Warum konnte sich in den Jugoslawien-Kriegen in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine dermaßen bestialische Seite des Menschen ausprägen?

11 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

hallo Rosenblad, hättest du die Quelle nicht angefügt - ich hätte auf eine ganze Reihe von historischen Etappen gleichermassen getippt.

Denn fast identisches wird berichtet aus dem Alltag des IS oder auch aus dem Alltag des früheren Klerikalfaschismus, also dem kroatischen Ustascha-Regime von Ante Pavelic, das so gewütet hatte gegen seine Feinde wie den Serben, dass Hitlers Aussenminister v Ribbentrop sich veranlasst fühlte zu intervenieren; oder an das Wüten der mauretanischen Söldner im Dienst von Caudillo Franco, oder das Wüten der faschistischen Elitetruppen in Abbessinien. Oder an die Abrechnung der europäischen Kolonialtruppen mit dem Boxeraufstand in China.

Das Milgram-Experiment hat sich erstmals an die rationale, nichtmoralisierende Erforschung solcher kollektiver Verhaltensweisen herangetastet und einige dieskussionsfähige Ergebnisse gebracht.

Leider spielen, sowohl in den undemokratischen wie den demokratischen Staaten der Erde, humanistische oder gar ethische Werte keinerlei Rolle - wie zb die Haltung der bigott-christlichen Bush-Regierung bei der Legitimierung von CIA Folter, Geheimgefängnissen und der globalen Durchführung von Mordaufträgen zeigt.

Danke für die Beispiele - aus jüngster Vergangenheit hätte man noch das grausame Wüten der verschiedensten Milizentruppen in Kongo-Zaire, oder den Kriegen in Darfur und Südsudan, dem großen "Schlachten" in Ruanda oder jetzt in Syrien von den verschiedensten Konfliktparteien, die auch nur einen Funken von Menschlichkeit verloren haben.

Eigentlich müsste man meinen das der Zivilisationsprozess eine genügend starke Sedimentierung auf das Phänomen der ponerologischen Grausamkeit des Menschen (Tiere foltern nicht - auch wenn es verschiedene Primatengruppen gibt die ihre gefangene Beute auch brutal töten) gelegt haben sollte, Aber eigentümlicherweise genügt die Deklarierung einer bestimmten als unterlegen angesprochenen ethnischen, religiösen oder sozialen Gruppe als "Viehzeug" um eigene Affekt-Suppressionen in Grausamkeiten zu übersetzen. Zeigt natürlich auch die Stellung solcher Un-Menschen zu den Tieren.

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@Rosenblad

Ein Nachtrag - die wenigsten Soziologen, Anthropologen oder Psychologen gehen auf dieses Thema ein: Erklärungsansätze dazu bieten folgende Autoren:

Franz M. Wuketits „Mord. Krieg. Terror. : Sind wir zur Gewalt verurteilt?“ (Stuttgart : S. Hirzel Verlag, 2016, 147 S.)

Victor Nell “Cruelty’s rewards: The gratifications of perpetrators and spectators” In: BEHAVIORAL AND BRAIN SCIENCES Nr: 29 (2006) S. 211–257

James Blair / Derek Mitchell / Karina Blair „The psychopath: Emotion and the Brain“ ;  Malden, Mass. u.a., Blackwell, 2010, 201 S.

Adrian Raine /José Sanmartin (Ed.) “Violence and psychopathy“         New York u.a., Kluwer Acad./Plenum, 2001, 202 S.



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Weil dies die wohl trauriger Weise stärkste Seite des Menschen ist.

Wenn sich einem Menschen die Möglichkeit bietet, während eines Krieges oder nach einem Krieg, geprägt von dem Verlust gefallener Kameraden und traumatisierenden Szenen, welche einen Krieg nunmal ausmachen...

Jeder Mensch würde die Möglichkeit ausnutzen.

Mit kaum einer Ausnahme.

Leider gibt es in jedem Volk einen kleinen Teil von Sadisten. 

Wenn die dann noch die Führung übernehmern und charakterlich Schwache mitziehen. dann kommt es zu solchen Auswüchsen. Srebenica ist ja nur ein Beispiel.

Im zweiten Weltkrieg gab es Greultaten in China durch die Japaner und in Russland durch die SS und später auf dem Vormarsch der roten Armee durch Russen.

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