Warum machten Einwahlmodems diese Geräusche?

6 Antworten

Das Video von Razorino ist unschlagbar. Super. Ergänzend nur dies:

  • Eigentlich macht jedes Modem und jeder Router auch heute solche "Geräusche" oder Signale auf der Leitung, eben die Kommunikationssignale. Nur liegen die heute nicht mehr im hörbaren Bereich
  • Früher war Internet nur über das konventionelle Telefonnetz möglich. Das Telefonnetz war für menschliche Sprache konzipiert, auf eine maximale Bandbreite von 3,4kHz. Also mussten die Kommunikationstöne sich ebenfalls in diesem hörbaren Bereich bewegen.
  • Den "Einwahl"prozess macht ein Router heute nur noch, wenn man ihn einschaltet. Früher kostete ja einfach die Zeit, während der man online (auf der Telefonleitung) war. Also musste man jedesmal, wenn man "Ins Internet" wollte, sich einwählen.
  • Das Einwählen selbst sind zuerst die bekannten Wahltöne (DTMF) für die Telefonzentrale (die Telefonnummer des Providers). Danach kommt das ganze Handshake, in welchem die beiden Modems abmachen, in welcher Geschwindigkeit sie kommunizieren können. Das haben andere hier schon ausführlich erklärt.
  • Die Töne konnte man auch ganz unhörbar machen. Aber die Kontrolle war eben wichtig (wie auch bei Fax-Verbindungen) Dies, weil es auch mal Falschwahlen gab (falsch verbunden), oder das Gegenüber (bei Punkt-Punkt-Verbindungen, das gabs auch!) nicht sein Modem am Telefonnetz hatte, sondern den Hörer abhob - und dann hörte man eben, mit wem man Verbindung hatte.

Das sind zuerst die Töne des Mehrfrequenzwahlverfahrens mit denen die Telefonvermittlungsstelle angewiesen wird die Verbindung zum anderen Teilnehmer aufzubauen. https://de.wikipedia.org/wiki/Mehrfrequenzwahlverfahren

und danach hörst du die "Daten". Da die alten Telefonleitungen vor der Erfindung von ISDN und DSL nur geeignet waren Töne zu übertragen muss das Modem die Nullen und Einsen in Töne übersetzen, die dann von der Telefontechnik der (damaligen) Bundespost klaglos weitergeleitet wurden. Grundsätzlich waren das immer zwei Töne. ein "Dauerton", der der Anderen Seite signalisierte, das die Verbindung noch bestand und es sich lohne auf Daten zu warten und eine Wechselton der in einer genormten codierung die Daten repräsentierte (das Zwitschen). Im Laufe der Jahre sind die Modems immer schneller geworden, weil die Telefonleitungen auch immer besser wurden und höhere Signalarten zuließen. Dazu gab es dann unterschiedliche Übertragungsverfahren. Zu Beginn jeder Datenübertragung haben sich die beiden Modems vom Anrufer und angerufenem kleine Testbotschaften geschickt und ausprobiert, wie gut die Telefonverbindung ist und bis zu welcher Geschwindigkeit einen Kommunikation fehlerfrei möglich ist. Langsam anfangen und dann immer schneller werden, bis die Antwort ausbleibt oder besagt, dass die Daten verstümmelt waren. Währen dieser "Verhandlung" war üblicherweise ein kleiner Lautsprecher zugeschaltet, der dem geübten Bediener die Möglichkeit gab mitzuhören und zu erkennen, dass die Verbindung da ist und getestet wird. Nach der erfolgreichen Verhandlung wurde üblicherweise der Lautsprecher abgeschaltet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Modem#Telefonmodem

Heutzutage wird meist DSL verwendet, es gibt aber immer noch Anwendungen die über Analogmodems laufen, da diese die einfachst mögliche und am wenigsten Störanfällige Übertragungstechnik darstellen. Ich habe mal eine Anlagensteuerung per Fernzugriff umprogrammieren müssen, die auf einer kleinen zu dem Zeitpunkt unbewohnen griechischen Insel am hintersten Ende de Welt ohne Strom und ohne Telefon stand. Die Verbindung wurde mit einem Händy-adapter an einer von einer Autobatterie gespeisten Feldtelefonanlage aus dem zweiten Weltkrieg und dem analog-Modem der Anlage aufgebaut. Die Datenübertragung lief mit 1200bd (bits pro sekunde; bits nicht kilobits oder Megabits!!) und hat neun Stunden gedauert. Das war aber immer noch billiger und schneller als hin fliegen und boot fahren.

Nach abstruser war mal eine Datenübertragung über das Iridium Satellitentelefonnetz und einem vor Ort zusammengebastelten Akustikkoppler bei 300bd. Das war der Vorläufer der Modems. Glücklicherweise ging es da nur um Diagnose und Parameteränderungen, das wäre sonst bei ca. 10 Mark pro Minute unbezahlbar geworden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Akustikkoppler

Vereinfacht ausgedrückt:

Der Lautsprecher wurde während des Handshakes angeschaltet, man hörte also der Übereinkunft der Modem zu. Beim Handshake werden Fähigkeiten der beiden Gegenstellen ausgehandelt und zeitgleich die Charakteristik der Leitung vermessen. Dazu werden geeignete Signale erzeugt, die die Leitung an die Grenzen bringen.

Wenn Du es noch genauer brauchst, mußt Du recherchieren und ggf. die technischen Standards durchlesen.

Ergänzend: DSL-Modems machen das eigentlich genauso, wenn sie sich mit der Gegenstelle synchronisieren, sie haben nur halt keinen Lautsprecher mehr.

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