Warum kann sich ein Staat nicht beliebig verschulden?

17 Antworten

Staatsschulden sind so was wie "Kredit auf Vertrauen". Der Staat kann schon Geld drucken, das Recht hat er (und nur er). Aber alles was er druckt, muss auch durch Gegenwerte gedeckt sein. Oder er macht "Schulden". Hier klinkt sich das Prinzip Vertrauen (siehe Rating Agenturen!) ein -> wir vertrauen darauf, dass ein "guter" Staat die fehlenden Gegenwerte schon noch im Laufe der nächsten Jahre erarbeitet. Wenn wir sehen, dass das ein Staat nicht mehr schaffen wird, gibt es eine Abstufung in seiner Kreditwürdigkeit und er wird Probleme bekommen, noch weiter von irgendwo her Geld zu leihen (siehe Griechenland....), denn man glaubt nicht mehr so richtig dran, dass man das Geld auch wieder zurück bekommt. Wenn ein Staat einfach Geld druckt ist das ja auch nichts anderes, als "bei sich Schulden zu machen" -> er wird das nicht mehr mit Realwerten decken können und schon geht das ganze System bergab....

Empfehlung: Um etwas mehr Verständnis vom Ganzen zu haben, solltest Du Dir ein paar Grundkenntnisse aneignen. Schau Dir dazu mal bei Wiki "Wirtschaftskreislauf" an. Das ist ganz gut erklärt vom einfachen Kreislauf mit Gütern und Geld bis zu einem aktuellen Kreislauf mit Staat, Banken und Ausland. Zu Deiner Frage reicht eigentlich schon der einfache Kreislauf. Da gibt es den Güterkreislauf, der alle marktgehandelten Güter umfasst und, damit das im Austausch überhaupt funktioniert, als Tauschmittel den Geldkreislauf. Von den Menschen werden die Güter bewertet. Das Geld dient nur, um die Werte zu transportieren, d.h. egal wie viel Geld Du in den Kreislauf gibst, dessen Gesamtwert und damit auch Stückwert richtet sich nach dem Gesamtwert des Güterkreislaufs aus. Sprich: Geld schafft keine Werte! Wenn Du im nächsten Schritt Banken (Geldsammelstellen) einführst, bekommt Geld auch eine Wertaufbewahrungsfunktion.

Was ändert sich, wenn jetzt der Staat in diesen Kreislauf eintritt. Er entzieht den Privaten Geld um es für gemeinschaftliche Zwecke auszugeben. Verschuldet er sich für seine Ausgaben, tritt er auf dem Kreditmarkt als Konkurrent zu den Privaten auf. Damit wird der Staat immer mehr zu einem Wirtschaftslenker durch seine Einnahme- und Ausgabemacht. Er kann aber nicht mehr Kredite aufnehmen, als gespart wurde. Dann muss er seine Einkünfte erhöhen.

Was ändert sich, wenn der Staat selbst die Geldmenge kontrolliert? In einer geschlossenen Wirtschaft (nur ein Land) ändert sich nicht viel, vorausgesetzt die Privaten würden angemessen reagieren. Das Geld würde in dem Maße weniger wert, wie es die Gesamtgütermenge übersteigt. Solange sich alle Preise (Güterpreise und Produktionsfaktorenpreise (z.B. Löhne)) gleich anpassen, geschieht gar nichts. Das ist aber nicht zu erwarten und der Inflationssog bringt einen Preis- und Verteilungskampf in Bewegung, bei dem z.B. Rentner Verlierer sein können, weil der Staat ihre Rente festlegen kann. Der Staat schafft Unfrieden, wo er doch Frieden garantieren sollte!

In einer offenen Wirtschaft mit Ausland kann der Staat auch Schuldverschreibungen an Ausländer geben, die dann gegenüber den Inländern Forderungen haben und Zinsen verlangen. Wenn dann Ausländer merken, dass sie ihr Geld nicht mehr zurückbekommen und auch die Zinszahlungen unsicher werden, wird der Staat im Ausland keine Kredite mehr bekommen oder sie werden immer teurer. Letztlich übersteigen die Gesamtschulden gegenüber dem Ausland das Inlandsvermögen und der Staat hat im Prinzip die Vermögen seiner Bürger "verramscht". Das ist im Prinzip in Griechenland so, nur dass man aufpassen muss - wer ist der Staat und wohin sind die geliehenen Gelder geflossen und in wessen Taschen?

Anders ist es in USA. Diese haben die Sonderrolle, dass der Dollar Leitwährung ist. Das gibt den USA die Möglichkeit, ihre immensen Schulden auf andere abzuladen. Die tun zwar gern so moralisch - lassen sich aber in Wirklichkeit ihre Schulden von den anderen Nicht-Leitwährungsländern bezahlen. Nahezu alle Länder halten Dollars als Reservewährung zur Deckung ihrer eigenen Währung. Wenn also der Dollar ins Rutschen kommt, rutschen alle anderen mit! Darum hält man den Dollar künstlich hoch und holt sich die Zinsen durch Überhöhung bei anderen, am meisten bei den ärmeren. So plündern z.B. die USA die dritte Welt aus, auch Länder wie Spanien, denn die müssten nicht so hohe Zinsen zahlen, würden die USA nicht den Kreditmarkt leerfegen.

Wie lange ein Staat Schulden machen kann ist also einmal eine Machtfrage und zum andern eine Frage seiner Wirtschaftskraft, wie lange diese ausreicht, um die ständig steigenden Zinsen bezahlen zu können. Wenn ein Staat Schulden macht, dann leben die Jetzigen auf Kosten der Zukünftigen in dem Maße, wie den Schulden keine Investitionen gegenüberstehen, die die Wirtschaftskraft steigern. Schulden z.B. für sozialen Frieden jetzt sind eine Verlagerung des sozialen Unfriedens in die Zukunft! Unsere Politiker sind längst zu Schulden-Alkoholikern geworden und wollen uns vorgaukeln, dass man Alkoholiker nicht in der Entzugsanstalt heilt sondern am besten in der Schnapsfabrik.

Du musst in diesem Fall das Verhältnis von Waren zu Geldmenge betrachten. Wenn jeder mehr Geld zur Verfügung hat (weil der Staat seine Beamten bezahlt, die das Geld ausgeben. Die Firmen die das Geld bekommen, geben es auch wieder aus usw. (siehe Multiplikatoreffekt)) dann werden die privaten Haushalte mehr Waren nachfragen. Weil aber jeder/viele eine größere Nachfrage haben, erhöht sich der Marktpreis für die nachgefragten Produkte. Somit kommt es zu keiner wirklichen Kaufkraftsteigerung, weil die Preise steigen -> Inflation

Was möchtest Du wissen?