Warum sind Menschen religiös, ich verstehe es nicht?

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Weil es für das Vorstellungsvermögen des Menschlichen Hirns die Einfachste Lösung ist, um sich Dinge zu erklären, die noch nicht erforscht sind.

Je mehr Menschen erkennen, das alles nur auf der Naturwissenschaft basiert, umso geringer wird der Einfluss der Religionen werden.

So wie ein Kind irgendwann begreift, das es den Weihnachtsmann nicht gibt, so begreift die Menschheit irgendwann, das sie auf sich alleine gestellt ist.

So wie die Eltern das Kind mit Belohnung und Strafe durch den Weihnachtsmann erpressen, um bestimmtes Verhalten zu erzwingen, genau so handhaben es die Kirchen, um ihren Machteinfluss nicht zu verlieren

Nur drohen die mit Gott. Und das trichtern die schon Kleinkindern ein. Mitglieder werbung von geburt an. Wer das als einzige Wahrheit kennenlernt, ist dann eben religiös. Und tut seltsame Dinge, um "Gott" zu dienen. Und vor allem um Religiöse Führer an Macht und Einfluss zu halten.

Funktioniert bei allen Religionen nach dem gleichen Schema.

Ich bin Christ, d.h. ich glaube an Jesus Christus.

Ich bin nicht religiös. Religion und christlicher Glaube sind zwei unterschiedliche Dinge. Ich glaube,

dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiliget und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben; in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergibt und am Jüngsten Tag mich und alle Toten auferwecken wird und mir samt allen Gläubigen in Christus ein ewiges Leben geben wird. Das ist gewisslich wahr. (Martin Luthers Kleiner Katechismus)

Luthers Wiederentdeckung: Rechtfertigung des Sünders

Wenn der Sünder, der Übertreter des Gesetzes seine Strafe empfängt - und mag es auch die Todesstrafe sein, - dann ist er gerechtfertigt.

Wenn uns Gott in seinem Wort zur Buße auffordert, dann geht es nicht darum, dass wir mit guten Taten für einen Ausgleich sorgen. 

In Religionen geht es immer wieder darum, dass der Mensch mit seinen Taten ausgleichen muss, was er angerichtet hat - und es unterscheidet sich auch gar nicht so sehr von der Volksreligiosität zur Zeit der Reformation und auch heute noch: Ich bin eigentlich ein ganz ordentlicher Mensch - und wenn ich etwas nicht richtig gemacht habe, dann muss ich eben etwas Gutes tun, um es wieder in Ordnung zu bringen. Früher kaufte man dann Ablassbriefe, heute kann man Ähnliches mit Hilfe von finanziellen Abgaben zur Förderung der Klimaneutralität des eigenen Verhaltens erreichen.

Doch wenn im Neuen Testament von „Buße“ die Rede ist, dann ist damit etwas völlig Anderes gemeint: Wir müssen uns nur die beiden Beispielgeschichten anschauen, die dem Monatsspruch dieses Oktobers

Lk 15,10 Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

vorangehen und mit denen Jesus deutlich macht, was „Buße“ wirklich heißt: Da ist das verlorene Schaf, das sich irgendwo in der Wüste verirrt hat und schließlich von dem Hirten auf seinen Schultern nach Hause getragen wird, und da ist der Groschen, der von der Frau im Haus überall gesucht und schließlich gefunden wird. Bei „Buße“ geht es also nicht um unser Tun, sondern darum dass Gott etwas tut, dass er uns findet und nach Hause trägt. Wir tragen zu unserer „Buße“ so viel bei wie ein Schaf, das sich in einem Dornenstrauch verheddert hat und nicht mehr loskommt oder wie ein Geldstück, das irgendwo unter einem Schrank liegt und schließlich mit einem Besen hervorgekehrt wird. Nicht wir bringen in der Buße unser Verhältnis zu Gott in Ordnung, sondern Gott selber holt uns in seine Gemeinschaft zurück.

Das bedeutet nicht, dass es im christlichen Glauben einfach ein wenig „netter“ zugeht als in anderen Religionen. Im Gegenteil: Jesus redet sehr deutlich von „Verlorenheit“. Es geht in unserem Leben nicht bloß darum, dass da ein paar Dinge nicht ganz optimal gelaufen sind, dass wir das eine oder andere nicht so ganz richtig gemacht haben. Sondern wir sollen schon ganz deutlich erkennen, dass wir von uns aus verloren sind, getrennt von Gott, dass wir keine Chance haben, uns selbst zu retten, und wenn wir uns noch so viel Mühe geben und noch so viele gute Werke tun. Wenn nicht Gott kommt und uns findet, bleiben wir von ihm getrennt, bleiben wir ewig verloren.

Doch genau das ist die gute Botschaft, genau das ist das Evangelium, dessen Wiederentdeckung vor 500 Jahren wir heute am 31. Oktober 2017 feiern.

Gott macht, was wir nicht können; er kommt zu uns, überwindet die Trennung zwischen sich und uns und trägt uns nach Hause. Anders ausgedrückt: Er vergibt uns unsere Sünde, ja, ganz konkret in der Taufe, in der Beichte, im Heiligen Altarsakrament. Da findet er uns, da schließt er uns in die Arme. Und genau das gibt es nur bei Christus. Ehrlich gesagt hatte Martin Luther selber das auch noch nicht so ganz verstanden, als er damals am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen veröffentlichte. Aber nicht lange danach ging es ihm dann auf: Wenn mir in der Beichte die Sünden vergeben werden, dann sind sie wirklich bei Gott vergeben, dann wird er mich nie mehr danach fragen. Und darum kann ich meines Heils gewiss sein, weil mein Heil nicht an mir hängt, nicht an meinem Tun, nicht an meinen guten Werken, sondern an Gott allein, der mein Leben immer wieder wendet und mich nach Hause trägt.

Vielen Dank für deine offene Antwort. Ich kann deine Zweifel voll und ganz nachvollziehen und versuche deshalb und weil ich in die Kategorie Mensch passe, an die du dich gerichtet hast, dir zu antworten.

[...] obwohl Religion so unnachweisbar ist.

Ich fühle mich im Buddhismus beheimatet und denke Einstein hatte recht, als er sagte, dass der Buddhismus die einzige Religion ist, die wissenschaftlichen Anforderungen gerecht wird, aber das ist nur meine persönliche Sichtweise der Gegebenheiten. Ich würde mich auch, ähnlich wie du, keiner Religion annähern können, wenn sie nicht absolut offen ist für eine Überprüfung aller Inhalte und diese Prüfung nicht den Großteil dieser Inhalte unterstützen würde -- ich bin über alle Maßen zufrieden im Buddhismus diesbezüglich, wenn ich etwas ausführen darf ...

Korrespondenzen mit moderner Wissenschaft

Einige Punkte, wo Wissenschaft und Buddhismus sich annähern oder sich treffen: 1. Beschreibungen atomarer Eigenschaften von Materie und Geist (vor allem im Abhidhamma oder den Kommentaren), 2. Wiedergeburt (Ian Stevenson hat einige tausend Fälle aus aller Welt gesammelt und untersucht), 3. Feinstoffliche Wesenheiten (Gary Schwartz), 4. Das kosmische Modell des Big Bounce (Martin Bojowald), 5. Allgemein nicht-lokales Bewusstsein (Pim van Lommel, Reto Eberhard Rast, Gary Schwartz).

Einige Punkte habe ich ausführlicher in meinem Aufsatz: "Glückseligkeit und Naturwissenschaft" behandelt: https://www.academia.edu/34700829/Ninnamika_Bhikkhu_Glückseligkeit_und_Naturwissenschaft_als_Gegenstand_Buddhistischer_Phänomenologie_2016.pdf

Nebst dieser äußeren Korrespondenzen fokussiert die buddhistische Lehre sich aber hauptsächlich auf die eigene persönliche Erfahrung. 

Er lehrte man müsse auf eigener Erfahrung fußend schlussfolgern, dafür lud er zu prüfen ein, indem er fragte, ob: 1. Gier, 2. Hass, 3. Verblendung zu Wohl oder Unheil führen würden, worauf seine Gesprächspartner verneinten. Er erklärte, dass ein Mann besessen von Gier, Hass und Verwirrung: 1. Lebewesen tötet, 2. stiehlt, 3. nach anderer Frauen trachtet, 4. lügt und 5. andere zu eben diesen Dingen verleitet. Bedingt durch jenes Verhalten sorgte man großem und langanhaltendem Unheil und Leiden vor. 

Dies ist ein direkt nachvollziehbarer Bereich der persönlichen Erkenntnis, den der Buddha als Richtlinie für die Wahl geistlicher Lehren anriet. Weiter berichtete er von reinen, von Gier, Hass und Verwirrung befreiten, entschlossenen und wachsamen Menschen, die voll Liebe, Mitfreude, Mitleid und Gleichmut des Herzens, frei von jeglicher Anfeindung und jeglichem Übelwollen alle Himmelsrichtungen durchdringen würden. Jene Menschen würden sich wie folgt absichern 1. Wenn die Lehren vom Kamma (in Sanskrit "Karma") tatsächlich reale Wirkungsweisen erklären und es ein Leben nach dem Tode im Himmel geben sollte, dann erfüllen sie die Bedingungen dafür, dort wiedergeboren zu werden; 2. Wenn die Lehren vom Kamma nicht die Wirklichkeit widerspiegeln, dann lebten sie gleichwohl mit Leichtigkeit, frei von Anfeindungen, frei von Übelwollen, frei von Störung; 3. Wenn Übeltäter verschiedene Leiden treffen (schlechter Ruf, Gefängnis, Gewalt und Hader), jene Reinen aber solcherart lauter seien, woher solle sie dann dergestalt Leiden berühren?! 4. Wenn aber einem Übeltäter nichts böses widerfahre, dann seien sie sich eben dennoch ihrer eigenen Lauterkeit und Reinheit bewusst. 

Dies alles bezieht sich hauptsächlich auf das, was in uns passiert und auf dies können wir unser Verhalten gründen, auf direkter, eigener Erkenntnis der Konsequenzen bestimmter geistiger und emotionaler Phänomene (Gier, Hass, Verblendung) fundiert – es ist Ethik und Übung in Geistesreinheit durch Weisheit substanziiert. Ich möchte hier nochmals anmerken, dass wenngleich der Buddha lehrte, sich letztlich allein auf subjektives Erleben zu verlassen und autark gegenüber der Autorität von Lehrern zu sein, unabhängig zu sein im persönlichen Erkennen, dies unter Berücksichtigung anderer Textstellen zu verstehen ist, welche die Notwendigkeit spiritueller Unterweisung als unabdingbaren Faktor listen. 

Besagte Erkenntnis-Autonomie ist also nicht unabhängig zu verstehen von wertvollen Unterweisungen: 

Ein Mönch, der Freund von bewundernswerten Menschen ist der, mit Ehrfurcht und Respekt, dem Rat seines Freundes folgt der achtsam ist und klarbewusst, erreicht nach und nach die Lösung aller Fesseln.

Auf dieser Annäherung an die tatsächliche Wirklichkeit in der Lehre Buddha's sehe ich meine Religiösität begründet. Ich hoffe die Antwort war von gewissem Wert für dich, wenn auch nur ein wenig.

Liebe Grüße


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