Warum sind die Zinssätze und die Infaltionsraten nicht direkt Konjunkturindikatoren?

5 Antworten

Der Konjunkturindikator sollte eine Messzahl sein, die so mit einer anzuzeigenden wirtschaftlichen Situation verbunden ist, dass die Höhe der Messzahl eine direkte Verknüpfung zu der interessierenden wirtschaftlichen Situation hat und am besten Veränderungstendenzen der Messzahl auch Tendenzen der wirtschaftlichen Situation anzeigen. Die Inflationsrate ist ein Preisindikator des Gütermarktes, Zinssätze sind Preisindikatoren des Geldmarktes. Wenn jeweils diese Märket unter Beobachtung stehen, sind diese Preisindikatoren gut verwendbar, wenn auch interpretationsbedürftig. Hat die Konjunktur einen Einbruch erlitten und man sucht nach Anzeigen, ob das Tal durchschritten ist, dann zeigt die Entwicklung der Auftragseingänge und der Industrieproduktion dies am besten an. Soll angezeigt werden, auf welchem Stand sich die Gesamtkonjunktur der Volkswirtschaft befindet, ist das BIP nach der Verwendungsrechnung ein auskunftsfähiger Indikator, vor allem, wenn er in einer Jahresreihe vorliegt. Siehe dazu auch Wikipedia, Konjunkturindikatoren.

Primäres Ziel der EZB muss es sein, den Wert des Euro stabil zu halten, also Inflation und Deflation zu vermeiden bzw. in Grenzen zu halten. Das bedeutet, dass sie nicht immer Konjunktur im ersten Blick haben kann. Aussagekräftigster direkter Konjunturindikator dürften die Auftragseingänge der Unternehmen sein.

Zinssatz und Inflationsrate sind zwei von vielen Indikatoren, die man insgesamt betrachten muss. Zinsen können niedrig sein, weil "zu viel" Geld im Umlauf ist - oder weil keiner einen Kredit haben will.

Anhand einzelner Indikatoren Aussagen zu machen, ist zwar beliebt, aber Unfug. Vor allem kommt es nicht auf den einzelnen Wert an, sondern auf die Entwicklung. Also: Waren die Zinsen vorher höher oder niedriger als im gegenwärtigen Stand, wie stark und schnell sind sie gestiegen oder gesunken? Und wie hat sich im gleichen Zeitraum die Geldmenge entwickelt, wie hat sich das Preisniveau entwickelt? Beim Preisniveau (also der Infaltionsrate) muss man darauf achten, ob sich die Preise insgesamt verändern oder nur bestimmte Warengruppen gegen den allgemeinen Trend ausreißen. Im zweiten Fall gibt es dafür bestimmt Erklärungen, z.B. vor zwei Jahren den rasanten Ölpreisanstieg und parallel dazu eine Verteuerung landwirtschaftlicher Produkte, weil plötzlich viele Flächen nicht mehr für Getreide, sondern für Raps und Mais (Bioenergie) benutzt wurden. Alle anderen Preise haben sich dabei minimal verändert.

Ich würde mir wünschen, dass in den Medien verantwortlicher mit solchen Aussagen umgegangen würde und nicht jede Pressemitteilung über irgendeinen "Konjunkturindex" groß ausgewalzt würde und zwei Tage später eine andere ebenso groß, die mit der ersten aber nichts und gar nichts zu tun hat.

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