Warum kann man bei Vollmond so schlecht schlafen?

6 Antworten

Hallo ChromeUser,

bevor man fragt "warum ist das so?", sollte immer die Frage stehen "ist das wirklich so?". Im Falle der angeblich bei Vollmond häufiger auftretenden Schalflosigkeit erübrigt sich nämlich die zweite Frage nach dem "warum". Man kann nachweisen, dass der schlechte Schlaf uns bei Vollmond nur eher auffällt und uns unsere Fähigkeit, unterbewusst "Muster" zu erkennen, hier einen Streich spielt. Tatsächliche Häufungen schlechten Schlafes bei Vollmond in der Bevölkerung lassen sich NICHT nachweisen.

Aber ich erkläre es Dir gerne gaaanz ausführlich:

Etwa ein Drittel der Bevölkerung sagt in Umfragen von sich, bei Vollmond schlechter zu schlafen. Testet man aber genau nach, dann zeigt sich: Diese Häufungen der Schlafstörungen bei Vollmond existieren NICHT. Wir haben nur den Eindruck, dass uns das bei Vollmond häufiger passiert.

Wenn es also nicht gerade so ungünstig ist, dass einem der Vollmond genau ins Gesicht leuchtet, gibt es eigentlich nur eine vernünftige Erklärung. Und die hat nur sehr wenig mit dem Mond zu tun. Es ist ein psychologisches Phänomen, das hier zum Tragen kommt:

Wenn man wirklich wieder einmal wach liegt und den Vollmond bemerkt, dann denkt man sofort "Ja, so ist das immer bei mir!!". Schläft man dagegen durch, dann denkt man gar nicht an den Mond. Man bemerkt das Gegenbeispiel deswegen bei weitem nicht so bewusst, wie das Positivbeispiel. Genauso wenig notiert man Nächte bei anderen Mondphasen, in denen man auch mal schlecht schläft, nicht als Gegenbeispiele.

In der Psychologie ist dieses Phänomen als "selektive Wahrnehmung" bekannt. Sie passiert wie gesagt gänzlich unbewusst und ist nicht bewusst beeinflussbar. Es hat mit "Einbildung" also nichts zu tun.

Das Problem ist, dass man, wenn nur irgendwann einmal den Eindruck gewonnen wurde, es könnte mit dem Mond korrelieren (und sei es durch die kursierenden Gerüchte über den Mond), fast keine Chance mehr hat, diesen Eindruck als falsch zu erkennen: die psychologischen Effekte führen dazu, dass sich so ein Eindruck praktisch nur immer weiter verstärkt.

Löst der Mond denn schlechten Schlaf aus??

Nein! Nachweislich nicht.

Sehr große Studien bestätigen: Man schläft im Schnitt bei allen Mondphasen gleich gut. Ich zitiere mal ein paar dieser Untersuchungen:

Die österreichischen Schlafforscher Klösch und Zeitlhofer haben sich 2003 gefragt: Hat die Mondphase Einfluss auf die Schlafqualität. Untersucht wurden in ihrerr Studie Schlaftagebuchaufzeichnungen (jeweils 14 Tage) von je knapp 200 Gesunden und Patienten mit anerkannten Schlafstörungen über einen Zeitraum von 6 Jahren (1997-2002). Ich zitiere:

In keiner der zur Verfügung stehenden subjektiven Schlafbeurteilungen konnte ein signifikanter Unterschied zwischen den Vollmond-/Neumondnächten, den Nächten während des zunehmenden/abnehmenden Mondes und den als "neutral" eingestuften gefunden werden. Dies gilt gleichermaßen für Gesunde, Patienten, Männer und Frauen. Auch konnte keine Zunahme in der Anzahl der erinnerten Träume beobachtet werden.

Und das ist nur ein kleiner Teil der Daten, wie das Max-Planck-Institut vermeldete:

"Um Zufallsbefunde zu vermeiden, wie sie in Studien mit geringer Teilnehmerzahl möglich sind, untersuchten die Wissenschaftler nun Schlafdaten von 1.265 Probanden aus 2.097 Nächten. „Nachdem wir diese große Anzahl von Daten ausgewertet hatten, konnten wir frühere Ergebnisse aus anderen Studien nicht bestätigen“, berichtet Martin Dresler, Neurowissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München und Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour in Nijmegen, Niederlande. „Wir konnten keinen statistisch belegbaren Zusammenhang zwischen menschlichem Schlaf und den Mondphasen aufzeigen.“

Im Rahmen dieser Untersuchungen fand sein Team weitere unveröffentlichte Analysen von über 20.000 Schlafnächten, welche ebenfalls keinen Einfluss des Mondes feststellen konnten. Dass diese Ergebnisse nicht veröffentlicht worden sind, könnte ein Beispiel für eine verzerrte Veröffentlichungspraxis sein, wie sie beispielsweise auch als „Schubladenproblem“ bekannt ist. Darunter versteht man das Phänomen, dass viele Untersuchungen zwar durchgeführt, aber nie veröffentlicht werden – sie verbleiben stattdessen in der Schublade der Forscher."

Noch neuere Untersuchungen bestätigen dies:

https://www.researchgate.net/publication/283261567_Bad_sleep_Don%27t_blame_the_moon_A_population-based_study

A total of 2125 individuals (51.2% women, age 58.8 ± 11.2 years) participating in a population-based cohort study underwent a complete polysomnography (PSG) at home. Subjective sleep quality was evaluated by a self-rating scale. Sleep electroencephalography (EEG) spectral analysis was performed in 759 participants without significant sleep disorders. (...) Conclusion: Our large population-based study provides no evidence of a significant effect of lunar phases on human sleep.

Also: Eine überwältigende Datenbasis zeigt: Kein Effekt vorhanden.

Trotzdem hat ein Drittel der Bevölkerung den Eindruck, das wäre so... wie ist das erklärbar?

Über unsere Wahrnehmung und was wir draus machen. Du kennst bestimmt optische Täuschungen... ich habe eine als Bild angehängt. Die zeigen uns, dass unser Gehirn sich täuschen kann, wenn es sich aus den Eindrücken, die es hat, etwas zusammenreimt.

Für uns unangenehme Dinge machen unser Gehirn nervös, wenn es nicht versteht, warum sie passieren. Das Gehirn versucht Muster in dem Wiederkehren dieser Unannehmlichkeiten zu erkennen, in der Hoffnung, ihnen ausweichen zu können. Das ist ein im Laufe der Evolution entstandenes recht sinnvolles Prinzip... nur manchmal führt es dazu, dass unser Gehirn Regelmäßigkeiten zu erkennen vermeint, die in der Realität nicht da sind. Der Psychologe spricht von "Mustererkennung".

Die Vermutung, bestimmte Ereignisse würden sich bei Vollmond häufen, ist eine Folge dieser übertriebenen Mustererkennung. Der Vollmond liefert den perfekten Sündenbock: Diese Erklärung ist unpersönlich und birgt in sich die Hoffnung, das Problem verschwinde eh von selbst. Solche Erklärungen mag unser Unterbewusstsein sehr. Genau so entstehen diese Eindrücke, die sich dann über unsere selektiven Wahrnehmungseffekte nur noch verstärken können - wie oben beschrieben.

Wie Shakespeare schon schrieb:

The fault, dear Brutus, is not in our stars, but in ourselves.

Grüße

Zum Weiterlesen bei Interesse:

http://www.dermond.at/index.php

Und hier ein sehr umfassender Artikel ab S. 23, allerdings auf Englisch

http://www.aske-skeptics.org.uk/resources/Intelligencer/Intelligencer_2-3and4_1998_WithoutAddress.pdf#page=23

Was siehst Du? Die meisten Menschen sagen, sie sehen ein weißes Dreieck.

Das sieht man ganz intuitiv. Sogar dann noch, wenn einem eigentlich klar geworden ist, dass nur schwarze Linien und Kreise ins Bild gemalt sind... Wir "bilden" uns das weiße Dreieck also nicht ein... wir sehen es, weil unser Gehirn und unser Unterbewusstsein auf eine ganz bestimmte Art und Weise Daten verarbeiten.

 - (Schlaf, Vollmond)

Danke :)

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Hallo! Soll das so sein?? Untersuchungen sehen das anders. Der Mond hat nicht die Bedeutung wie viele glauben. Jupiter z. B. hat 63 Monde. Ganymed ist der größte Mond des Sonnensystems. Unser Mond ist lediglich der fünftgrößte Mond im Sonnensystem und seine Auswirkung auf die Erde und speziell den Menschen wird oft erheblich überschätzt.

Oft wird da die Gravitation ( Anziehungskraft ) ins Spiel gebracht. Aber ein dicker Mensch der direkt neben Dir steht übt - zumindest physikalisch - eine größere Anziehungskraft auf Dich aus.

Der Mond ist für den Schlaf ebenso wichtig - oder unwichtig - wie eine Glühbirne an Deiner Decke und die muss man auch ausschalten.

Raum abdunkeln reicht

Ich wünsche Dir eine schöne und Stress arme Woche.

Weil man mit einer vorgefertigten Meinung ins Bett geht, welche sich dann aufgrund der eigenen Erwartungshaltung bewahrheitet.

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