Warum Reiten KEIN Sport ist?!?

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18 Antworten

So, die Frage wurde zwar vor 5 Jahren gestellt, aber egal :)... Also, das kommt drauf an, was du mit Reiten meinst. Wenn man 1 Mal die Woche um die Koppel geführt wird, finde ich, dass es kein richtiger Sport ist, weil man ja nur draufsitzt. Wenn man aber 1 Mal die Woche das Pferd stellst, Schenkelweichen oder Piaffen (okay, etwas übertrieben) machst, ist es meiner Meinung nach Sport...

Ich hoffe, dass ich dir helfen konnte, obwohl die Frage vor 5 Jahren gestellt wurde ;D Naja, viel Spaß noch beim Reiten (wenn du das immer noch machst)Tschau!!!

REITEN IST SPORT?! Da gibt es Gründe für. Ich habe täglich 4 Pferde zu reiten. Nur weil du sitzt heißt es ja nicht das es nicht anstrengend ist. Fahrad/Mountainbike, Formel 1, da sitzt du ja auch und es ist trotzdem anstrengend. Ohne Bewegungen würde das pferd ja gar nicht wissen, was du von ihm willst. Du bist die ganze Zeit ihn Bewegung und das kann schon sehr anstrengend sein.

Sport ist für mich, wenn jemand durch gezieltes, strukturiertes Training seinen Körper in die Lage versetzt Höchstleistungen (in dem ihm möglichen genetischen und zeitlichen Rahmen) zu erbringen. Das heißt, der Athlet/Sportler trainiert seinen EIGENEN Körper. Beim Reiten ist es nun mal das Tier, dass die Leistung erbringt und nicht der Mensch der es lenkt. Wer da Gegenteil behauptet, der lügt sich was in die Tasche. Bei Reitwettkämpfen bringt es ergo auch nichts den Reiter zu dopen. Das ist auch der Grund warum schon haufenweise Pferde des Dopings überführt worden und noch kein einziger Reiter.

Ich will damit nicht sagen, dass Reiten nicht schwierig ist oder nicht körperlich anstrengen. Das wird von Reitern immer wieder gern behauptet, ist aber kein Merkmal von sportlicher Aktivität. Häkeln ist auch nicht einfach, Arbeiten auf dem Bau ist auch anstrengen. Beide Aktivitäten sind aber kein Sport.

Das Tier erbringt die Leistung. Wenn ein Reiter ein Rennen verliert oder bei einer Dressur schlecht abschneidet, könnte er mit einem besseren Pferd weiter vorne landen. Dies zeigt die ganze Problematik beim Thema Reiten und Sport. Ich sehe auf meinen Trainingsrunden zuhauf die sogenannten Freizeitreiter. Im gemächlichen Schritt geht es durch Wald und Wiesen. Das Tier muss die zum Teil recht üppigen Damen durch die Fauna schleppen und wieder im Stall angekommen wird dann über den Reitsport diskutiert bei zwei Stück Kuchen :-)

Das selbe gilt übrigens auch für den sogenannten Motorsport. Auch hier ist die Leistung zum großen Teil der Maschine zuzuschreiben und nicht dem Athleten resp. Sportler.

Das heißt, der Athlet/Sportler trainiert seinen EIGENEN Körper.

Und genau das tut jeder Reiter. Aus deiner Antwort lese ich, dass du vermutlich noch nie geritten bist - eine Runde Ponyreiten auf dem Kirmes vielleicht ausgeschlossen.

Richtiges Reiten ist definitiv Sport! Jeder Reiter, der sein Pferd gesunderhaltend gymnastizieren und reell reiten will, beansprucht jede Menge Muskeln, trainiert seine Ausdauer und dabei zusätzlich noch sein Körpergefühl, seine Balance und sein Einfühlungsvermögen. Vor allem die letzten drei Punkte führen dazu, dass Reiten oft als "Luschensport" und als nicht anstrengend verschrien wird. Dabei wird aber oft vergessen, dass Reiten ohne ein präzises Zusammenspiel von Museklgruppen nie funktionieren würde. Das Ziel ist es, das Reiten leicht und unbeschwert aussehen zu lassen - offensichtlich gelingt das den meisten, wenn die Meinung, Reiten wäre kein Sport, immer noch so verbreitet ist. Wer sich aber einmal eingehend mit der Materie befasst hat, wird aber merken, dass Reiten keinesfalls einfach ist. Es verlangt sowohl psychische als auch physische Kraft, mit einem Pferd zu kommunizieren, es werden im Sekundentakt einzelne Muskeln angespannt und wieder entspannt. Wenn du dir einmal (am besten als Eigenversuch in der Praxis) zeigen lässt, wie viele kleine Hilfen und Bewegungen alleine zum Antraben oder dann zum aktiven Weitertraben nötig sind, wirst du wahrscheinlich auch anders über diese Anstrengung denken.

Natürlich trainieren Reiter nicht nur ihren eigenen Körper, sondern darüber hinaus noch den Körper ihres "Sportgeräts", aber das schließt sich ja nicht aus. Ich als Reiterin ohne weiteren Ausgleichssport hatte zeitweise (im Moment durch eine längere Pause leider nicht mehr so ausgeprägt) ein Sixpack, steinharte Wadenmuskeln und eine kerzengrade Haltung inklusive dementsprechenden Rückenmuskeln, wobei auch andere Muskelgruppen nicht zu vernachlässigen sind.

Ich will gar nicht leugnen, dass es auch Gegenbeispiele gibt, wie die zum Teil schon adipösen Damen, die es sich nach dem "Reiten" zum Kaffeekränzchen gemütlich machen, aber solche Fälle darf man eben nicht verallgemeinern. Auch Freizeitreiter (und das sind der geläufigen Definition nach alle Reiter, die nicht ihren Lebensunterhalt mit dem Reiten verdienen) arbeiten hart, setzen sich Ziele und strengen sich an, um ihr Pferd gesunderhaltend zu arbeiten.

Und wenn dir alles oben genannte immer noch nicht reicht, um Reiten als Sport anzuerkennen, kannst du dir ja mal Gedanken machen, wie sportlich man ist, wenn man täglich +- 14 Haufen Pferdeäppel pro Pferd, das dazugehörige, teilweise nasse und vollgesogene Stroh, mindestens zehn Kilo Heu (wobei es bei uns immer mehr ist) und einen Sattel (der auch ein ordentliches Gewicht besitzen kann) quer über den Hof schleppt, im Winter auch mal gute dreißig bis vierzig Liter Wasser pro Pferd in Eimern transportiert oder täglich teilweise mehrere Kilometer über Weiden stapft, um verschiedene Pferde reinzuholen, umzuweiden oder ähnliches zu tun.

Ich verstehe einfach nicht, warum man immer wieder diese Diskussion führen muss. Wenn ich jedes Mal, das mir gesagt wurde, Reiten wäre kein Sport, einen Euro bekommen würde, hätte ich mittlerweile einen schönen Kleinwagen zusammen (oder ein eigenes Pferd :D). Ich meine, ich konnte, obwohl ich vorher nie gejoggt bin, letztes Jahr ohne weitere Vorbereitung drei Kilometer joggen und das obwohl beim Reiten ganz andere Muskeln trainiert werden als beim Laufen o.ä. Natürlich ist das jetzt keine bemerkenswerte Strecke, aber wenn ich mir andere ach so sportliche Leute angucke, die nach dreihundert Metern schlapp machen, frage ich mich schon, warum Reiten nicht einfach mal als Sport anerkannt wird. Offensichtlich haben wir ja doch eine andere Kondition als Menschen, die nicht reiten und einen anderen - allgemein anerkannten! - Sport betreiben, also warum kann man Reiten nicht einfach mal als Sport hinnehmen?

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wer auch immer diese antwort gegeben hat, hat wohl noch nie auf einem pferd gesessen. ich reite jetzt seit 8 jahren und tägliches training verleiht mir täglichen muskelkater. also bitte behaupte nicht dass es kein sport wäre. außerdem ist es beim reiten auch das schöne dass man ein team bildet und beide etwas für die leistung tun. ich habe letztens einen schönen text bekommen:

Du fragst mich welchen sport ich treibe.

Ich antworte reiten.

du sagst das ist kein sport und nicht anstrengend. das ist doch einfach. ihr sitzt doch nur rum.

Aber dann frage ich dich: hast du jemals etwas so unberechembarem vertraut? etwas was seinen eigenen kopf hat? bist du jemals kopfüber gestürzt? aus 2m höhe? mit 50km/h? hast dich abgeklopft und bist wieder in den sattel gestiegen? hattest du jemals 1ps aber 5 gänge? bist du jemals mit vollem tempo auf ein festes hindernis zugerannt ohne die gewissheit sicher auf der anderen seite anzukommen? über etwas gesprungen was dir den kopf überragt? hast du jemals einen verflochtenen tanz mit einem tier das noch nicht mal deine sprache spricht vollführt? hast du jemals mit 700kg fangen gespielt? hast du jemals mit einem tier gearbeitet das dich durch sein gewicht töten könnte? hattest du jemals das gefühl zu fliegen ohne in einem flugzeug zu sitzen? bist du jemals haarscharf um ein winziges fass galoppiert? hast du jemals in 2s eine vollbremsung hingelegt? hast du jemals einen handstand auf einem wesen das sich unter dir bewegt versucht?

also dann bevor du uns unterschätzt denke erst mal darüber nach. reiter riskieren ihr leben bevor sie sich in den sattel setzen.

verstehst du welch zerbrechliches band besteht? hast du jemals einem tier bedingungslos vertraut und es dir? kennst du das gefühl einem wildem tier zu vertrauen dessen willen du nicht kontrollieren kannst? hattest du jemals einen kameraden mehr als zehn mal schwerer als du? hattest du jemals eine beziehung zu einem 700kg schweren tier? hast du schon mal dein leben für einen sport riskiert?

glaubst du immer noch es ist einfach? nein reiten ist alles andere als einfach. es erfordert höchste präzision, geduld, es erfordert jahrelanges training. aber vor allem vertrauen zwischen pferd und reiter.

also hast du mit dem reiten nicht nur einen wundervollen neuen sport für dich entdeckt, sondern auch eine leidenschaft einen neuen freund und liebe.

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