Warum sehen wir so gerne Menschen leiden im Kino?

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Eine wirklich gut und differenziert formulierte Problemstellung, die nach plausiblen Antworten sucht.

Möglich wäre ein altes evolutionsbiologisches Erbe, das Menschen, die sich Szenarien, in denen Artgenossen scheitern, gegenüber mit Neugier zuwenden, weil sie daraus Einsichten gewinnen können, die für ihr eigenes Überleben von Bedeutung sein können. So denke ich z.B. daran, dass man aus dem Scheitern (Leiden) des Anderen erkennen kann, welche Konsequenzen bestimmte Verhaltensweisen nach sich ziehen, z.B. ein allzu freches Verhalten gegenüber einem ranghohen Gruppenmitglied kann dessen gnadenlose Vergeltung nach sich ziehen. 

Ich glaube nicht, dass das Ansehen solcher Filme aus einer sadistischen Freude am Leiden anderer geschieht, das gibt es sicher auch, ist jedoch selten ein eher psychopathologisches Phänomen, das durch vorausgehende Ohnmachtserlebnisse speziell in der Kindheit verursacht worden ist.

Der Mensch ist unbegrenzt neugierig, vor allem gegenüber Situationen, die völlig neue Aspekte des Lebens zeigen; und das sind solche, in denen große Siege, der Gewinn von Ehre, Macht, Reichtum oder sozialer Zuwendung auf der einen Seite stehen --- oder aber eben auch Vernichtung, Leiden und Untergang auf der anderen. So wie wir positive Modelle suchen, denen wir nachzueifern trachten, sind wir gleichfalls neugierig auf Modelle des Scheiterns, um genau diese Bedingungsgrößen für unser eigenes Leben zu vermeiden.

Aus meinem eigenen Leben kann ich noch beisteuern, dass ich einige Jahre als Tauchlehrer gearbeitet habe, und wenn ich bedenke, was wir in der Ausbildung endlos geübt haben, waren das fast nur Strategien, wie man das Scheitern vermeiden kann, wie man Risiken erkennen, Gefahren vermeiden und sich aus bedrohlichen Situationen befreien kann. Das alles diente dazu, die Tauchschüler fit zu machen, damit sie mit den möglichen lebensbedrohlichen Konstellationen angemessen umgehen können, d.h. das Kennenlernen der Bedingungen des Scheiterns.

Wirklich interessant. Du hast einige Aspekte genannt, die ich kaum bedacht hatte...

Jetzt wäre meine Gegenfrage wie du dazu stehst, ob auf Grund von evolutionsbedingter Neugier um es grob zu sagen, es gerechtfertigt siehst, oder ob es heutzutage einen Zustand erreicht hat der das ganze übertreibt und diese im Grunde normale Sache kommerzialisiert und verherrlicht ...

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Um mal ganz ehrlich zu sein wir empfinden ja Schadensfreude. Ist dir bestimmt auch schonmal passiert das ein Kumpel oder nen Familien Mitglied sich Spektakuläre aufs Maul hingelegt hat und du nicht anders konntest und los gelacht hast.

In der Römischen und teilweise griechischen Kultur wo es Gladiatoren Kämpfe gab und sie sich abgeschlachtet haben und das Publikum gebannt zugeschaut hat und sogar bejubelt. Daran kann man er kennen das wir Freude am Tod und Schmerz hatten. Weil Leid symbolisiert uns. Das wir besser dran sind als andere. Und Schmerz zusehen löst bei uns einen Rausch aus der schon früher vorhanden war. Und es schüttet bestimmte Hormone und Stoffe aus die unseren Körper Befriedigung oder besser gesagt Erleichterung verschaffen. 

Deswegen mögen wir leid und Schmerz sehen. Und weil es altes verhalten aus unser Affen Menschen Phase ist. Und wir naja Revier oder anderes verhalten an den Tag legten.

Vielleicht sieht du dir mal das alte Rom an. Dort wurden Gladiatoren verehrt wie heutzutage die Fußballspieler. Man bezahlte Geld, um sich ein Massaker anzusehen und sogut wie jedermann vergnügte sich. Ist ja im Prinzip nichts anderes zu Filmen, wobei Filme noch harmloser sind. Allerdings muss ich sagen, dass z.B der Film Hostel gar nicht so realitätsfern ist, wie es für manche Menschen scheint. Leute, die Geld dafür zahlen, um zu sehen, wie andere sterben, gibt es auch heute noch; manche gehen ins Kino, andere sind in einer Art Sekte oder einfach reiche Geschäftsmänner, die Spaß daran finden und ihr Einkommen dadurch aufrüsten. Warum das so ist, können dir wahrscheinlich nur Verhaltenswissenschaftler und Psychologen beantworten. Ich gehe mal davon aus, dass das naturbedingt ist. Menschen gingen auf die Jagd, in erster Linie um sich zu ernähren, doch bestimmt auch, weil es ihnen Freude bereitete. Es präsentiert eine Art Macht, welche auch der Zuschauer unterbewusst fühlt und das lässt einen gut fühlen.

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