Warum sind so viele Europäer in die USA ausgewandert, lag es wirklich nur am Gedanken der Aufklärung?

... komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Politische Gründe galten nur für einen kleinen Teil (besonders nach 1848), die Masse wanderten aus wirtschaftlichen Gründen aus. Der Unterschied zur heutigen Flüchtlingssituation war, dass ein großer Teil der Auswanderer ihre Überfahrt durch eine Arbeitsverpflichtung bezahlten (Kontraktarbeitersystem).

Ein Unternehmer bezahlte ihre Überfahrt, und sie mussten die Kosten abarbeiten. 

Dazu die Wikipedia unter "Indentur":

"In der nordamerikanischen Geschichte bezahlten Arbeitgeber für die Überfahrt der europäischen Arbeiter über den atlantischen Ozean. Dafür kauften sie den Schiffseignern die von diesen gehaltenen Arbeitskontrakte ab. Auch hier hatten sich die Knechte für eine bestimmte Anzahl Jahre zur Arbeit verpflichtet. Auch konnte die Leistung des Arbeitgebers in einer Berufsausbildung bestehen, zum Beispiel die Ausbildung zum Schmied. Während des 17. Jahrhunderts kamen die meisten weißen Arbeiter in Maryland und Virginia als Vertragsknechte auf Zeit aus England. Ihre Herren waren verpflichtet, sie zu verpflegen, einzukleiden und unterzubringen. Die Arbeitsbedingungen des Knechtes entsprachen häufig denen eines Lehrlings, der ebenfalls durch einen Vertrag an seinen Herrn gebunden war und harte, unbezahlte Arbeit schuldete, während er seine Zeit leistete. Nach Ablauf der Vertragszeit bekam der Schuldknecht einen Satz neuer Kleidung und wurde freigesprochen.

Die Knechtschaft auf Zeit (indentured servitude) war eine Methode, um rasch die Zahl der Einwohner und Einwanderer in den britischen Kolonien zu erhöhen, zumal immer nur eine begrenzte Menge verurteilter Zwangsarbeiter zur Verschiffung zur Verfügung stand. Auch die gefährliche Überfahrt über den Atlantik kostete viele durch Havarien und Krankheiten das Leben. Die Vertragsknechte auf Zeit bildeten solch eine bedeutende Bevölkerungsgruppe, dass sie sogar in der Verfassung der Vereinigten Staaten erwähnt wurden. Somit war das Institut der Knechtschaft auf Zeit um 1780 noch immer wohl etabliert. Nach einer kurzen Unterbrechung während der amerikanischen Revolution gewann es rasch wieder an Fahrt.

So konnten die Schiffseigner und Kapitäne große Gewinne erzielen, indem sie "den Auswanderern in Dublin oder einem anderen irischen Hafen ihre Bedingungen präsentierten. Diejenigen, die für ihre Überfahrt bezahlen konnten, üblicherweise 100 oder 80 Livres tournois, konnten nach Amerika fahren und dort jede Tätigkeit aufnehmen, die ihnen passte. Diejenigen, die nicht bezahlen konnten, wurden auf Kosten der Schiffseigner transportiert, die, um ihre Auslagen mit Gewinn wieder hereinzuholen, bei der Ankunft bekanntgaben, dass sie Handwerker, Arbeiter und Hausdiener herübergebracht hatten, mit denen er auf eigene Rechnung vereinbart hatte, ihre Dienste bei Männern und Frauen normalerweise 3, 4 oder 5 Jahre und bei Kindern 6 oder 8 Jahre in Anspruch nehmen zu können.“ – Fernand Braudel: The Perspective of the World, London 1984, S. 405f.

Mit modernen Maßstäben gemessen handelte der Schiffseigner als Zeitvertragsunternehmer (contractor), der seine Arbeiter auslieh. Solche Umstände beeinflussten die Behandlung, die der Kapitän seiner wertvollen menschlichen Fracht zukommen ließ. Nachdem die Knechtschaft auf Zeit verboten worden war, musste die Überfahrt im Voraus bezahlt werden. Dies soll mit dazu beigetragen haben, dass sich die Bedingungen bei der Überfahrt während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts derart verschlechterten, dass man sogar von den irischen „Sargschiffen“ (coffin ships) sprach." 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Die Antwort auf Deine Frage hängt sehr davon ab, WELCHE Europäer Du meinst und von welchem Jahrhundert Du sprichst.

Gründe für Auswanderung der Europäer waren z.B.

religiöse Verfolgung (Pilgrim Fathers,  Juden als Beispiele)

krasse Armut, Hunger  (Beispiel: Süditaliener, Deutsche aus dem Hunsrück und dem Westerwald, Iren ab ca 1850)

politische Verfolgung / Rechtlosigkeit / Leibeigenschaft   (Beispiele: Deutsche um 1848, Russen, Polen...)

Attraktivität der Freiheit und (zumindest auf dem Papier) Gleichheit aller in den USA

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

mit Aufklärung hatte es nicht viel zu tun. Es gab in Europa etliche besonders kalte Winter und Mißernten. Kleine Eiszeit, und weltweite Folgen von Vulkanausbrüchen.    Irland war besonders hart davon betroffen, und die Familie O´Kennedy floh in Scharen in die Staaten. "Amerika" - das schien das Gelobte Land zu sein und die Auswanderer wollten sich etwas erarbeiten... Mit der Industrialisierung kam das rasante Wachstum europäischer Städte, eng, ohne entsprechende Wasserver- und Entsorgung. Cholera und Feuersbrünste blieben nicht aus... also war die Losung."Auf nach Bremerhaven (Geestemünde) !"

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Nein, "Aufklärung" hatten nur sehr, sehr wenige im Sinn.

Es ging um ein "besseres Leben" und das Abenteuer "Neubeginn"....

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Nein. die meisten Auswanderer waren Armutsflüchtlinge, wie heute auch. Ich hoffe nur, die wurden nicht so angefeindet wie die Flüchtlinge heute.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?