Warum nennt man "Schwarze" "Farbige"?

13 Antworten

"Früher", also zur Zeit der großen Entdeckungsfahrten per Segelschiff, dachten sich die Leute, Menschen in Äquatornähe (damals war nur Afrika bekannt), seien von der "Sonne verbrannt" worden. So wie Brot, dass zu lange gebacken hatte. Schwarzes Brot ... schwarze Menschen. Die Menschen "früher" haben aufgrund ihres Wissens geschlussfolgert, dafür sollten wir sie "heute" nicht verurteilen.

Damit scheint die Bezeichnung "Schwarzer" (oder andere lateinische Ableitungen usw.) auf etwas zu basieren, was wir heute als Irrtum erkennen.

Jetzt könnte ich versuchen, die Bezeichnung auf die stärkere Pigmentierung zu verlegen, denn wer mehr Farbpigmente (Sic!) in der Haut hat, ist stärker gefärbt, also könnte es sich um einen Farbigen handeln? Dabei muss ich immer sofort an einen Arbeitskollegen aus einer seit vielen Ur-Generationen als Landwirte am gleichen Fleck lebenden Familie denken, der bei der kleinsten "Sonnenbelichtung" sofort eine wirklich schöne und sehr dunkle Hautfarbe entwickelt. Er wird dann durchaus gefragt, ob seine Familie nicht mediterran sei (und woher der in Deutschland übliche Name stamme) oder ob er gar afrikanische Verwandte habe.

Und da genau ist der Punkt, an dem diese ganze Bezeichnungen abrutschen: Hier wird versucht, aufgrund einer Hautfärbung die Zuordnung einer Ethnologie vorzunehmen. Und da wird es dann doch zumindest leicht rassistisch. Diese genealogisch gemeinten Herkunftsbezeichnungen waren der Versuch, Mensch in Rassen einzuteilen. Ganz wie Hunde. Nur beim Menschen ist das ziemlich schief gegangen, es gibt einfach zu viele Überschneidungen von Mensch zu Mensch, als das ich sie derart einteilen könnte. Familien unterscheiden sich von anderen, weiter entfernt wohnenden Familien (sagen wir innerhalb der BRD) genetisch nicht stärker als das, was früher versucht wurde als Rasse zu klassifizieren. So muss wohl dieses ganze rumgerasse als historischer Irrweg betrachtet werden.

Da fehlt uns noch einiges an Gelassenheit und Übung.

Eine Freundin, wenn ich das so mal sagen darf, in der dritten Generation in der BRD ansässig, wird aufgrund ihrer wirklich dunklen Hautfarbe oft gefragt, wo sie her komme. Wenn sie dann ihre Stadt angibt, wird nachgefragt, nein, nein, wo sie wirklich herkomme, also ihre Großeltern oder so. Nur leider ist die Antwort dann wieder die gleiche. Und das sehe ich bereits als Alltagsrassismus an.

Wir brauchen in unserer Republik, so vermute ich, noch einiges an Übung, um Menschen nicht mehr aufgrund ihrer helleren oder dunkleren Haut zu klassifizieren. Ich schließe mich da ein.

(P.S.: Wobei ich kein Problem darin sehe, eine Süßigkeit mit schwarzem Schoko-Überzug einen Negerkuss zu nennen. Ich denke einfach, hier ist doch wohl ein Dunkle-Schokoladen-Kuss gemeint ... 😎)

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Diplom in Physik

"Eine Freundin, wenn ich das so mal sagen darf, in der dritten Generation in der BRD ansässig, wird aufgrund ihrer wirklich dunklen Hautfarbe oft gefragt, wo sie her komme. Wenn sie dann ihre Stadt angibt, wird nachgefragt, nein, nein, wo sie wirklich herkomme, also ihre Großeltern oder so. Nur leider ist die Antwort dann wieder die gleiche. Und das sehe ich bereits als Alltagsrassismus an."

Ja aber das ist auch bei Ausländern so, deutsche mit Migrations Hintergrund usw. Die Fragen auch nach der Herkunft wenns so aussieht als ob jemand von wo anders kommt.

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@Linacool19

Ja, gelle? Das ist befremdlich ... Zu einer Nation gehört, gemäß der grundlegenden Definition, jede/r der an ihr mitwirken will. Und nicht, wer "irgendwie aussieht" oder halt nicht.

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@MacMadB

Naja, das empfinden andere halt als nicht befremdlich, wenn mich jemand fragt stört mich zumindest nicht😁

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"Farbig" war früher der "politisch korrekte" Begriff für Schwarze, aber mittlerweile ist das auch etwas überholt. Schwarze als Begriff ist komplett okay, wenn man nicht-weiße Leute generell meint, benutzt man im Englischen auch den Begriff "Person/People of Color", wobei "colored" dort auch wieder Rassistisch ist. Das ist dann aber auch eher, um über Dinge zu reden, die diese Leute betreffen, wie Rassismus zum Beispiel. And sich sind Wörter wie "Schwarzer", "Latino" oder "Inder" ja wertungsfrei und eben "beschreibend", eben wie "Brünette", "Schlanke" oder "Brillenträger", oder eben wie "Deutscher" oder "Schwedin."

Alle Schwarzen die ich kenne, wollen übrigens auch so betitelt werden, und nicht als Farbige, "Afrikaner" obwohl schon ihre Eltern in Europa/Amerika/etc geboren wurden oder gar "Maximalpigmentierte".

Warum unterteil man es überhaupt. Die begriffe Weiß und Schwarz machen keinen Sinn, weil:
Fast niemand Weiß oder Schwarz ist (Eher Orange bis Braun).
Auch hier eine Sortierung nach Hautfarbe rassistisch ist.

Seh ich auch so.

Diese Unterscheidung wird oft als sogenanntes "othering" genutzt, also in der Art von "wir und die anderen". So wird immer abgegrenzt, ein Unterschied gemacht.

Für mich sind alles Menschen, fertig.

Naja schwarz zu sagen ist ja nicht schlimm als Beschreibung, wie zum Beispiel, der schwarze mit dem blauen Pullover.

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Wikipedia:

Unter Farbigen versteht man nicht-hellhäutige Menschen.

Das beschreibt also nicht nur Schwarze, sondern auch Menschen, die weder Schwarz noch Weiß sind (Südeuropäer, Asiaten, Aborigines, Indianer, etc.).

Schwarz und Weiss sind sehr wohl Farben, sie gehoeren der Gruppe unbunte Farben an.

https://de.wikipedia.org/wiki/Unbunt

Color ist auch ein gaengiger Ausdruck, somit ist das Wort Schwarze zu krass gewaehlt.

https://www.diversity-arts-culture.berlin/woerterbuch/poc-person-color#:~:text=Der%20Begriff%20People%20of%20Color,B%C3%BCrgerrechtsbewegung%20in%20den%201960ern%20verwendet.&text=Der%20Begriff%20PoC%20wird%20auch%20in%20Wechselwirkung%20mit%20dem%20Begriff%20wei%C3%9F%20verwendet.

Hier kann nicht von der Lichtbrechung ausgegangen werden, das ist ein anderes Feld.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

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