Warum reagieren einerseits so viele aggressiv und ablehnend bei Selbstjustiz obwohl andererseits Skepsis gegenüber der Justiz und dem System herrscht?

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12 Antworten

Alles ne Frage der Perspektive. Betroffene und deren Angehörige werden natürlich z.T. zur Selbstjustiz greifen, was völlig verständlich ist. Würde ich auch so tun bei bestimten Anlässen. Der Staat wiederum ist zwangsläufig in einer anderen Position und kann natürlich eine Selbstjustiz nicht dulden. Dieses dialektische Spannungsverhältnis wird stets vorhanden sein.

voayager 04.07.2017, 06:15

danke für den Stern

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Wenn ich Kritik an unserem gelebten Rechtsstaatsprinzip äußere, dann mag mich ein Mensch kritisieren und gut ist. 

Wenn ich nicht nur Kritik an unserem gelebten Rechtsstaatsprinzip äußere sondern darüber hinaus aktiv werden will, dann ist Selbstjustiz das schlechteste Mittel der Wahl. Denn es beschädigt das bisschen noch funktionierende Rechtsauffassung massiv. 

Viel sinnvoller ist, die gleiche Energie in Verbesserung des Rechtsstaatsprinzips zu investieren. 

Einfaches Beispiel:

Wir müssten jetzt gut 1,5 Millionen gesetzlich Betreute haben. Über den Umfang dieser gesetzlichen Betreuungen entscheiden Richter an Betreuungsgerichten. In der Regel. Ausnahme haben wir im Regierungsbezirk Freiburg im Breisgau. Da sind die kostengünstigeren Notare zuständig. 

Was an den zuständigen Betreuungsgerichten vor sich geht wird von der Öffentlichkeit ausgeschlossen. Angeblich zum Schutz der zu betreuenden Person. Was sich sehr stark anzweifele. 

Ich kenne gesetzlich Betreute und ehemalige gesetzlich Betreute, die hätten gerne Zeugen mit dabei gehabt, wenn sie zu einem Richter bzw. eine Richterin zitiert wurden. 

Sicher, das von Politik dazu berufene Titelträgerchen hätte die Öffentlichkeit dann wohl ausgeschlossen. Aber genau hier kann dann geltendes Recht ausgeschöpft werden, indem ganz einfach der Zeuge für eine Klage gegen dieses Titelträgerchen zur Verfügung steht. Von mir aus und sicherlich im Sinne mancher gesetzlich betreuten Person mag dann die Frage bis vor dem Bundesverfassungsgericht oder dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ausdiskutiert werden. 

So lange am Ende diese Heimlichtuerei aufhört, ein Getue, welches, dringt es an die Öffentlichkeit, gerne mal an deutsche Vergangenheit erinnert, beendet wird. 

Ich habe dieses Beispiel mit Absicht gewählt. Ich fand nur eine Statistik für 2012/2013. Wir schreiben 2017. Und nirgendwo las ich von einem Antrag der Betroffenen. Da steht schon die Frage im Raum:

Worum geht es da eigentlich?

Nebenbei: 

Wenn so ein Richter ein zu mildes Urteil fällt, warum sprichst Du ihn nicht lieber persönlich mal an wenn er nicht gerade im Gericht ist? Oder gehst in seine Verhandlungen, zeigst durch Mimik Deine Einstellung und nur durch Mimik? Es hindert Dich auch kein Mensch daran, dazu einen Blog zu machen oder Video auf den unterschiedlichen Plattformen. Leserbriefe, Leserkommentare. 

So geht Druck. Aber nicht durch Selbstjustiz. Damit begibt sich für mich der Mensch auf das angeprangerte Niveau. 

Üble Kritik weil kritisiert wird kommt aus schleimkriechenden Ecken. Die zu ignorieren ist keine Schande. Denn jedes von Menschen gemachte System ist unvollkommen, bedarf der ständigen Korrektur. 

Die Leute beschweren sich gerne, sie sind unzufrieden und murren, daher wird die Justiz und das Beamtentum gerne kritisiert und bemängelt. Dem einen ist es zu weich, dem nächsten zu hart und dem dritten sowieso zu langsam.

Auf der anderen Seite sind die meisten Leute aber nicht doof und verstehen durchaus, was sie an dem System haben. Sie wissen, dass es nicht perfekt ist, aber doch im großen und ganzen viel besser als alle Alternativen.

Daher beschweren sich die Leute gerne, wissen aber doch, das Selbstjustiz oder ähnliche Verbrechen, ein Verrat an unserer Kultur und Zivilisation sind.

Die Frage ist, reagieren andere vielleicht so kritisch auf dich? Nicht auf deine Gedanken gegenüber der Justiz, den Behörden und dem System.

Justiz mit häufigen Kritikpunkten wie "zu milde Urteile", "Hohn für die Opfer und Verhätschelung der Täter", "Behördenwillkür", "faule Beamte", "Paragraphenreiter mit strunzdummen Vorschriften", "alle sind vor dem Gesetz gleich ausser Reiche, die sind gleicher"...

Wenn ich das so durchlese, kann ich mir vorstellen, dass andere darauf heftig reagieren. Du nutzt eine sehr wertende Sprache und dazu noch typische Verallgemeinerungen und Vorurteile.

Das, was du auch schreibst, ist für mich keine Kritik, sondern eine Aneinanderreihung von Vorurteilen und Bewertungen.

und es gibt ja sogar auch fest etablierte Ausdrücke in der deutschen Sprache hierzu wie "Recht und Gerechtigkeit sind zweierlei"

Eine Diskussion zum Thema Recht und Gerechtigkeit wird zwangsläufig in einen philosophischen Disput enden. Vielleicht solltest du dich mal mit dem Unterschied Recht und Gerechtigkeit auseinandersetzen.

Es ist das eine, sich bei bestimmten Urteilen oder Beschlüssen sich kritisch darüber zu äußern.

Eine andere Sache ist es, dann eine Situation zu verallgemeinern.

 

Lieber MonsieurInconnu
 
Das ist schon verständlich. Wenn man aggressiv gegen Selbstjustiz vorgeht, hat man ja gewissermassen das Gesetz im Rücken. Du musst allerdings einsehen,  dass unser Rechtsystem relativ gut da steht, im Gegensatz zu den meisten anderen auf der Welt.
 
Dann kommt es ja auch noch auf die Verhältnismässigkeit drauf an. Wenn ich jemanden körperlich oder seelisch Bestrafe, ist nicht gleich wie wenn Du das tun würdest. Dafür braucht es halt ein paar Regeln, damit die Massregelung einigermassen gleich rüberkommt.
 
Um die momentane (teils unbefriedigende Regelung) zu optimieren, müssten eigentlich alle nur Wissen versus Glauben lesen und Schwupps hätten wir gar keine Ungerechtigkeiten und Rachegelüste mehr. Man müsste aber mal ein paar Stunden vom Bildschirm weg...
 
Lieber Gruss 

MonsieurInconnu 03.07.2017, 00:01

Ihr hängt euch alle zu sehr an meiner Erwähnung der Selbstjustiz auf... das war lediglich ein (wenn auch das extremste) Beispiel einer systemkritischen Haltung, das ich geäussert habe... aber auch wenn man sich nur schon kritisch und skeptisch gegenüber Behörden/Justiz/System ÄUSSERT (nicht protestiert, keinen Putsch organisiert, keine Selbstjustiz übt, LEDIGLICH KRITISCH ÄUSSERT) selbst dann muss ich dir sagen, dass ich schon oft ziemlich krasse Reaktionen erlebt habe (und ich wiederhole, es geht nur um kritische Äusserungen... ich habe noch nie Straftaten begangen, protestiert oder sonst was gemacht!).

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77Leuchtfeuer 03.07.2017, 00:16

Ich hänge mich eigentlich nirgends auf, nicht mal an Erwähnungen. Lies vielleicht noch mal meine Antwort auf die von Dir gestellte Frage durch. Da gebe ich Dir absolut Recht im Sinne des menschlichen Verständnisses und lege Dir auch nicht Nahe, irgendwelche Straftaten begangen zu haben. Deine Frage ist berechtigt und besser beantworten kann ich sie leider nicht. Alles klar?

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MonsieurInconnu 03.07.2017, 00:36
@77Leuchtfeuer

Sry, wollte dich nicht angehen. Musste deine Antwort tatsächlich mehrmals durchlesen bis ich sie vollumfänglich verstanden habe.

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Kritik darf und soll möglich sein, kein Grund zu Agressivität, da gebe ich dir Recht.

Beim angeführten Beispiel (Selbstjustiz) ist es allerdings evident, dass dies schlechter ist als die nicht perfekte Justiz der Gesellschaft. Eine Gesellschaft braucht Regeln, die für alle gelten. 

Selbstjustiz hiesse, jeder macht sich seine Regeln selbst, wodurch ein Individuum bei keinem Schritt mehr wüsste, ob und wessen Regeln nun verletzt wurden. Das Resultat wäre Chaos und Willkür.

MonsieurInconnu 02.07.2017, 23:47

Selbstjustiz ist ja nur ein Beispiel einer systemkritischen Haltung, das ich angeführt habe und wohl auch das extremste... aber auch wenn man sich lediglich grundlegend über Behörden, Justiz etc. nur schon kritisch äussert, ich kann dir sagen, was ich da schon für heftige und aggressive Reaktionen hatte... nur vom Äussern wohl bemerkt!

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Nube4618 02.07.2017, 23:52
@MonsieurInconnu

Diese Erfahrung kann ich so nicht betätigen. Entweder bin ich zu unkritisch, oder meine Gesprächspartner zu intelligent ^^

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Das Problem mit der sogenannten ,,Selbstjustiz" ist, dass sie keine Justiz ist, sondern oft Rache ist und darum überbordet. Deshalb wird sie auch von den Kritikern der offiziellen Justiz abgelehnt.

Selbstjustiz mag zwar den Rachedurst so mancher Menschen einigermaßen stillen, aber ist, wie es vermutlich jeder weiß, illegal. Natürlich sind einige Strafen zu milde, manche Verbrecher gehören härter geahndet als andere, aber ist das ein Grund, um Selbstjustiz auszuüben? Nein. Ich denke auch nicht, dass sich die beiden von dir erwähnten Punkte widersprechen. Auch, wenn es manchmal schwer ist, sollte man das Strafen voll und ganz dem Justizsystem überlassen.

MonsieurInconnu 02.07.2017, 23:54

Du denkst bei Selbstjustiz gleich an irgendwelche Opfer, die einen Täter umbringen, weil dieser ihr Kind vergewaltigt hat aber irgendwie durch die Justiz nicht zur Rechenschaft gezogen wurde... an so derbe und krasse Beispiele habe ich gar nicht gedacht... das finde auch ich nicht in Ordnung und überzogen.

Aber was ist zum Beispiel mit einem Betrüger, der irgendwelche Leute um Geld betrügt und alles so verschleiert und geschickt bunkert, dass die Opfer auch durch ein erfolgreiches Gerichtsverfahren nichts kriegen und dann halt den Betrüger entführen und erpressen bis der Ihnen ihr Geld zurückgibt? Gab' ja so einen Fall, wo ein Amerikaner alte Rentner um Millionen in Deutschland betrogen hat und um sich ihr Geld zurückzuholen haben sie den Betrüger in eine Falle gelockt und ihn halt genötigt ihr Geld zurückzugeben.

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Ohnedem 03.07.2017, 00:01
@MonsieurInconnu

Ja, du hast recht, ich habe mit meinem Beispiel übertrieben. Wenn so ein Fall eintreten würde, hätten wahrscheinlich viele dasselbe getan, zumal die Gefahr besteht, dass der Dieb (in deinem Fall der Amerikaner) nicht ganz nach den eigenen Erwartungen gestraft wird und man selbst somit  Verluste gemacht. Aber auch in diesem Fall dürfte man das ja eigentlich nicht machen und ich empfinde dies als durchaus positiv. Das Verbot der Selbstjustiz sollte immer beibehalten werden, es ist einfach besser so.

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Sind denn diejehnigen, die sich gegenüber dem System kritisch / skeptisch äußern tatsächlich dieselben, die auf  " Selbstjustiz " ( oder das was sie dafür halten...) so heftig reagieren...?

Ich persönlich kenne diese Reaktionen nur jehweils von zwei unterschiedlichen Personenkreisen.

Weil Selbstjustiz auch ungerecht sein kann - und es meist auch ist. Sie ist nur eben nicht meist zu milde wie die Justiz, sondern zu hart. Und das ist auch nicht besser.

Du sprichst mir aus dem Herzen! Es sind immer diejenigen, die Selbsjustiz ablehnen. Klar ist es verboten - keine Frage. Aber du hast vollkommen Recht, dass genau DIEjenigen dann jammern - wie Du es beschrieben hast.

Ich ziehe meine Fazits. Ich drück mich mal so aus. Genauer werden darf ich nicht - verstehst Du?

MonsieurInconnu 02.07.2017, 23:40

Nein, mir gehts ja um den Widerspruch... Selbstjustiz und Kritik an dem System, der Justiz, den Behörden sind pfui... aber eben dieses System, die Justiz und die Behörden sind ebenfalls pfui... 

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Ich "hööörrre" seltsame Gerüchte  in der Nachbarschaft, daß Du Kinder seltsam anschauest....

....

Ende Deiner "Gerdankenwelt" -.----    DANK LYNCH !

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