Warum kann ich bei Vollmond so schlecht schlafen?

6 Antworten

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Hallo Schneckly,

Wie Shakespeare schon schrieb:

The fault, dear Brutus, is not in our stars, but in ourselves.

Etwa ein Drittel der Befragten sagt in Umfragen von sich, bei Vollmond schlechter zu schlafen. Testet man aber genau nach, dann zeigt sich: Diese Häufungen der Schlafstörungen bei Vollmond existieren NICHT. Wir haben nur den Eindruck, dass uns das bei Vollmond häufiger passiert. Es gibt verschiedene psychologische Mechanismen, denen wir einfach alle unterliegen, die zu diesem Eindruck führen.

Wenn es also nicht gerade so ungünstig ist, dass einem der Vollmond genau ins Gesicht leuchtet, gibt es eigentlich nur eine vernünftige Erklärung. Und die hat nur sehr wenig mit dem Mond zu tun. Es ist ein psychologisches Phänomen, das hier zum Tragen kommt, mit "Einbildung" hat das nichts zu tun. Es ist vielmehr so wie bei optischen Täuschungen

Bei optischen Täuschungen wie dem angehängten Bild sehen wir auch dann Strukturen (wie im Beispiel ein weißes Dreieck), wenn wir eigentlich wissen, dass sie nicht da sind. Wir sehen diese Strukturen aufgrund der Art und Weise, wie unser Gehirn Informationen wahrnimmt, verarbeitet, abspeichert oder ins Bewusstsein meldet.

Wenn man wirklich wieder einmal wach liegt und den Vollmond bemerkt, dann denkt man sich sofort "Ja, so ist das immer bei mir!!". Schläfst Du dagegen durch, dann denkst Du gar nicht an den Mond. Du bemerkst das Gegenbeispiel deswegen bei weitem nicht so bewusst, wie das Positivbeispiel. Genauso wenig notierst Du Nächte bei anderen Mondphasen, in denen Du mal schlecht schläfst, nicht als Gegenbeispiele.

Über lange Zeiträume sammelst Du deswegen wieder und wieder Positivbeispiele für den Eindruck, dass es eben gehäuft bei Vollmond zu schlechtem Schlaf kommt, die Negativbeispiele rutschen gleichzeitig viel öfter unbemerkt durch.

In der Psychologie ist dieses Phänomen als "selektive Wahrnehmung" bekannt. Sie passiert wie gesagt gänzlich unbewusst und ist nicht bewusst beeinflussbar. Es hat mit "Einbildung" also nichts zu tun.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen: Mit "Einbildung" hat das nichts zu tun. Es ist nicht so, dass wir die Negativbeispiele nicht sehen __wollen__, wir können sie nicht genauso gut wahrnehmen, weil sie erst gar nicht ins Bewusstsein dringen.

Das Problem ist, dass man, wenn nur irgendwann einmal den Eindruck gewonnen wurde, es könnte mit dem Mond korrelieren (und sei es durch die kursierenden Gerüchte über den Mond), fast keine Chance mehr hat, diesen Eindruck als falsch zu erkennen: die psychologischen Effekte führen dazu, dass sich so ein Eindruck praktisch nur immer weiter verstärkt.

Löst der Mond denn schlechten Schlaf aus??

Nein! Nachweislich nicht.

Sehr große Studien bestätigen: Man schläft im Schnitt bei allen Mondphasen gleich gut. Ich zitiere mal ein paar dieser Untersuchungen:

Die österreichischen Schlafforscher Klösch und Zeitlhofer haben sich 2003 gefragt: Hat die Mondphase Einfluss auf die Schlafqualität. Untersucht wurden in ihrerr Studie Schlaftagebuchaufzeichnungen (jeweils 14 Tage) von je knapp 200 Gesunden und Patienten mit anerkannten Schlafstörungen über einen Zeitraum von 6 Jahren (1997-2002). Ich zitiere:

In keiner der zur Verfügung stehenden subjektiven Schlafbeurteilungen konnte ein signifikanter Unterschied zwischen den Vollmond-/Neumondnächten, den Nächten während des zunehmenden/abnehmenden Mondes und den als "neutral" eingestuften gefunden werden. Dies gilt gleichermaßen für Gesunde, Patienten, Männer und Frauen. Auch konnte keine Zunahme in der Anzahl der erinnerten Träume beobachtet werden.

Und das ist nur ein kleiner Teil der Daten, wie das Max-Planck-Institut vermeldete:

"Um Zufallsbefunde zu vermeiden, wie sie in Studien mit geringer Teilnehmerzahl möglich sind, untersuchten die Wissenschaftler nun Schlafdaten von 1.265 Probanden aus 2.097 Nächten. „Nachdem wir diese große Anzahl von Daten ausgewertet hatten, konnten wir frühere Ergebnisse aus anderen Studien nicht bestätigen“, berichtet Martin Dresler, Neurowissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München und Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour in Nijmegen, Niederlande. „Wir konnten keinen statistisch belegbaren Zusammenhang zwischen menschlichem Schlaf und den Mondphasen aufzeigen.“

Im Rahmen dieser Untersuchungen fand sein Team weitere unveröffentlichte Analysen von über 20.000 Schlafnächten, welche ebenfalls keinen Einfluss des Mondes feststellen konnten. Dass diese Ergebnisse nicht veröffentlicht worden sind, könnte ein Beispiel für eine verzerrte Veröffentlichungspraxis sein, wie sie beispielsweise auch als „Schubladenproblem“ bekannt ist. Darunter versteht man das Phänomen, dass viele Untersuchungen zwar durchgeführt, aber nie veröffentlicht werden – sie verbleiben stattdessen in der Schublade der Forscher."

Noch neuere Untersuchungen bestätigen dies:

https://www.researchgate.net/publication/283261567_Bad_sleep_Don%27t_blame_the_moon_A_population-based_study

A total of 2125 individuals (51.2% women, age 58.8 ± 11.2 years) participating in a population-based cohort study underwent a complete polysomnography (PSG) at home. Subjective sleep quality was evaluated by a self-rating scale. Sleep electroencephalography (EEG) spectral analysis was performed in 759 participants without significant sleep disorders. (...) Conclusion: Our large population-based study provides no evidence of a significant effect of lunar phases on human sleep.

Also: Eine überwältigende Datenbasis zeigt: Kein Effekt vorhanden.

Für uns unangenehme Dinge machen unser Gehirn nervös, wenn es nicht versteht, warum sie passieren. Das Gehirn versucht Muster in dem Wiederkehren dieser Unannehmlichkeiten zu erkennen, in der Hoffnung, ihnen ausweichen zu können. Das ist ein im Laufe der Evolution entstandenes recht sinnvolles Prinzip... nur manchmal führt es dazu, dass unser Gehirn Regelmäßigkeiten zu erkennen vermeint, die in der Realität nicht da sind. Der Psychologe spricht von "Mustererkennung".

Die Vermutung, bestimmte Ereignisse würden sich bei Vollmond häufen, ist eine Folge dieser übertriebenen Mustererkennung. Der Vollmond liefert den perfekten Sündenbock: Diese Erklärung ist unpersönlich und birgt in sich die Hoffnung, das Problem verschwinde eh von selbst. Solche Erklärungen mag unser Unterbewusstsein sehr.

Genau so entstehen diese Eindrücke, die sich dann über unsere selektiven Wahrnehmungseffekte nur noch verstärken können - wie oben beschrieben.

Aufpassen musst Du, dass es nicht zur "selbstverstärkenden Prophezeihung" kommt: Wenn Du im Kalender den Vollmondtermin bemerkst und Dir dann sagst, "da schlaf' ich bestimmt wieder schlecht", der hat tatsächlich eine größere Chance auf schlechten Schlaf, weil er angespannt ins Bett geht.

Und als Hinweis: Natürlich zweifle ich nicht daran, dass Du in den letzten Tagen schlecht geschlafen hast. Nur gibt es eben eine ganze Menge anderer möglicher Gründe. Neben persönlichen Dingen wie Stress oder Ärger sollte man nicht vergessen, dass viele Leute auch in heißen Nächten schlecht schlafen... und anders als beim Mond hat das wieder durchaus was mit den Außentemperaturen zu tun.

Grüße

Zum Weiterlesen bei Interesse:

http://www.dermond.at/index.php

Und hier ein sehr umfassender Artikel ab S. 23, allerdings auf Englisch

http://www.aske-skeptics.org.uk/resources/Intelligencer/Intelligencer_2-3and4_1998_WithoutAddress.pdf#page=23

 - (Gesundheit, Gesundheit und Medizin, Medizin)

Danke dir für deinen sehr informativen aus ausführlichen Beitrag. Zumindest ticken wir Frauen aber doch auch irgendwie im Takt des Mondes.

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@Schneckly

Nein. Tun wir nicht.

Wir sind nur oft romantischer. Und weil man eine Romantisierung der Natur oder ein Überstülpen verschiedenster romantisierender Vorstellungen heute leider oft mit echter Naturnähe verwechselt, kursieren leider sehr viel haltlose Gerüchte über den Mond.

Der Mond ist unschuldig... und wunderschön auch dann, wenn wir ihm nicht alle möglichen Effekte andichten, die er gar nicht hat.

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@uteausmuenchen

Dabei ist die ganze aus der Romantik um 1800 übernommene Naturverbundenheit eigentlich ein Mythos. denn die Naturanbetung der Romantiker war im Grunde ein Ausdruck von Sehnsucht nach einer Natur, die die Menschen in dieser Zeit bereits schon zu zerstören begonnen hatten.

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Das ist bei vielen so, vorallem, wenn sie keine blickdichten Vorhänge im Schlafzimmer haben.

Was der Grund ist, wenn sie zwar wissen dass er scheint, sein Licht sie aber eigentlich nicht stören kann, weiß ich nicht. An seiner Anziehungskraft kann es nicht liegen, die ist nämlich gleich groß, egal ob er voll, halb oder dunkel ist.

Ja ich schlafe auch schlechter

Daß liegt vermutlich an der Helligkeit und am Schlafhormon Melatonin - das Hormon wird bei Dunkelheit gebildet und vermutlich durch die Helligkeit bei Vollmond vermindert gebildet

Woher ich das weiß:
eigene Erfahrung

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