Warum können Hunde menschliche Kommandos verstehen?

13 Antworten

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Faszinierend, wie oft hier die Antwort kommt "der Hund versteht die Wortbedeutung nicht, er reagiert nur auf ein Wort mit einem Verhalten" - im Prinzip ist das schon so wie bei uns Menschen.

Der Unterschied ist, dass wir ein umfangreicheres Wort-Repertoire haben, und auch Grammatik anwenden können, um Sätze zu bilden (und diese auch zu verstehen). Aber auch wir Menschen sind an bestimmte Wörter (von klein auf) gewöhnt worden.

Ein Ball ist nur bei uns ein "Ball" (es gibt keinen zwingenden Grund, warum das Teil so heißen müsste). Bei Chinesen ist er "qiú", aber auch Chinesen verständigen sich über den Ball. Auch bei Menschen geht das Hören über den Klang des Wortes, und die Zuordnung ist nichts anderes als Angewöhnung (in der Kindheit bei der Muttersprache; natürlich lernen wir später oft auch Fremdsprachen).

https://de.wikipedia.org/wiki/Arbitrarit%C3%A4t

Ein Baum ist nur bei uns ein "Baum". In Finnland und China nicht.

Ein weiterer Unterschied ist natürlich, dass wir auch aktiv sprechen können. Der Hund kann dies nicht in gleicher Art und Weise. Aber ich denke, das Thema war ja das Hörverstehen.

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Man lernt als Mensch auch, Tiere, mit denen man lange zusammen ist und bestenfalls trainiert (zielgerichtete Kommunikaiton übt) zu verstehen. Man kann anhand von Blicken, Gesten, Lauten erkennen, was das Tier möchte.

Kommandos für Hunde und andere Tiere sind in der Regel kurz und werden sehr betont ausgesprochen. "Sitz!" ist kurz, sehr betont, "Platz" wird oft mit längerem A ausgesprochen und mit tieferer Stimme. Und dann hat das Tier hundert- bis tausendfach dieses Wort gehört, wenn es diese Bewegung gemacht hat und wurde bestenfalls dafür belohnt, also hat das Tier die Bewegug und das Wort positiv im Gedächtnis behalten.

Menschen können umgekehrt erkennen, wenn Tiere, die für andere Menschen "keine Mimik" haben, interessiert sind, fröhlich sind, traurig sind, manchmal wütend ist. Frage einen Vogelhalter, ob der erkennen kann, wann sein Vogel interessiert/ begeistert ist. Frage jemanden, der keine Vögel hält und sich nicht dafür interessiert, ob er erkennen könnte, wann ein Vogel einer bestimmten Art interessiert/ begeistert ist. Das kann er meist nicht. Der Vogelhalter hat aber gelernt, die Mimik seiner Vögel (oft auch nur seiner eigenen Vögel, manchmal aber auch anderer Vögel der gleichen Art) zu lesen. Im gleichen Zug erkennt der Vogel z.B., ob der Mensch zum Käfig geht, um ihn zu schließen oder ob er nur so daran vorbei gehen möchte. Vögel, die noch nie Menschenkontakt hatten, erkennen das nicht. Manchmal erkennen Halter mehrerer Vögel außer Sichtweite, welcher Vogel gerade zwitschert. Bestimmte Vögel haben typische Laute, manchmal welche, die andere Vögel (der gleichen Art oder sogar Gruppe) gar nicht machen. Ein Wellensittichmännchen von mir macht "Qurrrrx". Kein anderer Wellensittich macht diesen Laut. Das Männchen kam sehr jung zu mir, keine Ahnung, ob es das von seinen Eltern gelernt hat, die den Laut vielleicht irgendwo aufgeschnappt haben. Aber einem Fremden würde das erstens nicht auffallen ud zweitens wäre er nicht in der Lage, diesen Laut dann wieder aus der Gruppe herauszuhören und dem Männchen zuzuordnen. Ein anderers Männchen von mir ruft wie ein Autoschlüssel (Geräsuch, das der Schlüssel macht, wenn man per Fernbedienung den Wagen aufschließt:

https://www.youtube.com/watch?v=WaSmdCTAH-Q

Jemandem, der keine Vögel hält, würde das vermutlich nicht so auffallen.

Den Hunden geht es jetzt genauso. Die lernen nach und nach, bestimmte Geräsuche als Worte, als Befehle, als Ankündigungen (Futter, Rausgehen) aus den allg. Worten, die sie ständig hören, herauszufiltern. Wenn du Tiere hast oder Tierhalter kennst (keine Fischhalter), achte mal darauf, wie sich die Tiere verhalten, wenn du dich mit dem Halter unterhältst: Das interessiert sie gar nicht, sie machen ihre Sachen, wenn sie können (nicht angeleint sind etc.). Aber wenn der Halter dann etwas sagt, das das Tier kennt, wird es aufmerktsam: "Bella, hier gib's was zu Essen" kannst du in normaler Tonlage und Lautstärke sagen und Hund Bella wird ankommen, weil sie "Essen" und ihren Namen vom Halter gehört hat (oder jemandem, den sie gut kennt). Mir ist das selbst passiert. Interessanterweise betonte Bellas Frauchen sonst jeden Befehl auf sehr intensive Weise, aber diesen normal ausgesprochenen Satz hat der Hund verstanden.

Du kannst auch bestimmte Laute klicken/ belohnen, die die Tiere dann zur Kommunikation verwenden. Du vestehst dann, dieses "Piep" des Vogels von anderen zu unterscheiden und erkennst, dass er damit deine Aufmerksamkeit möchte, während du allg. "Gesabbel" (Wellensittiche) nicht in bedeutungsvolle Sequenzen unterteilen kannst. Du verstehst aber Laute wie "lass mich in Ruhe!", (Zetern, mittlere Lautstärke),"du tust mir weh",(Gackern/ schrill Rufen, laut) "hey, was soll das?!" (Gackern, normale Lautstärke), "Achtung!" (schrille Pfiffe), "ich brauche Hilfe, ich bin in Bedrängnis!" (laute, schrille Pfiffe vermischt mit schrillem Zetern). Den letzten Laut machen sie, wenn sie irgendwo hängen bleiben oder von einem anderen Vogel in die Ecke gedrängt werden oder an der Schwanzfeder festgehalten werden. Dann geht man als Halter zum Vogel, um nachzusehen, ob man helfen muss, während man andere Laute eher ignoriert.

PS
Übrigens, meine Eltern haben einen Gartenteich. Wenn der Reiher kommt, verstecken sich die Fische unter den Seerosenblättern. Wenn man auf der Terrasse sitzt oder sich an eine bestimmte Stelle des Teichrandes stellt, kommen sie an und öffnen die Mäuler, um zu signalisieren, dass sie gern gefüttert werden möchten. Sie haben gelernt, dass sie dann oft Futter bekommen. Würde man die Fische aus dem Teich entfernen und neue reinsetzen, würden die dieses Verhalten nicht zeigen - es geht also auch bei Fischen, nur kommunizieren die meisten Menschen eher nicht mit ihren Fischen. Karen Pryor hat in dem Buch "Reaching the animal mind" ein Beispiel für einen Fisch gegeben, der gelernt hatte, durch einen Reifen zu schwimmen, um Futter zu bekommen. Der Fisch war im Aquarium und schwamm nur durch den Reifen, wenn Menschen im Zimmer waren.

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Das lässt sich so pauschal nicht genau sagen.

Die Sprache des Menschen ist deutlich komplexer als die des Hundes.

Wie du schon sagst kann ein Mensch im Bellen des Hundes Wut, Freude, Angst etc. raushören, das liegt aber auch daran, dass die Hunde nur auf dieser Basis kommunizieren.

Die Hunde wiederrum hören das gleiche wie der Mensch und können auf die verschiedenen, deutlich komplexeren, Wortmelodien konditioniert werden, "verstehen" also worauf man hinaus will.

Wirklich die Worte VERSTEHEN in dem Sinne tun sie nicht, wenn man ihnen einen Ball hinhält und immer Banane dazu sagt wird der Hund den Ball mit Banane in Verbindung bringen.

Das merkt man auch vor allem, wenn man versucht dem Hund 2 Dinge mit ähnlichen Worten beizubringen, z.B. Schnitten und Schlitten. Wenn ich dem Hund beibringe dass "Schnitten" seine Leckerlies sind und er bei Schlitten einen Schlitten ziehen soll und beides nebeneinander stelle, dann muss man extrem deutlich sprechen, damit der Hund die beiden Wortmelodien unterscheiden kann

"Die Sprache des Menschen ist deutlich komplexer als die des Hundes.

Wie du schon sagst kann ein Mensch im Bellen des Hundes Wut, Freude, Angst etc. raushören, das liegt aber auch daran, dass die Hunde nur auf dieser Basis kommunizieren."

Naja so ganz ist das auch nicht richtig. Sprache ist nicht dasselbe wie Kommunikation und gerade bei Hunden muss man das sehr deutlich voneinander trennen. Die Kommunikation eines Hundes verläuft so gut wie ausschließlich über Körpersprache. Und da sind Hunde um einiges komplexer und auch sensibler als Menschen. Hunde kommunizieren eine ganze Menge mehr als wir mitbekommen. Auch mit uns. Wir "behelfen" uns nur indem wir mit dem Hund sprechen, weil wir zu so ausgefeilter Körpersprache kaum in der Lage sind - auch weil Sprechen eben die deutlich einfachere Variante ist, zumindest für uns ;)

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Wobei: Wenn du deinem Kind von Anfang an sagst, dass der Ball "Banane" heißt, wird es das Wort auch lange benutzen und im Kindergarten erst mal verwirrt sein, dass alle das Wort falsch benutzen.

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@Tasha

Richtig. :) Ich bin ja froh, dass es zumindest ein paar Leute gibt, die verstehen, was mit "Sprache ist arbiträr" gemeint ist.

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"Wirklich die Worte VERSTEHEN in dem Sinne tun sie nicht, wenn man ihnen einen Ball hinhält und immer Banane dazu sagt wird der Hund den Ball mit Banane in Verbindung bringen."

Erstaunlich ist, dass viele Leute nicht erkennen, dass das bei Menschen dasselbe ist! Chinesen sagen ja auch nicht "Ball", sondern ein chinesisches Wort dafür. Und es funktioniert dennoch.

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