Warum schenken die Menschen der Evolutionstheorie mehr Glauben als Gottes Schöpfung?

34 Antworten

Au Backe.

Als erstes müsste man sich darüber klar werden, wie Wissenschaft überhaupt funktioniert.

Als zweites müsste man sich drüber klar werden, wie man die Bibel verstehen will - und was die biblischen Texte in ihrem eigenen Zusammenhang bedeuten und was nicht.

  • Wer nichts über den Götterglauben in Babylon weiß, mit dem sich die Juden in ihrer "babylonischen Gefangenschaft" auseinander setzten, mit deren Aberglauben usw., der wird auch nicht verstehen, was die Schöpfungstexte der Bibel bedeuten. Der wird nur Tage zählen und denken: Aha, so war es. Dabei kommt es darauf überhaupt nicht an.
  • Einfach mal beobachten: Warum wohl kommen "Sonne" und "Mond" nicht in 1. Mose 1 vor, sondern nur "das große und das kleine Licht"? Wann ungefähr ist die Sieben-Tage-Woche entstanden? Und was dachte der babylonische König, wer Gott war und wer diesen Gott als dessen Ebenbild auf der Erde vertritt? Und warum ist den Juden in 1. Mose 1 wichtig, das Gott jeden Menschen als sein Ebenbild erschaffen hat (und eben nicht nur diesen König, der vor dem Mond Angst hatte)?

Es ist so schade, wie wenig Ahnung so viele Menschen von der Zeit haben, in der die Bibel entstand.

Zum Vergleich: Wer so manchen Witz aus der Zeit der ehemaligen DDR liest, wird sich verblüfft fragen, warum über so einen Quatsch jemals jemand gelacht hat. Das wird man erst dann verstehen, wenn man die Lebensbedingungen in der damaligen DDR kennt und den subversiven Humor, der oft nur mit Andeutungen gespielt hat. Und wenn die Stasi einem eine reinwürgen wollte, konnte der Betreffende auf einer wörtlichen Sinnebene immer sagen: Was willst Du denn? Ich habe doch nur gesagt:....

Gerade die Schöpfungstexte der Bibel wird man nur dann richtig verstehen können, wenn man ihre politischen und religiösen Hintergründe ein wenig kennt. Dann merkt man sehr schnell, dass es keinesfalls um eine Ablehnung von Evolutionstheorie geht...

Aber das ist eine längere Geschichte, von denen die meisen Youtube-Filmchen zum Thema keine Ahnung haben dürften. Ebenso wenig davon, wie Wissenschaft funktioniert, und warum eine Evolutionstheorie niemals vollständig abgeschlossen sein kann sondern immer Fragen offen lassen muss.

Es ist schade, dass so viele mit "die Wissenschaft hat bewiesen" argumentieren. Weil die Wissenschaft in diesem Sinne nichts beweisen kann, sondern immer nur mehr oder weniger gute Theorien aufstellen, sie verwerfen oder verfeinern kann. Jede von der Wissenschaft geklärte Frage wirft meist 10 neue Fragen auf. Man schaue sich einfach mal die Atommodelle der letzten 150 Jahre an, um zu verstehen, was ich meine...

Also kurz: Wer in dieser Form aus Bibel und Wissenschaft einen Gegensatz macht, hat weder die Bibel noch die Wissenschaft begriffen.

Warum so viele Leute der Evolutionstheorie glauben schenken, kann ich dir nicht beantworten, aber vielleicht, warum ICH daran glaube. Der Wissenschaft ist es durch ihre Methoden immer wieder gelungen Dinge zu schaffen oder vorherzussagen und damit hat sie sich inmeinen Augen als relativ zuverlässig erwiesen. Außerdem bemüht sich seriöse Wissenschaft um Transparenz und Nachvollziehbarkeit, sodass jeder Fehler zu entdecken wäre. Weiterhin versucht Wissenschaft durch Zusammenarbeit von Menschen eine immer detailliertere Kenntnis von allem auf die Beine zu stellen.

Die Religion geruft sich auf unnachvollziehbare Geheimlehren, die keiner nachprüfen kann und darf und beharrt auf ihrer Richtigkeit und Absolutheit.

Mit der EvolutionsTHEORIE (weil nicht beweisbar im Experiment) ist für mich nachvollziehbar, logisch und glaubhafter als die religiösen Geschichten (welche Religion ist denn nun die 'Richtige').

Im Laufe der Zeit hab ich mich ja schon damit abgefunden, dass viele lieber an einen oder auch mehrere Götter glauben und das für richtig halten - das ist ihr gutes Recht und da will ich ihnen auch nicht reinreden. Aber dann redet bitte auch nicht der Wissenschaft rein und versucht mit irgendwelchen hanebüchenen Kindergartenpropagandavideos mit absolut verblödeten Argumenten wie 'die Zange eines Käfers sieht aus wie eine Kombizange' und populistischen Phrasen wie 'die da in ihrem wissenschaftlichen Elfenbeinturm zeigen und Normalos ja nur mal einen Fetzen' oder 'glauben Sie, dassihr Opa ein Affe war' gegen Wissenschaft Stimmmung zu machen.

Gerade solche Videos machen die Religion nämlich für mich unsympatisch. Wenn sie nämlich Recht hat, die Religion, dann werden die Menschen schon dahinter kommen. Aber durch solche unbeholfenen Rettungsversuche wird es auch nicht besser.

Wer glauben will, er soll es tun und sich nicht mit der Evolutionslehe befassen. Schließlich schau ich mir ja auch keine Horrorvideos an und rege mich hinter auf, wie man sowas gucken kann.

(Ich nehme mal an, meinen Beitrag ließt eh keiner mehr - sind ja schon 30 Seiten geschrieben hier)

Zitat Lockenzaehler: "Die Religion geruft [sic] sich auf unnachvollziehbare Geheimlehren, die keiner nachprüfen kann und darf und beharrt auf ihrer Richtigkeit und Absolutheit."

Ja, Geheimlehren gibt es tatsächlich in vielen Religionen, auch in den sogenannten christlichen Kirchen.
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"Und er brachte mich im Geist in eine Wüste. Und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das voll Namen der Lästerung war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte. Und die Frau war gekleidet in Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und Edelsteinen und Perlen; und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voll von Gräueln und der Unreinheit ihrer Unzucht, und auf ihrer Stirn war ein Name geschrieben: Geheimnis, Babylon, die Große, die Mutter der Hu:ren und der Gräuel der Erde. Und ich sah die Frau berauscht vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu; und ich verwunderte mich sehr, als ich sie sah." (Die Bibel; Offenbarung 17, Verse 3-5; Übersetzung: Schlachter 2000)
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Bei Jesus gibt es das allerdings nicht.

"Jesus antwortete: Was ich gelehrt habe, ist überall bekannt. Denn ich habe in aller Öffentlichkeit gepredigt, in den Synagogen und im Tempel, wo es jeder hören kann. Niemals habe ich im geheimen etwas anderes gelehrt." (Die Bibel; Johannes 18, Vers 20; Übersetzung: Hoffnung für alle)

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@2beers

Ja, sind ne Menge Rechtschreibfehler drin - tut mir Leid.

Bei Bibelzitaten werden ja zumeist Übersetzung verwendet - bei wortgenauen Interpretationen von Bibelstellen allerdings kann man das nicht machen - sondern man muss auf die ürsprüngliche Fassung zurück gehen und die ist auf Latein oder Griechisch. Daher ist jede Übersetzung immer auch eine Interpretation - wie allerdings wo übersetzt wird und warum, dass ist auch etwas, dass ich als 'Geheimlehren' bezeichnen würde. Dann werden Bibelinhalte teils nach Bedarf modernisiert um die Kirche der Zeit anzupassen - etwas, das man eigentlich nicht tun dürfte - wer das entscheidet, warum und wie es begründet wird, das würde ich ebenfalls unter 'Geheimlehren' zusammenfassen. Sicher kann man es auch anders nennen, aber das Wort klingt nun mal so schön verschwörerisch.

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@Lockenzaehler

@Lockenzaehler: Du hast recht, Bibelübersetzungen sind nicht von Pappe. Und es beginnt sogar schon eine Stufe tiefer: Bereits mit der Zusammenstellung und Gewichtung der leicht variierenden originalsprachigen Handschriften (z.B. Nestle-Aland oder Westcott & Hort) kann man Kirchenpolitik betreiben. Glücklicherweise gibt es eine ganze Reihe von Übersetzungen aus sehr unterschiedlichen Zeiten und verschiedenen Quellen, die ich gewohnheitsmäßig miteinander vergleiche. Und ein Blick in den Grundtext ist natürlich immer gut.
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Die nachträgliche Revision einer Übersetzung ist dennoch oft sinnvoll, da jede Sprache über die Jahrhunderte teils drastische Bedeutungswandel durchmacht, sodass die korrekte Übersetzung von einst allmählich irreführend wird (vgl. das Wort Glaube: http://kuerzer.de/xmwhGayw2).
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Die ursprüngliche Fassung der Bibel ist übrigens Hebräisch (Tanach bzw. Altes Testament) und Griechisch (Neues Testament). Beim Neuen Testament steckt die erste Übersetzung allerdings schon im Urtext selbst, denn die Alltagssprache von Jesus und seinen Jüngern war nicht Griechisch, sondern höchstwahrscheinlich Aramäisch.
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PS: Mein "sic" sollte keine Kritik an Deiner Rechtschreibung darstellen. Das gehört nur zu meinen Gepflogenheiten beim Zitieren auffälliger Tippfehler. Entschuldigung unnötig.

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@2beers

Das Spannende an der Bibel ist an dieser Stelle gerade Folgendes: Gegenüber dem Babylonischen Herrscher, der sich als das einzige Ebenbild von Gott Sonne verstand (wie so mancher der alten Herrscher in Assyrien oder Ägypten), und im Gegensatz zu vielen religiösen Menschen, die an Bäumen oder Sträuchern opferten oder Tieren göttliche Eigenschaften zubilligten, bestreitet der erste Schöpfungsbericht der Bibel, dass Sonne oder Mond oder Sterne irgendwie "göttlich" sind. Es sind einfach Lampen am Himmel. Und ebenso wie sie ist alles andere (Tiere, Bäume, Berge, Pflanzen usw.) nicht göttlich, sondern von Gott geschaffen.

Wenn es überhaupt Sinn macht, von Gott zu sprechen, kann er weder Sonne noch Mond noch sonst irgendein Gegenstand auf der Erde sein. Das ist der eigentliche Clou an der Schöpfungsgeschichte der Bibel: Dass sie sich radikal dagegen ausspricht, irgendeinem Ding oder Tier oder so etwas göttliches zuzusprechen, weil Gott über allem steht. Irgendwas, was man sehen kann, kann nicht Gott sein.

Und darum kann man über die Dinge/Tiere/Pflanzen Theorien anstellen, kann man die Dinge erforschen und die Theorien verfeinern oder verwerfen, ohne deswegen Blitze vom Himmel befürchten zu müssen. (Vor Blitzen und Hochspannung sollte man sich fürchten, aber jedenfalls nicht aus religiösen Gründen.)

Das einzige, dem Göttlichkeit zugesprochen wird, sind die Menschen. Und zwar alle Menschen. Das bedeutet Verantwortung und Menschenwürde.

Aber weil so wenig Menschen Ahnung haben von den Hintergründen der Entstehung der Bibel, kommt es immer wieder zu grandiosen Missverständnissen - gerade auch bei Menschen, die sich für gläubig halten. Und von Wissenschaft haben die meisten auch nur wenig Ahnung. Daher Danke für Deinen Text.

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Weil die Menschen erstens nicht mehr so verbunden sind mit Gott, wie Muslime mit Allah und zweitens, weil sich so in der Welt viel mehr erklären
kässt. Der Mensch braucht Informationen.

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