Warum ordnete Napoleon Deutschland/Europa neu?

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Napoleon hatte von der Französische Revolution Revolutionskriege übernommen und durch Siege bestand die Möglichkeit einer Neuordnung.

Daher war naheliegend, Herrschaft zu beseitigen, von der dauerhaft Gegnerschaft zu erwarten war und die in ihrer Art (z. B. Absolutismus, Ständestaat, geistliche Herrschaft) stark von seinen Vorstellungen abwich.

Napoleon strebte nach Hegemonie (Vorherrschaft) Frankreichs in Europa und seine Neuordnung Europas diente diesem Ziel.

Zum Teil hat Napoleon durch Annexionen (Einverleibungen) das französische Staatsgebiet ausgedehnt.

Geschaffene bzw. umgeformte Staaten sollten Verbündete sein und Frankreich in Verfassung, Recht und Verwaltung ähnlicher werden. Zunächst entstanden so eine Anzahl von Tochterrepubliken Frankreichs.

Die Einsetzung von Verwandten als Herrscher, von denen er Familienzusammenhalt erwartete und die in starkem Ausmaß zur Behauptung ihrer neuen Stellung auf ihn angewiesen waren, war als eine Absicherung seiner eigenen Herrschaft gedacht.

Napoleon schwebte eine gewisse Einheitlichkeit vor, am liebsten sogar eine europäische Währung und gleiche Maße und Gewichte. Er hatte einen Gedanken einer Konföderation Europas, mit sich selbst in leitender Stellung.

Staaten sollten modernisiert werden, wobei er Wohlstand und Glück als Folgen dieser Maßnahmen beanspruchte. Napoleon beabsichtigte, in Grundzügen Ordnung nach seinen Vorstellungen durchzusetzen.

Beim Eingreifen in Spanien, wo er seinen Bruder Joseph als Herrscher einsetzte, hat Napoleon die Schwierigkeiten offenbar unterschätzt.

Ein Teil der Staaten war von Frankreich stark abhängig und ihm mehr oder weniger untergeordnet.

Einige Staaten blieben formal ganz unabhängig.

In Deutschland hat Napoleon Kleinstaaterei und Rückständigkeit verringern wollen. Vor allem aber ging es ihm um Verbündete, die Soldaten und Geld aufboten und ihm damit unterstützten. Viele bisherige Saaten waren wenig leistungsfähig.

Preußen und Österreich, die gegen ihn Kriege geführt hatten, wurden verkleinert und vertraglich an die Seite Frankreichs gebunden.

Das restliche nicht annektierte Deutschland vereinte Napoleon 1806 im Rheinbund. Als Staaten mittlerer Größe konnten sie als Verbündete nützlich sein, waren aber zugleich stark auf Frankreich angewisen, um sich gegen Preußen und Österereich zu behaupten.

Ab 1810 wurde die Kontrolle der europäischen Küsten besonders wichtig, als Napoleon eine Kontinentalsperre gegen Großbritannien beschloß, um wirtschaftlichen Druck auf einen Gegner auszuüben, den er aufgrund fehlender ausreichender Seemacht nicht direkt angreifen konnte.

In der von Kriegen geprägten Zeit spielte die Vergrößerung bzw. Aufrechterhaltung der eigenen Macht eine große Rolle.

In einer Rückschau (nach Niederlage und Verbannung) hat Napoleon für sich eine große geschichtliche Aufgabe als Sendung beansprucht und einen Egoismus eines persönlichen Machtsterbens beschönigend heruntergespielt.

Johannes Willms, Napoleon : eine Biographie. München : Beck, 2005, S. 681:
„Napoleons historische Mission, so seine Selbstdeutung, bestand in der Vermittlung der gezähmten, von ihren Fehlern gereinigten Revolution mit den im übrigen Europa vorherrschenden Verhältnisse.“

S. 683: „Eine weitere Botschaft des »Evangeliums« von Sankt Helena lautete, die Völker Europas, die sich gegen das Joch der Könige aufbäumten, hätten in Napoleon ihren Anwalt gefunden. Er der die Revolution vollendet und überwunden habe, stilisierte sich nun zum »Messias der Völkerfreiheit«. Keineswegs leugnete Napoleon, dass er im Zenit der Macht erwogen hatte, nicht nur Europa, sondern die ganze Welt zu erobern und seiner universalen Diktatur zu unterwerfen. Jetzt war dergleichen aber nicht mehr das Ziel, sondern lediglich eine notwendige Zwischenstation auf dem Weg zu einer Neuordnung Europas nach nationalstaatlichen Gesichtspunkten. Gegenwart und Vergangenheit, Revolution und Ancien Règime, die legitimen Rechte der Völker wie ihrer Könige und Fürsten habe er zu einer neuen, gesellschaftlichen, politischen und territorialen Synthese formen wollen.“

"Neu ordnen" meint quasi: die Grenzen in einer Art und Weise ziehen, die für das eigene Land günstiger sind.

Napoleon schloss Teile von besiegten Staaten an Frankreich an, Beispiele: Katalonien, Savoyen, Illyrien (kroatische Küste), Teile Rheinlands, Westfalens, Niedersachsens bis Lübeck.

Das waren immer Küstengebiete, mit denen er mehr oder weniger zuverlässige Verbündete vom möglichen Handel mit dem Erzfeind Grossbritannien abriegeln wollte.

Dann nahm er besiegten Feinden Land ab und belohnte damit Verbündete wie Sachsen und Bayern.

Ausserdem schuf er neue Staaten, die es bisher nicht gegeben hatte wie das "Königreich Westfalen" und die "Cisalpinische Republik", später "Königreich Italien" in Norditalien.

In Spanien setzte er den einheimnischen König aus der Bourbonenfamilie (dieselbe, die in Frankreich bis zur Revolution regiert hatte!) ab und setzte seinen Bruder Joseph auf den Thron. Dasselbe lief in den Niederlanden ab.

Jeder der neuen Staaten wurde von einem Mitglied seiner Familie an seiner Stelle regiert.

So marschierte der Grossteil des Kontinents aus solchen angeschlossenen "Familienstaaten" und Verbündeten hinter ihnm. Jeder dieser Staaten musste Geld an Frankreich zahlen, war offen für französische Wirtschaftsexporte und musste Soldaten stellen.

Eine Europa-Karte aus dem Jahre 1812 würde Dir das System auf dem Höhepunkt zeigen.

weils ih nicht gefallen hat wies war? :D

jede rhatte damals seine eigene vorstellung... so viel ich weis :D

Gruß.

PS: google ;)

Ja, hast schon Recht. Aber mein Geschicht's-Lehrer meint da steckt mehr dahinter. :)

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