Warum sind die Briten eigentlich mehrheitlich für den EU Austritt?

12 Antworten

Aktuell sind die Mehrheitsverhältnisse schwankend, es ist mehr eine 50:50 Frage, wer in der EU bleiben möchte und wer nicht.

Die Gründe sind, wie immer im wirklichen Leben vielfältig und nur meine subjektive Zusammenfassung dessen, was ich dazu gelesen habe oder selbst im persönlichen Gespräch mit Briten erfahren habe:

Historisches Selbstverständnis:

Großbritannien war viele Jahrhunderte DIE Weltmacht. Im 20. Jahrhundert ist das Imperium weitestgehend zerfallen. In den Köpfen vieler Briten ist aber immer noch der Anspruch, unabhängig und eigenverantwortlich zu agieren.

Bösartige Irreführung:

Im Rahmen der Brexit-Kampagne gab es einen Wust von Unwahrheiten und glatten Lügen. Es wurden goldene Zeiten und massive Einsparungen durch den Brexit versprochen. Dazu noch alle Vorteile der EU ohne die Nachteile, bzw. die Einmischung durch andere Staaten. Natürlich ist es dumm, so etwas unbesehen zu glauben, aber es gab anscheinend genug, die das getan haben.

Fehlende Zukunftsvision:

Man hätte es ja leicht ausrechnen können: Der global vernetzte Finanzstandort London, die von einer vielfältigen Zuliefererkette abhängige deutsche, japanische und indische Autoindustrie Englands (selbst die paar echten englischen Autohersteller wie McLaren haben diese Abhängigkeiten), die Abhängigkeit der Gastronomie, des Gesundheitswesens, der Landwirtschaft von günstigen Arbeitskräften aus der EU. Um zu erkennen, dass ein Brexit problematisch wird, hätte ein Rechenschieber und etwas gesunder Menschenverstand gereicht.

Abschreckende Außendarstellung der EU:

Es gibt kaum eine Institution, die es in den letzten Jahren schlechter hinbekommen hat, eine positive Außenwirkung zu erzielen. Allerdings ist sie auch ein ideales Feindbild für Nationalisten. Tatsachen, wie zum Beispiel, dass die EU ein Drittel weniger Beamte hat als Hamburg, spielen keine Rolle.

Dumme Ressentiments:

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gibt es auch in Großbritannien. Das ein Großteil der Einwanderer mit Problemen aus den ehemaligen Kolonien kommt und nichts mit der EU zu tun hat, zählt dabei natürlich nicht.

Naive Weltsicht:

Die Idee, weiterhin einseitig die Vorteile des Binnenmarktes mitzunehmen, ohne an der EU beteiligt zu sein, kann man bestenfalls als naiv bezeichnen.Kleinigkeiten wie die gerade einigermaßen befriedeten Konflikte in Nordirland hätte man auch berücksichtigen sollen bei der Idee der Abschottung. Richtig naiv ist es zu glauben, dass ein Nationalstaat mit 66 Millionen Einwohnern ähnliche oder sogar bessere internationale Handelsverträge erzielen kann als ein Binnenmarkt mit über 500 Millionen Einwohnern. Trump, Putin und Xi Jingping sind ja für ihren internationalen Altruismus bekannt (der letzte Satz war ironisch gemeint, sollte eigentlich selbsterklärend sein).

In den Köpfen vieler Briten ist aber immer noch der Anspruch, unabhängig und eigenverantwortlich zu agieren? Ach ich verstehe, das übernehmen für Deutsche ja andere. Unabhängig und eigenverantwortlich zu agieren ist für Deutsche ein Fremdwort.

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@Niconasbeznas

Was soll dieser Troll-Kommentar zu diesem Thema. Kannst Du deinen Hass auf "den Deutschen" nicht auf entsprechende Themen beschränken?

P.S.: Ich würde anhand Deiner Kommentare gern wissen, ob Du einen deutschen Personalausweis hast bzw. wenigstens ausgewandert bist.^^

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Die Briten wollen keine weitere innereuropäische Migration (vor allem nicht aus Polen) und die Initiatoren des Brexit haben innenpolitische Versäumnisse (wie z.B. die Gesundheitsversorgung) darauf geschoben, dass die britischen Zahlungen an die EU dringend benötigte Gelder aus GB in Richtung Brüssel lenken würden. Dazu noch ein wenig nationales Geplänkel (a la "wir wollen die Herrschaft über unsere Justiz zurück").

Mit einfachsten Rattenfängermethoden haben sich Politiker durchgesetzt, die GB den Weg in die goldene Zukunft versprochen haben, aber an der ersten Weggabelung schon nicht mehr weiter wussten. Mit ein Grund, weshalb sich die Drahtzieher des Brexit in der Zwischenzeit aus dem Staub gemacht haben und T. May auf einem großen Scherbenhaufen sitzen ließen.

Ja genau die Polen waren mal wieder an allem Schuld. War da noch was? Ach ja die deutsch bevormundende Besserwisserei, wie dieser Text beweist.

Tatsächlich war Merkel und die Deutschen ausschlaggebend. In diesen Artikeln wird das gut erklärt:

Für viele war Merkel der Grund für das Brexit-Votum - Die Welt

Vor dem EU-Referendum riefen viele an und sagten: Merkel ist der Grund, warum wir aus der EU rauswollen. Wegen der Flüchtlinge und wegen Griechenland. Wie die Deutschen in der Euro-Krise mit den Griechen umgegangen sind, das ist vielen Briten schwer aufgestoßen. Griechenland war einfach mal in deutschen Besitz übergegangen. Das hat hierzulande Reflexe ausgelöst... Die Leute schauen sich den Fall Griechenland an und sagen: Bei Hitler hatten wir wenigstens Bunker. Jetzt übernimmt uns Deutschland mithilfe der EU.

Britisches Referendum - Was Merkel mit dem Brexit zu tun hat | Cicero ...

Zum Verhängnis wurde dabei die deutsche Kanzlerin. Deren Performance in der Flüchtlingsfrage im vergangenen Spätsommer/Frühherbst hat diese Ängste aufkommen lassen. In Europa herrschte Kontrollverlust, Unordnung. Im Zentrum dieses vorübergehenden Kontrollverlustes eines Staatsgebildes und einer Staatengemeinschaft: Deutschland.Dieses Thema, die Migration und das vorübergehende Flüchtlingschaos in Europa, dominierte deshalb den gesamten Wahlkampf um den Brexit. Deswegen, abermals sorry to say: Dieser Brexit ist auch Merkels Brexit.

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@Niconasbeznas

Herrje Nico, jetzt hast Du mich wieder mal durchschaut. Natürlich hast Du recht -die Polen sind an allem schuld. Geht's Dir jetzt besser ? :-)))))

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@Niconasbeznas

Tja, mit der Ironie, das ist so eine Sache.......bei der nächsten Influencerschulung musst Du ein wenig besser aufpassen....:-)))))

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Das waren sie bei der letzten Abstimmung. Heute würden sich viele ganz anders entscheiden. Es gäbe noch immer einen großen Anteil die einen Ausstieg aus der EU befürworten, aber die Mehrheit würden sie wohl nicht mehr stellen. Denn es ist zu viel passiert, zu viele Lügen sind ans Licht gekommen, zu viele Versprechen können schon jetzt nicht mehr gehalten werden, zu viele Firmen haben das Land bereits verlassen und zu viele wollen noch gehen.

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