Warum sind die Schweizer gegen das bedingungslose Grundeinkommen?

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12 Antworten

Ein BGE wäre ein steuerfinanziertes Einkommen, die Wirtschaft würde nur noch den Teil der Arbeit entlohnen der oberhalb des Grundeinkommens entstehen würde.
Hieraus entstünde eine Abhändgigkeit vom Staat, der die Höhe des BGE nach eigenem Ermessen herauf oder heruntersetzen könnte.

Darüberhinaus entstünden dem Staat erhebliche Finnazierungslasten für Kranken- und Rentenversicherung.

Welche Auswirkungen das haben kann lässt sich in Deutschland am Hartz IV "bewundern".
Neben anderen Ergebnissen ist HartzIV der Auslöser von Dumping- und Niedriglöhnen, einhergegend mit Armutsrenten.
Dankesschreiben sind zu richten an SPD und Grüne, den Urhebern dieses Unfugs.

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Ich bin ja ein Bewunderer der realistischen Schweizer. Anders als die Deutschen haben sie sich sehr früh ihre Demokratie selbst erkämpft. Sie ist ihnen nicht nach zwei verlorenen Kriegen übergestülpt worden. Die Schweiz ist ein schönes, aber auch ein hartes Land. Die Natur verlangt den einzelnen Menschen viel ab an Arbeit und Vorsorge. Früher mehr als heute. In den relativ kleinen Verwaltungs- und Wahleinheiten kennen sich die Wähler mit den lokalen Gegebenheiten noch aus und kennen, im Gegensatz zu den meisten deutschen Wählern, ihre Etats, wer einzahlt und wer was rausbekommt und was nötig wäre, um finanzialle Vorhaben zu erledigen. Ich denke, dass vor allem Zustimmung zum Bedingungslosen Grundeinkommen in den Städten kommt, weniger auf dem Land. Diese Idee ist eine Kopfgeburt und die Schweizer haben wenig Interesse, den Intellektuellen Theorieaktrobaten Europas als Versuchskaninchen zu dienen. Zur Arbeit zwingt uns das Überleben und es ist schön, wenn wir gesellschaftliche Verhältnisse haben, in denen dieser Zwang immer weniger spürbar ist. Anders als Deutschland haben die Schweizer Vorsorgesysteme eingerichtet, die auch in der Zukunft besser tragen. Die Schweizer können in Ruhe abwarten, welche der Vorsorgesysteme rund um die Schweiz am ehesten zusammenbrechen. Italien und Spanien sind schlechter dran. In Frankreich stehen die Sozialsysteme vor dem Kollaps und Deutschland ist nicht weit hinterher. Nö, warum sollen sich die Schweizer dem gesamteuropäischen Wahn opfern?

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Das muss ja auch in der Schweiz jemand bezahlen.

Und da die Schweizer mehrheitlich NICHT von einem solchen garantierten Einkommen profitieren würden, ist es längst nicht sicher, dass es dafür eine Mehrheit gibt.

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Weil ein solches bedingungsloses Grundeinkommen finanziert werden muss.

Und es werden dann nicht mehr alle Schweizer arbeiten. So mancher wird sagen: "Warum soll ich meine Zeit mit Arbeit verbringen, wenn es auch ohne geht?" Auch in der Schweiz gibt es viele unangenehme, aber wichtige Jobs. Warum sollte jemand beispielweise für wenig Geld in der Gastronomie oder in der Müllentsorgung arbeiten?

Zudem wird es viele geben, die heute nicht arbeiten, deren Einkommen sich erhöht. Das muss alles durch Steuern finanziert werden. Alle die, die das bedingungslose Grundeinkommen bekommen, zahlen keine Einkommensteuer. Die Steuern werden drastisch angehoben werden müssen. Das macht die Arbeit noch unattraktiver, wenn es auch ohne geht.

Ein schöner Traum, m. E aber nicht realistisch.

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Es wäre ein gigantisches Experiment mit ungewissem Ausgang.

Ich würde folgendes erwarten: Jeder bekommt das Grundeinkommen und viele beginnen, mehr zu konsumieren und weniger zu arbeiten. Die Güter verknappen sich dadurch - und die Preise steigen massiv, auch für Dienstleistungen. Das Grundeinkommen reicht dadurch nicht mehr aus und die Grundeinkommensbezieher beginnen sich zu verschulden. Ist ja kein Problem - Zinsen und Tilgung bezahlt man aus dem Grundeinkommen. Das geht so lange gut, bis das Grundeinkommen zum größten Teil für Zinsen draufgeht. Gezwungenermaßen beginnen die Grundeinkommensbezieher dann doch wieder zu arbeiten - und alles ist wie zuvor. Nur, dass die Reichen noch reicher geworden sind und die Grundeinkommen direkt in ihrer Tasche landen.

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Kommentar von berkersheim
27.05.2016, 16:23

Ja, genauso sehe ich es auch. Es ist schade, dass sich die Schweiz nicht für dieses Experiment opfert, dann wäre die rein theoretische Diskussion endlich vom Tisch. Einen Vorteil hätte das Ganze: Es würde eine Unterscheidung geben zwischen Menschen, die ihre Arbeit aus Spaß und als Herausforderung machen und den vielen, die sie nur machen, damit sie Lohn zum Überleben bekommen. Als erstes würden die Mülltonnen stehen bleiben, die Kanalisation nicht mehr gereinigt werden usw.. Wer stellt sich denn freiwillig ans Fließband? Das mit dem "freiwillig Arbeiten" denken sich nur die aus, die noch nie eine Knochenarbeit gemacht haben.

Das kann man ja auch bei uns beobachten, zu welchen öffentlichen Arbeiten unsere Hartz4-Empfänger bereit sind, wenn man sie nicht zwingt. Da müssen Lehrer aus Polen zum Spargelstechen kommen, weil die Entgeltung den Hartz4-Empfängern zu niedrig ist. Wir haben doch schon über die Sozialetats ein niedriger angesetztes Grundeinkommen und schon jetzt droht der Sozialetat aus den Nähten zu platzen. Über die Entwertung der Vermögen enteignet der Staat mit Hilfe der EZB doch schon längst die kleinen Vermögenden. In Griechenland leben die seit Jahren schon von einem Grundeinkommen, das andere bezahlen, weil sie selbst längst pleite sind. Und, kommen sie auf die Beine? Es geht wirtschaftlich immer weiter bergab. 

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Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens ist grundsätzlich interessant. Als guten Grund dafür zieht man immer mehr die technische Revolution heran. Wenn Maschinen immer intelligenter und vielseitiger werden, gibt es bald für viele Menschen keine Jobs mehr. Wenn Räumarbeiten, repetitive Arbeiten, Pflege, Putzen, Landwirtschaft, Verkauf, Logistik etc. grösstenteils von Maschinen erledigt werden können, entstehen dafür neue spezialisiertere Jobs mit höheren Anforderungen an Ausbildung und Leistungsfähigkeit. Gewisse Personen werden hier wohl nicht mithalten können und deren Zahl wird immer grösser.

Dazu muss man aber auch festhalten, dass diese Erklärung schon bei der Fliessbandarbeit, der einführung von Maschinen und der Robotik gebracht wurde. Bis jetzt schlagen wir uns trotzdem ganz okay durch.

Ich sehe als Hauptproblem, dass gewisse Jobs nicht mehr, oder nur gegen sehr hohe Bezahlung gemacht werden. Wer geht denn noch an einen stinkenden, schweisstreibenden Arbeitsplatz, wenn er auch was lustiges machen kann und es ihm grundsätzlich egal sein kann, ob er damit wirtschaftlich ist. Er bekommt ja bedingungslos und ist niemandem Rechenschaft schuldig. So weit, dass wir nicht mehr auf einen gewissen Erwerbsdruck angewiesen sind, sind wir imho noch nicht.

Klar hört man von denen, die eher auf der Empfängerseite landen, gutes über die Initiative - aber wer hauptsächlich bezahlen darf, der sieht es etwas anders. Die meisten haben wohl ein gewisses Verständnis dafür, dass man mit dem Sozialsystem niemanden verhungern lassen sollte und schaut, dass alle eine gewisse Grundbedürfnisabdeckung erfahren. Bei vielen ist die Zustimmung dazu wohl auch nur darauf zurückzuführen, dass sie nicht einen brandschatzenden Mob wollen, der ja nix mehr zu verlieren hat. Aber man will wenigstens, dass diese sich als Bittsteller verstehen und es Leute gibt, die versuchen, die Leute wieder zur Erwerbsarbeit zu bringen (und zwar zu einer, die die Gesellschaft braucht und die selbsttragend ist und nicht Selbstzweck). Denen stösst sauer auf, dass man dann "bedingungslos" bekommt. There is no free lunch.

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Einen gravierenden Grund dagegen ist ganz sicher, wer finanziert das ganze? Das Geld fällt ja nicht von den Bäumen. Die Menschen die Arbeiten, die müssten dann Geld abgeben damit der Staat diese an die Menschen ohne Arbeit geben könnten.

Und mit diesem Grundeinkommen könnte man vielleicht die Hausfrauen unterstützen, aber nur zuhause zu bleiben und dann auch noch glauben dass man niemals arbeiten muss, das würde sowieso nicht funktionieren! Mit 2500.- würde man vielleicht in Deutschland über die Runden kommen, aber niemals in der Schweiz! ^^ Da bist du auf mind. 5000 Franken angewiesen falls du als Familienvater deine Kinder ernähren willst und ja auch diese 5000.- sind mehr als nur knapp!

Klar, es wäre schön würde einfach Geld fliesen, aber man kann kein Geld fliessen lassen, wenn keines Vorhanden ist.

Deshalb werde ich diese Initiative ablehnen.

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Kommentar von rluechin
27.05.2016, 17:52

Naja, wenn Papa 2500 und Mama 2500 und jedes Kind nochmal 800 bekommt, dann kommt man aufm Land schon irgendwie über die Runden, so man denn will. Ich hab als Studi in Zürich mit 2500 pro Monat gelebt, wenn auch klar an vielen Orten subventioniert.

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Du hast schon diverse gute Antworten mit verschiedenen Argumenten bekommen. Anmerken möchte ich nur noch Folgendes:

So eine Chance bzw. Volksabstimmung kommt nur einmal im Leben. 

Das stimmt nicht wirklich. Die Diskussion ist höchstwahrscheinlich noch lange nicht vorbei. Auch über das Frauenstimmrecht mussten wir drei Mal abstimmen, bis es schliesslich angenommen wurde. Initiativen, die abgelehnt werden, sind nicht unbedingt für immer vom Tisch. Vieles taucht in der einen oder anderen Form wieder auf.

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Das Geld fällt ja nicht vom Himmel, sondern muss in Form von Steuern eingezahlt werden. Für die einen ist das "bedingungslose Grundeinkommen" also ein Geldwechseln, da sie an anderer Stelle mehr Steuern zahlen müssen, für die  anderen ein Ersatz für Sozialhilfe.

Nur halt mit großem Aufwand, denn wenn der Staat Geld umverteilt, dann immer mit vielen, vielen Beamten.

Und anscheinend stellen sich die Schweizer auch die Frage (zu Recht, wie ich finde), ob es eher die Aufgabe des Staates ist, das Zusammenleben freier Menschen zu organisieren - oder ob er gleich auch noch eine Hängematte für alle aufspannen soll.

Ich würde Letzteres auch nicht haben wollen.

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das hat ein gefeuerter journalist geschrieben der von hartz IV lebt , der den rest für sich malochen läßt .

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Naja ich denke das viele davor Angst haben ihren Job zu verlieren wenn so etwas kommt. Vllt denken sie das die Firmen dann schneller Leute entlassen weil sie sich dann nicht mehr bei einer Entlassung darauf achten müssen welchen Sozialen hintergrund die Person hat die entlassen werden soll.

Ein anderer Grund könnte sein das sie viele befürchten das dadurch noch mehr Migraten angezogen werden. Zumindest würde ich das befürchten wenn die sowas in Deutschland vorhätten. Denn wenn die Regierung das nur für Deutsche einführen würde, hätten wir ein problem mit dem Grundgesetz.

Ich persönlich wäre aber dafür, dann könnten wir auch das Problem mit den Obdachlosen in den Griff bekommen. Kann es immer noch nicht fassen das über 300000 Menschen in Deutschland auf der Straße leben und sich niemand darum kümmert. Aber für Flüchtlinge wird alles getan und der Penner der unter der Brücke lebt muss frieren.

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Im Vorschlag ist die Rede von 2500.- damit kann ich gut einen Monat leben, also wieso sollte ich dann noch arbeiten?

Den die die Arbeiten gehen bekommen laut Vorschlag auch nicht Lohn + 2500.- sondern den Normalen Lohn nur werden 2500.- davon vom Staat bezahlt.

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Kommentar von Gaensehaut666
30.05.2016, 21:43

Wenn jeder wie du denken würde, wäre die schweiz in einem monat pleite. Jeder muss arbeiten und das grundeinkommen als zusätzliches geld sehen.

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