Warum muss der große Unterschied zwischen Arm und Reich nicht zwangsläufig ungerecht sein?

11 Antworten

Das große Problem an der Sache ist, das die Frage, was gerecht ist äßerst subjektiv und (leider) häufig davon abhängt in welcher Situation man sich selbst befindet, sprich der Erbe wird das naturgemäß wohl anders als der Nicht-Erbe sehen.

Das Leistungsargument ist auch so ein Ding, was bedeutet denn Leistung konkret und wer legt das fest? Hier geht das ja mit dem Erben weiter, wenn ich in den richtigen Kreisen groß werde und somit die richtigen Leute kenne werde ich es deutlich leichter haben einen lukrativen Job zu haben als wenn ich Kind einer H4 Familie bin.

I.d.R. wird das Argument aber als Totschlagargument von Neoliberale verwendet als moralische Legitimation dazu jeden anderen Ausbeuten zu dürfen wie es geht, denn schließlich ist ja jeder seinen Glückes Schmied. Aber die Leistungen kompeltt auszublenden wäre ja auch nicht wirklich gerecht.

Auf der anderen Seite gibt es aber natürlich auch Leute deren Motivation eher Neid ist gepaart mit dem Unwille selbst was dafür zu tun und deswegen gerne Umverteilen würden (wovon sie selbst natürlich dann profitieren).

Ein schwieriges Thema, die "Wahrheit" so es sie denn gibt, liegt vermutlich irgendwo dazwischen, aber das eigentliche Problem ist, das die wenigsten sich an die goldenen Regel halten. Würden sich alle ernsthaft versuchen in die Rolle des anderen zu denken, wären wir wohl schon deutlich näher beisammen was die Unterschiede in der Gesellschaft angeht, aber leider ist sich ja jeder selbst der Nächste.

Vielen Dank!

Sehr gut!

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Die Leistung wird im Vertrag festgelegt, also durch den Tausch.

Unverdient und ohne entsprechende Fähigkeiten einen "lukrativen Job" zu haben bedeutet Korruption und hat grundsätzlich nichts mit Vererbung zu tun.

Sie vergessen den natürlichen Sinn der Familie - für Kinder und Enkelkinder zu sorgen, ihre Zukunft vorzubereiten.

Erben ist kein Glück. Vererbung (nicht nur vom Materiellen) ist die Grundlage des Überlebens.

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@Georg193
Die Leistung wird im Vertrag festgelegt, also durch den Tausch.

Wodurch es aber nicht zwangsläufig gerecht wird. Kannst ja mal versuchen etwas ganz dringend verkaufen zu müssen, wirst sicher sehr gute Angebote bekommen, wenn die Gegenseite das weiß.

Unverdient und ohne entsprechende Fähigkeiten einen "lukrativen Job" zu haben bedeutet Korruption und hat grundsätzlich nichts mit Vererbung zu tun.

Ich habe von Chancen geprochen und das hat sehr wohl etwas damit zu tun, wo man geboren wird.

Sie vergessen den natürlichen Sinn der Familie - für Kinder und Enkelkinder zu sorgen, ihre Zukunft vorzubereiten.

Und wer hat das negiert?

Erben ist kein Glück.

Was man erbt ist kein Glück? Also kann man sich seine Eltern aktiv aussuchen bzw. welche das sind ist eine eigene Leistung?

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@LtLTSmash

Umgekehrt. Natürlich suchen sich die Kinder nicht die Eltern aus, sondern die Eltern suchen sich aus - also erziehen die Kinder. "Wie die Mutter, so die Tochter."

Zu der Chancenungleichheit die nicht auf Korruption beruht - ja die gibt es auch, dass nennt man "Kulturkreis". Entscheidend ist das Vertrauen: natürlich werde ich jemanden nicht nur anhand seines Schulzeugnisses anstellen, denn die Motivation und letztendlich die Leistung hängt von auch von vielen anderen Faktoren ab. Das Vertrauen im Kulturkreis ist die wichtigste Ressource der Wirtschaft. Dieses Vertrauen erbt man aber nur bedingt, vielmehr ist die Einschätzung der gegenwärtigen, konkreten Beziehungen und Abhängigkeiten ausschlaggebend.

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Das mit dem Soli ist das selbe. Es betrifft angeblich nur die "Reichen". Mein Bruder ist unter 30 und es betrifft ihn, weil er mehr als 100.000 Bruto verdient pro Jahr. Und warum? Fleißig in der Schule, bewundernswerte Disziplin (ich kann da nicht mithalten), richtiges Studium gewählt und viel fürs Studium getan. Wenn der Lernphase hatte, hab ich wochenlang nichts von dem gehört und er war auch nicht zu erreichen. Der ist jeden Tag um 6 aufgestanden, hat auf dem Weg zur Bibliothek gefrühstückt und bis abends gelernt und ist um 9 ins Bett(über viele Wochen). Keine Zeit für Party, Freunde, die arme Freundin oder Familie. Und Olaf Scholz wills ihm jetzt wegnehmen der Dieb.

Das stimmt so nicht.

Außerdem spreche ich nicht von Leistungsgerechtigkeit.

Das sagte ich bereits.

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Wieviel hat er denn fürs Studium bezahlt? Im Gegensatz dazu was ihm das denn wohl in z.B. in den USA gekostet hätte?

Nicht falsch verstehen, aber auch er hat sicher von Dingen profitiert, die aus Steuermitteln bezahlt wurden und irgendwo muss das Geld ja her kommen. Ich selbst wäre auch vermutlich nicht Ingenieur geworden als Arbeiterkind, wenn ich in den USA geboren worden wäre. Von daher zahle ich zwar auch viel Steueren, aber ich weiß auch das auch ich davon profitiert habe und immer noch profitiere.

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@LtLTSmash

Ich sag ja nichts gegen Steuern. Er zahlt ja sein ganzes Leben noch Steuern und nicht wenig. Gerecht heißt aber, dass alle gleich belastet werden und dass Versprechen wie die Abschaffung des Solis eingehalten werden. Es ist ja schon dadurch gerecht, dass man Steuern nach einem Prozentsatz zahlt. Dadurch zahlen Reiche ja schon mehr. Man könnte ja auch sagen, dass zb jeder 1000€ zahlt. Macht man aber nicht und es würde auch nicht funktionieren. Aber dass man den Prozentsatz für Reiche nochmal erhöht ist ja wohl mega assi.

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@Boehnchen1999
Gerecht heißt aber, dass alle gleich belastet werden

Das ist ein schöner Grundgedanke, was das konkret heißen könnte ist aber höchst unterschiedlich.

und dass Versprechen wie die Abschaffung des Solis eingehalten werden.

Das ist eine rein akademische Frage. Ich hätte auch den Soli abgeschaftt und die anderen Steuersätze entsprechend angepasst, versprechen gehalten. Du dafst aber beruhigt sein, das was durch den Solientfall jetzt weg fällt wird den Leuten anderswo wieder weggeneommen, verlass dich drauf.

Es ist ja schon dadurch gerecht, dass man Steuern nach einem Prozentsatz zahlt. Dadurch zahlen Reiche ja schon mehr.

So einfach ist das nicht, du vergisst Sozialabgaben und indirekte Steuen. Zudem sind die Absetzmöglichkeiten deutlich besser, sprich, für Gutverdiener lohnt sich z.B. Riestern, für Geringverdiener eher nicht. Dein Bruder bekommt z.B. für seinen Arbeitweg ca. 9ct/km vom Finanzamt erstattet, der EIngansgsteuersatzzahler nur 2-3ct/km. Abgerechnet wird am Schluß.

Aber dass man den Prozentsatz für Reiche nochmal erhöht ist ja wohl mega assi.

Wie gesagt, abgerechnet wird am Schluß und Einkommensteuer ist ja nur ein Teil der Steuern und Abgaben die man so zahlt. Du wärst verwundert wie wenig manch Reicher, Schluplöcher sei Dank, zahlen muss. Das wird aber wohl nicht deinen Bruder betreffen, dazu sind 100k€ p.a. einfach zu wenig.

Zudem ist in den letzten 20 Jahren die Steuerlast von oben nach unten verschoben worden (Spitzensteuersatz wurde von 53 auf 42% gesenkt, Leistungslose Kapitaleinkünfte werden mit maximal 25% besteuert, dafür die Mehrwertsteuer um 3% erhöht), mach dir mal keine Sorgen. Ich persönlich hatte damit eher wenig Probleme (obwohl ich lange ähnlich verdient hab wie dein Bruder), weil ich weiß das ich dafür auch viele wieder bekomme, was ich anderswo extra zahlen müsste bzw. nicht bekommen kann, wie z.B. einen relativ hohen sozialen Frieden.

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Man müsste erst ein mal deutlich zwischen "Vermögen" und "Einkommen" unterscheiden, wenn man diese Fragen diskutiert. Ein großes Vermögen bedeutet ja nicht unbedingt auch ein hohes Einkommen; zudem werden Einkommen relativ hoch besteuert und das sollte zur Einkommensgerechtigkeit ausreichen.

Bei Vermögensunterschieden sehe ich keine echte Gerechtigkeitsfrage. Zufall (Glück & Pech) gehört zur Existenz und ich gönne jedem eine Erbschaft genauso wie den Lottogewinn. Wenn man an zufällige Ereignisse einen Gerechtigkeitsmaßstab anlegen will, steht man bei der genetischen Lotterie etwas dumm da (gesund/behindert/begabt/dämlich je nachdem was die Genlotterie auswirft).

Speziell zum Erben gilt auch, dass viel Menschen mehr zu leisten bereit sind, eben weil sie ihren Kindern mehr hinterlassen wollen

Ein großes Problem (nicht unbedingt eine Frage der Gerechtigkeit) sehe ich eher bei sehr großen Vermögen, die keinen Bezug zum Produktionsvermögen bzw. einem realen Markt mehr haben und lediglich durch immer komplexere Finanzprodukte vermehrt werden. Hier besteht die Gefahr, dass alles oder zuviel Geld nur noch einen virtuellen Markt bedient und für wichtige Investitionen / Produktionsanlagen / neue Technologien / Forschung & Entwicklung fehlt.

Ob jemand etwas hat, weil er es sich erarbeitt hat oder ob er stirbt und das Geld an sein Kind weitergibt, ist für mich das selbe. Da hatte das Kind halt Glück. Wenn du Leuten ihr Erbe wegnehmen willst, weil sie es nicht selbst erarbeitet haben, sondern Glück hatten, musst du auch allen Lottospielern ihr Geld wegnehmen. Und bei den Lottospielern hat es wirklich niemand erarbeitet. Das war wirklich pures Glück.

Nein zur Erbschaftssteuer

(von jemandem wie mir, der jung ist und nicht viel erben wird)

Okay, aber ist das nun gerecht, so viel zu erben?

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@tausend1783

Die Welt ist nicht gerecht, aber es ist gerechter, dass jemand etwas erbt, was nicht er, sondern seine Eltern erarbeitet haben, als dass man es ihm wegnimmt und an alle verteilt. Das ist bereits versteuertes Geld.

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Das Kind hatte nicht "Glück" sondern Eltern die an die Zukunft glaubten.

Früher haben Leute Bäume gepflanzt wo sie gewusst haben, dass sie selber nie etwas ernten werden, sondern erst ihre Kinder und Enkelkinder.

Das ist kein Glück sondern Weisheit, Arbeit, Familie und Leben.

Was passiert wenn diese Art von Verantwortung und Lebensaufgabe gestört wird?

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@Georg193

Das Kind hatte Glück, weil es solche Eltern hat. Gibt auch Eltern, die ihre Babys im Park entsorgen.

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Vielen Dank, das hilft mir sehr!

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@tausend1783

@tausend1783 Ehrlich gemeinte Frage: Hilft Dir das weil es die Antwort ist, die Du gerne hören wolltest?

Aus Statista:

"Im Jahr 2019 besaßen 0,9 Prozent der Weltbevölkerung 43,9 Prozent des weltweiten Vermögen. 56,6 Prozent der Weltbevölkerung besaßen hingegen lediglich 1,8 Prozent des weltweiten Vermögens."

Januar 2018, Oxfam:

"Das reichste Prozent der Menschen strich 82 Prozent des im vergangenen Jahr erwirtschafteten Vermögenswachstums ein, während die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung leer ausging."

Die von dem einen Prozent haben alle einfach an die Zukunft geglaubt und Bäume gepflanzt und die 99 anderen Prozent nicht?!

:D Das glaubt Ihr doch selber nicht.

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in einem gewissen rahmen bin ich ja auch damit einverstanden. nur wenn sich zu viel geld an wenigen stellen sammelt, ist das schlecht für die wirtschaft und für die gesamte gesellschaft (bis auf wenige ausnahmen natürlich). deshalb ist es die pflicht eines staates, für einen gewissen ausgleich zu sorgen. tut er dies nicht, begeht er ein unrecht an seinen bürgern.

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