Warum läuft in Deutschland nur englische Musik im Radio?

13 Antworten

Hallo!

Diese trutschigen Oldiewellen & Popsender kenne ich leider nur zu gut... und nachdem ich Sunshine-Live nun leider nicht mehr auf UKW empfangen kann steige ich jetzt endgültig auf reine Nachrichtensender um^^ und im Auto auf die gute alte Kassette ;)

Ich habe mich letztes Jahr mit einer Redakteurin eines öffentlich-rechtlichen Radiosenders über exakt dieses Thema unterhalten --------> sie zeigte sich mit der Musikauswahl ähnlich unzufrieden ließ aber wissen, dass das ein Gremium bestimmt der Marktanalysen betreibt & herausgefunden haben möchte, dass englischsprachige Popmusik und Weichspüleroldies bei der "werberelevanten" Zielgruppe von 14-49 Jahren angeblich "besonders gefragt sind"... Man will eben Quote & hörer haben -------> nun denn ;)

Deutsche Musik hat außerdem sehr oft mit der Bürde zu kämpfen entweder total primitiv und volle Kanne einfallslos zu sein ("Atemlos durch die Nacht") oder aber so anspruchsvoll, ggf. politisch und zudem tiefsinnig, dass es für's Radio schlicht ungeeignet ist. Es gibt ganz tolle deutschsprachige Musik wie die von Heinz Rudolf Kunze, BAP, Herman van Veen, Hans Blum, tlw. Roger Whittaker, Achim Reichel, Edo Zanki, Wolf Maahn usw., aber die ist so anspruchsvoll, dass es in eine "Formatradio-Begleitwelle" à la SWR 1 oder HR 1 nicht passt & in Opa-Schlagersender wie SWR 4 oder HR 4 genausowenig.

Hoffe ich konnte helfen :)

Im Verhältnis zu "früher" läuft heutzutage sehr oft deutschsprachige Musik im Radio - abhängig vom Sender natürlich.

Das hat damit zu tun, dass die Musikindustrie in den vergangenen 20 Jahren erkannt hat, dass es wieder einen Markt für Pop mit deutschen Texten gibt.

Dennoch ist Englisch natürlich die Popsprache in der der Großteil der internationalen Hits gesungen wird.

Wenn Du mehr deutschsprachige Musik hören möchtest, kannst du auf zahlreiche Internet-Radios zurückgreifen.

Im Bereich des Pop ist die deutsche Kultur vielleicht tatsächlich nicht so ausgeprägt ;)  

Empfinde ich aber auch nicht als besonders schlimm, denn bei den Versuchen internationalen Pop mit deutschen Texten zu machen, kommt sehr häufig furchtbar pathetischer Kram heraus.

Aber das ist natürlich Geschmackssache.

das ist historisch gewachsen. schliesslich gabs mal 1000 jahre, in denen nur urdeutsche musik erlaubt waren. nach dem krieg ging es gerade so weiter, natürlich nicht ganz so gezwungen, in dem wir mit deutschem schlager zwangsweise beglückt wurden. andererseits stand die amerikanische musik (jazz, bigband-sound, rock'n'roll) für die musik der befreier. für die, die uns ein neues, freieres leben brachten.

bis in die 70er hinein wurden wir im radio und tv mit einer zwangsquote an deutscher musik (was damals nur schlager war) genervt. so wurde englischsprachige musik nicht nur geliebt, sondern auch ein symbol für den wunsch nach veränderungen. von den erzkonservativen wurde diese musik auch immer politisch gesehen und als symbol für ungewünschte politsche veränderungen verfolgt.

der zusammenbruch dieser zwangsquote, die auf "freiwilliger" basis der sender beruhte, setzte ein, als der südfunk stuttgart auf seinem damaligen spartensender sdr 3 begann die zwangsquote rücksichtslos zu unterlaufen mit den sendungen "pop nach wunsch" und "pop am morgen". dadurch geriet der 2. badenwürttembergische sender swf in baden-baden bei den einschaltquoten so stark ins hintertreffen, dass sie darauf reagieren mussten. sie taten dies erfolgreich mit "pop-shop". in dieser sendung ignorierten auch die baden-badner die zwangsquote. jetzt mussten die stuttgarter auf den erfolg der badner reagieren und erfanden "point" als konkurrenzprodukt zu pop-shop.

da beide sender weit über baden-württemberg hinaus empfangbar waren, wirkte sich deren beliebtheit auch in pfalz, bayern, hessen und nrw auf die radioprogramme aus, so dass sich immer weniger sender an die zwangsquote hielten. schlager wurde so zu einem symbol für staatliche gängelei, die nur nervt und keiner haben will.

erst spät, nach dem in d die englische und amerikanische musik die beliebte musikform war,  schafften es deutsche musiker, die keinen schlager machten, sich im musikgeschäft durchzusetzen. sie waren den konservativen musikmachern nie genehm, nur schlager war erwünscht. erst der durchschlagende und wirtschafliche erfolg der ndw brachte den durchbruch für deutsche musik, die nichts mit schlager zu tun hatte. inzwischen, massgeblich ab den 90ern, hat sich auch deutsche musik einen anteil im deutschen musikgeschäft erworben. das ist jedoch kein schlager, sondern deutschsprachige interpretation von rock, pop, rap, hiphop oder sonstwas. 

annokrat

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