Warum schießt man den ganzen atommüll nicht ins all?

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8 Antworten

Solche Überlegungen gab es in den Achtziger Jahren tatsächlich. Ich habe hier mal ein paar Fakten ausgegraben (Prof. Dr.-Ing. H. O. Ruppe „Die grenzenlose Dimension“, Band 1, Econ 1980, S. 429ff. und Band 2, Econ 1982, S. 179ff):

Die hochradioaktiven Rückstände mit langer Halbwertszeit schmilzt man in Glas oder Keramik ein, schwach- und mittelaktive Abfälle werden in Bitumen und/oder Zement eingegossen.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, den Abfall in den Weltraum zu schaffen:

1. Durch einen kleinen Transporter, der vom Raumtransporter (hat sich aber ja erledigt) in eine Umlaufbahn getragen wird. Der Transporter wäre so aufgebaut, dass ihn eine Feststoffrakete zunächst aus der niedrigen Umlaufbahn in eine höhere schiebt, anschließend flüssiger Wasserstoff durch die Abfälle geleitet wird und damit als Antrieb für ein „Heraufspiralen“ aus dem Gravitationstrichter dient.

Nach ca. einem Jahr wäre Fluchtgeschwindigkeit erreicht. Jetzt würde man ein Sonnensegel nutzen und eine Flugbahn einleiten, welche den Transporter zur Sonne hin bringt. Dort würden die Abfälle in die Sonne stürzen und wären damit völlig harmlos.

2. Durch eine spezielle Transportrakete, deren Entwicklung sich bei der hohen Zahl der Flüge rentieren würde. Auch die Nutzlast könnte erhöht werden und damit die Zahl der Flüge reduziert. Auch diese Rakete muss aber Leistung bereitstellen, die Nutzlast in Richtung Sonne oder aus dem Sonnensystem heraus zu schießen.

Bleiben zwei große Risiken: a) durch Terroristen, b) durch Unfälle.

a) Das war damals noch kein Thema, wurde also auch nicht behandelt. Aber immer schon wurde/wird militärisches Spaltmaterial beim Transport durch das Militär gesichert. Personal, Material, Verfahren, Notfallpläne sind also schon vorhanden. Und in Kourou wird die Basis durch die Legion bewacht. Hier könnten die Sicherungsmaßnahmen sicher noch verstärkt werden. Gehen wir mal davon aus, dass das Problem der Terrorgefahr bezüglich Überfälle auf Transport und Lagerung sehr gering ist, vielleicht im Gegensatz zu einem Überfall auf ein ziviles Zwischen- oder Endlager.

Und besitzen heißt ja noch nicht, es auch anwenden zu können. Die Technologie dafür ist doch sehr komplex und teuer und lässt sich nicht wirklich geheimhalten.

b) Ein Flugunfall hätte eine höhere Wahrscheinlichkeit. Deshalb war die Forderung, dass von jedem Punkt der Flugbahn eine sichere Rückkehr zur Erde möglich sein müsste.

Hier würde die Sicherheit gewährleistet durch einen speziellen Erdlander, der z. B. durch eine Rettungsrakete (wie bei den Mercury-, Apollo- und Sojusraumschiffen angebracht, aber bisher zum Glück noch nie gebraucht worden) in Sicherheit gebracht werden würde.

Dieser Erdlander käme an einem Fallschirm zu Boden und wäre mit Hitzeschild, stoßabsorbierender Außenhülle, Schwimmkörpern und Peilsendern ausgerüstet und könnte natürlich auch geborgen werden. 

Der ESA-Startplatz Kourou ist hier klar im Vorteil: Äquatornähe => zusätzliche Geschwindigkeit => höhere Nutzlast möglich oder weniger Startleistung erforderlich, Atlantik für Notlandungen besser geeignet als z. B. beim Abschuss aus Baikonur, die Bewachung der Startanlagen durch das Militär (Fremdenlegion) ist schon gegeben, Bergung des Erdlanders durch das Militär möglich.

In dieser Studie wurden auch verschiedene Konzepte der für den Erdstart nötigen Rakete vorgestellt: einstufig, zweistufig, Verlustgerät oder wiederverwendbar, mit oder ohne Tragflächen usw.

Eine Berechnung ergab, dass sich ein Weltraumtransport durchaus lohnen würde, um militärischen und zivilen radioaktiven Abfall zu beseitigen. Die Transportkosten würden, bei einem „Schuss“ in die Sonne und umgelegt auf den Strompreis, diesen um weniger als 0,02 DM (1980) pro kWh erhöhen. Wäre eine Preiserhöhung (heute natürlich in Euro) dem Kunden zuzumuten bzw. würde er zustimmen?

Durch ein Umdenken, internationale Verträge über die Nutzung des Weltraums und die Energiewende scheint das Verfahren aber ad acta gelegt worden zu sein.

Bei weniger Abfall braucht man weniger Raketen, deren Fertigungskosten sich pro Stück damit wiederum erhöhen. Hier wären Neuberechnungen angesagt, also ein weites Forschungsfeld für junge, dynamische Raumfahrt- und Wirtschaftsingenieure, Techniker und auch Politiker.

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Das wäre derzeit zu teuer. Außerdem: Was ist, wenn da kurz nach dem Start etwas schiefgeht und der Müll sich kilometerweit auf der Erde verteilt, statt ins Weltall zu gelangen.

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Zu teuer und auch zu gefährlich. Raketen können ja auch mal abstürzen. Weiter wäre es aus Sicht der Kernenergie sehr schade, diesen Müll (abgebrannte Brennelemente) einfach so weg zuschmeißen. Was dem Leihen nicht klar ist (also auch Politikern und den Medien), das dieser Abfall sehr wohl noch nützlich ist, in z.B. schnellen Reaktoren. Aber dazu mehr :

Atommüll:

In einem deutschen KKW ergibt sich jährlich etwa 23 t
hochradioaktiver Müll ("abgebrannte" Brennelemente). Die
deutsche Industrie (auch Photovoltaik-, Halbleiter)
produziertjährlich 820 Mio.t CO2 (etwa 1/3 für Strom) und 50.000 t
chemisch hoch giftigen/krebserregenden Sondermüll, welcher nicht
verbrannt werden kann. Dieser Sondermüll wird in den 6 BRD
Endlagern, z.B. der Untertage-Sondermülldeponie Herfa-Neurode (siehe
Inter-Netbei Wiki), endgelagert. Sämtliche Flugasche,
Verbrennungs-Stäube der Filteranlagen von Kohle- , Müllverbrennungs-
oder Sondermüllverbrennungs-Kraftwerken landet ebenfalls in einem
chemischen Endlager, nochmals verbrennen ist nicht sinnvoll. In
Herfa-Neurode haben sich so schon 700.000 t hoch
krebserregend-giftiges Dioxin und Furan haltige Filterrückstände
angesammelt.(toxcenter.org/artikel/Herfa-Neurode-groesste-Sondermuelldeponie-der-Welt.php).
Nur auf Herfa Neurode bezogen stehen also 17 mal 23 t (etwa 400t)
hoch aktiver Nuklear-“Müll“ den etwa 50.000 t hoch chemisch
giftigen Abfällen der Chemie- und Verbrennungs-Technik gegenüber.

Abgebrannte Brennelemente sind nach 300 000 Jahren
wegen der Radioaktivität (Halbwertszeitenprinzip) auf ein
radio-giftigkeits Niveau von natürlichem Uranerz (Pechblende)
abgeklungen (schau hierzu mal im Netz unter radiotoxicity).
Der nukleare Abfall aus der nuklearen Mülltrennung
(Wiederaufbereitungsanlagen aus z.B. Sellafield, Le Hage) ist nach 10
000
Jahren auf dem radio-giftigkeits Niveau von Pechblende
abgeklungen. Durch das Abtrennen vom mittel-radioaktiven Plutonium
und dem sehr schwach radioaktiven Uran verbleiben nur noch die hoch
radioaktiven Spalt-Produkte und die mittel-radioaktiven
Minor-Actinide (ohne U, Pu). Somit wird der hochaktive nukleare Müll
der KKW um den Faktor 20 reduziert (siehe bei Wiki nach
„Wiederaufarbeitung“). Wendet man das auf die 17 KKW der BRD an,
fallen nicht mehr 400t Atom-Müll pro Jahr an, sondern nur noch 20 t
pro Jahr (hochradioaktiver Abfall jetzt aber nur noch die
Spalt-Produkte + Minor-Actinide). Weiter verringert das Abtrennen
(Wiederaufarbeiten) die Lagerzeit des Abfalls um den Faktor 10.

Bei einer alternativen Reaktortechnik (schnelle
Reaktoren,Flüssigsalz-Reaktor, homogene
Fluid-Reaktoren,ww.Energyfromthorium.com,Dual-Fluid-Reaktor.de/technik/prinzip)
würden nur noch die Spalt-Produkte als Abfall anfallen. Der nukleare
Müll solcher alternativen Reaktor-Typen ist bereits nach etwa 500
Jahren
auf das radio-giftigkeits Niveau von Pechblende
abgeklungen. Das ist möglich, da alle Transurane (Minor-Actinide) im
Reaktor verbleiben und dort vom schnellen/epithermischen
Neutron-Fluss gespalten/ transmutiert werden. Somit nutzt man die
Minor-Actinide wie das Uran-235 oder das Plutonium-239 (Siehe unter
Transmutation ).

Bei den chemischen Giftstoffen, wie den hoch
krebserregenden Dioxin, Furan,... der Verbrennungs-Technik ist nicht
mit einer Zersetzung zu rechnen. Chemikalien zerfallen leider nicht
wie radioaktive Stoffe. Somit verbleiben diese hoch gefährlichen
Abfälle für immer.

Leider wurde 2005 unter den SPD/Grünen die nukleare
Mülltrennung (Wiederaufbereitung), auch die deutscher Abfälle im
Ausland, verboten. Interessanter weise lagert die BRD chemisch
hochgiftige Abfälle des Auslandes gegen Geld ein. Damit haben die
Grünen kein Problem. Weiter wurde das größte chem. Endlager
weltweit (Fläche Münchens inklusive Autobahnring) in Herfa Neurode
vom damaligen hessischen Umweltminister Joschka Fischer 1986
genehmigt und als "Juwel"
bezeichnet:-)[ww.spiegel.de/spiegel/print/d-13520557.html].
Also, wer "GRÜN" wählt, wählt chemische Endlager (die
zweifellos notwendig sind).

Zur chemischen Endlagerung:

de.nucleopedia.org/wiki/Endlagerung#.C3.9Cberblick,de.wikipedia.org/wiki/Endlager,
de.wikipedia.org/wiki/Müllverbrennung,
ww.sueddeutsche.de/wissen/untertagedeponie-herfa-neurode-das-giftgrab-1.910158,
ww.focus.de/politik/deutschland/sondermuell-ab-ins-bergwerk_aid_152486.html,
ww.badische-zeitung.de/elsass-x2x/wohin-mit-dem-hochgiftiger-sondermuell-aus-wittelsheim—36297444.html,ww.spiegel.de/spiegel/print/d-13489952.html,toxcenter.org/artikel/Herfa-Neurode-groesste-Sondermuelldeponie-der-Welt.php,ww.eon-energyfromwaste.com/Umwelt/133.aspx,
ww.spiegel.de/wirtschaft/gefaehrlicher-goldabbau-ein-ehering-produziert-20-tonnen-giftmuell-a-542725.html,
ww.dw.de/zerstörte-umwelt-der-preis-des-goldes/a-15295336undvielemehr.
Schaut einfach mal im Netz unter SondermüllBergwerk,Joschka
Fischer Herfa Neurode, Filterstaub Bergwerkt
....

Resultat: Jede Energietechnik verursacht Müll, welcher
endgelagert werden muss. Die Frage ist nur, welche Technik macht den
geringsten Aufwand und Umfang pro erzeugte kWh-Strom. Hier schneidet
die Kernenergie wegen der weit größeren Energie- und
Leistungs-Dichte deutlich besser ab als die politisch „Erneuerbaren“
oder die Verbrennungstechnik.

chemische Endlagerung - Herfa Neurode - (Umwelt, Atomkraft, Raumfahrt) chemische Endlagerung - Herfa Neurode - (Umwelt, Atomkraft, Raumfahrt) chemische Endlagerung - Herfa Neurode - (Umwelt, Atomkraft, Raumfahrt) Radiogiftigkeit abgebrannter Brennelemente - (Umwelt, Atomkraft, Raumfahrt)
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Wischkraft1 07.07.2016, 07:46

Ein wenig viel Text aber lesenswert.  - Hoffentlich tun das denn auch viele!

1

Ich höre mein alten Cheffin schon: "Und wer sollte das bezahlen?"

Selbstverständlich ist es eine Idee dass Du nicht als Erste bekommen hat.

Dabei solltest Du beachten dass ein Fehlversuch beim Start extrem problematisch ist.

Und dass alle Weltallfahrenden Nationen sich verpflichtet haben kein Gift, in welche Form auch immer, ins All zu verteilen.

Denke mal an die Reaktion hypothetischen Aliens. Wenn wir Glück haben, können das Zeug gut gebrauchen. Wenn nicht...

Es gab auch Vorschläge dies auf der Mond zu lagern. Aber die Kosten! Und dazu auch zu nah greifbar für Kriminellen.

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erstens: teuer

zweitens: Risiko, dass die Rakete explodiert

drittens: müsste schon weit ins All. Eine Umlaufbahn um die Erde reicht nicht aus, das würde sonst irgendwann wieder eindringen in die Athmosphäre, verglühen und sich über die halbe Erde verteilen. Also noch teurer, weil es weiter geschossen werden muss.

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Finanziere einmal so ein wahnsinniges Unternehmen!

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1. zu teuer

2. es kommt immer wieder vor, dass Raketen vor dem Verlassen der Erdatmosphäre explodieren. Stell dir mal vor das passiert mit ein paar Tonnen Atommüll im Kofferraum :)

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Und wer weiss, ob nicht der Abfall von heute der Rohstoff von Morgen ist?

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