Warum können viele Menschen einfach nicht optimistisch sein?)

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Guten Tag KathyleXD,

deine Frage ist für mich zweiteilig. Das prinzipielle Herangehen - und das individuelle.

Zum prinzipiellen drückte das der bekannte deutsche Urwaldarzt Albert Schweitzer so aus: "Optimistisch ist diejenige Weltanschauung, die das Sein höher als das Nichts stellt und so die Welt und das Leben als etwas an sich Wertvolles bejaht."

Nun zum Individium. Was ist Glück für den Einzelnen? Während ich dir schreibe, hat sich unser Kater auf meinen Oberschenkeln breit gemacht, stört mich, weil 7 kg irgendwie unterstützt werden müssen, um nicht herunter zu fallen. Also schreibe ich mit 1.Finger-System, um ihn nicht zu stören. Denn ich weiß: er hat mich erwählt! Das ist ein kleiner Glücksmoment - ihn versteht lediglich jeder, der weiß, dass Katzen nur zu jemandem kommen, dem sie vertrauen!

Glück, meine liebe Kathy,ist nicht endlos, sondern Stückwerk. Deshalb sind viele Menschen nach meiner Auffassung nicht so recht glücklich, weil sie von niemandem erfahren haben, dass es sehr sinnvoll ist, die Glücksmomente zu sammeln. Wie es von Robert Browning so gut formuliert wurde: "Jede Freude ist ein Gewinn und bleibt es, auch wenn er noch so klein ist.“ Siehe mein Kater.

Der römische Kaiser Marc Aurel sagte das schon vor rund 1850 Jahren: "Das Glück deines Lebens hängt ab von der Beschaffenheit deiner Gedanken." Da sind wir bei deiner Frage. Warum haben so viele Leute so negative Gedanken, welche sie das Glück lebendig zu sein nicht empfinden lassen? Ich bin 76 Jahre alt. Habe mich aktiv gesund gehalten - und dennoch 11 Operationen hinter mir. Ich freue mich über jeden Tag, den ich noch erlebe. Alle, die darüber jammern, dass sie eines Tages sterben müssen, lache ich aus. Denn die Furcht vor dem für jeden einmal eintretenden Tod hält doch bei einer solchen Denkweise vor allem vom aktiven Leben ab -oder?

Sammele deine Glücksmomente! Und bleibe recht gesund!

Siegfried

Sehr interessant und damit beschäftige ich mich auch. Ich habe mal gehört, dass es so ist, dass das Menschliche Gehirn sich Dinge, die schlecht sind, besser merkt. an eine Albtraum kann man sich meist eher erinnern, als an einen guten Traum, oder? Und wie oft meckert ma nach dem Sommer darüber, wie regnerisch er war, obwohl dann in den Nachrichten gesagt wird, dass es der Sommer mit dem wenigsten Niederschlag seit was-weiß-ich war? An solchen Kleinigkeiten sieht man es und kann diese Theorie bestätigen. Außerdem habe die Menschen die Gewohnheit, das Glück eher bei anderen, als bei sich zu sehen. Man denkt immer: "Boah, dem geht's gut, hat ein neues Auto und dies und das." Aber ist doch klar, dass man nur das Gute bei anderen sieht. Sie haben auch Probleme, aber man lässt doch eher das Gute als das Miese raushängen vor anderen. Deshalb sieht man bei anderen nur das und denkt, dass es einem schlechter geht...

Ich sehe das ganz genauso wie Du. Tatsächlich messen die meisten Menschen Fehlschlägen viel mehr Bedeutung zu als Erfolgen, obwohl es ja eigentlich anders herum sein sollte.

Meine Theorie: Wir alle fühlen uns im Baby-Alter allmächtig, die Eltern machen ja alles was wir wollen (normaler Frühkindlicher Narzissmus, wenn die Eltern das verweigern gibt es schlimme Persönlichkeitsstörungen). Je älter wir werden, desto mehr erfahren wir, dass das nicht stimmt (was natürlich auch viel mit den immer größer werdenden Wünschen zu tun hat). Wie wir das bewerten, hängt von unserem Umfeld ab. Lieder ist in unserer Kultur ein Weg-Ziel denken normal, nicht zuletzt in der Schule werden wir darauf trainiert, dass es genau eine richtige Problemlösung gibt und das es ein persönliches Versagen ist, wenn wir diese nicht umgesetzt bekommen. Entsprechend schlecht fühlen wir uns, wenn etwas nicht funktioniert.

Ich glaube, man muss sich der ganz anderen Situation, in der wir im Alltag stecken, bewußt werden. Wir handeln sehr häufig uns Ungewisse hinein, d.h. wir wissen viel zu wenig um die Auswirkungen unseres Handelns korrekt einschätzen zu können, von den tausenden Zufällen mal ganz abgesehen. Im Grunde ist es verwunderlich, wenn unserer Vermutungen über Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge (aka "Pläne") in der Realtität tatsächlich eintreten.

Leider verstehen viele Menschen unter "positivem Denken" gerade, sich dieses Problem schön zu reden, was für mich in die falsche Richtung geht. Ich sehe die "frohe Botschaft" eher auf einer anderen Ebene: Man darf die Normalität des Scheiterns guten Gewissens aktzeptieren. Wenn der eine Ansatz nicht funktioniert hat, muss man eben einen anderen ausprobieren - in vielen Fällen braucht es eben den zehnten Versuch. Und das macht - nachgewiesenermaßen - auch den Unterschied zwischen "erfolgreichen" und damit potentiell glücklicheren Menschen und dem ganzen Rest aus: Zu wissen was einem wichtig ist und dieses Ziel unabhängig von möglichen Fehlschlägen zu verfolgen. Natürlich nicht ohne regelmäßig die Strategie zu ändern, alles andere wäre ja Irrsinn.

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