Warum leben Juden meist in Stadtvierteln und nicht verstreut in einer Stadt?

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7 Antworten

Ich denke, historisch waren die Städte nicht so gross, und es war üblich, dass die Bevölkerungsgruppen beieinander bleiben und sich nicht so stark mischen.

Allerdings gab es in vielen Städten auch explizite Verbote, d.h. Juden durften sich nur in gewissen Stadtvierteln ansiedeln, manchmal gab es auch Kontigente (maximal x Juden in der Stadt) oder Heiratskontigente (z.B. nur 1 Sohn pro Familie durfte heiraten und weiter in der Stadt bleiben) oder hohe zusätzliche Kopfsteuern für Juden. 

Heute, wo die Städte grösser sind, kommt als Faktor hinzu, dass man am Shabbat nicht Auto oder Strassenbahn oder Fahrrad oder Motorrad fahren darf, und da siedelt man sich als gesetzestreuer Jude (der am Shabbat nicht fährt) lieber in der Nähe einer Synagoge an, sagen wir so maximum 20 Minuten  Fussweg, das sind 2-3km. Deshalb gibt es auch heute noch "jüdische Viertel" in manchen Städten.

Überhaupt ist es praktischer, wenn auch jüdische Kindergärten, Schulen, koschere Geschäfte etc. nicht allzu weit entfernt sind, damit man so für den täglichen Bedarf keine allzu grossen Distanzen zurücklegen muss.

Traditionell vor allem aus zwei Gründen, die beide den selben Ursprung haben:

1.) Die Menschen wurden/werden in der Gesellschaft nicht geduldet und somit in den meisten Stadtvierteln nicht akzeptiert - deswegen zogen/ziehen sie gezwungenermaßen zusammen in ein gemeinsames Viertel.

2.) Die Menschen fühlen sich, durch die Diskriminierung, die ihnen im Alltag entgegen schlug und schlägt, sicherer wenn "ihresgleichen" mit ihnen Wand an Wand wohnt - das ist einfach weniger gefährlich.

Beide Punkte haben den Ursprung des sehr weit verbreiteten und auch außerordentlich stark ausgeprägten Antisemitismus in zahlreichen Ländern und Kulturen. Juden bilden bis heute nahezu überall und durchgehend eine Minderheit und sind seit Jahrhunderten ein traditioneller Sündenbock für die verschiedensten Formen der Anschuldigungen. Nicht zuletzt wurden Juden zur Zeit Nazideutschlands gezielt in sog. Ghettos gedrängt und eingepfercht, um sie so leichter unter Kontrolle zu halten, bis man sie schließlich umbringen konnte. Ähnliches, wenngleich bei weitem nicht so umfangreich und pervers, ist aber auch - wie gesagt - in sehr vielen anderen Ländern und zu unterschiedlichsten Zeiten passiert.

Wahrscheinlich, um eine Gemeinschaft aufbauen zu können

Das ist genau wie mit den anderen Volksgruppen; der Zusammenhalt bringt für einige eine höhere, wenn auch nur subjektive Sicherheit, führt aber auch zu Ghettobildung bzw. Isolation, Das Eskaliert ,mehr und mehr, weil natürlich (?) irgend wann kein Angehöriger einer anderen Volksgruppe mehr sich unter den (zu) vielen "ANDEREN" ansiedeln möchte. Möchtest Du mitten im Türken-oder Marokkaner- Viertel leben? Dass es bei den Juden so eine Residenz-Sammlungs-Mentalität gibt, ist mir nicht bekannt.

Heutzutage meist aus dem praktischen Grund das am Shabbes nicht zur Synagoge gefahren werden darf. Auch die weniger religioesen leben dort, einfach weil man es so tut. 

Viele Menschen fühlen sich unter ihresgleichen wohler. Es gibt ja auch Chinesenviertel, Türkenviertel, selbst deutsche Viertel im Ausland.

Das ist also ein ganz natürlicher Impuls.

Betrifft aber nicht alle Kulturen, solch eine Segregation. Manche betrifft das mehr, manche weniger.

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@NeulandInternet

Da dürfte die äußere Bedrohungslage eine entscheidende Rolle spielen. Je größer die Gefahr, umso näher rücken die Menschen mit gleicher Sprache und Kultur zusammen.

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na du bist ja n listiger Soziologe : also Juden wohnen da und wohnen dort. Deine Fage zielt evt eher darauf ab, warum es jüdische Gettos gab. Die gab es deshalb, weil man mit Juden nicht zusammenleben wolllte. Und als die Juden anfingen, endlich wieder an ihren eigenen Judenstaat zu denken, hat man sie wieder verfolgt.

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