Warum kann man nie mit Gläubigen reden?

64 Antworten

War damals ebenfalls Gläubig, aber begann nach einer Weile vieles zu hinterfragen und an meinen Glauben zu zweifeln (aus wissenschaftlichen Gründen). Und das ist auch nicht falsch, denn misstrauisch sein bedeutet etwas genauer wissen zu wollen.

Nach meiner Erfahrung nach, will Religion dass man an sie glaubt, aber nicht hinterfragt. Du sollst dir nicht Gottes Abbild vorstellen, du sollst auch Gottes Wege nicht hinterfragen usw. Du sollst lediglich dran glauben das es ihn gibt. Im ernst? Ich hatte aber viele Fragen und ja entweder nahm man es zu persönlich, es kamen lächerliche Argumente oder die antworten waren so gut wie jede andere (hat einen nicht weiter gebracht). Der Grund warum streng Gläubige die häufig gestellten Fragen nicht beantworten können, ist weil sie es selbst nicht wissen. Aber wenn man an etwas glaubt, kann man sich alles erklären, deshalb kommen Argumente wie: Gott wird schon seine Gründe dafür haben oder Wenn die richtige Zeit gekommen ist, wirst du es wissen oder Gott muss dir keine Fragen beantwortet.. tolle begründungen.. 

Die wissen die antworten aber auch nur nicht, weil in der Bibel gerade das verborgen wird, was ein wichtiger Beweis für seine Existenz wäre. Z.b das wir kein Abbild von ihm machen dürfen bzw. Er sich uns nicht zeigen will /wird. Dennoch wird verlangt bedingungslos an ihn zu glauben.

Mir ist auch aufgefallen, dass die versuchen einen zu Überzeugen und auf ihre Seite zu ziehen. Und schaffen die das, ist es eine Bestätigung für sie, dass sie im Recht sind, dabei weiß man nicht ob Gott tatsächlich wahr ist. Vorallem wir müssen ihren Glauben respektieren und tolerieren, aber unseren "nicht glaube" wird wird von ihnen nicht toleriert. (Hattest du ja erwähnt). Wer postuliert Gott gibt es, sollte meinen Beweise dafür zu haben, die in Praxis umgesetzt werden können! 

Zudem gibt es mittlerweile viele Theorien, was die Bibel ursprünglich war. Ich  hab das Gefühl man soll den Glauben nicht hinterfragen, weil man sonst ein Fehler im System finden kann. Und was ist passiert, als man sie mit kritischen Augen betrachtet hatte,  stoßte man auf die Annahmen, dass sie Falsch übersetzt wurde und sich ebenfalls viele Widersprüche finden. - Aber auch dafür gabs erklärungen... 

Es ist immer wieder Aussage gegen Aussage, deshalb halte ich mich da raus, bis die Wahrheit bewiesen wurde! Mir kommts auch vor, der Glaube an Gott gibt einfach vielen Menschen Trost und einen Grund zum Leben. Mir kommts aber AUCH so vor als sei der Glaube an Gott aus Angst entstanden. Z.B: angst vor seiner Macht, konsequenzen oder in die Hölle zu kommen. Oder wird in der Bibel nicht gedroht, alle ungläubigen kommen in die Hölle? Auch unabhängig davon ob man moralisch ein guter Mensch ist, aber dennoch nicht an ihn glaubt, unzwar kein bisschen? Würde mich mal interessieren... -Oder der Glaube entstand aus dem Wunsch seinen Frieden zu finden. Dass wird einem ja versprochen, WENN man sich bereit erklärt an ihn zu glauben. Aber ganz sicher nicht aus Loyalität. 

Aber es ist schwer mit jemanden zu diskutieren der verbissen an seiner Meinung/Glaube (nicht wissen) hält. Ich muss selbst manchmal aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr in etwas reinsteigere und darüber mal nachdenke ob der andere nicht recht haben könnte. Beide Parteien müssen halt GUTE Argumente bringen. Die besseren gewinnen, vorerst, bis man es auch in Praxis umsetzen kann. Denn kein Glaube geht über Beweise!

So wie du das sagst, würde ich es nicht sehen. Ich beispielsweise bin gläubig, habe aber überhaupt kein Problem damit, dass andere Leute nicht an Gott glauben, denn genau das impliziert das Wort „Glaube“. 

Und es ist gut, dass man alles hinterfragt, sonst kann man nie etwas verbessern. Im Laufe des Christentums hat sich auch einiges geändert, aber  hätte Luther nicht den Katholizismus mit seinen zahlreichen Makeln (ja, natürlich waren es Makel und es gibt immer noch Makel, dass sage auch ich als überzeugter Gläubiger) hinterfragt, wäre der heutige Katholizismus und möglicherweise die ganze Gesellschaft noch wesentlich unfortschrittlicher und nicht so frei, wie sie heute zum Glück sind.

Anders herum habe ich von „Atheisten“ gerade eben erst bei einer Frage ähnliches mitbekommen:

Jemand sagte seine Meinung zu einem Thema, die eben weniger freizügig war als die der anderen und somit zugegebenermaßen auch dem historischen Katholizismus stark ähnelt. Und sofort kamen Gegenschläge zurück à la „Du Hardcore-Christ“ und der Andersdenkende wurde als blinder, dummer Gläubiger dargestellt, der noch im letzten Jahttausend lebt und seinen zweifelhaften und unlogischen Glauben verbreitet.

Dass du mit deinem Lehrer nicht kritisch über den Glauben sprechen kannst, zeugt von Unfähigkeit und Inkompetenz des Lehrers, denn:

Das Christentum hat viele Antworten auf die vielen kritischen Fragen der kritisch Denkenden und es gibt keinen unerklärten Widerspruch im Christentum, dafür wird gesorgt. Wer jetzt sagt, man bastelt sich die Welt und den Glauben, wie es gerade passt, dem sei vor Augen gehalten, dass das auch die Naturwissenschaft so macht: Wenn es für etwas Indizien gibt, wird eine Theorie aufgestellt, die sich nach umfangreicherer Untersuchung zur „Tatsache“, zum Gesetz, wandelt. Doch das heißt keineswegs, dass das auf jeden Fall so ist, wie zahlreiche historische wie aktuelle Fälle belegen:

Man kann überhaupt garnichts unverrückbar sicher wissen, es kann nur wahrscheinlicher oder sehr wahrscheinlich sein. Wenn dann aber bemerkt wird, dass da der Wurm drin ist, dann sucht man sich eine neue Theorie, die die neuen Umstände berücksichtigt, anders funktioniert es eben nicht. Und in der Naturwissenschaft bedient man sich dabei z. B. technischer Geräte und der Sinne, in der Theologie geht das nicht, man muss seinen Geist benutzen, um sich den Glauben zu erklären, und das ist ohne Frage keine so exakte Sache wie in der Naturwissenschaft, doch deshalb nennt man Theologie den „Glauben“ und Physik „Wissen“, obwohl beides nur unterschiedlich wahrscheinlich ist.

Aber wenn dein Lehrer sich eben nicht mit den theologischen Erklärungsversuchen, die die Antwort auf deine Fragen geben sollen, auskennt, dann ist er inkompetent, und wenn er nicht die Größe hat, dies zuzugeben, dann ist er zudem unfähig für den Lehrerberuf, denn dann muss er zu unmöglichen Mitteln greifen, er nimmt alles persönlich, gibt nichtssagende Antworten und versucht möglichst schnell, von sich abzuwenden, indem er dich angreift. Das machen auch leider viele zu fanatische Christen oder generell Gläubige, die eben nicht auf alle Fragen Antworten haben (dafür gibt es schließlich die Theologen, so etwas kann ja nicht jeder wissen) und dann aber nicht die Blöße haben, dies zuzugeben (leider häufig verständlich, weil dies häufig als Niederlage angesehen wird).

Ich selbst habe das Glück, eine geniale Lehrerin zu haben, die motiviert und kompetent ist und es schafft, den christlichen Glauben überzeugend zu vermitteln, was man an der ungewöhnlich hohen Zahl der Klausurschreiber und Abiturienten sieht.

Aber nochmal kurz zu deinem Hauptkritikpunkt:

Ich gebe zu, es gibt viele, ja, Idioten, ohne das tiefer oder bestimmter zu sagen, die Kritik abtun und gegen die Kritiker feuern, anstatt konstruktive Kritik zurückzugeben. 

Diese Menschen gibt es aber auf beiden Seiten, und deshalb müssen beide Seiten lernen, auf den anderen einzugehen, was bedeutet, Gläubige müssen sich kritisch mit ihrem Glauben und den Argumenten der Nichtglaubenden befassen, und „Atheisten“ müssen sich auch mit dem christlichen Glauben beschäftigen (ihn nicht hinnehmen oder ihm zustimmen!), bevor sie Kritik üben. (Atheisten übrigens in Anführungzeichen, da ich hierunter einmal alle Nichtglaubenden zusammenfasse, weil sie sich häufig so nennen, auch wenn häufig der Begriff Agnostiker eher zutrifft.)

Letztenendes glaube ich, dass man einige Menschen durch theologische Argumentation überzeugen kann und ihren Glauben verändern kann, aber ich halte es für sehr schwierig, einen überzeugten Atheisten von der Existenz eines Gottes zu überzeugen, und das muss auch nicht sein. 

Denn das soll jeder für sich entscheiden und die Entscheidungen seiner Mitmenschen, auch wenn er sie nicht nachvollziehen kann, akzeptieren, aber nicht kritiklos hinnehmen.

Einen schönen Abend noch :)

LG DoktorMayo 

PS: Für Kritik und Fragen bin ich offen :)

Ich habe sehr ähnliche Erfahrungen wie du gemacht, aber auch einige positive Ausnahmen kennengelernt, mit denen man durchaus über Glauben diskutieren kann. Es besteht also Hoffnung... 

Ich bin auch Atheist und ich denke, deine Beobachtung liegt vor allem daran, dass die meisten Gläubigen heutzutage durchaus wissen, dass sie auf verlorenem Posten stehen. Dass Aberglaube und Glaube gleichermaßen verdammt offensichtlich Mumpitz sind, steht außer Frage und das erschließt sich auch vielen Gläubigen auf eine gewisse Weise, die sie selbst verunsichert.

Wer als Kind so gehirngewaschen wurde, dass er gläubig ist, kann das nur in Ausnahmefällen noch als Erwachsener ablegen. Was man als Kind im Urvertrauen zu den Eltern lernt, das nimmt man als wahr an, egal wie verquer es einem später auch erscheinen mag. Ich vermute, viele Gläubige leben in diesem inneren Konflikt aus vernunftorientierter Klarheit und glaubensorientierter Vernebelung und wissen selbst tief im Inneren keinen Ausweg. Sie glauben einfach, auch wenn es noch so absurd erscheint.

Trotzdem möchte ich dir nochmals zustimmen, dass auch mich ganz besonders anwidert, dass ausgerechnet aufgeklärten, nicht-gläubigen, vernunftorientierten Menschen oftmals so etwas wie "du bist intolerant" entgegenschwappt, wenn sie offen die absurdesten Glaubensvorstellungen anzweifeln, obwohl deren Unsinnigkeit eigentlich offensichtlich ist. Aber die Heuchler und Gutmenschen in dieser Welt haben es geschafft, Toleranz zum neuen Goldenen Kalb hochzustilisieren, anstatt wie früher Zivilcourage, Vernunft, Hilfsbereitschaft zu betonen. Heute sagt der Zeitgeist, man muss alles tolerieren, anstatt für das Gute zu kämpfen -- und dazu gehört als allererstes eben auch, Gut von Böse zu unterscheiden.

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