Warum kann heute ein Alleinverdiener in der Regel keine Familie mehr versorgen?

26 Antworten

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Und die Frau arbeitete entweder im Familienbetrieb mit (kostenlose Arbeitskraft) oder war nebenbei woanders in Anstellung, oder sie arbeitete von daheim aus als "keine Ahnung was" um ein paar Groschen beisteuern zu können.

Die Kinder wurden früh zur Ausbildung/ Arbeit geschickt (vor wenigen hundert Jahren war die Kindheit nur sehr kurz).

Zusätzlich: Was hat eine Durchschnittsfamilie heutzutage für Ansprüche? Jeder ein Zimmer, jeder ein Hobby, ein Mal pro Jahr Urlaub, hier neue Kleidung und Schuhe, da die neueste Technik, .... All das kostet ja nu auch so einiges an Geld. Dann noch mindestens ein Auto pro Familie, Bustickets, Fahrräder...

"Damals" wurd die Kleidung aufgetragen, die paar Schuhe die man besaß wurden repariert solange es ging. Auto gab es noch nicht bzw. später hatten erst nur die Reichen ein Automobil - noch später gab es maximal ein Auto pro Familie (wenn überhaupt). Fahrräder wurden repariert solange es klappte und wurden weitervererbt, Urlaub gab es nicht - und wenn dann fuhr man irgendwo zu Verwandten oder machte anderen günstigen Urlaub. Alles was zu Fuß erreichbar war wurde gelaufen, also nix mit Busticket für die Schule die 3 Kilometer entfernt war.

In Raltion zur Entwicklung unserer Konsumgesellschaft entwickelten sich die Wünsche der Leute, die Preise stiegen, man verdiente zwar mehr.... aber alles Mögliche kostete dann auch mehr.

Würde man nun als Familie das Konsumverhalten etwas sinnvoller gestalten oder sogar etwas einschränken (auf wirklich wichtige Dinge), dann klappt es sicherlich (naja, je nach Wohnregion) auch mit einem Durchschnittsgehalt eines Alleinverdieners.

Hallo!

Ich kenne etliche Alleinverdienerfamilien & bin der Meinung, dass das nach wie vor gut funktionieren kann ------> allerdings nur, sofern man nicht auf zu großem Fuß lebt bzw. mit seinem finanziellen Background wirtschaften kann.

Oftmals ist es aber im Gegenteil zur früheren Situation so, dass viele Familien sehr hohe Ansprüche haben bzw. sich mit anderen zu messen versuchen oder gar übertrumpfen bzw. den Kindern "um jeden Preis was bieten will" und dadurch über den Verhältnissen leben die sie sich einrichten könnten ------> es MUSS der teure VW-Kombi für den Papa plus dem neuen Polo für die Gattin sein statt dem preiswerteren Japaner, es MUSS eine exklusive Wohnungseinrichtung sein und auch mindestens zwei Urlaubsreisen pro Jahr plus Skiurlaub sind heute auch oftmals Standart. Nicht zu vergessen Musik- und Sportunterricht, Markenkleidung die mit jedem Trend gewechselt wird, Handy für alle Kids, jeweils die neuesten Kreationen der Unterhaltungselektronik, ein anbezahltes, mit exklusiven Möbeln nach Trend bestücktes und allgemein gehoben ausgestattetes Haus statt der angemieteten Wohnung die eigentlich ausreichend wäre und jede Menge anderer Dinge, die Geld kosten. Das schröpft den Haushalt mehr.

Ich bin in einem solchen "Alleinverdienerhaushalt" aufgewachsen & es hat absolut problemlos und ohne Verzicht funktioniert. Allerdings war die Wohnung gemietet, wir fuhren den alten Mercedes 23 Jahre lang bis sich kein Rad mehr drehte und mein Opa freiwillig aufs Autofahren verzichtete, Urlaubsreisen waren kein großes Thema (und wenn, dann führten sie uns mit einer Ausnahme nach Bayern oder Österreich) und wir lebten in geordneten Verhältnissen. Ich hatte keine Spielkonsole, dafür ein einfaches Radio und mein Fernseher, den ich mit 14 bekam war ein geschenktes betagtes Nordmende Campinggerät mit schwarzweißem Bildschirm & Zimmerantenne für drei Programme und ich war total stolz drauf diesen Luxus zu haben -----> ich war zufrieden. Ich hatte ein Fahrrad und war ansonsten Fußgänger, als ich in der Lehrzeit den Führerschein machte habe ich mir einen alten Audi für 500 Euro gekauft. Hat alles vollkommen ausgereicht.

Wir waren nicht arm und führten kein Leben auf Sparflamme oder am Limit, allerdings lebten wir auch nicht über unsere Möglichkeiten hinaus. Und das ist heute ein zusätzliches Thema. 

Ein anderes Thema ist, dass die Kinder damals früher in den Beruf gingen und sich dann selbst ein wenig beteiligen konnten bzw. manches subventionierten. Heute studieren sie oft und verdienen frühestens mit Mitte 20 eigenes Geld, leben bis dahin im Grunde auch auf Kosten der Eltern & das kann dann tatsächlich kein Alleinverdiener mehr stemmen.

Hoffe ich konnte helfen!

Ich stimme nicht den Antworten zu, dass die Ansprüche stark gestiegen sind.

Tatsächlich wurde es inzwischen statistisch bewiesen, dass vor allem die junge Generation nicht mehr die Reallöhne bekommen, die ihre Eltern bekommen haben.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der ein Teil der Bevölkerung mit Hartz IV aufstocken muss, weil das Geld eben nicht zum Leben reicht.

Früher konnte sich der einfache Arbeiter es leisten ein Eigenheim zu bauen. Heutzutage müssen Akedemiker hoffen, dass er/sie das Eigenheim finanzieren kann.

Miete, Lebensmittel, Strom, Benzin... alles was man für den tagtäglichen Bedarf benötigt ist stark angestiegen. Einem Anstieg, den übrigens die Löhne nicht mitgehalten haben.

Zudem hat sich die Lebensdauer von Anschaffungen reduziert. Meine Mutter hatte zig Jahre ihren Röhrenfernseher. Jetzt ist dieser über den Jordan gegangen und sie hat sich einen neuen Fernseher angeschafft. Diesem wurde bereits eine deutliche Lebensdauer prophezeit als der alte.

Lohnkosten wurden zu den Kosten, wo man am liebsten die Kostenschraube ansetzte. Firmen hätten gerne Mitarbeiter, die das Gehalt eines Ungelernten beziehen, aber mindestens 10 Jahre Erfahrung haben. Was nicht berücksichtigt wird, ist, dass einem mögliche Konsumenten weniger Geld zum konsumieren bleibt.

Aber das ist auch nicht wichtig. Schließlich sind wir Exportweltmeister.

Aber auf lange Sicht gesehen wird es zum Problem werden.

Zu der Alleinverdiener-Thematik möchte ich noch sagen, dass derjenige, der seinen Beruf zu Gunsten des Partners aufgibt ein großes Risiko eingeht und sich in finanzielle Abhängigkeit begibt. Es wird dann schwierig werden sich scheiden zu lassen, wenn man beispielsweise betrogen wird. Denn nach der Scheidung wird es schwierig einen Job zu finden, bei dem man genug verdienen könnte, dass man davon leben könnte. Der Expartner wird dann aber sagen, dass er/sie nicht Unterhalt zahlen will, weil man ja selber arbeiten gehen könnte.

Mal abgesehen davon, dass es Menschen gibt, die einfach gerne arbeiten, unabhängig von deren Geschlecht.

Die Diskussionen, die diese Menschen dann mit Menschen haben, die die klassische Rollenverteilung als das einzig Wahre sehen, wird dann eben leicht umgangen mit der Aussage, dass andernfalls nicht das Geld reicht.

Es stimmt einfach nicht, was Du hier zum Thema Preissteigerungen schreibst. Benzin, Lebensmittel, Strom...das sind alles Güter, die im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen eher billiger geworden sind. So musste ein Arbeiter Anfang der 50er Jahre rd. 50 Pfennig für einen Liter Sprit ausgeben, bei einem Stundenlohn von rd. 2 DM. 

http://www.was-war-wann.de/historische_werte/benzinpreise.html

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@CamelWolf

Hast du dir deinen eigenen Link eigentlich mal selber durchgelesen? Oder Gedanken gemacht welche Jahrgänge die traditionelle Rollenteilung leben/gelebt haben?

In den
60er und
70er
Jahren änderte sich die Arbeitsmarktsituation
positiv – und mit ihr
auch die Stundenlöhne. Daher
wurde Sprit „erschwinglicher“ und das Auto zog immer
mehr in die Gestaltung des Alltags ein. In dieser
Zeit schwankte der Benzinpreis stets zwischen 30 bis
35 Cent pro Liter.

Bis 1977 musste die Frau lt. deutscher Gesetzgebung die Erlaubnis ihres Mannes einholen, wenn sie arbeiten wollte. Somit ist davon auszugehen, dass das Umbruchdenken mit berufstätigen Frauen sich erst ab den 80ern Jahren eingependelt hat und das auch erst langsam. Der Link von dir beschreibt übrigens sehr schön, dass der Spritpreis seit den 90ern kontinuierlich steigt.

Und nun haben wir auf der anderen, zusätzlichen Seite den Verbrauch. Wenn man früher schon lange zur Arbeit gefahren ist, wenn man eine halbe Stunde gefahren ist, war das lang. Heute ist eine Stunde einfach nichts mehr besonderes. Zumindest hier auf dem Land braucht aber die Frau ebenfalls das Auto. Wie sonst soll sie einkaufen fahren, die Kinder zu ihren Aktivitäten fahren, zum Arzt fahren und und und? Wenn viele hier das zweite Auto als Luxus beschreiben, kann ich darüber nur verständnislos den Kopf schütteln. Denn hier ist das Auto das einzige Transportmittel, das einen von  A nach B bringt.

Von den anderen gestiegenen Kosten in puncto Auto möchte ich erst einmal gar nichts sagen.

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Dem möchte ich nicht zustimmen....

"Früher" ist man auch nicht selbstverständlich in den Urlaub geflogen, man hat sich mit einfacheren Wohnungen zufrieden gegeben, man musste kein teures Auto haben....

Das einige "Alleinverdiener" nicht mehr über die Runden kommen, liegt zum großen Teil an den Lebensgewohnheiten.

Als ich Kind war und mein Vater als Alleinverdiener eine Umschulung gemacht hat, da musste die ganze Familie sparen und wir hatten als 5-köpfige Familie gerade mal einen Fiat 500.

Viele Familien konnten sich zu der Zeit gar kein Auto leisten.

Mein Vater hat gearbeitet und nebenbei eine Umschulung / Weiterbildung gemacht um später dann auch einen entsprechenden Lohn zu verdienen um für die Familie gut sorgen zu können.

Ich habe mich neben Job auch immer versucht weiterzubilden und habe daher jetzt auch ein sehr gutes Einkommen.

Diese Möglichkeiten hat nahezu jeder, aber es ist kaum jemand dazu bereit. Es ist ja auch viel einfacher Abends mit der Flasche Bier auf der Couch zu sitzen, Pay TV zu schauen und über die etwas besser verdienenden herzuziehen.

"Diese Möglichkeiten hat nahezu jeder, aber es ist kaum jemand dazu
bereit. Es ist ja auch viel einfacher Abends mit der Flasche Bier auf
der Couch zu sitzen, Pay TV zu schauen und über die etwas besser
verdienenden herzuziehen."

Kann ich bestätigen. In unserer Firma haben wir große Nachwuchsprobleme. Die Jungen Leute sind kaum in der Lage morgens pünktlich zu erscheinen. X Nächte werden durchgezockt, da bleibt kein Raum für Weiterbildung usw. Von den 5 Azubis, die in den letzten 3 Jahren eingestellt wurden, ist nur noch einer übrig. Die anderen waren nicht in der Lage auch nur eine einfache Ausbildung (für die ein Hauptschulabschluss reicht) durchzuziehen. Aber Hauptsache die Playstation läuft. :-(

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@Mietzie

Ich habe kürzlich mit 50 Jahren noch einmal eine neue berufliche Herausforderung gesucht. Erst hatte ich bedenken, überhaupt noch was zu finden....

Letztendlich stellte sich raus, dass die Arbeitgeber froh waren über meine Bewerbung....

Nur anhand meines Lebenslaufs und meine verschiedenen "Stationen" haben die erkannt, das ist einer der WILL.

Ich arbeite seit zig Jahren auf Auslandsmontage, bin oftmals viele Wochen oder Monate unterwegs....  Dazu ist kaum noch jemand bereit. Gerade der kompetente Nachwuchs fehlt, wie du es ja auch geschildert hast.

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Also bei vielen Akademikern war das früher so:

Der  Mann besuchte die Uni, während die Frau das Studium finanzierte indem sie arbeiten ging.
Dann war der Mann fertig, die Frau schwanger und von da an finanzierte er die Familie.
Er durfte seiner Frau auch verbieten zu arbeiten.
Er musste nämlich den Arbeitsvertrag mitunterschreiben.
Ansonsten war er ungültig.

Ob und welche Arbeiten die Frau verrichten konnte bestimmten die Eltern.
Denn die erlaubten ihrer Tochter entweder eine Ausbildung oder bestimmten welche Ausbildung für sie in Frage kam oder schickten sie lediglich auf die Hauswirtschaftsschule.
Eine Frau, die eine Ausbildung hatte, konnte von daher andere Arbeiten bekommen als Anlerntätigkeiten.
Und diese Frauen gab es auch.

Zudem arbeiteten sehr viele Frauen im Büro der Firma ihres Mannes unentgeltlich mit.
Oder in seinem Landwirtschaftlichen Betrieb.
Der Mann sparte dadurch eine bezahlte Stelle ein.
Das würde heute auch keine Frau mehr machen.
Sie würde am Ende keine Rente bekommen. Tragisch.

Dadurch, dass nicht alle Kinder so einen Kindergarten besuchten, fielen diese Kosten weg.
Die Frauen werden und wurden für die Kinderbetreuung ja auch nicht bezahlt.

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