Warum lernen Kurden schneller Deutsch als Türken?

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Die türkische Parallelgesellschaft in DE ist weit zahlreicher als die kurdische. Ein Kurde sieht wohl eher die Notwendigkeit als ein Türke, schnell gut Deutsch zu sprechen.

Außerdem: Der nationale Zusammenhalt dieser Türken, bestärkt durch Erdogans Aufrufe, sich auf keinen Fall zu assimilieren und "stolze Türken" zu bleiben, trägt nicht zu Anstrengungen bei, Deutsch zu lernen. Anders die Kurden: Diskriminiert in der Türkei, passen sie sich vielleicht besser und schneller an DE an.

Kurdisch ist eine indogermanische Sprache, möglicherweise ist der strukturelle Abstand zum Deutschen etwas kleiner als beim Türkischen, einer asiatischen Turksprache. Auch im Wortschatz zeigt sich das. Bruder heißt auf Kurdisch Bıra, auf Türkisch kardeş, Kartoffel heißt auf Kurdisch kartol, auf Türkisch patates. Name auf Kurdisch nav, auf Türkisch isim oder ad.

Patates ist abr kein türkisches Wort. So heißen Kartoffeln auch anderswo. Im Italienischen z.B: Patate. Das Wort ist aus einer anderen Sprache und passt nicht in deinen Vergleich.

Nach meiner Recherche kommt es aus dem Hawaiianischen und kam mit den Spaniern nach Europa - und vieleicht über die Mauren und arabisch wo es "Albatis" heißt in die Türkei. Die Türkisch hat viele arabische Lehnwörter, ebenso wie spanisch.

Batate ist urpünglich die Süßkartoffel.

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@Bitterkraut

batata ist ursprünglich ein Taino-Wort. Taino war eine indigene Sprache der Karibik (eine Arawak-Sprache, die mit indigenen Sprachen z.B. in Venezuela verwandt ist). Über das Spanische fand das Wort auch Eingang in andere europäische Sprachen (z.B. Englisch "potato" Schwedisch "potatis").

https://en.wiktionary.org/wiki/batata#Etymology_5

Kartoffeln wurden zunächst in Süd- und Mittelamerika angebaut. Die Spanier brachten (nach Kolumbus Entdeckung) die Kartoffeln erstmals nach Europa.

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Ja, Kurdisch ist sprachlich näher an Deutsch als an Türkisch.

Besonders die Nähe zu slawischen Sprachen fällt mir auf.

"Danke" heißt auf Kurdisch "spas" oder "spasiya", wozu mir sofort Russisch "spasibo" einfällt. "Blau" ist "şîn" und Russisch "siniy". "Gelb" ist "zer" und Russisch "zheltyy".

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Kurdisch und Deutsch haben (trotz der lexikalischen Unterschiede) deutliche Ähnlichkeiten in der Grammatik und Syntax. Beides sind indogermanische Sprachen, die flektieren, und präpositionale Konstruktionen verwenden.

Türkisch ist eine agglutinierende Sprache, deren Grammatik grundlegend anders funktioniert. Ein Türke, der Deutsch lernt, muss nicht nur Vokabeln lernen, er muss seine sprachliche Denkweise umstellen.

Kurdisch benutzt eine 2-Kasus-Flexion der Nomen, die der deutschen Flexion (4 Kasus) etwas ähnelt. Kurdisch benutzt - wie Deutsch - freistehende Personalpronomina (die sich z.T. sogar ähneln, was kein Zufall ist). Türkisch kann dagegen weitgehend auf Personalpronomina verzichten, das Verb ist (ähnlich wie im Finnischen) schon alleine durch die Endungen aussagekräftig.

Präpositionale Konstruktionen funktionieren im Kurdischen ähnlich wie im Deutschen, es gibt dort Wörter, die unseren Präpositionen wie "in", "aus", "mit" entsprechen. Diese werden wie bei uns vorangestellt. Türkisch verwendet dagegen eine Art "Inessiv" mit agglutinierter Endung (ähnlich wie im Finnischen).

Wer das mal selber ausprobieren will, was das ausmacht (flektierende Sprache versus agglutinierende Sprache): einfach mal 1 Jahr lang Schwedisch lernen und 1 Jahr lang Finnisch. Und dann vergleichen, worin man die meisten Fortschritte gemacht hat. Natürlich muss man überall Vokabeln lernen - das ist aber nicht der entscheidende Punkt.  

Boahhhhh, du bist krass intellektuell.

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Ich kann dazu nur sagen... Ich war auf der Sprachschule in Dänemark. Dort habe ich Leute aus Syrien kennengelernt. Alle hoch motiviert dänisch zu lernen. Darunter eine Anwältin. Aber in DK darf sie nur putzen. Eine hoch intelligente Frau.

Ich durfte ihre Hausaufgaben kontrollieren. Aber als deutscher ist dänisch natürlich eine einfache Sprache. Aber... man schreibt so viele Buchstaben, die man garnicht ausspricht.

Man sagt immer "Deutsche Sprache schwere Sprache" aber dann musst Du erst einmal dänisch gesehen haben.

Das ist die Hölle.

Mario

Habs auch mitbekommen.

Mein Fazit:

Kurden legen mehr wert auf Bildung als Türken. Kurdische Eltern wollen meistens, dass die Kinder ne gute Ausbildung haben, studieren gehen usw. Ich kenne 6 Kurden und 8 Türken.

4 der Kurden studieren gerade. Einer studiert Jura, zwei studieren Lehramt und einer Medizin. Die anderen zwei haben ne Ausbildung. Einer ne Ausbildung bei der Bank und einer als Chemikant.

Von den 8 Türken die ich kenne, hat nur einer Abitur. Nach seiner Abizeit hat er ne Ausbildung bei der Polizei gemacht. Die restlichen 6 haben entweder nen Real-,Hauptschulabschluss oder gar keinen. Sie haben ne Ausbildung als Medizinischer Fachangestellter, arbeiten bei der DHL, besitzen irgend ne Bar oder sind Arbeitslos.

Zudem sind viele Türken Nationalisten.
Sie haben sich kaum integriert (obwohl sie hier geboren sind), verfluchen den deutschen Staat und haben kaum ne Verbindung mit Deutschland.

Bei den Kurden siehts anders aus. Viele Kurden die ich kenne sind auch stolz auf ihre Heimat, stolz auf die Fortschritte die sie im Krieg gegen den IS gemacht haben usw. Jedoch sehen sie Deutschland als ihre Heimat und sind froh/dankbar dafür, hier zu leben.

Klar, ist es immer und überall anders. Aber dies trief vermutlich auf die meisten Kurden und Türken zu. Es gibt natürlich auch ausnahmen.

Bsp sieht ne Türkin (die ich seit gut 9 Jahren nicht mehr gesehen hab), aber ihr Insta Account gesehen hab und als ich sie sah, dachte ich, sie wäre Deutsch. Natürlich wusste ich, dass sie Türkin, jedoch sah und sprach sie wie Deutsch, hatte nen deutschen Mann und war das Gegenteil einer Türkin

hat sicher psychologische Gründe - nationalstolze Türken der Erdogangeneration und Araber, zumal mit Doppelpass, sind stark von einer Ideologie der deutlichen Abgrenzung von der Kultur der Umgebung geprägt; der Wille, die Sprache des Gastlandes zu meistern, ist daher überdurchschnittlich gering. Es werden seitens der deutschen Behörden auch keine Anreize geschaffen, die Landessprache zu erlernen, vielmehr werden Mitteilungen, Formulare, Bröschüren in türkisch oder arabisch herausgegebracht und/oder aus Steuermitteln finanzierte Dolmetscher eingesetzt, auch wenn die besagten Volksgruppen bereits in der zweiten oder dritten Generation hier leben. (zit. Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion 2018).

Den Kurden stehen derlei Dinge nicht oder nicht ausreichend in Kurdisch zur Verfügung und sie sind daher stärker motiviert, das zu tun, was eigentlich alle Ausländer sollten, nämlich die Landessprache zu erlernen.

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