warum können wir unserem gehirn nicht befehlen, etwas zu lernen?

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8 Antworten

Wie kommst du darauf, dass Autisten das so können?
Ich bin Autist, ich merke mir sicherlich nicht alles, und schon gar nicht vollautomatisch. Auch ich muss lernen.
Manchmal sind es bei Autisten evtl. andere Dinge, die mehr oder weniger automatisch hängenbleiben, und eben auch andere, die mehr oder weniger mühsam gelernt werden müssen.

Was du ggf. eher meinen könntest, ist ein eidetisches Gedächtnis. Das haben allerdings auch längst nicht alle Autisten. Und auch nicht alle Menschen, die dies haben, sind zwingend Autisten. Kim Peek zum Beispiel, das Vorbild für die Figur des Raymond Babbitt in Rain Man, soll ein solches eidetisches Gedächtnis gehabt haben, war aber kein Autist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Fotografisches_Ged%C3%A4chtnis

Wir können es ihm nicht "befehlen", weil wir keine Maschine sind, bei der man einen Knopf drückt und es passiert was ^^ Lernen ist ein unglaublich komplexer Vorgang, bei jedem Menschen.

Im Studium hab ich gelernt: will man effektiver lernen, sollte man die Inhalte tief verarbeiten (mit Gefühlen und Bildern im Kopf ist effektiver als zb nur oberflächlich durchgelesen) und am besten wiederholen. Nicht zu viel auf einmal, usw.

Lernen ist sowieso komplex, weil es sich weder in einem Satz sagen lässt, wie es funktioniert, noch, wie man es perfekt steuert. Aber deine Frage ist echt interessant. Überleg mal, was wäre das für eine Welt, würden alle Menschen alles mühelos lernen können? Es gäbe weniger Schulen, andere Anforderungen an Jobs, andere Erziehung... die Welt stünde auf dem Kopf! ^^

Autisten: Pass ein bisschen auf mit dem, was du sagst. Dass das bei allen Autisten so ist, stimmt zum Beispiel nicht. Und ich denk auch eher, dass die Informationen schnell ins Langzeitgedächtnis gehen - vielleicht haben sie eine andere Art von Kurzzeitgedächtnis, oder sie haben keins, weil sie nichts vergessen (es gibt Menschen, die nicht vergessen können, aber ich glaube, das sind keine Autisten).

Fazit: Psychisch funktioniert es einfach anders, und viel komplizierter ^^

Das Autisten Leben ist nicht lustig. Ich bin zwar nicht ein Hochfunktionaler Autist, aber trotzdem geht das Meiste schnell ins Langzeitgedächtnis von mir. Es mag zwar verlockend klingen, aber auch unangenehme Geschehnisse verschwinden nicht so schnell. Versuche es lieber weiter Vokabeln in dein Hirn zu pressen. Manchmal würde ich mir wünschen, dass ich selber entscheiden könnte was ich will und was nicht.

Thilo19872 22.03.2012, 17:33

ich wollte damit ja auch nur sagen, dass es physisch dem gehirn eigentlich möglich sein sollte, auf befehl informationen zu speichern, meiner meinung nach. dass das leben eines autisten lustig ist, habe ich nicht gesagt und ich würde auch nicht gerne selber einer sein, weil ich mir vorstellen kann, dass das nicht angenehm ist

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es ist auch Dir moeglich komplexe informationsfolgen langfristig abzuspeichern. gedaechtnistraining heist das zauberwort:

http://de.wikipedia.org/wiki/Mnemotechnik

einlesen und losueben.

beim faktor konzentration musst Du an Dir selbst arbeiten (meditationsuebungen koennten helfen). einzig das verstaendnis wirst Du Dir weiterhin erarbeiten muessen.

an die paar herrausragende autisten die es in diesem bereichgibt, wirst Du allerdings nie heranreichen -auch in keinem anderen gebiet. dafuer muesste man sich wohl von der aussenwelt abgeschlossen nur mit dem bestimmten thema beschaeftigen (moegl. von kindesbeinen auf an)* -inselbegabung halt-* und das ist fuer normalsterbliche wohl unmoeglich...

Rechercheur 22.03.2012, 22:35

Inselbegabung = Savant-Syndrom
Weniger als 0,01 % aller Autisten sind Savants. Und etwa die Hälfte aller Savants sind keine Autisten.
Das sind zwei vollkommen verschiedene Dinge, die bei ca. 50 Menschen weltweit auch zusammen auftreten.

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Rechercheur 23.03.2012, 09:47
@cortensteelonly

Ok.
Du hast diese Begriffe halt recht nah zusammen verwendet, da könnte man einen Zusammenhang draus schließen. Und da viele Menschen genau das tun, stelle ich das immer ganz gerne etwas deutlicher heraus.

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bei autisten geht es doch auch?

Nicht alle Autisten haben ein so gutes Gedächtnis, dass sie ganze Listen auswendig lernen können. Wenn es denen interessiert bzw. ihr Spezialinteresse ist, dann können die selbsterklärend besser Sachen merken, dafür andere viel weniger gut!

da wandern die informationen einfach alle ungehindert ins langzeit- oder kurzzeitggedächtnis.

Und genau das ist meißtens das Problem, warum Autisten in manchen Dingen überhaupt nichts merken können! Eine Reizüberflutung schaltet quasi das Gehirn ab und es geht gar nichts mehr rein. Wenn es nur um das Vokabellernen geht, kommt es wieder darauf an, ob überhaupt Vokabeln die Stärke des Autisten ist und ob er in einer Reizfreienumgebung ist. Sonst nützt dieses überhaupt nichts.

Zwar habe ich persönlich vorher nie Probleme mit Vokabeln merken gehabt, ADS und dadurch entstandene Depressionen haben aber meine Gedächtnisfähigkeit um -5 Notenstufen abgesenkt. Soetwas ist überhaupt kein leichtes Leben!

ich meine, physisch ist es möglich. das sieht man an autisten.

Ich sehe physisch einem Autisten nur das er ein Mensch wie jeder andere ist. Mit dem Körper lernt man aber keine Vokabeln.

warum funktioniert das nicht? wie wenig kontrolle haben wir eigentlich über das gehirn?

Da hängt vieles mit den Geheimnissen des mesolimbischen System und eigentlich mit den Geheimnissen des ganzen Gehirnes!

Savants (die, die unter Umständen ein ganzes Telefonbuch auswendig lernen können) können nur Telefonbücher auswendig lernen und sonst fast gar nichts bzw. interessierts sie auch eigentlich nichts. Sie sind auf ihre Inselbegabung spezialisiert, wie man eine Socke anzieht, dafür sind sie nicht zuständig! Punkt! Bei diesen tickt das Hirn anders, manche Bereiche sind ganz abgeschaltet oder existieren nicht. (z.B. bei Kim Peek)

Das gesammte Gehirn ist sonst miteinander verknüpft und jeder Bereich hat seine Aufgabe. Würde das gesammte Gehirn nur auf eine Aufgabe spezialisiert werden (z.B. Vokabel lernen) würde man so enden wie die Savants und das will irgendwie niemand.

Es ist daher wichtig das wir Dinge vergessen, damit wir andere Dinge noch gut bzw. auch können. Das dafür ausgerechnet die Vokabel "draufgegen" muss, das interessiert das Gehirn nicht.

Aber es ist wohl möglich darüber die Kontrolle zu erlangen und die heißt Übung!

Meditationstechniken wäre die Extremvariante des "Gehirn beherrschen" , aber ansonsten hilft einfaches konditioniertes Gedächtnistraining:

  • Vokabel lernen - mit großem Interesse
  • Lerntechniken aussuchen, die dem Gehirn "Belohnung" versprechen
  • Gedächtnis- und Konzentrationsübungen aller Art
  • gesund leben und ernähren
  • Eselsbrücken für die Vokabel suchen!

So werden auch "Brücken" von einer Gehirnzelle zur anderen geschlossen und so können auch mehrere Bereiche an einer Vokabel beteiligt werden: Man kann sich beser daran erinnern!

Thilo19872 22.03.2012, 17:42

danke, wieder was gelernt ;) (hoffentlich). nur meine persönlichen beweggründe für die frage waren, dass ich zwar schon ein ziemlich schneller lerner bin, aber das gefühl habe, dass es eigentlich viel schneller gehen müsste, am besten instantan. einmal lesen, einmal verstehen und dann sollte es drin sein. ich hasse wiederholungen wie die pest, wahrscheinlich auch wegen meiner einstellung dazu, eben dass ich es ja eigentlich nicht wiederholen bräuchte, weil es ja gespeichert sein sollte nachdem ich es "angelernt" hatte. mit lerntechniken kenne ich mich schon gut aus, habe auch einige bücher darüber gelesen und verschiedenstes ausprobiert. und ich optimiere meine lernmethoden immernoch weiter. trotzdem stört es mich, dass ich die dinge wiederholen muss, um sie wirklich im langzeitgedächtnis abgespeichert zu haben. das mit der meditation wäre aber nochmal eine möglichkeit. oder selbsthypnose

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o0Alea0o 22.03.2012, 17:53
@Thilo19872

Völlig unabhängig von meiner Autismus-Diagnose:

Ja, mich nervt es auch, trotz, dass ich ein schneller Lerner bin. Momentan muss ich z.B. Latein-Vokabeln immernoch mehrmals aufschreiben (was natürlich besser hängen bleibt, leider auch in meinem Handgelenk), früher konnte ich tasächlich "lesen und es war drin für immer", heute teilweise immerhin bei Englisch. - Schrieb immer 1-2er und hatte keine probleme mit Vokabeln

Das ganze hat sich bei mir jedoch Krankheitsbedingt durch Depressionen und langzeitigem Stress stark verändert, vorallem als ich meine Depression erst dann bemerkte, als ich nur noch 6sen schrieb und keinen Antrieb mehr zu irgendetwas finde.

Mittlerweile kommt das Gedächtnis durch Therapie und Medikamente wieder, aber die Arbeit mit Gedächtnisübungen und Training kommt dennoch zusätzlich hinzu.


Aber mal ganz unter uns:

Wenn man unsere beiden Beiträge ließt kommt einem irgendwie der Eindruck, als ob wir einfach nur zu hohe Erwartungen haben. xD

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o0Alea0o 22.03.2012, 18:09
@Thilo19872

dass ich die dinge wiederholen muss, um sie wirklich im langzeitgedächtnis abgespeichert zu haben.

Wiederholungen müssen jedoch sein damit überhaupt etwas im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden kann. Durch ständige Wiederholungen werden bestimmte Neuronen und Axone mehr beansprucht: Myelin lagert sich an und das Axon wird dicker. Und bekanntlich leiten dicke Kabel bzw. Röhren besser Strom/Wasser als dünne - so kann man besser darauf zurückgreifen.

Dieser Prozess dauert natürlich etwas länger und auch die REM-Phasen im Schlaf spielen dort eine Rolle, daher ist es auch wichtig immer gut ausgeschlafen zu sein und schön zu träumen! xD

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Können wir, du musst dabei nur das Gehirn austricksen. Das was gespeichert werden soll (Langzeitgedächtnis) wird mit informationen an das Kurzzeitgedächtnis nach hinten verschoben. Deshalb benutzen sogenannte Genies verknüpfungen.

Du selber störst gerade den Lerneffekt durch Zwischengedanken. Diese Zwischengedanken sind dafür verantwortlich, dass andere Informationen nicht wahrgenommen oder gar verloren gehen. Je mehr Multitasking Du im Gehirn hast, desto größer die Verlustgefahr.

IchmagkeinBf3 22.03.2012, 16:32

Kann ich mich nur anschließen.

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sieh dir mal die videos über diesen jungen an: wenn alle so wären man, dann würden wir sozusagen im jahr 4293 leben und alle durch die luft schweben xD wäre mir zu gruselig. ist zwar keine direkte antwort auf deine frage aber der typ hat den höchsten je gemessenen IQ und ist erst 13 oder so o.O http://www.youtube.com/results?search_query=jacob+barnett&nfpr=0

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