Warum reden wir mit alten Menschen wieder in Kindersprache?

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17 Antworten

Hallo Christoph,

ich habe sehr viel mit Senioren und auch mit kleinen Kindern zu tun....eine spezielle Sprache hatte ich bis heute noch niemals für diese Menschen- warum auch? 

Mein kleiner Enkel wird jetzt im November zweieinhalb und er quasselt wie ein Buch. Sicherlich auch darum, weil wir alle von Anfang an mit ihm in einer ganz normalen Sprache sprechen. Das Einzige, was ich persönlich tue- ich spreche mit ihm ein einigermaßen reines Hochdeutsch, denn Dialekt spricht er ja sowieso dann im Kindergaten und in der Schule. Aber das tue ich grundsätzlich auch in einem Verkaufsgespräch, am Telefon  also immer wenn ich nicht gerade am Biertisch sitze :-) 

Alte Menschen oder Kinder für geistig minderbemittelt zu halten finde ich respektlos. Ich krieg einen solchen Kragen, wenn ich manchmal höre, wie in den Altenheimen und Pflegeeinrichtungen mit den Senioren umgegangen wird. Auch wer schon ein wenig älter ist oder körperlich nicht mehr so fit hat ein Anrecht auf Respekt und darauf, für voll genommen zu werden. Manchmal muss man ein wenig langsamer oder lauter sprechen, weil das Gehör des Gesprächspartners nicht mehr so funktioniert- aber das ist auch schon alles. Ich persönlich unterhalte mich sehr gerne mit älteren Menschen, denn die haben eine Menge Interessantes zu erzählen. 

Versuche es einmal und du wirst feststellen, dass gerade ältere Menschen regelrecht aufblühen, wenn sie merken, dass du sie wie einen vollwertigen Gesprächspartner behandelst. 

Viele Grüße

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Kommentar von JoachimWalter
30.09.2016, 20:10

Sehr gute Antwort!

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"Wir" halte ich für zu verallgemeinernd. Es sind viele, die es so machen, aber ebenso viele, die es nicht tun.

Ich halte solches Verhalten für einen weiteren körpersprachlichen Ausdruck, durch den unbewußt mitgeteilt wird, daß man sein Gegenüber nicht ganz für voll nimmt und deshalb nachsichtig ist.

Nur in wenigen Fällen ist dieses "nicht für voll nehmen" auch berechtigt. Meistens ist es fehl angebracht und wirkt dann kränkend.

Auch ererbtes Ur-Verhalten wirkt dabei mit. Hoch betagte Menschen wissen, daß sie mindestens körperlich unterlegen sind, und nehmen deshalb vieles hin, um Unangenehmeres zu vermeiden.

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Weil sich manche alte Leute wieder wie Kleinkinder benehmen. Is so! Ich merke das an meinen Eltern und Schwiegereltern, die alle zwischen 70 und 80 sind. Manchmal legen die Verhaltensweisen an den Tag, da fragt man sich echt, mit welcher Altersklasse man es eigentlich zu tun hat. Manchmal erinnert es mich doch sehr an Verhaltesweisen meiner Kinder von vor ein paar Jahren.

Die Auffassungsgabe älterer Leute lässt halt dann auch wieder nach, deshalb versucht man eben, es ihnen alles so verständlich wie möglich zu erklären.

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Hm ich meine, ältere Leute sind oft einfach nicht mehr so ganz fit und man versucht ihnen den Alltag leicht zu machen. Ich denke mit diesem veränderten Reden will man sie 'schonen' :) 

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Also ich kenne es halt wenn die Person wirklich sehr alt ist, so mit 90-100 (Schätze einfach, dass das Gehirn einfach nicht mehr so gut funktioniert wir früher). Mit 80 allerdings sind meine Großeltern zum Beispiel noch normal ;)

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Es kommt selbstverständlich immer auf den "geistigen" Zustand einer älteren Person an, wie man letztendlich mit dieser kommuniziert.

Wenn jemand an Demenz im fortgeschrittenen Alter leidet, macht es sicherlich wenig Sinn, einen extrem intellektuellen Jargon anzuwenden.

Sicherlich sollte man nicht in die sogenannte Babysprache verfallen. Jedoch die Sätze eben grammtikalisch so simpel wie möglich halten.

Auch mit Kleinkindern sprechen noch längst nicht alle in Babysprache. Weil inzwischen jedem bekannt sein durfte, dass die Sprachentwicklung dadurch nachhaltig gestört wird.

Was mich eher verwundert ist die Tatsache, dass Leute dazu neigen mit Tieren in Babysprache zumindest versuchen zu kommunizieren.

Sicherlich mag das mit dem Kindchenschema zusammenhängen. Und ein Tier versteht in der Regel  nicht, ob wir nur unlogisches Zeugs mit ihm brabbeln.


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Ist mir auch schon bei anderen Personen aufgefallen. Vielleicht liegt es daran, dass man irgendwie automatisch damit rechnet, das ältere Menschen nicht mehr ganz so fit sind vom Denken her. Das trifft natürlich nicht auf alle zu, aber doch auf einige ab nem bestimmten Alter. Vielleicht spielt auch etwas Mitleid eine Rolle, wenn alte Menschen zb alleine sind oder sich nicht mehr so gut selber helfen können oder so, dass man dann irgendwie besonders lieb zu ihnen zu sein versucht.

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Man steigt, wenn man sich verständlich machen will, oft instinktiv auf die sprachliche Stufe, auf der man den anderen vermutet.

Das ist aber weder bei Kindern noch bei alten Menschen noch bei Ausländern notwendig. Deutlich, nicht zu schnell und in nicht zu komplexen Satzgebilden sprechen reicht völlig. Man muss sich nicht mit Kindersprache zum Affen machen.

Ich hab mal in einem Hotel folgende Szene miterlebt. Der Rezeptionist meinte zu einer dort beschäftigten offensichtlich ausländischen Putzfrau: "Du noch Zimmer 320 sauber machen, schnell gehen, Gast gleich kommen!" Dann stöhnte er: "Warum lernen diese Ausländer nicht vernünftig Deutsch?" Ich konnte mich nicht beherrschen und sagte zu ihm. "Wie sollen sie es denn lernen, wenn Sie wie ein Bekloppter mit ihnen sprechen?"


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Das macht man nicht automatisch - es ist einfach blöd, das zu machen.

Ich kenne viele ältere Leute (75+), mit denen ich mich ganz normal unterhalte.

Und ich denke schon, dass es die Leute ärgert, so behandelt zu werden. Sie sind einfach zu höflich, um sich das anmerken zu lassen.

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Tu ich gar nicht. Aber wenn die älteren Menschen schon krank sind dann ist deren verhalten wie bei Kindern und darum macht man das wohl.

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Ich sehe keinen Grund so mit ihnen zu reden. 

Das ist schon sehr unhöflich. Die sind alt, aber nicht verblödet. 

Sinn macht es nur, einfache Sätze zu sprechen, wenn jemand schlecht hört. 

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Ich finde es diskriminierend mit alten Leuten wie mit Kindern zu reden.
Wenn alte Menschen schwerer hören, fragen sie oft nach und hat nichts mit geistigem Abbau zu tun.

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Kommentar von mychrissie
02.10.2016, 10:28

Sie anschauen, dass sie Deine Mundbewegung sehen können und klar und deutlich sprechen. Dann verstehen einen auch etwas Schwerhörige.

Wie ein Stier zu brüllem, das machen nur Handytelefonierer in der S-Bahn, weil sie immer noch nicht begriffen haben, dass ihr Mund nur ein paar Zentimeter vom Mikrofon entfernt ist, das also gar nicht nötig wäre. Sie verstehen den anderen schlecht, wegen der Geräusche um sie herum und denken, das wäre beim Anderen auch so.

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Meine Uroma ist auch schon über 90 Jahre alt und ich könnte mit ihr garnicht, wie mit einem Kleinkind reden, weil Sie dann nichts verstehen würde. Ich muss eher schreien, dass sie mich noch versteht und dass hat glaube nichts mehr mit kleinkindreden zutun.

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dass ich wenn ich mit alten Leuten (so ab 80)

Hey Christoph, nicht falsch verstehen, aber das solltest Du Dich doch wohl eher selbst fragen, mir passiert das eher nicht... 

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Weil sie oft schwerhörig und geistig nicht mehr ganz da sind und nur einfaches noch verstehen. Es dauert auch bis sie etwas hören und begreifen zb bei Hörgeräten oder Demenz.

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Kommentar von beangato
30.09.2016, 17:13

Wie bitte?

Wie kommst Du zu dieser Aussage?

geistig nicht mehr ganz da sind

Das stimmt nämlich nicht.

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Ich habe einige Jahre in einen Pflegeheim gearbeitet, und habe nie mit jemanden in Kindersprache gesprochen. Verständnisvoll sprechen ist keine Kindersparache!

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Weil man damit ausdrückt, dass man sie niedlich findet :-)

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