Warum musste man früher als Kapitän mitversinken, falls das Schiff kentern würde?

19 Antworten

Ist ein Schiff gesunken, wurde erst mal angenommen, dass du Mist gebaut hast.

Der Ingenieur hat falsch geplant, der Kapitän hätte es anders steuern können usw.

Vielleicht wären sie wegen fahrlässiger Tötung dran gewesen (gab es da noch die Todesstrafe?), ihr Rufe wäre auf jeden Fall hin gewesen, ebenso der ihrer Familie. Damals fast der sichere Tod ohne Sozialleistungen, da man auch zusätzlich Racheaktionen der Hinterbliebenen fürchten musste.

An sich gibt es die Regel, dass der Kapitän am längsten an Bord bleibt und hilft alle zu retten (auch wenn er nichts tun kann und nur daneben steht, oder eben am Steuer z.B. versucht das Schiff ruhig für die Rettung zu halten, je nach dem was noch geht) und daher als letzter zu gehen hat. Im Falle der Titanic wussten beide, dass es zu wenig Boote gibt, sie also im Eismeer eh keine Chance haben und der Platz im Rettungsboot der Ehre wegen anderen zusteht.

Man denke an das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor ein paar Jahren, das ist keinesfalls eine veraltete Sache... Der Aufschrei war groß als bekannt wurde, dass der Kapitän im ersten Rettungsboot saß. Auch er hatte, wie der Kapitän der Titanic, den eigentlichen Kurs verlassen, was Todesopfer forderte.

Wenn alle scheinbar gerettet sind, dann muss er keinesfalls sterben. Er sollte nur eben nicht vorzeitig seine Stelle verlassen, immerhin hat er die Verantwortung für das Schiff und die Leute darauf. 

 

Damals galten noch nicht diese Sicherheitsvorkehrungen wie wir sie heute kenne. Die Rolle der Aufopferung wurde damals zur Zeit der Titanic (1912) von einem Mann erwartet. Man wurde so erzogen, selbst in der aussichtslosen Situationen Ruhe und Gelassenheit zu bewahren. Man wollte selbst den Tote ehrenwert gegenüber stehen. 

Nur wahr ist: Der Kapitän trägst die Verantwortung für sein Schiff.

Viele der männlichen Überlebenden der Titanic, machten sich auch noch Jahre danach noch lange Vorwürfe, diese Katastrophe als Mann überlebt zu haben.

Bestimmt klingt dies komisch, aber es war damals so.

Die Frage stellt sich auch heute: Was hätte man selbst in so einer Situation getan?

"Müssen" ist das falsche Wort. Es geht/ging dabei viel mehr um Verantwortung. Der Kapitän ist für das sozusagen der "Chef" auf dem Schiff und ist damit mit verantwortlich dafür, dass alle Passagiere und die gesamte Crew das Schiff sicher verlassen, wenn es sein muss. Dieses Verantwortungsgefühl ist vielen durchaus noch bewusst, immerhin vertrauen  die Reisenden der Besatzung und sind auf deren Fähigkeiten angewiesen, im schlimmsten Fall um zu überleben. Ein guter Kapitän - und eine gute Crew- tun alles um die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten. Und bleiben im Notfall daher so lange an Bord, bis der letzte Passagier evakuiert ist. Erst dann verlässt die Crew das Schiff und zuletzt der Kapitän. Gerade zu Beginn der Schifffahrt war das mit dem Evakuieren aber noch so eine Sache, mal ging es zu langsam, es gab nicht genug Platz in Rettungsboten und so weiter. Oft war es dann zu spät und das Schiff ging unter bevor der Kapitän als letzter das Schiff verlassen konnte. Damit verbreitete sich dann der Mythos der Kapitäns der sein Schiff auf Biegen und Brechen nicht verlassen würde. Obwohl eben eigentlich einen anderen Hintergrund hat. 

Das gilt im übrigen nicht nur für Schiffe. Captain Sully, der Pilot des Flugzeugs, das auf dem Hudson notwasserte, hat angeblich mehrfach die Kabine nach Passagieren abgesucht und hat darauf bestanden als letzter von Bord zu gehen. 

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