Warum sind die Männer im Osten zu unzufrieden?

15 Antworten

Deine Unterstellung ist genauso dumm, chauvinistisch und rassistisch wie die Behauptung, alle Flüchtlinge wären Vergewaltiger.

Der Unterschied ist, daß die Behauptung über die Flüchtlinge nicht gesellschaftsfähig ist, die Herabsetzung Ostdeutscher aber selbst in denjenigen westdeutschen Kreisen üblich ist, die sich allen Ernstes für intelligent, tolerant, weltoffen und progressiv halten. Diese Leute würden niemals das Wort N*ger 1) oder Zigeuner in den Mund nehmen, aber halten es gleichzeitig in ihrer dümmlichen Arroganz für selbstverständlich, sich über Ostdeutsche abfällig zu äußern. Letztendlich plappern sie in ihrer Einfalt dabei nur die Narrative der Presse nach, die seit dem Kalten Krieg gegen den Osten hetzt.

https://www.welt.de/print/welt_kompakt/debatte/article169075132/Immer-auf-den-Osten.html

Natürlich sind nicht alle Ostdeutschen unzufrieden. Es sind auch nicht alle ostdeutschen Männer unzufrieden. Daß Männer hier eher herausstechen, dürfte daran liegen, daß sie grundsätzlich politisch interessierter sind als Frauen. Die Wahlbeteiligung bei ALLEN Bundestagswahlen war bis jetzt bei den Männern signifikant höher als bei den Frauen. Auch stellen Männer deutlich mehr Parteimitglieder als Frauen. Nur etwa 30% der 1,6 Mio. Parteimitglieder insgesamt sind Frauen (Stand 2004).

Über die Gründe einer Unzufriedenheit kann man nur spekulieren. Was Massenmedien hierzu veröffentlichen, ist mit Vorsicht zu genießen. Denn unsere Massenmedien werden komplett von Westdeutschen dominiert und bilden folgerichtig fast ausschließlich die westdeutsche Perspektive ab. Ich könnte mir vorstellen, daß die Gründe auf folgenden Sachverhalten basieren:

Mit der politisch gewollten, flächendeckenden De-Industrialiserung der ostdeutschen Wirtschaft nach 1990 durch die Treuhand wurde nicht nur Billigkonkurrenz im großen Stil ausgeschaltet sondern auch jede Menge Arbeitsplätze vorsätzlich vernichtet. Von dieser Zerschlagung hat sich die ostdeutsche Wirtschaft nie wirklich erholt. Dauerhaft prekäre Arbeitsplatzsituationen sind flächendeckend die Folge. Das Lohn- und Rentenniveau ist ambivalent.

Die Betriebe und Immobilien aus dem Volkseigentum der DDR wurden nicht den eigentlichen Eigentümern - den ostdeutschen Bürgern - übergeben sondern zu 85% an Westdeutsche und zu 10% an ausländische Investoren verschleudert und nur zu 5% an Ostdeutsche verkauft.

Ein entsprechender Witz geht so: "Wann ist die deutsche Einheit vollendet? Wenn der letzte Ossi aus dem Grundbuch gestrichen wurde."

Parallel zu De-Industrialisierung und Ausverkauf erfolgte ein Austausch der Eliten im großen Stil. 65 bis 75 Prozent der Spitzenämter in Wirtschaft, Politik, Sport, Kirchen, Militär und Gesellschaft sind in Ostdeutschland von Westdeutschen besetzt - und zwar dauerhaft.

http://www.mdr.de/heute-im-osten/projekte/wer-beherrscht-den-osten/wer-beherrscht-den-osten-pt-100.html

Man kann hier also auch gut und gerne von einer Besatzung Ostdeutschlands durch Westdeutsche sprechen. Die Verhältnisse erinnern an die des historischen Baltikums, in der seinerzeit die Litauer, Letten und Esten von einer kleinen deutschen Oberschicht (Baltendeutsche) beherrscht und regiert wurden. Daß die autochthone Bevölkerung damit nicht sonderlich zufrieden ist, erklärt sich von selbst.

Hinzu kommen die in den westdeutsch beherrschten Medien verbreiteten Narrative über Ostdeutschland. Der Osten wird abgewertet, um so von gesellschaftlichen Problemen ablenken zu können. Und als wären die ständigen Herabsetzungen nicht schon perfide genug, kommen obendrein auch noch Belehrungen hinzu. Auch hier kann man nicht ernsthaft erwarten, daß die Leute damit zufrieden sind.

https://www.volksstimme.de/nachrichten/deutschland_und_welt/meinung_und_debatte/988523_Der-Ossi-als-Problembaer-der-Nation.html

Ähnlich unterirdisch sieht es in der deutsch-deutschen Geschichtsaufarbeitung aus:

"Die Geschichtsaufarbeitung in der heutigen Bundesrepublik ist geprägt durch vereinfachte westliche Erfolgsgeschichten auf der einen und durch ostdeutsche Horrorgeschichten auf der anderen Seite. Geschichtsbetrachtung wird von aktuellen Westnormen bestimmt, ostdeutsche Erfahrungen werden marginalisiert. Der Einigungsprozess wird dadurch stark belastet."

(Prof. Andrew H. Beattie in "Learning from the Germans? History and Memory in German and European Projects of Integration", University of Technology Sydney, 2007)

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1) Es ist nicht mal möglich, dieses Wort hier auszuschreiben. Ostdeutsche herabzusetzen ist auf GF hingegen kein Problem.


Weil die Arbeitsplaetze, sowie die bluehenden Landschaften nicht zu sehen sind. Ausserdem sind die Frauen dieser unzufriedenen Maenner somit auch ungluecklich. Leicht koennten es deren Kinder auch sein.

Soll das eine neue Masche des laengst abgehakten kaltes Krieges sein?

Also siehst du die Ursachen in hoffnungsloser Naivität und Borniertheit? 

Arbeitsplätze und blühende Landschaften wurden nur von Kohl versprochen, die SPD stellte Steuererhöhungen und viel Arbeit in Aussicht...

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@atzef

Ich dachte du bist ein schlaues Kerlchen? Dann haettest du herausfinden koennen, wie ich auf diese Sinn freie Frage  einen Eimer Altoel gegossen habe. Somit bleibt es dir frei Ironie oder Satire daraus zu erkennen. Wer staendig von Stalinisten schwadroniert usw. der braucht sich nicht zu wundern, das er alte Klischees bedient und diese ihm dann um die Ohren fliegen.

Soviel zu deinen (sehr vielen) Einlassungen. 

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Ich befürchte das viele einfach noch nicht in der Marktwirtschaft angekommen sind.
Es ist ein uraltes Prinzip: Einen Markt schaffen und ihn dann bedienen.
Die AfD erschafft und schürt Ängste, Neid und Hass um sich dann als Retter zu präsentieren.
Praktisch als Lösung aller Probleme - die wir ohne die AfD gar nicht hätten.

Praktisch als Lösung aller Probleme - die wir ohne die AfD gar nicht hätten.

Bitte was? Das kann doch nicht Dein Ernst sein, oder? Die AfD nutzt zwar zweifellos die Gunst der Stunde. Sie ist allerdings ein Symptom und nicht die Ursache. Letztere wirst Du dann schon woanders suchen müssen.

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Doch, genau das meine ich. Ohne Hetze hätten wir höchstens ein Problemchen. Ein Beispiel: Wenn bei mir jemand eine Zigarette ansteckt sag ich 'das mag ich nicht' und sorge dafür dass sie ausgemacht wird. Die AfD würde "FEUER" schreien, das Haus fluten, die "Entsorgung" aller Raucher fordern und in der Nachbarschaft die Angst vor Terrorrauchern schüren.

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@ES1956

Sie benennt Probleme und stellt sie zum Teil übertrieben dar. Ein Aufbauschen lässt sich nicht leugnen. Damit sammelt sie schließlich auch Stimmen. Ein Problemverursacher ist sie deshalb noch lange nicht. In gewisser Hinsicht ist sie ein Problemverstärker, da stimme ich uneingeschränkt zu. Konträr dazu hast Du Parteien und Politiker, die Probleme relativieren und kleinreden. Damit ergattert die AfD sogleich ein paar Stimmen mehr. Vielleicht sind es auch mehrheitlich die Stimmen, die sie dadurch erhält. Ein Großteil ihrer Wähler besteht ja angeblich Protestwählern.

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