Warum sagen viele US-Amerikaner "oh my gosh" anstatt "oh my god"?

12 Antworten

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Gute Frage. Man nennt dies einen "minced oath" - weil es blasphemisch wäre, den Namen Gottes zum Beispiel in einem Fluch zu verwenden, wandelt man das Wort ab. Also gosh statt god. 

Hier gibt es ein paar andere nette Beispiele: besonders gefällt mir "cheese and rice" anstelle von Jesus Christ.

https://en.wiktionary.org/wiki/minced_oath

Solche Dinge kennen wir auch: wir sagen "Scheibenkleister" anstelle des anderen bekannten Worts, das auch mit "Schei-" anfängt. :)

Dazu passt auch der "mothertrucker" (statt desselben Wortes mit -f-).

In einem etwas seriöseren Kontext könnte man auch die jüdische Angewohnheit sehen, nie den Namen "Jahwe" auszusprechen. Sie verwenden das Wort "Schem" (Name) oder "Adonai" (Herr) - der eigentliche Name ist zu heilig, um ausgesprochen zu werden.

Grussformeln sind regionale Eigenheiten, die es in jeder Sprache und in jedem Dialekt gibt. Ist halt so!

Unsereiner kennt das in der ganzen Deutschschweiz verwendete Grüezi! (und leichte Variationen davon, wie Grüessech u. ä.), während bei mir in der Region Tagwohl! als Gruss verwendet wird.

Australier verwenden das Gooday, Texander das Howdy und so weiter, und so fort.

Es geht hier nicht um eine Grußformel.

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Amerikanerin hier.

Ursprünglich, ja, war es religiöser Hintergrund. Jetzt gehört es einfach zum höflichen Ton.

Genauso wie du nicht "Schie.." oder "fic..." in die Nähe von Kindern, oder Leute, die du nicht gut auskennst, sagst, so sagst du eher "oh my gosh" als "oh my God." Es gibt weniger Risiko, jemand zu kränken.

Allerdings für manche Amerikaner, insbesondere im Südosten und die Mormonen in Utah, sagt man "oh my gosh" wirklich aus religiösen Grund. Je gläubiger die Gesellschaft, desto mehr nutzt man solche Floskel aus Respekt zum Gott statt Respekt zu anderen Leuten.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Tatsächlich hat das eher einen religiösen Hintergrund. Man will den "Namen des Herrn nicht missbrauchen" (das 2. Gebot) und darum benutzt man ihn nicht, sondern verballhornt den Ausdruck "oh my God" zu "oh my Gosh".

Es gibt auch anderen Ausdrücke, um "böse Worte" zu vermeiden. In Irland habe ich mal ein kleines Mädchen fluchen hören, und statt "shit", sagte sie "oh, shhhhugar!" :o)

Tja wenn die meisten Leute offenbar nicht fähig sind, zwischen Namen und Titel zu unterscheiden... In dem gebot für nur der Missbrauch des Namens Gottes, also "JHWH", verboten, aber der Titel "Gott" wird dadurch nicht entsprechend geschützt. Das sollte jeder normal Denkende, ob religiös oder nicht, schon unterscheiden können.

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@JTKirk2000

Du hast recht. Das hat aber zwei zusätzliche Gründe:

1) Wie immer bei religiösen Regeln zieht man die Grenze einfach noch ein bisschen weiter als nötig, um nur ja keinen Fehler zu machen.

2) Ich kann mich damit outen als jemand, der seinen Glauben ernst nimmt. Bzw. ich werde in meiner religiösen Gemeinschaft nicht abgestraft. Es gehört zum "kanaanäisch" und dem guten Ton in manchen Kreisen.

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@Aroanida

Für mich ist mein persönlicher Glaube und damit auch meine Religionszugehörigkeit ebenfalls sehr wichtig, was mir auch noch nie irgendwelche Nachteile brachte. Und da ich beispielsweise kein Zeuge Jehovas bin, dies sowohl weder in gesellschaftlicher Hinsicht was beispielsweise Geburtstage angeht, als auch in gesundheitlicher Hinsicht, beispielsweise falls mal eine Bluttransfusion notwendig geworden wäre.

Zu 1.) Fällt mir da auch spontan ein, wo man das sehr schnell übertreiben kann, nämlich wenn man ein Nahrungsverbot so weit ausdehnt, dass selbst medizinisch erforderliche Rettungsmaßnahmen vermieden werden oder der Sabbat als ein solches Gebot angesehen wird, dass entgegen der Äußerung Jesu nicht der Sabbat für den Menschen, sondern der Mensch für den Sabbat da sei, was dann bedeuten würde, dass alle Menschen an diesen Ruhetagen nichts tun dürfen, selbst in jenen Berufen, wo Bedürftige von dieser Arbeit abhängig sind.

Zu 2.) Geht es mir genauso, dass ich mich gut entsprechend "outen" kann und das ohne irgendwem gegenüber ein schlechtes Gewissen haben zu brauchen.

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@JTKirk2000

Zu 1. - Es gibt unzählige Beispiele. Das Zölibat z.B. begann auch damit, dass ein (verheirateter) Priester sich des (ehelichen) Beischlafs enthalten sollte, bevor er die Messe zelebriert. Und wo sind wir jetzt gelandet?

Das ist, glaube ich, ein typisch menschlicher Mechanismus, zu dem jede Religion neigt: Die Grenze weiter zu ziehen, und in der nächsten Generation dann noch weiter, bis die Gebote wie Zwiebelschalen um den eigentlichen Kern liegen, der schließlich gar nicht mehr zu erkennen ist. Spätestens dann braucht es einen Reformator. Das heißt aber auch: je älter die Religion, desto mehr "Zwiebelschalen".

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@Aroanida
Zu 1. - Es gibt unzählige Beispiele. Das Zölibat z.B. begann auch damit, dass ein (verheirateter) Priester sich des (ehelichen) Beischlafs enthalten sollte, bevor er die Messe zelebriert. Und wo sind wir jetzt gelandet?

Ich wüsste kein Beispiel aus der Bibel, welches dies begründen würde. Wenn ich mich recht entsinne, schneidet Paulus dieses Thema zwar an, aber nur in dem Sinne, dass unverheiratete entsprechende Intimität meiden sollten.

Das ist, glaube ich, ein typisch menschlicher Mechanismus, zu dem jede Religion neigt: Die Grenze weiter zu ziehen, und in der nächsten Generation dann noch weiter, bis die Gebote wie Zwiebelschalen um den eigentlichen Kern liegen, der schließlich gar nicht mehr zu erkennen ist. Spätestens dann braucht es einen Reformator. Das heißt aber auch: je älter die Religion, desto mehr "Zwiebelschalen".

Kann ich von der Konfession, der ich angehöre eigentlich nicht behaupten, aber was soll's.

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Ich denke auch, dass es ganz einfach an der Unfähigkeit vieler Menschen liegt, zwischen Titel und Namen zu unterscheiden und sie daher das Verbot des Missbrauchs des Namens Gottes auch auch seinen Titel beziehen, wobei viele den Namen gar nicht erst kennen und daher vielleicht meinen, der Titel sei der Name.

Das ist aber in dieser Hinsicht nicht der einzige Irrtum. Wo man in der deutschen Sprache noch durch eine identische Bezeichnung nachvollziehen kann, dass manche Leute meinen, dass das ewige Leben gewissermaßen im Himmel über uns stattfindet, also dem Irrglauben nach entweder in der Atmosphäre oder im Weltraum, ist es beispielsweise durch eine deutliche Differenzierung der Begriffe Sky und Heaven wesentlich unverständlicher, wieso dort dieser Irrglaube ebenfalls verbreitet ist.

Das ist lediglich eine Abschwächung - um den Namen des Herrn nicht in den Mund nehmen zu müssen und ihn dadurch für Triviales zu missbrauchen.

Gruß, earnest

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@earnest

Das ändert nichts daran, dass der Titel in keiner Weise der Name ist.Eine Differenzierung ist keine Abschwächung, sondern eine Klarstellung.

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@JTKirk2000

Ich fürchte, ich habe die Zielrichtung Deiner Antwort nicht so recht verstanden. Mir ging es um Folgendes: "DIE Amerikaner" sind im Schnitt frommer und gottesfürchtiger als die hiesige Bevölkerung.

Wenn also Anno Dunnemals (das "gosh" ist schon recht alt) einem gottesfürchtigen Ami mal ein "Oh my God" entfleuchte, dann hat das seinen ebenso gottesfürchtigen Nachbarn sehr gestört. Ihn selbst sicher nicht minder.

Da aber auch fromme "Amerikaner" hin und wieder Grund zum Fluchen hatten, milderte man das "God" ab - und machte ein "gosh" daraus, nun nicht mehr mit großem "G".

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