Warum sind die Amis viel religiöser als die Europäer?

15 Antworten

Amerika ist vor allem vom englischen Protestantismus geprägt, Europa von der katholischen Kirche. Kirchenmitgliedschaft und Besuch der Gottesdienste stehen in den USA unter ganz anderen Vorzeichen.

Ganz stark verkürzt dargestellt würde ich das so ausdrücken: Europa, insbesondere Deutschland, kannte lange Zeit nur die Sonntagspflicht der römischen Kirche, die Messe und Bibel in Latein, die niemand verstehen konnte. Das Volk pflegte einen relativ schlichten Glauben, das übrige "religiöse Geschäft" besorgten die Priester und ihre Oberen. Bis Luther kam und die Reformation begann. Durch Reformation und Gegenreformation wurde in Europa die Aufklärung möglich, in dessen Folge ein Trend zum Säkularismus einsetzte, der bis heute anhält. Religion ist die Sache von Institutionen, man bekennt sich zu der einen oder anderen oder man tritt aus, i. d. R. wechselt man die Konfession - wenn überhaupt - nur einmal im Leben, alles das ist gesellschaftlich anerkannt.

Die englische Reformation lief anders ab und hatte andere Folgen. Viele biblizistisch glaubende Protestanten gingen nach Amerika, wo sie von Beginn der Besiedelung an das Übergewicht hatten. Die katholische Kirche ist bis heute eine kleine Minderheit, anders als in Europa. Sie ist vor allem die Kirche derer, die nichts erreicht haben, die Kirche der Armen. Die Besiedelung Amerikas war für die einzelnen Menschen ein ungeheuer schwieriger Prozeß und der calvinistische, oft biblizistische Glaube half den Siedlern, zu überleben und schließlich auch erfolgreich zu sein. Vor allem war der amerikanische Protestantismus viel weniger auf die Berufstheologen zentriert, als es hier der Fall war. Es gab und gibt - verglichen mit Deutschland - eine Vielzahl an protestantischen Kirchen. Und die besucht man nicht, weil man einer bestimmten Theologie folgt, sondern weil man sich in einem bestimmten gesellschaftlichen Status sieht. Wer Karriere macht, wechselt auch oft die Kirche. Baptisten und Katholiken stehen quasi am unteren Ende der Skala, Lutheraner beider großen Konfessionen finden sich so in etwa in der Mitte und die Episcopal Church ist die Kirche der Besserverdiener, Erfolgreichen und Politiker. Zwar ist der individuell gelebte Glaube völlige Privatsache, aber gleichzeitig auch ein politisches und gesellschaftliches Bekenntnis, Selbstdarstellung und "socialising".  Letzteres z. B. fehlt hier völlig, kaum jemand geht hier in die Kirche um Nachbarn und Freunde zu treffen. 

Den Amerikanern generell Heuchelei in Sachen Religion zu unterstellen, halte ich für falsch. Amerikaner sind nicht verlogener als andere Leute auch. Sie setzen nur andere Schwerpunkte, so ist z. B. für sie wichtig, daß die Fassade stimmt und Freunden und Bekannten ein aufgeräumtes und "perfektes" Bild der Person und der Familie präsentiert wird, das sich am "Amercan way of life" ausrichtet. Man demonstriert damit sein Selbstbild aber auch eine gewisse Rücksichtnahme auf andere: Man belästigt niemanden mit seinen eigenen Problemchen und Unvollkommenheiten. Sowas mag man in Europa als merkwürdig empfinden - mir geht das auch so -, macht aber den Verkehr mit fremden Amerikanern unkompliziert, weil man gewisse Standards voraussetzten kann, die im Allgemeinen auch erfüllt werden. 

Die Politik Amerikas ist vom Protestantismus natürlich mitbestimmt, "a nation under god" ist Teil des Selbstbildes der USA. Aus ihrer Geschichte heraus kann man das verstehen, doch man muß natürlich fragen, ob da nicht längst ein Wandel fällig wäre. Amerika ist derzeit stark im Umbruch, das wird nur in der Außenpoliitik - auf die wir aus Europa immer verstärkt schielen - nicht so sichtbar. Wirtschaftlich und als führende Weltmacht sind die USA auf dem absteigenden Ast, sie wollen es nur bislan nicht wahrhaben. Innenpolitische Probleme führen zu einem ganz langsam einsetzenden Umdenken, das in den nächsten 50 Jahren zu einigen gesellschaftlichen Umwälzungen führen wird. Mit blankem Anti-Amerikanismus ist nichts gewonnen, eine rein anti-deutsche Haltung bringt ja auch nichts voran. Die USA werden sich daran gewöhnen müssen, stärker auf das zu achten, was sich in Europa und Asien abspielt und sie beginnen bereits, ihre Außenpolitik daraufhin auszurichten. Sie tun sich nur noch schwer in dieser Rolle - vor allem mit dem veränderten Selbstbewußtsein. Gruß, q.

So sieht's aus. Absolut schlüssig erklärt. Ein sehr guter Beitrag, der vor allem nicht wertend ist (was vielen hier äußerst schwer fällt).

0
@cowboy8

@ cowboy - wir leben in einer absolut einseitig, Wert orientierten, bewertenden maßregelnden und bestimmenden Kultur, das nicht anzuerkennen, auszublenden und nicht damit umzugehen und dies auch positiv einzusetzen, halte ich für extrem leichtsinnig und naiv, .. weil dadurch die reale Unterdrückung  toleriert und ausgeklammert wird und keine Möglichkeit zur Gegenwehr besteht, ein ausgeliefertes Daseim als abhängiges Teilchen ist die Folge, viel  Spass noch dabei.

0

Wie lange hast du gebraucht um diese lange Antwort zu schreiben?
😵😵😵

0

Woher weißt du das ?

Falls es stimmt: die USA stammt ab von Manasse,einem der Söhne Josefs, die Gott besonders segnete (1. Mose 48,20).

Solange der Großteil der Amerikaner Gott noch respektiert, solange wird Er sie noch beschützen, hoffe ich (1.Mose 49,26).

Näheres bei     

 http://www.vkg.org/start.php

 

Ach du meine Güte. Merkst du noch was?

IN Geschichte wahrscheinlich immer gepennt?

Die USA besteht aus verschiedenen Europäern, Afrikanern und Asiaten. Die Ureinwohner sind zum größten Teil verschwunden. Der Hauptteil der Amerikaner stammt von genau den selben MEnschen ab wie die Deutschen, Spanier, Italiener, Portugiesen, Holländer, Franzosen etc. Sie sind kein eigene "Stamm" der von irgendeinem biblischen Stamm abstammt.

 

Die biblische Geschichte die du anführst, ist nachweislich erfunden. Es gab diese Stämme niemals.

 

Wenn du das ernst meinst, dass die "Amis Gott respektieren" dann tust du mir echt leid. Es gibt da mit Sicherheit ein paar Ärzte in deiner Nähe die dir bei deinem Realitätsverlust behilflich sein können. Denn die Amerikaner sind in keiner Weise respektvoll gegenüber Gott SIe heucheln das nur. Warum wohl sind sie die Kriegslustigste Macht der Welt? Sie mischen sich überall ein und sind in keiner Weise tolerant.

 

Sorry wenn das beleidigend klingen sollte, so ist es nicht gemeint. Ich habe nur MItleid mit dir, weil du anscheinend nicht im Geringsten weisst von was du da sprichst und du noch auf dem Stand des Mittelalters mit deinem Wissen bist.

0

Au weia! An sowas glauben die VKG?

Keine Frage! Natürlich werden viele Amis in vielen Verzweigungen auch von Manasse abstammen... vielleicht sogar ich... immerhin wurden die Juden über die ganze Welt verstreut.

Hast du keine Angst, dass du einer derjenigen bist, vor denen Paulus die Galater in seinem Brief Kapitel 1, 8-10 warnt?

Das ist ja schon eine ganz schön verschrobene Theologie, die die Bibel so nicht unterstützt.

 

0

Das könnte darauf zurückgehen, dass die ersten englischen Kolonisten die sog. "Pilgerväter" waren, die stark religiös waren. Teilweise sind später auch weitere Menschen in diese Gebiete ausgewandert, die in Europa wegen ihres Glaubens (mit zum Teil relativ radikalen Ansichten) verfolgt wurden und ihn dort ausleben konnten.

Daneben gibt es noch die Menschen, die als Sklaven von Afrika nach Nordamerika gebracht wurden und die lange Zeit kaum etwas anderes als ihre Religion besaßen (Gospel kommt z.B. aus dieser Richtung und ist in den USA nicht umsonst sehr weit verbreitet).

Unter dem Begriff "Bible Belt" findest du im Internet massenhaft weitere Informationen zu deiner Frage.

Würde Jesus / Gott einem Mörder vergeben der Reue zeigt, der eine Mutter und ihre 4 jährige Tochter getötet hat?

Der ihnen die kehle durchgeschnitten hat.
Einem Kind das ganz am Anfang seines Lebens stand.

Es heisst doch, Gott zeigt für alles Vergebung oder? denn wirklich für alles ?
Wie sehen religiöse Personen diese Frage?

...zur Frage

Wie kann ich wieder religiös werden?

Ich bin ein Christ obwohl ich ein Kambodschaner bin. Seit langem bin ich nicht in die Kirche gegangen. Nun habe ich meine Entscheidung geändert,und will regelmäßig in die Kirche gehen.

Es gibt viele Gründe dafür. Ich mach mir große sorgen um unsere Zukunft. Wenn wir nicht beten und an Gott glauben, wird Gott uns später wenn wir alt sind mit Altersarmut bestrafen. Weil wir jz unendlich Geld ausgeben und so viel einkaufen, obwohl wir nichts brauchen. Die Menschen in Afrika verhungern und wir essen überdurchschnittlich.

Ich glaube, dass Gott uns jetzt testet. Wenn wir den armen Menschen nicht helfen und ungläubig sind werden wir sogar noch vor dem Tod bestraft.

Wenn wir beten und die Bibel als Vorbild nehmen kann unser Leben viel einfacher werden. Wie soll ich beginnen? Soll ich einfach zur Kirche gehen und mit unserem Pfarrer reden?

Danke

...zur Frage

Warum haben viele Amerikaner etwas gegen Europäer?

Schließlich sind ja die Amis wie wir sie heute kennen ursprünglisch aus Europa gekommen. Ist es die Unwissenhei ?

...zur Frage

Japanische Kirche? Heißt das so?

Gehen Japaner zur Kirche? Beten sie? Wie sehen ihre Kirchen aus? Wann gehen sie immer hin?

xóxó mascha1997

...zur Frage

Gibt es Gott wirklich und gab es Jesus auch wirklich?

...zur Frage

Dürfen Muslime in der Kirche beten gehen , wenn sie beten so wie sie immer beten?

...zur Frage

Was möchtest Du wissen?