Warum sind Menschen biologisch auf Fleisch angewiesen?

14 Antworten

Das ist ganz simpel gesagt einfach nur eine Konsequenz unserer Evolution. Die Vorfahren des Menschen haben sich schon früh an eine sehr vielfältige Palette verschiedener Nahrungsquellen angepasst. Schon vor Jahrmillionen fraßen sie vor allem Nüsse, Samen und Früchte. Gelegentlich ergänzten sie zur Aufnahme wichtiger Nährstoffe (u.a. auch Vitamin B12) ihren Ernährungsplan durch Insekten und Aas. Manche Affen gehen heute noch gelegentlich auf die Jagd oder fangen Fische.

Vor etwa 2 Millionen Jahren entwickelten die Vorfahren des Menschen darüber hinaus auch die Fähigkeit, komplexe Mehrfachzucker (Stärke) zu verdauen und konnten seither auch zu größeren Anteilen auf Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Getreidesamen und Wurzelknollen zurückgreifen, die bis heute unsere Nahrungsgrundlage stellen. Fleisch wurde etwa zur gleichen Zeit sehr wichtig, als unsere Vorfahren die Garung durch Feuer entdeckten. Seither ist Fleisch untrennbar mit dem Aufstieg der menschlichen Kultur, seiner Ausbreitung über die Welt und der Zivilisation verbunden.

Der wichtigste und exklusivste Nährstoff im Fleisch ist Vitamin B12 (auch Cobalamin genannt). Es wird von Mikroorganismen vor allem im Dickdarm gebildet, kann jedoch nur im Dünndarm vom Körper aufgenommen werden. Die im Körper gebildeten Colabamine werden also zum größten Teil ausgeschieden, bevor sie vom Körper aufgenommen werden können.

An Land lebende Pflanzenfresser stellen ihre Cobalamin-Versorgung zum Teil durch das Wiederkäuen sicher, andererseits nehmen sie es aber auch direkt durch ihre Nahrung wieder auf, und zwar in einem zweiten Durchgang: da grasfressende Pflanzenfresser üblicherweise dort weiden, wo sie auch abstuhlen, gelangen die B12-Enzyme wieder in ihrem Körper und können in einem erneuten Verdauungsvorgang in den Stoffwechsels aufgenommen werden. Von vielen Nagern und Hasenartigen ist außerdem bekannt, dass sie ihren feuchten Darmkot ein weiteres Mal fressen, um die wertvollen Enzyme aufnehmen zu können.

Vitamin B12 kommt deshalb fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor, Pflanzen können es bis auf wenige Ausnahmen nicht selbst bilden. Nur in einigen wenigen pflanzlichen Lebensmitteln, vor allem in fermentierten Produkten wie Sauerkraut und einigen Algen, kommt B12 zwar vor, jedoch nur in einer schwerlich den Bedarf eines ausschließlich pflanzlich lebenden Menschen deckenden Menge.

Ein vegan lebender Mensch sollte deshalb unbedingt B12 künstlich supplementieren, um keine Mangelerscheinungen zu bekommen. Das ist auch völlig unproblematisch, auch ohne Pillenfressen möglich: so gibt es zum Beispiel auch vegane Zahnpasta, die mit B12 angereichert ist.

Supplementiert ein Veganer dieses wichtige Bioenzym jedoch nicht, drohen ihm verheerende gesundheitliche Probleme, sogar irreversible Schäden des Nervensystems. B12 ist unerlässlich bei der bei der Bindung und Abführung von Giftstoffen, beim Abbau von Fettsäuren, beim Aufbau der Nerven- und Blutzellen und auch für die Verwertung von Folsäure (Vitamin B9 und B11).

Bei einem Mangel sind etwa anhaltende Müdigkeit und Angeschlagenheit, Konzentrationsschwäche, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und leichte Reizbarkeit die ersten Alarmsignale, auf die man als Veganer unbedingt sofort reagieren sollte. Oft treten diese Symptome erst nach mehreren Jahren der B12-Unterversorgung auf, da der Körper dieses Enzym sehr lange speichern kann. Aus diesem Grund wird ein Mangel auch so häufig übersehen - weshalb man seine Gesundheit und seinen Nährstoffhaushalt als Veganer unbedingt ärztlich überwachen lassen sollte.

https://www.medivitan.de/medivitan-vitamin-b-mangel.html?pflt&gclid=Cj0KCQiA2ITuBRDkARIsAMK9Q7NYeFgjtpGAyaPvoTTE5JVn7PfzSnCpxBnHL4czzJZ2VqRCmkwfS-EaAqrzEALw_wcB

https://www.foodwatch.org/de/frage-des-monats/2016/vitamin-b12-wofuer-ist-es-gut-wo-steckt-es-drin-und-wer-kann-von-einem-mangel-betroffen-sein/

https://flexikon-mobile.doccheck.com/de/Cobalamin

Woher ich das weiß:Hobby – Die Beschäftigung mit der Urzeit ist seit Jahren mein Hobby.

B12 ist durchaus in pflanzlicher Nahrung vorhanden. Ungewaschenes Gemüse fällt heute meist flach, aber fermentiertes (Sauerkraut, Brottrunk, vegane Joghurts) und auch manche Algen enthalten B12. Nur eben in stark schwankenden Mengen, weshalb es einfacher ist, den Bedarf mit Fleisch und Co zu decken. Wobei man sagen muss, dass die meisten Tiere ihr B12 auch nur supplementiert bekommen.

Weil wir uns in unserer modernen Lebensweise schon sehr weit von unserer ursprünglichen Lebensumgebung entfernt haben. In der Natur findet man die Mikroorganismen welche Vitamin B12 produzieren überall. In der Erde, in jedem Gewässer, auch auf jeder Pflanze. Außerdem gehören sie sogar zu unserer natürlichen Mundflora. Nur ernähren wir uns nicht mehr aus der Natur. Wir haben hohe Hygienestandards, die unsere moderne, städtische Lebensweise erst ermöglichen. Unsere Nahrung kommt aus dem Superkmarkt und wird sauber gewaschen, unser Wasser aus er Leitung und dem Getränkemarkt. Außerdem putzen wir uns täglich die Zähne, und zerstören unsere Mundflora. Ich will nicht sagen dass die Errungenschaften der Moderne schlecht wären, aber sie haben dazu geführt, dass wir B12 kaum noch auf natürliche Weise zu uns nehmen. Nu in tierischen Nahrungsmitteln sind noch nennenswerte Mengen vorhanden. Dort aber oft auch nur noch, weil die Tiere in der Mast B12 supplementiert bekommen, denn in der modernen Nutztierhaltung gibt es in Bezug auf B12 genau das gleiche Problem wie beim Menschen. Ohne menschlichen Eingriff findet man B12 nur noch bei Weidetieren oder Wild aus dem Wald in verlässlichen Mengen. Diese machen aber bei dem angebotenen Fleisch am Markt nur einen winzigen Bruchteil aus.

Och, das geht schon auch ohne Fleisch. Gorillas z.B. essen gelegentlich ihre eigenen Exkremente, weil die Dickdarmbakterien durchaus in der Lage sind, B12 zu produzieren. Allerdings wird B12 schon im Dünndarm aufgenommen, im Dickdarm nützt es nix mehr. Also einfach nochmal durchlaufen lassen, da muss man halt flexibel sein. xD

Auch Tiere können kein B12 produzieren, das können nur Mikroben. Möglicherweise haben allerdings Wiederkäuer einen Heimvorteil, weil sie die Mikroben vorne im Magen sitzen haben, und nicht hinten im Dickdarm, so wie wir...

Es würde ja auch reichen generell etwas lockerer mit der Hygiene zu sein. Nur käme es bei unserer städtischen Lebensweise da schnell zu Epidemien. Das will ja auch keiner.

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@BerwinEnzemann

Tja, die eigene Kacka ist so gesehen safe. Da ist krankheitsmäßig nix drin, was man nicht eh schon hat... Aber ist halt eher unpopulär.

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@BerwinEnzemann

Aber Stuhltransplantationen kommen ja zunehmend in Mode, weil immer mehr Leute kaputte Darmfloren haben. Man sollte wohl wirklich nicht so zimperlich sein...

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Ist halt so😅

Plot twist: die Tiere in Massentierhaltung kriegen auch B12 zugefüttert, da sie es nicht auf natürlichem Weg zu sich nehmen können.

Also ist es letztlich egal, ob du das B12 durch Fleisch oder direkt durch Nahrungsergänzungsmittel aufnimmst

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