicht.

Genau.

Bei der urchristlichen Sekte "Die 12 Stämme" sind die Behörden auch erst eingeschritten, als es Filmaufnahmen gab, die die Misshandlungen bewiesen haben.

Und dann?

Nach Sorgerechtsentzug und Haftstrafen, sind sie halt nach Tschechien ausgewandert: http://www.sueddeutsche.de/bayern/2.220/klosterzimmern-pruegelnde-sekte-zwoelf-staemme-nach-tschechien-uebergesiedelt-1.3320617

DAS hilft den Kindern natürlich ungemein weiter ... :.(


2

Was möchtest Du wissen?