Warum können Menschen nicht fliegen (Evolution)?

12 Antworten

Dazu müsste sich ja irgendwann einmal eine Mutation mit entsprechenden Auswirkungen ereignet haben. Aber auf Grund unserer Physis ist es wohl kaum sehr einfach etwas zu entwickeln, womit wir uns in die Lüfte erheben könnten. Da blieben ja wohl auch nur Flügel, und ich glaube kaum, dass es mal einen Affenartigen mit solchen gab. Zumal, solche Auswüchse würden vermutlich in bestimmten Lebensumfeldern stören. Man würde in Gebüschen hängenbleiben, in denen sich wir und unsere Vorfahren seit je her herumtreiben.

Außerdem, der Mensch hat eine lange Zeit nötig, um heranzuwachsen. Bis ein beflügelter Mensch in der Lage wäre, die Schwingen zu benutzen, würde sehr viel Zeit vergehen, innerhalb derer die Dinger auch nur stören würden. Ich nehme auch an, in den meisten Zeiten wären solche Auswüchse von "normalen" Eltern als furchtbar befremdlich, vielleicht sogar schockierend wahrgenommen worden, und das Kind hätte möglicherweise auf den Elternschutz verzichten müssen, was noch niemandem sehr gut bekommen sein dürfte.

Ganz zu schweigen von dem Energieaufwand, den der Körper betreiben müsste. Ich bin zwar kein Experte, aber der wäre wahrscheinlich völlig unverhältnismäßig. Entsprechend müssten zur gleichen Zeit der Flügelentwicklung, oder sogar vorher, noch andere Entwicklungen stattgefunden haben, wie zum Beispiel ein leichterer Knochenbau, der aber wieder andere Nachteile gehabt hätte. Allein die Voraussetzungen für den aufrechten Gang etc. dürften schon solche sein, die eine Erhebung in die Lüfte evolutionär unsinnig, oder wenigstens sehr unwahrscheinlich gemacht haben.

Spekulationen eines Laien, allesamt, aber sicher nicht ganz unsinnig.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Philosophie-/Kulturanthropologiestudium & Hang zum Grübeln

Mir fällt noch ein, die Auswahl beispielsweise an Jagdbeute im Luftraum gäbe wohl für unseren Organismus nicht sehr viel her.

Der einzige evolutionäre Vorteil, der mir spontan einfällt wäre der, dass man sich schneller über größere oder unwegsame Strecken bewegen könnte, was wohl der Verbreitung des Erbgutes zu Gute käme, aber davon ab... Unsere Vorfahren waren wohl auf Grund der Eigenschaften, die auch uns heute zu dem machen, was wir sind, schon zu spezialisiert um eine Entwicklung in diese Richtung sinnvoll zu machen.

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@PaInTeNaNcE

Dafür verfügt der Homo sapiens über die Gehirnkapazität, "evolutionäre Defizite", wie das Fehlen von Flügeln, durch die Konstruktion von Flugzeugen, etc. zu kompensieren und sich "fliegen zu lassen"- ist doch irgendwie tröstlich...;-)

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@PaInTeNaNcE

Der Mensch war und ist selbst heute noch ein ausgesprochen ausdauernder Wamderer... 40 km am Tag sind für halbwegs trainierte Menschen möglich plus Jagd und Sammeln. In 3 Jahren um die Welt. Deshalb ging ja jede Besiedelungswelle flott... da rechtfertigt sich der Energieaufwand zu fliegen biologisch nicht...

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Wie du sagst: Was dich durchsetzt, sind sinnvolle Merkmale. Nur, es gibt keine Instanz, die von außen festlegt: Das ist sinnvoll, dahin entwickeln wir das jetzt. Wie du sicher weißt, wird stattdessen alles immer wieder an der Realität erprobt, und hinterher steht fest, was am sinnvollsten war, nämlich das, was übriggeblieben ist.

Wir Menschen neigen dazu, zu glauben, wir könnten das erkennen, dem ist leider nicht so. Dazu sind die Umweltfaktoren zu komplex, und manchmal sind es auch einfach Zufälle, dass eine ökologische Nische bereits besetzt ist oder eben gerade frei wird...

Nie im Leben hast du Biologie studiert. Sonst wäre dir nämlich der Begriff "ökologische Nische" ein Begriff. Evolution hängt nämlich eng mit Ökologie zusammen: Alle Lebewesen, egal ob Tiere, Pflanzen oder auch wir Menschen, haben sich in ihrer Entwicklungsgeschichte immer wieder an sich verändernde Lebensräume anpassen müssen. Dabei haben sie ganz spezifische Strategien entwickelt, um in ihrer Umwelt klarzukommen - sprich: zu überleben.

Die Fähigkeit zu fliegen ist bei allen fleigenden Tieren nicht etwa entstanden, weil die Natur von anfang an "dachte", wie praktisch es ist, fliegen zu können. Sie stellte vielmehr eine spezialisierte Form der Anpassung dar, um sich die Vertikale als Lebensraum zu erschließen. Auch wenn der Mensch schon seit Urzeiten den Traum vom Fliegen hegt und die "Freiheit" der Vögel bewundert, so braucht er nicht zwingend fliegen zu können, um zu überleben.

  • Die ersten Flugtiere waren Insekten, die durch den Flug eine höhere Chance hatten, landlebenden Jägern zu entkommen und Fortpflanzungspartner zu finden.
  • Die nächsten Flieger waren gleitfliegende Reptilien wie Coelusosauruavus, die den Insekten in der Luft nachstellten, um an die eiweißreiche Beute zu kommen. Das Gleitfliegen war von der Natur recht Einfach zu realisierende Anpassung, die frühen insektenjagenden Reptilien des Perm mussten dazu nur breitere Rippenbögen entwickeln.
  • Die Pterosaurier (Flugsaurier) der Trias waren die nächsten fliegenden Wirbeltiere und die ersten, die den aktiven Flug entwickelten. Ihre Geschichte begann ganz ähnlich wie die der permischen Reptilien, doch spannte sich ihre Flughaut nicht über den Rippen, sondern zwischen einem verlängerten Finger und ihrem Körper auf, was ihnen einer viel höhere Beweglichkeit verlieh. Außerdem hatten sie einen gleichwarmen Stoffwechsel und konnten sich viel rascher und aktiver bewegen, hatten aber auch einen höheren Energiebedarf. Um diesen zu decken, brauchten schon die frühen Arten sehr viele Insekten als Nahrung, doch konnten sie sich irgendwann auch von Kleintieren und Fischen ernähren. Die Pterosaurier brachten in der Kreidezeit schließlich die größten Flieger der Erdgeschichte hervor, mit Spannweiten deutlich über 10m.
  • Die Vögel waren die nächsten, die den Luftraum eroberten. Sie flogen nicht mit einer Flughaut, sondern mit einem neuen Meilenstein der Evolution: Aus einer flaumartigen Körperbedeckung, die anfangs noch als Kälteschutz, später auch als Schmuck zur Partnerwerbung und schließlich als Wärmemantel zum eierausbrüten diente, entwickelte sich bei einigen kleinen baumbewohnenden Dinosauriern schließlich die Eigenschaft, von Baum zu Baum zu gleiten - und dann irgendwann auch, aktiv mit den Flügeln zu schlagen. Diese Flugmethode ist bis heute die effizienteste im Tierreich: Die Vögel verdrängten die Pterosaurier schließlich nach und nach, und als diese zusammen mit den Dinosauriern am Ende der Kreidezeit schließlich ausstarben, gehörte ihnen die Herrschaft über die Lüfte schließlich allein.
  • Auch den Säugetieren gelang es, in der Luft Lebensraum zu gewinnen. Die ersten Gleitflieger flogen bereits im Jura durch die von Pterosauriern und Vögeln beherrschten Lüfte. Nach dem kreidezeitlichen Massenaussterben entwickelten sich wieder aus kleinen Insektenfressern die Flughunde und Fledermäuse, die wieder mit einer Flughaut, aber aktiv fliegen können.

Der Flug hat sich also immer dann in einer Tiergruppe entwickelt, wenn sich ihr die Möglichkeit dazu bot. Und bei fast allen fliegenden Tieren war der Ursprung der Gleiche: Sie alle waren in ihrer Anfangszeit kleine, insektenfressende Waldbewohner in einem Lebensraum, der nicht bereits von anderen fliegenden Tieren beherrscht wurde. Ist eine ökologische Nische nämlich bereits besetzt, wird es nichts mit der Spezialisierung.

Die Entwicklungsgeschichte des Menschen hat jedoch niemals einen solchen Ursprung gehabt. Die Vorfahren des Menschen waren fruchtfressende Primaten, die sich eben nicht primär, sondern nur gelegentlich an Insekten labten und sich eher darauf spezialisierten, mit einer Vielzahl verschiedener Nahrungsquellen etwas anfangen zu können. Zwar lebten auch unsere Vorfahren in Wäldern, es genügte ihnen aber, von Ast zu Ast zu springen, um Nahrungsquellen und Fortpflanzungspartner zu erreichen. Für eine Flugentwicklung bestand nicht die Notwendigkeit, es lag auch kein Selektionsdruck darauf, also entwickelten die Affen auch nie die Fähigkeit zu fliegen. Und außerdem hätten die Primaten mit Vögeln und Fledermäusen auf jedem Erdteil Konkurrenten gehabt, die ihnen den Weg in eine Nische des Luftraums versperrt hätten.

Woher ich das weiß:Hobby – Jahrelange Begeisterung für die Natur und ihre Bewohner.

Du hast ihn kurz geflext

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Das hier sagt w18, Laie: Wir können eine Art "Mini-Evolution" innerhalb der menschlichen Rasse finden. Vergleicht man z. B. einen Schwarzafrikaner mit einem Europäer, fällt einem als allererstes die deutlich dunklere Hauptfarbe auf. Dann natürlich noch die Haare und die längeren Beine. Alles in Afrika von Vorteil, in Europa aber vollkommen unnütz, weswegen es sich Generation für Generation zurückbildet.

Hätten wir also ganz zu Anfang in Gebieten gelebt, in denen sich Flügel angeboten hätten, hätten wir wohl welche.^^

Warum sollten sich solche Merkmale durchsetzen, nachdem die Abspaltung von den Vögeln vollzogen war?

Wir können schleichen, gehen, rennen, auf Bäume klettern - Tag und Nacht; also alles, was für ein Überleben in der Savanne nötig war.

Und dass unser Körper vom Knochenbau und der übrigen Konstruktion her nicht dafür geeignet ist, sollte klar sein. Es hat sich nicht als zweckmäßig erwiesen, denn sonst könnten wir es. Den wirklichen Grund für unser Unvermögen werden wir wahrscheinlich nie erfahren.

Bei den Säugetieren sind es wohl nur Fledermäuse und Flughunde, die fliegen können; ich habe jedenfalls noch nie einen fliegenden Elefanten gesehen.

Außerdem beantwortet die Naturwissenschaft eigentlich immer nur die Frage nach dem Wie, also wie ein Organismus funktioniert und wie Strukturen aufgebaut sind, was nicht bedeutet, dass man nicht irgendwann auch das Warum kennt (die Knochen zu stark sind und unser Körpergewicht zu groß ist).

Aber wozu studierst Du Biologie, wenn Du das anhand der Fachliteratur oder von Seminaren nicht herausfinden kannst? Was sagt denn Dein Professor - oder sagen Deine Mitstudenten - dazu?

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