Warum lassen wir nicht Idealismus unser Handeln leiten und warum ist Idealismus negativ konnotiert?

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5 Antworten

»Erst kommt das Fressen, dann die Moral.«

Dieser Satz von Bertold Brecht ist die vollständige Antwort auf deine Frage.

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Der Kapitalismus basiert existenziell darauf, dich von der "Moral-Frage" abzulenken und dich stattdessen mit der "Fressen-Frage" aufzuhalten. Dazu bedient er sich insbesondere der Individualisierung als Hebel.

Wenn Leute Idealismus kritisieren, dann klingt das für mich so. als ob sie ihr Weltbild bevorzugen, welches vor allem aus Egoismus, Feigheit und Maul halten besteht.

"Idealismus" hat etwas mit "Dingen, die noch nicht da sind", zu tun. Man muss also Vorstellungskraft mitbringen, um sie "sehen" zu können.

Doch das menschliche Gehirn verbraucht Unmengen an Energie bei der Arbeit. Deshalb ist es ein reiner "natürlicher Optimierungsprozess", das Denken auf das notwendige Minimum zu reduzieren.

Und an dieser Stelle kannst du dir den Rest selbst denken. ;) Falls nicht, hilft dir beispielsweise Maslows Ansatz weiter: https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie

Zu deiner Beruhigung: Es gibt diverse Studien, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Und man geht davon aus, dass es zu jedem Zeitpunkt nur etwa 0,1% der Menschheit braucht, um sie "idealistisch weiterzuentwickeln", also etwa all die historischen Gesellschaftsformen, die man bereits überwunden hat, zu überwinden; und folglich auch die gegenwärtigen zu überwinden.

Der Rest, also 99,9% der Menschheit, kann dabei als "Sauerstoff-verbrauchender Schmarotzer" vegetieren, ohne die Entwicklung allzu sehr zu beeinträchtigen.

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Wenn sieben Milliarden Herzen tun, was sie gerade empfinden, bringen wir uns im schlimmsten Fall gegenseitig um. Also gegenseitige Verständigung mit Argumenten und Vernunft muss schon sein.

Das nächste Problem ist, dass mit Idealismus mindestens zwei verschiedene Phänomene bezeichnet werden. Da ist erst einmal der philosophische Idealismus, der in der Regel auch ein Dualismus ist. Das umfasst philosophische Theorien von Platon, Plotin bis Hegel oder Fichte. Als Idealismus bezeichnet man aber auch eine Einstellung (auch von philosophischen Nicht-Idealisten), die menschliche Ideale des Miteinander hochhält. Ideale hochzuhalten bedeutet aber nicht, dass man zum unkorrigierbaren Diktator wird, der nur die eigene Auffassung davon gelten lässt, was gerade ein Ideal ist. Deine Einstellung des selbstbestimmten Ideals grenzt hart an die egozentrische Rechthaberei. Es verstößt gegen ein Grundsatzideal, dass wir als Menschen einander achten und auch andere Meinungen ehrlich und offen prüfen und damit auseinandersetzen. Sonst endet alles im Fanatismus und Terrorismus. Ganz so einfach ist es dann halt doch nicht.

Was an manchem Idealismus kritisiert wird, sind nicht die Ideale sondern eine gewisse Blindheit gegenüber den Auswirkungen eigenen begeisterten Handelns. Nicht selten entzündet sich Hilfsbereitschaft am Schicksal Einzelner. Dabei wird weder die komplexe Ursachenlage geprüft noch die Intensionen, die folgen, wenn der Anspruch aller ansteht, die ein ähnliches Schicksal beklagen. Dann werden aus den Einzelnen Millionen und die Dimensionen verschieben sich.

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Richtig! Im Prinzip liegst Du genau richtig! Und verlier diese Weltanschauung nicht, denn wir haben zu wenig Menschen, die idealistisch handeln.

Nur leider wirst Du in dieser Gesellschaft nicht anerkannt, wenn Du Dich nicht beugst.

Es liegt also an Dir, was Du draus machst: Dein Idealismus auf der einen Seite und Dein Leben mit der Gesellschaft auf der anderen. Ich fühle mich auch oft zwischen den Stühlen. Aber ich tu überwiegend das, was ich für richtig halte und versuche, Leute zu "bekehren". Jetzt sind wir schon 2 :)

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"Nach Idealen zu handeln ist doch eine tolle Sache."

Also findest du Nationalsozialismus und Sozialdarwinismus toll? Was ist mit Menschen, in deren Ideal andersrassige oder behinderte Menschen minderwertig sind? Guter Tipp von dir, "einfach mal das Richtige tun, was das Herz einem sagt" und sich nicht von einer "angeblichen Realität" unterkriegen lassen.

Jegliche Haltung die nicht durch kontinuierliches Verhandeln, Ausdiskutieren und ohne Abgleich mit der Realität zustande kommt, halte ich für zutiefst fragwürdig. Im besten Fall kann man so eine Haltung tolerieren, wenn sie keinen Schaden anrichtet.


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Deine Frage ist sehr abstrakt, Beispiele wären gut.

Grundsätzlich hindert Dich niemand, idealistisch zu handeln. Da gilt das Prinzip: Jeder darf sich ruinieren so gut er kann.

Auf Erden gilt ein Überlebenskampf. Und wer sich z.B. ausbeutet, um andern zu helfen, die das evtl. gar nicht danken, der handelt falsch, denn er wird eine Belastung für sich und seine Angehörigen.

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