Warum sagt man immer zu den Deutschen "Typisch Kartoffel" und woher kommst das?

10 Antworten

Ich würde mir eine Welt wünschen, die ohne Stereotype auskommt. Wo Deutsche keine Kartoffeln, Chinesen keine Reis-, Italiener keine Spaghettifresser sind etc.

Leider ist das utopisch. Der Mensch denkt gerne in Schubladen und erfindet Kategorien um andere zu verschmähen.

Wenn du mich nach meiner persönlichen Meinung fragst: ich sehe kein Problem darin, wenn ich Kartoffel genannt werde. Erstens weil es mir wumpe ist, mit welcher Nationalität ich identifziert werde und zweitens, weil mir klar ist, dass es keine Unterdrückung und Diskriminierung der Deutschen gibt, die uns systematische Nachteile verschafft.

Das Thema kommt immer und immer wieder auf den Tisch. Nach meiner Empfindung vor allem von Leuten, die das Wort "Kartoffel" schlimm finden, weil sie selbst sowas wie "Kanacke" nicht sagen dürfen, obwohl sie es gerne tun würden. Dadurch, dass man mit dem Finger auf etwas zeigt, lenkt man gerne von der eigenen Ideologie ab.

Damit ist es nicht anders als "aber auch Weiße werden unterdrückt!", "aber es gibt auch Männer, die nicht gleichberechtigt sind!" etc. Und mir kommt das dann gerne so vor wie "mein Opa war Aufseher im KZ und wurde von einem Inhaftierten beschimpft. Darüber redet keiner - wieso eigentlich nicht?"

Die oft abfällige Bezeichnung mit den als typisch oder ungewöhnlich empfundenen Nahrungsmitteln ist alt und gibt es nicht nur im Deutschen. Auf Englisch sind die Franzosen "Frogs" (Frösche, wegen der Froschschenkel), die Deutschen die "Krauts", (wegen Sauerkraut).Vor 40 Jahren waren die Italiener auf dem Schulhof die Spagettifresser, die Türken die Kümmeltürken, dann hieß es, die essen alle (und stinken alle nach) Knoblauch.

Dank der mittlerweile internationalen und gesunden Ernährung in Deutschland essen wir jetzt alle Spagetti und viele auch Knoblauch. Das ist also kein Thema mehr. Vor 10 Jahren waren es dann die "Döner" Morde. (Ein Unwort. Als ob Sandwiches ermordet wurden, und nicht Menschen...) Aber auch Döner essen wir mittlerweile alle.

Wie dem auch sei, zur Zeit der "Spagettifresser" wurde dann von vernünftigeren, höflicheren Leuten gesagt, man solle diese Ausdrücke nicht benutzen, man wolle ja wohl auch selbst nicht "Kartoffel" genannt werden. Anstatt aber das eine zu lassen, hat sich dann das andere durchgesetzt. *Augenroll

weil wir gern Kartoffeln essen :-) Reisfresser dito, als ich klein war, hat man auch noch ab und zu von Kohlensäcken gesprochen, ich sag jetzt nicht, für welche Nationalität, aber es geht da offensichtlich über die Hautfarbe.

Das ist letztlich alles dasselbe, der Versuch einer Stigmatisierung. Anhand des Herausstellens bestimmter Eigenschaften oder Merkmalen oder Verhalten, Hautfarben, Essgewohnheiten, um anschließend, wie du schon sagst, ein Mittel zur Diskreditierung zu haben. LG

Bei solchen pauschalisierten Klischeevorstellungen ist Humor gefragt, wie ich finde, und eher ein Schmunzeln angebraucht.

Die Italiener sind die "Spaghettis", die Schotten sind geizig, die Deutschen stur und "Kartoffeln" usw.

Es werden viele Witze über fast alle Nationalitäten gemacht, die man nicht so eng sehen, sondern darüber lachen sollte.

Es ist schön, wenn man es selbst mit Humor sehen kann. Ist auch meine Strategie, weil ich mich davon nicht angegriffen fühle. Wieso auch. Man kann und sollte es aber aus meiner Sicht nicht von anderen pauschal erwarten. Ein Vietnamese, dessen Vorfahren im Vietnamkrieg getötet wurden, reagiert auf "Reißfresser" (so wurden sie im Krieg auch von US-Amerikanern genannt) vermutlich nicht unbedingt humorvoll.

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@offeltoffel

Ja, da hast du natürlich vollkommen Recht! Aber daran habe ich gar nicht gedacht und das meinte ich auch nicht. Ich war vielmehr von diesen harmlosen Charakterisierungen ausgegangen.

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@Mignon5

So finde ich es auch am besten. Wenn man selbst auf solche Pauschalisierungen einfach verzichtet, ohne selbst beleidigt zu sein, wenn man so genannt wird. Wenn alle so denken würden, gäbe es die ganze Problematik bald nicht mehr.

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@offeltoffel

Ich selbst benutze diese Redensarten nie, weil es eben alberne Klischeevorstellungen sind.

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Solche Sprüche sind nur grottendumm. Besonders dumme Menschen schwatzen jeden blöden Spruch nach, wenn es nur gelingt, saubekloppte Klischees als Diskriminierungswerkzeug einzusetzen. Kartoffeln sind übrigens ein höchst erlesenes Nahrungsmittel. Die Kohlenhydrate und Eiweiße sind extrem hochwertig. Warum sind Deutsche so leistungsfähig und leistungsbereit? Die Kartoffel machts. Besser als Reis, Nudeln oder Fladenbrot allemal. Gekocht oder gebraten, aber nicht als Pommes oder Chips.

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