Warum sind Sachen wie psychiatrie, schizophrenie etz. in unserer geslleschaft ein tabu thema?

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6 Antworten

Ich denke, jeder Mensch kann bei genauerem Hinsehen in sich Züge, Regungen und Gefühle finden, die "verrückt" sind. Darum versucht der Mensch alles, das mit psychischen Krankheiten zu tun hat, vor sich wegzuschieben. Er hat Angst, selbst betroffen zu sein, oder zu werden.

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Ich denke, da muss man differenzieren: Ich habe selber paranoide Schizophrenie und habe bei Bewerbungen für meinen Beruf als Tischler meist den Kürzeren gezogen, wenn ich meine Krankheit erwähnte bzw. den Grund nennen musste, weshalb ich nicht 8 Stunden am Stück arbeiten kann. Spreche ich jedoch mit Bekannten darüber, bekomme ich stets Verständnis und Mitgefühl, das sich darin äussert, dass sie nachfragen: Was ist denn das? Wie äussert sich das? Ich bin erst gerade aus der Psychiatrie entlassen worden und kann ganz offen darüber reden! Ich bin Ossi. Vielleicht gibt es da einen Unterschied zwischen Ost und West? Ich weiß es nicht.

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Das liegt an unserem historischen Hintergrund. Wir haben ja eigentlich eine sehr primitive Medizin, die aus den sogenannten Feldschern entstanden ist. Den leuten im Krieg, die die Wunden notdürftig zusammengeflickt haben. Psychologie gibt es erst seit Freud. Irre wurden weggesperrt und erniedrigt. So ist es bei uns immer noch etwas Unangenehmes. Und was die Patienten in den meisten Anstalten erwartet ist nach meiner Ansicht und meinen bisherigen Forschungen schlimmer als Gefängnis. Während andere kulturen keine Nervenheilanstalten brauchten, sondern sehr gut mit Nervenkranken im täglichen Leben zurecht kamen, ist es unsere christlich geprägte Zivilisation, die ein Reinigungs- und Vollkommenheitsbedürfnis hat, die alles ausgrenzt - auch Behinderte werden in Heime gestopft - was nicht ihren Vorstellungen entspricht. Deshalb haben wir eine verlogene Gesellschaft.

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Das ist alte Überliefung. Früher wurd psychisch Kranke und Alkoholiker nicht als Kranke angesehen sondern als abnormale. Erst in 60igern entwickelte sich die Medizin so weit, dass man diese Krankheiten behandeln und heilen oder zum Stillstand bringen konnte. Früher wurden diese Kranken verachet und weggeschlossen, heute werden sie geheilt, nach dem Motto "Es ist keine Schande krank zu sein, aber eine Schande nicht zum Arzt zu gehen."

Die Menschen lernen eben sehr schwer und langsam oder gar nicht. Und alle Vorurteile bleiben lange erhalten. Leider.

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Ich denke, das liegt u.a. daran, dass viele auch heutzutage immer noch zu wenig über solche Krankheiten wissen und sie ihnen deshalb irgendwie unheimlich sind. Unter einem Beinbruch kann sich jeder etwas vorstellen und man sieht auch was, z.B. den Gips. Doch bei einer Depression ist das etwas anderes. Mir fiel es auch lange Zeit schwer über meine psychische Krankheit zu reden. Ich hatte Angst, unverstanden bzw. abgestempelt zu werden (gehört in die "Klapse, ist verrückt...). Mittlerweile, nach mehreren Therapien fällt es mir leichter, damit umzugehen. Doch auch jetzt überlege ich genau, wem und was ich darüber sage.

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Einmal, weil nicht jeder wissen muß, was mit einem los ist und dann auch, weil viele sie vermutlich als 'verrückt' abstempeln. Wer gibt schon gerne zu, daß er psychische Probleme hat und wer von denen, den man das erzählen würde, besitzt soviel Feingefühl um ernsthaft und hilfreich auf die Problematik einzugehen?

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