Warum lehnen es Zeugen Jehovas ab, z. B. bei einer Krankheit Blut gespendet zu bekommen und dadurch ihren Tod in Kauf nehmen?

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5 Antworten

Hallo  Konzulweyer

Gern nehme ich als Zeuge Jehovas zu Deiner Frage Stellung.

Zunächst aber  wundere ich mich,  dass Du überhaupt eine solche  Frage stellst,  denn seit der Dokumentation  „Böses Blut   -  Kehrtwende in der Intensivmedizin“,  die   am  24.11.2014   von der ARD ausgestrahlt  wurde,  stellt kaum noch jemand eine derartige Frage.   Die Sendung  -  die sich im Internet noch finden lässt  -   ist eine sehr sorgfältige Dokumentation über die Gefahren,  die  von Bluttransfusionen ausgehen können    und die sich besonders  in den Spätfolgen zeigen,  bei Patienten also,  die sich vor 25 oder 30 Jahren einer solchen Behandlung unterzogen haben.

Zwar sind diese medizinischen Probleme nicht der Grund,  warum wir als Zeugen Jehovas konsequent Blut meiden,  dennoch zeigen uns die tragischen Ergebnisse,  dass unser Schöpfer  viele gute Gründe hat,  den leichtfertigen Umgang mit Blut zu verbieten.  Und es zeigt sich auch, dass  wir gut beraten sind,  wenn wir dieses Gebot beachten.  

Das  bedeutet jedoch keineswegs,  dass wir   -  wie Du zu vermuten scheinst  -   mit unserer Gesundheit  leichtfertig umgehen würden,  im Gegenteil  gehören wir mit zu den Pionieren,  die der fremdblutfreien  Chirurgie  zu der Verbreitung  verholfen haben,  die sie gegenwärtig hat.  Wir tragen außerdem sehr aktiv dazu bei,  dass alle erfolgreichen alternativen  Behandlungsmethoden  einschließlich aller Fakten  Medizinern  auf der ganzen Welt  zugänglich gemacht werden.

Betonen möchte ich auch,  dass alles,  was ich  nachfolgend schildere nicht etwa nur Theorie oder gar übernommene Meinung ist, sondern dass ich  persönlich von der Zuverlässigkeit und Gültigkeit biblischer Aussagen zu diesem Thema  überzeugt bin und außerdem diverse medizinische Fälle, in denen unter Beachtung biblischer Grundsätze erfolgreich operiert wurde, in meiner unmittelbaren Umgebung miterlebt habe.

Außerdem sind wir als Zeugen Jehovas davon überzeugt, dass gemäß 2. Timotheus 3:16-17 und Hebräer 4:12-13 (jeweils auszugsweise) „Die GANZE Schrift von Gott inspiriert ist und nützlich zum Lehren, zum . . . Richtigstellen der Dinge“  und „das Wort Gottes lebendig ist und Macht ausübt und . . .  Und wir (unserem Schöpfer) Rechenschaft zu geben haben.“

Weil wir also Gottes Wort ernst nehmen, wissen wir auch, dass „wir unsere Hoffnung auf einen lebendigen Gott gesetzt haben, der ein Retter aller Arten von Menschen ist, besonders von treuen“ (1. Timotheus 4:10) und deshalb ist auch die Verheißung auf eine Auferstehung für uns eine fest gegründete Hoffnung (Johannes 5:28). Sie gibt uns viel  Kraft und versetzt uns in die Lage auch mit  Gesundheits- problemen  sehr viel gelassener umzugehen.

Als letzten Punkt meiner Vorausbemerkungen, stelle ich Dir eine Gegenfrage:

Hast Du je einen Arzt gefunden, der Dir die schriftliche Garantie gibt, dass ein notwendiger chirurgischer Eingriff absolut erfolgreich sein wird, WENN  Du eine Bluttransfusion akzeptierst?  Oder ist es nicht vielmehr so, dass Du in jedem Fall auf die Gefahren des Eingriffs und die Unwägbarkeiten einer Transfusion hingewiesen wirst und unterschreiben musst (!), dass Du dieses Risiko bewusst eingehst?

Und nun zu Deiner eigentliche Frage:

Wir als  Zeugen Jehovas unternehmen  -  wie oben schon erwähnt -  alles menschlich Erdenkliche, um  unsere Gesundheit oder die Gesundheit unserer Kinder  und unserer Angehörigen zu erhalten oder wiederherzustellen. Darin
unterscheiden wir uns nicht von anderen vernünftigen Menschen.

Wir sind deshalb grundsätzlich mit vielen  medizinischen und chirurgischen Behandlungen einverstanden. Und nicht zuletzt gibt es in unseren Reihen zunehmend  Ärzte und Chirurgen die selbst  Zeugen Jehovas sind.  Um  den medizinischen Erfolg auch im Falle notwendiger chirurgischer Eingriffe
sicherzustellen   arbeiten wir  bereitwillig und gut organisiert mit Ärzten auf der ganzen Welt zusammen und helfen in jedem einzelnen Fall  bei der Suche nach der individuellen und optimalsten Behandlungsmethode.

Tatsache ist jedoch auch, dass wir  -  wie einleitend schon erwähnt  -  unseren  Glauben und auch   Gottes Wort ernst nehmen.  Und deshalb ist es für uns einfach eine Tatsache, dass  Gott als Schöpfer auch und besonders über seine Schöpfung Mensch, besser Bescheid weiß als wir.

So hat er schon gleich zu Beginn der  Menschheits- geschichte folgendes erklärt:  „Alles, was sich regt und lebt, sei eure Speise. Doch ihr sollt kein Fleisch essen, in dem noch das Leben, das Blut, ist.“  Und er fügte dann hinzu:  „Besonders aber von eurem Leben, vom Blut der Menschen, will ich Rechenschaft fordern. . “ (1. Mose 9:3-6, Stuttgarter Erklärungsbibel).

 Wegen dieser religiösen Überzeugung  glauben wir . . . .

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Kommentar von Abundumzu
29.06.2016, 23:41

Wegen dieser religiösen Überzeugung  glauben wir, dass uns  Bluttransfusionen verboten sind und dabei beziehen wir uns   -  neben der zitierten   -  auf Bibelstellen wie die folgenden:

  • AT:   „Nur Fleisch mit seiner Seele — seinem Blut
    — sollt ihr nicht essen“ (1. Mose 9:3, 4).
  • AT:  „[Ihr sollt] sein Blut ausgießen und es mit
    Staub bedecken“ (3. Mose 17:13, 14).
  • NT:   „Und enthaltet euch „von Hurerei und von
    Erwürgtem und von Blut“ (Apostelgeschichte 15:19-21).

Diese Verse sind zwar nicht medizinisch formuliert, aber nach
unserer Auffassung schließen sie eine Transfusion von Vollblut und die Verabreichung von Konzentraten aus roten Blutkörperchen und Plasma sowie weißen Blutkörperchen und Blutplättchen aus.

Einige Blutbestandteile, wie Albumin, Immunglobulinen und
Faktoren zur Blutgerinnung sind nach unserem religiöses Verständnis nicht unbedingt völlig abzulehnen. Jeder Zeuge muss für sich  selbst entscheiden, ob er sie akzeptieren kann.

Obwohl  in   -  mittlerweile sehr ferner  -   Vergangenheit Chirurgen es oft abgelehnt haben, Zeugen zu behandeln, weil durch unsere Einstellung zur Verwendung von Blutprodukten  dem Arzt die Hände
gebunden  schienen, vertreten heute zunehmend mehr  Ärzte die Ansicht, dass es sich dabei lediglich um einen zusätzliche Schwierigkeitsgrad  handelt, der eine besonders hohe Anforderung
an ihr Können stellt.

Einige von uns zusammengestellte und recht aufschlussreiche
Information über neue Behandlungsstandards und über die
Transfusionsmedizin  findest Du in diesem Online- Informationsbeitrag

„Transfusionsmedizin — Was bringt die Zukunft?“   Google
findet ihn  mühelos.

Außerdem gibt es inzwischen eine weitere Fernsehdokumentation  vom  11.05.2016

Titel:  "Gefährliche Bluttransfusionen"   

und hier findest Du sie                   http://www.swr.de/betrifft/betrifft-bluttransfusion/-/id=98466/did=17195826/nid=98466/ijh2fv/index.html

Da wir außerdem nichts gegen Salzlösungen oder kolloidale
Ersatzflüssigkeiten, Elektrokaustik, hypotone Anästhesie oder Hypothermie einwenden, werden  die in dem Bericht beschrieben  Verfahren laufend erfolgreich praktiziert.

Zudem,  um Missverständnissen und Komplikationen zwischen Medizinern und uns vorzubeugen kommen regelmäßig  offizielle Vertreter unserer Religionsgemeinschaft  mit Vertretern der Chirurgie und der Krankenhausverwaltungen zusammen.  Solche 
Gespräche tragen dazu bei, dass das Verständnis füreinander verbessert wird und Fragen über Bluttransfusionen, Transplantationen und die Vermeidung medizinisch/rechtlicher Konfrontationen beantwortet werden.

Das inzwischen hinreichend bekannte Ergebnis solcher Initiativen ist,  dass aufgeschlossene und gut informierte Mediziner mit unserer Einstellung kein Problem haben, besonders auch deswegen nicht, weil sie wissen, dass der Erfolg einer medizinischen Behandlung nicht unwesentlich davon abhängt,  ob  man den „ganzen Menschen“ behandelt  -  und damit  also auch seine innere Einstellung in einer angedachten Behandlungsmethode gebührend berücksichtigt.

Vielleicht helfen Dir diese Informationen ein wenig weiter.

Alles Gute.

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Kommentar von Philipp59
03.07.2016, 07:21

Eine sehr präzise und doch gut verständliche Behandlung dieses schwierigen Themas Abundumzu!

5

Die Zeugen-Argumentation wurde Dir hier hinlänglich dargelegt. Ich möchte Dir zeigen, wie die Mitglieder indoktriniert werden, so dass sie sogar den Tod eines Jungen namens Josh aufgrund abgelehnter BT beklatschen.

Redner ist Herr Anthony Morris III, einer der 7 Mitglieder der obersten Führungsriege, der sog. Leitenden Körperschaft / Governing Body.

Tony Morris erzählt, dass die Ärzte Josh leise drängten, eine BT zu akzeptieren, während seine Eltern ihnen den Rücken zuwandten; doch Josh wich nicht zurück und endete gepriesen von Tony Morris für sein Selbstmartyrium.

Um die Menge zu beruhigen, schließt Morris diesen Erfahrungsbericht mit folgendem Satz ab: "Und wenn er wieder auferstanden ist, werden wir mehr von ihm hören, denn der HERR liebt diesen kleinen Kerl".

Mir fehlen schlichtweg die Worte, um Dir noch mehr zu schreiben. Das muss ein Ende haben, das muss gestoppt werden!

http://jwsurvey.org/cedars-blog/21st-century-christian-martyrdom-tony-morris-praises-jw-boy-who-died-refusing-blood

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Sie tun es aufgrund einer falschen Interpretation folgender Bibeltexte:

„Nur Fleisch mit seiner Seele — seinem Blut
— sollt ihr nicht essen“ (1. Mose 9:3, 4).

 „[Ihr sollt] sein Blut ausgießen und es mit
Staub bedecken“ (3. Mose 17:13, 14).

„Und enthaltet euch „von Hurerei und von
Erwürgtem und von Blut“ (Apostelgeschichte 15:19-21).

Alle diese Texte beschreiben biblische Diät - oder Speisevorschriften. 

Wo liegt jetzt also die Fehlinterpretation? 

Diese ist in der Literatur der Zeugen Jehovas für jeden Laien als auch medizinischen Experten ersichtlich. Hier ein Auszug:

"Ist eine Transfusion wirklich dasselbe wie das Essen von Blut?
Wenn ein Krankenhauspatient keine Nahrung durch den Mund aufnehmen kann, wird er intravenös ernährt. Würde nun jemand, der zwar kein Blut in den Mund nimmt, sich aber eine Bluttransfusion geben läßt, wirklich dem Gebot, ‘sich von Blut zu enthalten’, gehorchen? (Apg. 15:29). Wie verhält es sich zum Beispiel mit jemandem, dem der Arzt dringend geraten hat, sich des Alkohols zu enthalten? Würde er den Rat befolgen, wenn er zwar aufhören würde, Alkohol zu trinken, ihn sich aber statt dessen direkt in die Venen spritzen würde?"

Warum kann selbst ein Laie die Fehlinterpretation erkennen? Weil er genau weiß, dass intravenös zugeführtes Blut nicht als Nahrung im Magen verdaut wird und später ausgeschieden wird. Deswegen ist hier der Vergleich mit intravenöser Nahrungszuführung nicht nur schlecht gewählt sondern soll vielmehr den unbedarften Leser auf eine komplett falsche Fährte führen. 

Um es anders auszudrücken. Die medizinische Verwendung des Blutes hat rein gar nichts mit den biblischen Speisevorschriften zu tun. Im Gegenteil: Gott ist sehr daran interessiert, Leben zu retten. Wenn man das AT aufmerksam liest und auch die Aussagen Jesu Christi hierzu beachtet, wird man schnell feststellen, dass das Retten eines Menschen - bzw. Tierlebens über irgendeinem göttlichen Gebot steht. 

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Kommentar von EXInkassoMA
03.07.2016, 21:51

Respekt, da hat jemand Ahnung

3
Kommentar von juste55
14.07.2016, 09:07

telemann2000,

und solch ein Kommentar, obwohl die Medizin schon ganz andere Erkenntnisse hat. Ein Film wurde schon erwähnt.

Natürlich regiert u.a. Geld diese Welt, Profitgier macht Menschen, macht den Globus (fast) kaputt. ALLE sehen das. Das Eis schmilzt, riesige "Brocken" ,so groß wie die Insel Mallorca, stürzen ins Wasser.Der Meeresspiegel steigt. Die Meere sind leer gefischt usw. usw. - Die Erde steht vor dem Kollaps!

Wer will bestreiten, daß man nicht auch durch  den Handel mit dem Blut  gut verdienen kann?

Zum Glück gibt es fortschrittliche Ärzte, die mal die Folgen von Bluttransfusionen aufgezeigt haben.

1

Da in der bibel steht man solle sich von Hurerei, Götzendienst und BLUT enthalten. Jedoch hat mab früher Blut bei Ritualen getrunken etc. und nicht damit Leben gerettet Aber diese Irrlehre wurde mal abgeschafft, eingeführt, abgeschafft usw.

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Kommentar von DukeSWT
29.06.2016, 19:09

Apg. 15,20

0

Nicht alle zeugen jehovas teilen glücklicherweise die (noch) offizielle Meinung der Sektenfuehrung zu dieser Thematik 

Die Blutfrage wird inzwischen intern in der Sekte kontrovers diskutiert. 

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